Moby-Dick™

Leben mit Herman Melville

Happy Christmas your arse, I pray God it’s our last (and the bells were ringing out for Christmas day)

with one comment

Update zu Das heldische Leiden an der Welt:

I went out playing the afternoon around the block got lost, so busy telling all the other kids a fairy tale of New York. That my real father was a tycoon and my mother a princess…

James Patrick Donleavy: A Fairytale of New York, 1973

‘Round yon virgin mother and Child,
Holy infant so tender and mild,
Sleep in heavenly peace,
Sleep in heavenly peace.

Wann immer jemand außerhalb der Weihnachtszeit — was immer noch zwischen erstem Advent und Mariä Lichtmess bedeutet — ein Weihnachtslied singt, stirbt ein Mitglied seiner Familie, wie man von Herbert Rosendorfer weiß.

Nachdem mein pausenloser Versuch gescheitert ist, meine Familie auszurotten, indem mich seit 1987 ganzjährig A Fairytale of New York aus der If I Should Fall From Grace With God begleitet, stehe ich selbst unter Lebensgefahr: An dem Lied entwaffnet mich immer noch und immer wieder die Manier, Weihnachten anhand wüster Beschimpfungen als Wechselgesang zu feiern, das erinnert mich an meine Kindheit — und The Ghosts of Oxford Street ist ein weitgehend verschollener Film. Wer kann so leben?

Das Lied heißt nach dem gleichnamigen Roman von James Patrick Donleavy von 1973, der wiederum nach dessen eigenem Theaterstück von 1961 heißt. Die Melodie ist von Marcia Farquhar inspiriert und musste ein paar Jahre auf kleiner Flamme köcheln, bis Shane MacGowan aus ihr machen konnte, was sie ist. So durchschaubar, so gut.

Der Film jedoch stammt erst von 1991, das ist praktisch vorgestern. Der Regisseur Malcolm McLaren hatte die Finger in den Soundtracks zum zweiten Kill Bill und der Coppolaschen Marie Antoinette, was verdienstreich scheint, aber nicht für den obermegaschimpansentittenspitzengeilen Ruhm reicht. Aber schaut doch den Soundtrack zur Oxford Street mal an!

Belegt sind genau zwei Ausschnitte: einer mit dem o.a. Fairytale of New York — wie es sich gehört, vom einzig wahren und echten, schon zahnlos geborenen Shane MacGowan von den Pogues –, einer mit Stille Nacht — von Sinéad O’Connor.

Das ist als Besetzung für eine britische Fernsehproduktion über windige 56 Minuten Hammers genug. Die Handlung bezieht sich, wie der Titel nahelegt, auf Charles Dickens, entsprechend ist der Film als viktorianischer Kostümschinken aufgemacht: ein Musical aus zweitverwendetem Musikmaterial über den 200. Geburtstag einer Londoner Einkaufsstraße. Es existiert weder auf Video noch DVD, nur den Soundtrack gibt’s — mit dem Regisseur, den Pogues in Variationen, Charles Brown und, irgendwas ist ja immer, Tom Jones.

Dabei hätten wir in dem Film die einmalige Gelegenheit, Kirsty MacColl, MacGowans Duettpartnerin, in ihrer einzigen anständigen Filmrolle zu erleben. Sie war noch in drei Folgen French and Saunders, ansonsten Musikerin. Sie verfügte über eine ganz unwahrscheinliche Nashville-Röhre und eine Bühnenangst, die sie auch als anerkannte Singer-Songwriterin nie so richtig überwand.

Heute vor acht Jahren, am 18. Dezember 2000, riss sie ihren Sohn beim Baden in gefährlichem Gewässer vor Cozumel bei Mexiko aus der Fahrbahn eines Motorboots und rettete ihm unter Einsatz ihres eigenen das Leben. An den Verletzungen, die sie sich dabei zuzog, starb sie mit ihren zarten 41. Als Mutter soll sie wirklich hingebungsvoll gewesen sein.

Der steuernde Matrose zahlte den Schnäppchenpreis von 1034 Pesos für fahrlässige Tötung.

Das Verfahren schwebt.

Am südlichen Eingang zum Londoner Soho Square steht eine Parkbank zu ihren Ehren, wegen An empty bench in Soho Square/If you’d have come you’d have found me there. Hätten sie mal lieber eine DVD von Oxford Street gemacht.

Shane MacGowan behilft sich bei seinen verbleibenden Live-Aufführungen mit Katie Melua.

Weihnachtslieder außerhalb Weihnachten und Badeurlaub außerhalb der Sommerferien, das geht nicht gut.

Das Musikmaterial:

Written by Wolf

18. December 2008 at 12:01 am

Posted in Moses Wolf

One Response

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