Moby-Dick™

Leben mit Herman Melville

Februargewinnspiel 2: It means just what I choose it to mean

with 9 comments

Update zu The still unannotated Melville:

Ein Gewinnspiel, das einen Monat dauern soll und nach drei Stunden gelöst wird, so geht das ja wohl nicht, auch wenn der Februar gar so kurz ist. Machen wir einfach noch eins, euch helf ich.

Lewis Carroll, Alice Pleasance Liddell, The Beggar Maid, 1858 via skipofgorthDer Preis: The Complete Illustrated Lewis Carroll bei Wordsworth 1998, noch mit einem anderen Einband als heute auf Amazon, ein Bild steht unten. Wenige Bleistiftanmerkungen, auf dem Einband innen mein Name, der gravierendste Mangel ist eine Kerbe oben im Schnitt, etwa einen Millimeter tief. Ist aber sehr sauber eingeschnitten und beeinträchtigt weder beim Lesen noch beim Blättern — und rührt daher, dass ich diesen Backstein mal als Unterlage zum Sägen von Parkettrauhspunden hergenommen hab. Das Stück war mein Arbeitsexemplar aus dem Handapparat des Traditionsunternehmens discreet monsters, um dem Sinn anglophoner Redewendungen nachzuspüren; so wichtig wie der Shakespeare daneben. Sie erringen außer den beiden Bänden Alice mit den richtigen Illustrationen von John Tenniel die beiden Bände Sylvie and Bruno, The Hunting of the Snark, das lyrische Werk, die Stories, alle mathematischen Hirnklimmzüge und A Miscellany, alles auf 1170 Seiten, nach elf Jahren kaum gegilbt. Ich trenne mich davon, weil ich eine Ausgabe mit besser reproduzierten Bildern gefunden hab. Für Ihre Zwecke reicht’s, wetten?

Die Aufgabe: Meine Lieblingsstelle aus Alice in Wonderland — genauer: dem zweiten Band Through the Looking-Glass — war immer die mit Humpty Dumpty: Das unsympathisch selbstüberzeugte fette Ei erfindet buchstäblich von oben herab die Sprach- und Bewusstseinsphilosophie, jedenfalls die semantische Pragmatik darin, und Konstruktivismus, Intentionalismus, Semiotik, Agnostizismus und Eristik gleich mit. Alles in einem sechs- bis siebenschlägigen Dialogpingpong, für den der Punkt bei ihm bleibt. Wenn das mal keine Größe hat. Die Stelle geht:

John Tenniel, Humpty Dumpty and Alice“I don’t know what you mean by ‘glory,'” Alice said.

Humpty Dumpty smiled contemptuously. “Of course you don’t – till I tell you. I meant ‘there’s a nice knock-down argument for you!'”

“But ‘glory’ doesn’t mean ‘a nice knock-down argument,'” Alice objected.

“When I use a word,” Humpty Dumpty said in a rather a scornful tone, “it means just what I choose it to mean – neither more nor less.”

“The question is,” said Alice, “whether you can make words mean different things.”

“The question is,” said Humpty Dumpty, “which is to be master – that’s all.”

Alice was too much puzzled to say anything, so after a minute Humpty Dumpty began again.

“They’ve a temper, some of them – particularly verbs, they’re the proudest – adjectives you can do anything with, but not verbs – however, I can manage the whole lot! Impenetrability! That’s what I say!”

Und Sie sind aufgefordert, einen Dialog zu erfinden. Muss nicht lang sein, Sie haben ja gesehen, in welcher entwaffnenden Prägnanz Carroll die entscheidenden Disziplinen der Philosophie kinderfreundlich konstituieren konnte (und ist ja auch nur ein Februargewinnspiel). Ihre Version muss auch gar keine Jahrhunderte überdauern, sondern mich zum Grinsen bringen, und wie leicht ich zu erheitern und auch sonst zu beeindrucken bin, erleben Sie an dieser Stelle ebenfalls ständig.

Ihr Dialog soll sich zwischen Humpty Dumpty und einer weiteren Person Ihrer Wahl ereignen: der vorgefundenen Alice, deren Vorbild Alice Liddell, Ihnen selbst oder dem anderen großen käsegesichtigen Unsympathen der Weltliteratur: Moby Dick — the question is which is to be master — und irgendwie mit Philosphie zu tun haben. Honoriert wird Ihr Mut zur Brillanz, da ist mir dramaturgisch wurscht, wer den Dialog gewinnt.

Wenn ich sehr gut aufgelegt und Sie spürbar bemüht sind, werde ich in meiner grenzenlosen Generosität geneigt sein, als Trostpreis sogar noch Alice hinter den Spiegeln draufzulegen, ein schmuckes Insel-Bändchen in deutscher Übersetzung von Christian Enzensberger, featuring Humpty Dumpty und die Tenniel-Illus, weil ich’s übrig hab. Muss die Stadtbibse mal aufn Müll gestellt haben.

Einsendeschluss ist wieder Sonntag, 1. März um Mitternacht. Bitte in den Kommentar, oder wenn Sie schon vorher fertig sind und Ihr Produkt bis zum Stichtag geheim wissen wollen, weil die Konkurrenz nicht schläft, können Sie’s auch mailen.

Aufgerufen sind vor allem auch des gestaltenden Schreibens mächtige Menschen von außerhalb der P.E.Q.U.O.D.: Wir sind hier eine private im Unterschied zu einer kommerziellen, aber bei weitem keine geschlossene Gesellschaft!

The Complete Illustrated Lewis Carroll, Wordsworth 1998

Bilder: Lewis Carroll: The Beggar Maid featuring Alice Pleasance Liddell, 1858,
heute mal in der Wiedergabe von skipofgorth, 18. Mai 2008;
Alice mit Humpty Dumpty: John Tenniel für Through the Looking-Glass, 1871;
Alice vor den Spiegeln: selber gemacht.
Soundtrack: Aimee Mann: Humpty Dumpty aus: Lost in Space, 2004.

Written by Wolf

5. February 2009 at 5:17 am

Posted in Kommandobrücke

9 Responses

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  1. ich hab um mich lauter wiener, die hier an der theke sitzen, wie humpty dumpty auf der mauer, und der reihe nach supergescheite sprüche klopfen. ein wenig so, als würde humpty dumpty mit sich selbst sprechen… soll ich mitschreiben? ;-)

    stilke

    5. February 2009 at 3:54 pm

  2. Ei freilich sollst du. Humpty Dumpty auf verschiedene Körper aufgeteilt — couldn’t put Humpty together again —, mit sich selbst philosophierend, und dann noch in Wiener Schmäh — das Setting find ich gar nicht mal so unfruchtbar. Immer zu, Frau Wirtin :o)

    Wolf

    5. February 2009 at 6:02 pm

  3. […] kein großes philosphentennis. aber eine typische, pragmatische konversation zwischen arbeitgeber und arbeitnehmer zwei tage vor […]

  4. […] Februar 2009 von Jessebird Ganz außer Konkurrenz ein Beitrag zum Februar-Gewinnspiel No.2 auf Moby-Dick™… (Eine Idee, entstanden unter der Dusche – wo könnte man besser […]

  5. […] Ach ja: Noch bis 1. März: Februargewinnspiel! […]

  6. […] Noch bis 1. März: Februargewinnspiel! […]

    Medienschau « Moby-Dick™

    21. February 2009 at 3:12 pm

  7. […] bis 1. März: Februargewinnspiel! Possibly related posts: (automatically generated)Gastkommentar von Ralph Giordano: Nicht die […]

  8. Noch ‘n Runde Humpty Dumpty – außer Konkurrenz!

    Man weiß ja noch, was man dem Moby – und sich selber – schuldig ist.
    “Kein Wal soll hungern und frieren!” ;o))

    hochhaushex

    1. March 2009 at 3:20 pm

  9. […] leave a comment » Update und Abschluss des Februargewinnspiels: It means just what I choose it to mean: […]


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