Moby-Dick™

Leben mit Herman Melville

Oktobergewinnspiel: Hau den Schätzing!

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Update zu Frank Schirrmacher beschimpfen, und Kapitän Ahab dann auch gleich
und Hört ihr vielleicht mal auf, mich Ranickel zu heißen?:

Jeder Jeck ist anders, und in Köln sind Toleranz und Ignoranz Geschwister.

Frank Schätzing: Keine Angst, 1. Auflage 1997, Seite 15

Frank Schätzing mag Fische.Einige meiner besten Freunde heißen Frank. Gar nicht wahr. Leute, die Frank heißen, haben alle einen an der Waffel. Sieht man ja schon daran, dass die Titanic jahrelang Frank Schirrmacher beschimpfen ließ, und wer eignete sich wohl besser für Verunglimpfungen als Frank Schätzing.

Schauen Sie mal auf das Portal für preisbewusste Kulturrezipienten Buchticket: Wer Tintenblut gelesen hat, kriegt dafür drei Tickets, für Harry Potter immer noch eins. Schätzings kriegt man im Dutzend für ein halbes. Stellen Sie lieber Ihre olivenölfleckigen Bach-Blütenfibeln rein, da werden Sie reich.

Frank Schätzing hat eine Werbeagentur gegründet und sie jahrelang als Creative Director geleitet. Danach Novellen und haha, Satiren, ein paar Krimis, die in Köln spielen und unter führenden Narren Erfolg genießen, ein Fachbuch über das unbekannte Universum der Meere, und dann der Überhammer vom Schwarm, der ihn qualifizierte, die besten Entenhausener Berichte, in denen Wasser vorkommt, herauszugeben, um darin Wissenschaftsthriller, in denen ebenfalls Wasser vorkommt, in ein vorteilhaftes Licht zu rücken.

Nebenher ist er Musiker, ja Musikproduzent, spricht alle Sprachen außer einigen irrelevanten Negerdialekten (aus Prinzip) verhandlungssicher und hat sämtliche Elvisplatten. Die Bildhauerei hat er entnervt drangegeben, weil es in Deutschland nicht möglich scheint, den richtigen toscanischen Marmor in erforderlichem Umfang in time zu liefern. In seiner Freizeit taucht er (ausgebildet, Apnoe und Tiefsee) und unterhält eine kleine, aber feine Segelyacht mit ein paar bescheidenen Thailänderinnen drauf, Knaben auf Anfrage. “Es ist gerade diese Vielfalt, die Spaß macht. Sicher werden sich die Schwerpunkte verlagern. Im Tagesgeschäft der Agentur kürzer treten, dafür mehr übergreifende Kreativkonzepte und Strategien für Unternehmen entwickeln, sofern mich die Aufgabe reizt. Auf alle Fälle weiter komponieren und produzieren. Schreiben, Musik, Performance, ruhig auch mal einen Film drehen. Je mehr kreative Register man ziehen kann, desto spannender das Resultat.” (Frank Schätzing: Von schwärmenden Teufeln bei Nicole Rensmann, März 2004.)

Der gutaussehende, junggebliebene Fünfziger mit der praktischerweise stets adrett vorpolierten Fassade geht nie auf die Toilette, außer zum Dukatenscheißen. Im Bett ist er eine Granatenfabrik, weil er die beste Frau der Welt erwischt hat, und in der Küche, das versteht sich doch von selbst, “begeisterter Hobbykoch”. Hätte er Freunde, würde er ihnen seine berüchtigte Pilzsuppe Agatha Christie servieren.

So einer, der sich auf seiner Website (mit .com-Extension, was denn sonst!) einzig über den Besitz eines MacBook Pro definiert, trägt sicher auch aus Überzeugung Barbourjacken. Mit der opernmäßigen Vertonung seiner Bücher hat er schon angefangen. Ein lohnendes Sujet, wird er sagen. Gerade die wissenschaftliche Fundierung seines unbekannten Universums verlange allerdings eher nach der Verarbeitung in einem großen Gobelin. Der Platz für den Kontoauszug mit der Überweisung von der Schwedischen Akademie ist schon freigeräumt (Schrankwand Eiche massiv, Maßanfertigung).

Oder was erwarten Sie aus dem Munde eines Herrenschmuckträgers, der sich aktiv entschieden hat, in der Öffentlichkeit mit einem Klobrillenbart aufzutreten?

Das ist also aus den Strebern geworden, die schon immer genug Kohle hatten, Ihnen vor ein paar Jahrzehnten in jeder Großen Pause die Vanillemilch in die Haare zu spritzen: Gewinner. Niemand konnte sich gegen sie wehren, denn sie standen unter dem Schutz des Mathe- und des Englischlehrers. Wenn man ihnen doch mal eine einschenkte, lernte man ihre Eltern kennen. Jedenfalls ihre Telefonstimme: sonor, befehlsgewohnt, die Fortsetzung des preußischen Landjunkertums mit gar nicht mal so anderen Mitteln. — Zurückhauen? Da könnte sich ja jeder dahergelaufene gleichmacherische Bürgersknecht erdreisten.

Genau das dürfen Sie jetzt. Verunglimpfen Sie Frank Schätzing in Wort und Bild und treiben Sie Stellen auf, an denen andere den Job schon getan haben! Weisen Sie seine Vergangenheit in verfassungszersetzenden Wehrsportgruppen und seine Gegenwart bei Scientology und dem ADC nach! Stellen Sie ihn mit Reiter-SS-Gamaschen und rosa Tütü dar! Reden Sie sich darauf hinaus, dass doch alles nur Satire und ironisch ist! Und gewinnen Sie ein zu Recht aussortiertes Büchereiexemplar von Der Schwarm. Hardcover, da lass ich mich nicht lumpen!

Aber seien Sie nicht so streng mit ihm, der arme Wurstel wurde als Kind schon genug von seinem Vater gezwiebelt, dass er bloß niemals in irgendwas der Zweite sein darf, und früh im Leben mit Neid konfrontiert. Bis 31. Oktober, um Halloweenmitternacht (dann wieder MEZ) bitte.

Frank Schätzing, gutaussehender Fünfziger

Bilder: Thomas Rabsch: Das Meer ist der Spiegel der Seele, Stern 09/2006;
Wikimedia Commons (modifiziert).

Soundtrack: Mac Davis: It’s Hard to Be Humble, in The Muppet Show 110 vom 8. März 1981.

Rechtsgrundlage: Entsprechend Lit-eX, dem Literaturmagazin für Verrisse aller Art: “Sofern rechtliche Streitfragen welcher Art und aus welchem Grund auch immer auftreten sollten (z. B. Meinungsdifferenzen schwerwiegender Form, Mutmaßung persönlicher Beleidigung, wettbewerbsrechtliche oder ähnliche Probleme) bitte ich im Sinne einer Verhältnismäßigkeit der Mittel, zuerst schriftlichen oder mündlichen Kontakt mit mir aufzunehmen, damit unnötige Rechtsstreite vermieden und Kosten gespart werden können. Eine mit Kosten verbundene anwaltliche Abmahnung ohne ein vorhergehendes klärendes Gespräch mit mir werde ich als unbegründet zurückweisen. Die Verhältnismäßigkeit der Mittel zum Zweck einer Schadenminderung betrachte ich als grundsätzliche Pflicht vor jeder rechtlichen Auseinandersetzung.” — Danke, Herr Schätzing. Schön, dass Sie beim Ego-Googeln mal vorbeigeschaut haben.

Written by Wolf

22. October 2008 at 2:15 am

Posted in Mundschenk Wolf

22 Responses

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  1. Mir fielen schon Dinge ein.
    Aber als Preis den Schwarm in gebundener Form?

    Nene, Herr Wolf, nene. Ohne mich. Damit locken Sie mich hinter gar nichts hervor.

    Damals, ja damals waren sie noch wirklich spendabel. Da lohnte sich ein Mitmachen noch. Aber so ist das mit der Bankenkrise: sogar (auch?) für die Gewinne fehlt das Geld. Ein Band vom Schätzing… – pfft.

    wortteufel

    22. October 2008 at 8:52 am

  2. Die mare-Hefte waren effektiv billiger als der Schätzingband, außerdem kostet mich das dreineunzich Päckchenporto, weil’s mit seinen über tausend Gramm nicht als Büchersendung durchgeht — aber das nehm ich mal als teuflisch hintertriebene Verunglimpfung in die Wertung auf.

    Wolf

    22. October 2008 at 9:11 am

  3. Das ist aber ganz schön böse – dass man den Schätzing auch dann gewinnen kann, wenn man klar “Ohne mich.” sagt. Das hat keiner verdient. Mein Schätzing war zum Glück eine Lese-Exemplar – das hab’ ich nach “Gebrauch” wieder leise pfeifend ins Regal der Buchhandlung zurück gestellt. Da ist’s dann irgendwann vermodert…
    Aber eine Beschimpfung fällt mir trotzdem ein:
    “I can’t, however, say the same for THE SWARM, which has been the worst book I’ve laid eyes on all year. *shudders*”, siehe hier

    Jessebird

    22. October 2008 at 8:03 pm

  4. Und das hat er sogar noch ausgewalzt: “I spent a very frustrating few hours on the airplane yesterday. The service was good and the flight was uneventful, but the reading I’d saddled myself with the day before was horrible.”

    So geht das weiter, und so geht das. Übrigens mit vernünftig durchdachten Begründungen (“The facts should be there to assist the story not to handicap it”!).

    Wird er sich aber freun, der BiblioAddict, wenn er aus dem Nichts eine verwanzte deutsche Ausgabe von The Swarm kriegt…

    Wolf

    22. October 2008 at 9:14 pm

  5. Also i c h weiß ja auch nicht, wie ich das jetzt verstehen sollen soll: wer sich beteiligt, gewinnt ZUR STRAFE den “Schwarm”? Tsss, ich hab schon einen, Taschenbuch, geschenktverehrt. Und verleihe ihn immer wieder voller Hoffnung, doch hartnäckig – und im Gegentum zu ganz anderen mir am Herzen liegenden Schätzchen n i c h t vom Schätzing – kommt das Biest aus der Tiefe immer wieder zu mir zurück. ;o(

    Ich zitiere drum mit sehr seeehr zwiespältigen Gefühlen (dafür in gewohnter epischer Breite) aus meinem ersten Beschimpfungsfundstück:

    “…nicht nur in den seichten Gewässern der erzählten Geschichte. Auch im Plot, in der Figurenzeichnung, in der Darstellung der Geschlechterverhältnisse und nicht zuletzt im Stil, der nicht immer das sprachliche Niveau eines Groschenromans zu überschreiten vermag, krümmt sich der Wurm, so dass einem gelegentlich weniger vor der Katastrophe graut als vor der Formulierung, mit der sie angekündigt wird: “Es tat einen fürchterlichen Schlag.”
    Auch verfügt der Autor offenbar nur über eine einzige Erzählstimme, die er dafür aber umso großzügiger all seinen Figuren leiht, die sich… allesamt der gleichen schnoddrigen, bisweilen vulgären Ausdrucksweise pubertierender Jungs bedienen. Der Versuch, einmal aus dieser Eintönigkeit auszubrechen und einer Figur eine eigene Stimme zu verleihen, lässt diese zur Karikatur erstarren, die Vulgaritäten und Obszönitäten aneinander reiht.”

    Na, ist da der Wurm drin oder ist da der Wurm drin? ;o)

    Yeahh, und ich hab noch eins! Einen Schnappschuss auf der Leipziger Buchmesse von vor zwei Jahren, der den Schwärmling an seinen Füßen entlarvt, als Mogel-Öko nämlich. – Oder darf ein buchverformter Umweltretter etwa anfuß jurassischer Krokoschuhe darauf verweisen, dass Alligatorenschwärme es aus ihren Mangroven-Slums nun mal nicht bis ins Meer geschafft haben und sich gefälligst selber retten sollen??

    hochhaushex

    22. October 2008 at 10:10 pm

  6. Was hast du von dem erwartet? Stöfferne Chucks aus seinem Abijahr? .ò)

    Die Schätzingbashing-Datei wächst schon. Weiter feste!

    Wolf

    22. October 2008 at 10:20 pm

  7. Was mag Herr Schätzing denn hier in sein kleines schwarzes Büchlein geschrieben haben? Vielleicht “Wal: groooß”?

    Und: “der BiblioAddict” ist eine Sie. Ist ja aber im Englischen nicht so leicht zu erkennen…

    Jessebird

    23. October 2008 at 7:30 pm

  8. Ich kenn ja Herrn Schätzing kein winziges Bisschen, aber ich dachte immer, dass die Starken die Streber vermöbelten. Oder ist das nur bei den Simpsons der Fall?

    BillyBudd

    23. October 2008 at 9:07 pm

  9. Na klar, dass Herr Schätzing das echte Moleskine benutzt; genieren muss man sich, dass man selber so was hat… Der sexuell aktive Bestseller-Autor (WDR) freut sich auf dem ARD-Bülde vermutlich über das Walskelett, nachdem er die Sitze der Barhocker auf seiner Yacht frisch mit Walpenishaut bezogen hat.

    Und in dem Manne vereinen sich natürlich in idealer Weise Stärke und Strebertum im selben Luxusbody.

    Wolf

    23. October 2008 at 9:37 pm

  10. Ich habe gerade das Gefühl etwas sehr wesentliches verpasst zu haben, weil ich von Anfang an einen großen Bogen um alle seine Werke gemacht habe…

    Aoife

    25. October 2008 at 3:08 pm

  11. Noch etwas beherzter bashen, dann kriegst du eins geschickt.

    Wolf

    25. October 2008 at 3:18 pm

  12. Ich glaube das was ich bisher über Schwarm & Co gehört habe wird mich daran hindern auch nur die kleinste Anstrengung zu unternehmen um so ein Exemplar zu bekommen.

    Aoife

    26. October 2008 at 10:01 am

  13. Irgendwie war meine Auswahl des Preises das blanke hysteron proteron…

    Wolf

    26. October 2008 at 10:56 am

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  15. […] witzige & praktische Alternative zum allgegenwärtigen Kultobjekt Moleskine. (Das hat ja sogar Frank Schätzing!) In UB-Gelb, mit “original […]

  16. […] a comment » Update zu Hau den Schätzing und Lass den Schätzing in […]

  17. Schade, dass ich erst jetzt diesen grossartigen Wettbewerb gefunden habe. Denn ich hätte hier einen schönen Link:

    http://derschwarm.myblog.de/

    Ich habe mal angefangen vor bald vier Jahren Franks epochales Meisterwerk “der Schwarm” zu lesen (also das epochale Meisterwerk noch vor dem wirklich epochalen Meisterwerk “Limit”). Auf alle Fälle war ich ob Frankes literarischen Qualitäten, seinen ausgefeilten Figuren so tief inspiriert, dass ich anfing schöne Zeichnungen in dem Frank sein Buch zu machen. Mit im Boot hatte ich noch eine liebe Freundin, die auch eine Zeichnung mit beisteuerte. Entstanden ist dann dieser kleine Blog, der leider nicht vollständig ist. Denn es fehlen zum Beispiel noch eine Reihe “Bemerkenswerte Figuren des Buches”.

    Leider habe ich das Buch verliehen. Und ich müsste es vielleicht irgendwann mal wieder zurückholen.

    Mit freundlichem Grusse,

    Sara

    Sara

    25. November 2009 at 9:59 pm

  18. Wer hätte gedacht, dass aus dem Buche noch so ein Blog erwachsen könnte… Das wär allerdings eine enge Preisauswahl geworden. Da guck ich nochmal ausführlich!

    Wolf

    26. November 2009 at 12:56 am

  19. ….bitte, ich möchte das Buch, Hardcover am besten, – noch besser ein ganzer Stoß, eine ganze Kiste!…mein Kachelofen braucht Futter…

    Rudolf Arnold

    21. December 2009 at 10:42 pm

  20. Die Chancen stehen gut, dass ich eine Parallelaktion für “Limit” ausrufe. Wenn’s meine Bücherei aussortiert hat, kann ja nicht lange dauern.

    Wolf

    21. December 2009 at 11:00 pm

  21. […] Frank Schätzing: Der Schwarm (großmächtiges Hardcover, da werd ich mit dem Porto ganz schön draufzahlen, weil das nicht als Büchersendung, sondern als Paket durchgeht, aber das loszuwerden ist es mir wert); […]

  22. […] Weblog-Empfehlung: Sara Otterstätter, 25. November 2009. […]


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