Moby-Dick™

Leben mit Herman Melville

Februargewinnspiel: Drei Leben and still counting

with 14 comments

Update zu Der alte Mann und der Miez:

Katzencontent reloaded und tolle Preise!

Oscar, Unsinkable Sam

Zu den wichtigsten hands auf einem Schiff gehören die paws: Zumindest über die anglophonen Marinen weiß man, dass sie Schiffskatzen nicht nur halten, sondern sie mit Dienstgraden und besseren Sozialleistungen und aufrichtigerem Respekt als unsereinen ausstatten. Unsinkable Sam oder Oscar hieß der Schiffskater gleich dreier Schiffe der Kriegsmarine und der Royal Navy während des Zweiten Weltkrieges. Negativ gesehen brachte er allen dreien kein Glück, positiv gesehen hatte er zumindest diese drei Leben.

Der schwarz-weiß gefleckte Kater war ursprünglich im Besitz eines unbekannten Besatzungsmitglieds der Bismarck. So war er am 18. Mai 1941 dabei, als sie zu ihrem ersten und letzten Einsatz Unternehmen Rheinübung ausfuhr. Die Bismarck wurde nach schwerem Seegefecht am 27. Mai versenkt, bei dem nur 115 von über 2200 Mann überlebten — und der Kater. Stunden später wurde Oscar auf einer Planke treibend aus dem Wasser gefischt. Er war der einzige Überlebende, der vom Zerstörer HMS Cossack (F03) auf dem Heimweg nach Großbritannien aufgegriffen wurde. In Unkenntnis seines Namens und Dienstgrades auf der Bismarck rief man ihn Oscar.

Dort diente er die nächsten Monate auf Einsätzen in Mittelmeer und Nordatlantik, bis die Cossack am 24. Oktober 1941 von einem deutschen Torpedo schwer getroffen und am 26. aufgegeben wurde. Im Gegensatz zu 159 Besatzungsmitgliedern überlebte Oscar und wurde zur Niederlassung in Gibraltar verbracht.

Das trug ihm schon den Kampfnamen Unsinkable Sam ein. Sein nächstes Schiff war der Flugzeugträger HMS Ark Royal (91), der an der Versenkung seines ersten, der Bismarck, beteiligt war. Bis dahin galt die Ark Royal als ausgesprochen glückhaftes Schiff, das trotz mehrerer Treffer immer wieder repariert werden konnte, und kaum kam Oscar, erlag sie am 14. November 1941 gerade mal 30 Seemeilen vor Gibraltar einem Treffer. Immerhin sank sie sehr langsam, so dass alle Mann außer einem gerettet wurden. Das Logbuch der rettenden Schiffe HMS Lightning und HMS Legion, die auch schon der Cossack beigestanden hatten, beschreibt Oscar, wie er erneut auf einer Planke trieb, als “zornig, aber wohlbehalten”. Die Legion sank 1942, die Lightning 1943.

Das besiegelte Oscars Ruf als Unglücksbringer, woraufhin er nicht mehr auf Schiffen zugelassen war. Erst verdingte ihn der Hafenkapitän von Gibraltar als Mäusefänger, danach wurde er in einem Seemannsheim in Belfast gesichtet. 1955 verlieren sich die Zeugnisse über ihn. Das ist 16 Jahre nach seinem ersten Zeugnis. Selbst wenn man unterstellt, dass er schon die Bismarck noch als Welpe verließ, sind das gesegnete drei von sieben Katzenleben.

Natürlich alles gar nicht wahr. Urbane Legende, Spinne in der Yuccapalme, Seemannsgarn. Oder warum sonst erinnerte sich schon niemand auf dem ersten Schiff, der Bismarck — nicht einmal die Ordonnanz — an eine Katze? Warum ist sie auf keiner der zahlreichen erhaltenen Photographien von der Bismarck dokumentiert? Wie hätte ein Tier von der Größe einer Katze ein Rettungsschiff erreichen sollen, dazu noch die typischerweise besonders hohen Wände solcher Typen erklimmen? Die menschlichen Geborgenen mussten sich ölverschmiert bei schwerer See anseilen, und haben Sie mal zugeschaut, wie sich eine durchnässte Katze anstellt? Es ist unwahrscheinlich, dass einer der Männer eine glitschige, strampelnde Katze da zu seinem nackten Leben mit hianufnehmen wollte oder auch nur konnte. Für eine spätere Rettung hätte sie kaum lange genug überlebt. Im Falle der Ark Royal, die sehr langsam unterging, musste niemand aus dem Wrack gerettet werden, die Mannschaft konnte aus eigener Kraft das Schiff verlassen. Warum also sollte eine Katze ins Wasser gesprungen sein, statt sich an Bord zu verstecken?

Und schließlich gibt es zwei verschiedene Darstellungen von Oscar/Unsinkable Sam: die eine da oben mit einer gestreiften (Tabby) und ein Gemälde von Georgina Shaw-Baker: Oscar, the Bismarck’s Cat, im National Maritime Museum Greenwich, das eine Katze im “Smoking” zeigt. Es können nicht beide richtig sein, wohl aber beide falsch. Trau einem Miez.

Das Tabby-Bild war aufzutreiben, nicht aber das mit der Smoking-Katze. Ihre Aufgabe im Februar:
Beschaffen Sie es!

Es kann leicht sein, dass ich mich bei der Recherche nur dusslig angestellt hab. Genausogut kann sein, dass Sie mit dem National Maritime Museum telefonieren müssen und fragen, ob sie Ihnen vielleicht die fragliche Postkarte aus dem Museumsshop schicken. Tun Sie es. Das soll mir wert sein:

  • 1 CD mit 26 Liedern von The Muffs (privater Brand wie gehabt und jetzt schon nicht mehr in dieser Form rekonstruierbar);
  • 1 CD von Carson Sage and the Black Riders (heute What about Carson wie vorgestellt, private Brände):
    • Final Kitchen Blowout (1993);
    • Walk With an Erection (5-song-EP 1993); oder
    • Great Music in Stereo (1995);
  • 1 Kopie Herman Melville: The Lightning-Rod Man auf Deutsch in der Übersetzung von Richard Mummendey, ca. 10 Seiten. Sehr selten und stark nachgefragt; oder
  • 1 Erlaubnis für einen Gastbeitrag auf Moby-Dick™ über was Sie wollen außer Porno und Verherrlichung von Frank Schätzing.

Einsendeschluss für Ihre Bilddatei ist, sagen wir, der 1. März um Mitternacht.

[Edit:] Drei Stunden nach Stellung der Aufgabe war sie gelöst: Elke darf sich einen von ungefähr sechs tollen Preisen aussuchen. Eine weitere Stunde später hat Jürgen noch einen draufgesetzt und Elkes aufgefundenes Bildmaterial über Unsinkable Sam a.k.a. Oscar mit Georgina Shaw Bakers Pastell vervollständigt. Gewonnen haben beide, wir sind hier nicht beim Jauch. Glückwunsch![/Edit]

Unsinkable Sam aka Oscar. Battleship Bismarck. The Legend Lives   Georgina Shaw Baker, Oscar, the Bismarck's Cat. Creature Comforts on the Oceans

Bild: Purr’n’Fur: Cats in Wartime: Ship’s Cats;
Battleship Bismarck: The Legend Lives;
Georgina Shaw Baker: Oscar, the Bismarck’s Cat via Creature Comforts on the Oceans: National Maritime Museum, Greenwich;
Aufmerksamkeit: Vroni.

Soundtrack: Camille: Cats and dogs are not our friends, they just pretend, aus: Music Hole, 2008 (Fanvideo).

Written by Wolf

2. February 2009 at 4:39 am

Posted in Rabe Wolf

14 Responses

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  1. Das sollte es doch sein, oder? Sehr klein, sehr dunkel, aber im Smoking und laut Bildunterschrift das besagte Gemälde von Ms. Georgina Shaw-Baker:

    http://www.battleshipbismarck.info/cat_oscar.htm

    Notfalls ließe es sich ja noch bearbeiten. Oder bestehst du auf der Bilddatei? ;o) Weiter unten auf der Seite ist noch eine Oscar-Zeichnung – von oder via J. von Spee – auch im ‘Smoking’.

    Gefunden hab ichs über den da:

    http://www.optiboard.com/forums/showpost.php?p=176463&postcount=668

    Tolle Geschichte übrigens, ich kannte sie noch gar nicht. Muss wohl an dem kriegerischen Umfeld liegen. ;o)

    hochhaushex

    2. February 2009 at 7:37 am

  2. Haha! In Farbe & (relativ) guter Auflösung! Und ohne den Herrn in Uniform! Hier: http://www.nautilusuk.org/docimages/1651.pdf
    Ist leider ein PDF-Dokument, wenn man das Bild einzeln haben will, muss man ein bisschen basteln. Aber das war ja keine Bedingung, oder?

    Jessebird

    2. February 2009 at 8:38 am

  3. Das war ja scheinbar einfach. Hatte vermutet, die wiederkehrenden Gewinnspielpreise würden das ganze hinaus zögern. Congrats!

    BillyBudd

    2. February 2009 at 4:49 pm

  4. CDs für alle! (Nachdem sich Gastbeiträge erübrigen und ihr den Blitzableitermann von mir auch so haben könnt…)

    Die drawing of Oscar hab ich sogar irgendwo gefunden, aber nicht dran geglaubt, dass es das sein soll, weil das erstens kein Pastell und zweitens etwas parodistisch ist. An das bunte will ich jetzt mal glauben. Der Eintrag ist aktualisiert. Ob ich an eine Entsprechung des Motivs in der “Realität” glauben soll, überleg ich noch :o)

    Glückwunsch an Jürgen und Elke! Wünscht mal!

    Wolf

    2. February 2009 at 4:54 pm

  5. Also, weil’s ja sonst wieder und wieder ausgelobt werden würde, wünsche ich “The Muffs” – nee, nicht nur deshalb. Sondern auch, weil mich der Eintrag schon neugierig gemacht hat, damals. Ich nur bisher immer zu tranfunzelig war um bei irgendeinem Gewinnspiel zu gewinnen.
    Aber diesmal! DANKE! DANKE! DANKE!

    Jessebird

    2. February 2009 at 9:45 pm

  6. Der Mann hat Musikverstand :o) Ist in Arbeit.

    Wolf

    2. February 2009 at 10:42 pm

  7. Oh… also an etwelche Gewinnspielpreise hab ich erstmal gar nicht gedacht. Es war die blanke Neugier, die mich spontan ins Kramen getrieben hat. Yeah, altes… öhm, Walfängerleiden! (Und Streunerkatzentrauma.) ;)

    Hach, aber wenn man sich schon mal was wünschen darf… :)
    Die wilden Müffinnen hab ich ja jüngstens schon erspielt, so würd ich mich ja heftich über was von What about Carson oder wie die mal hießen freuen. Hmmm… was findest du denn von dero Wunschkonzert am schönsten, Wolf? – DAS möcht ich. :)

    Ach ja, und heißen Dank, Käpt’n Quizzmaster!

    hochhaushex

    2. February 2009 at 11:03 pm

  8. Dann fangen wir halt mal an mit der ersten, der Final Kitchen Blowout, wie wär’s? Da sind nämlich Garten Mother’s Lullabye und Sally Brown drauf, und nutzt den Speicherplatz besser als das Ding mit den fünf Liedchen (auch wenn da Red is the Rose dabei gewesen wär, aber mach was).

    Wolf

    3. February 2009 at 1:23 am

  9. […] Gewinnspiel, das einen Monat dauern soll und nach drei Stunden gelöst wird, so geht das ja wohl nicht, auch wenn der Februar gar so kurz ist. Machen wir einfach noch […]

  10. “The Muffs” sind postwendend hier angekommen, (verpackt übrigens in eine drei Monate alte “Süddeutsche” mit einem interessanten Artikel über eine Biographie Ettore Bugattis – ich wusste gar nicht, dass der Mann auch fahrbare Hühnerställe gebaut hat), und laufen seither rauf & runter bei den Fahrten zur Arbeit. Ich gestehe aber, dass ich immer wieder an ihrer Version von “Kids in America” hängenbleibe – das erinnert mich wieder und wieder an meine Jugend. Schööön…

    Jessebird

    13. February 2009 at 8:37 am

  11. Die Verpackung war eigentlich der Hauptpreis im Schafspelz .ò)

    Nach den “Kids in America” — das war ihr Klopfer in “Clueless”, oder? — kommen als Highlights noch By My Side, I’m Not Around und Funny Face (Walzertakt! und raus aus Youtube…), die haben toll hinterfotzige Melodieschlenker drin. Ein paar andere sind einfach Lärm; da ist Aggressionsabbau aufm Arbeitsweg vielleicht wirklich das, wozu die gut sind.

    Wolf

    13. February 2009 at 2:47 pm

  12. […] leave a comment » Update zu Von zum Beispiel den Walfischen und Mein harmlos Sonettlein von den Katzen und Walen (und Der alte Mann und der Miez und Drei Leben and still counting: […]

  13. […] for Three Lives and Still Counting: “What kind of music do you usually have here?” “Oh, we got both kinds. We got […]

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