Moby-Dick™

Leben mit Herman Melville

Lang ist die Eisenbahnfahrt, kurz ein Leben

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Update zu Denn das Herz ist durstiger als Kehle:

Es ist nicht wichtig, was wer wem verleidet.
Es ist kleindumm, wenn jemand bös beneidet.

Es ist beneidenswert, was jemand heimlich leidet.

Wir alle leben so gern im Bequemen.
Was du je grübeltest und schriest und sangst — —

Es scheint mir gut, wenn du beim Abschiednehmen
Statt um dich selbst um einige Freunde bangst.

Letzte Abfahrt aus München, Gedichte dreier Jahre, 1932.

Joachim Ringelnatz hat inzwischen lange genug mit mir zu schaffen, dass die Leute, die mich gefragt haben, wie lange Joachim Ringelnatz denn schon mit mir zu schaffen hat, gestorben sind und volljährige Kinder hätten, wenn sie im Kindsbett gestorben wären (ein krauser Vergleich, der schon seinen Sinn hat, glauben Sie mir).

Ich hätte nicht damit gerechnet, dass mir immer noch neue Lieblingsgedichte von ihm auffallen könnten; Schiff 1931 ist mir weitgehend entgangen. Doch ganz praktisch, wenn die Seitenaufteilung der wechselnden Gesamtausgaben gelegentlich umgeschichtet wird: Die Hälfte des noch letztes Jahr empfohlenen Doppelpacks gibt’s heute als Taschenbuch.

Schiff 1931

Wir haben keinen günstigen Wind.
Indem wir die Richtung verlieren,
Wissen wir doch, wo wir sind.
Aber wir frieren.

Und die darüber erhaben sind,
Die sollten nicht allzuviel lachen.
Denn sie werden nicht lachen, wenn sie blind
Eines Morgens erwachen.

Das Schiff, auf dem ich heute bin,
Treibt jetzt in die uferlose,
In die offene See. — Fragt ihr: „Wohin?“
Ich bin nur ein Matrose.

Gedichte dreier Jahre, 1932. Seinem bewährten Hamburger Freunde Muckelmann (Carl M.H. Wilkens)

Dieses schulterzuckende “Ich bin bin nur ein Matrose” findet man oft — vielleicht sogar in sich selber. Bedauern kann erleichtern. Den Besten mag nicht alles vollends wurschtegal sein, helfen können sie trotzdem nicht, und dann halt hey.

Menschen, denen ich das geschenkt hab, kennen mich heute schon gar nicht mehr, der Inhalt ist immer noch der gleiche wie in den antiken Henssel-Backsteinen. Schön, wenn man im Leben doch ein paar Konstanten behält.

Noch einer zum Mitrechnen: Letztes Jahr um diese Zeit ist Ringelnatz 125 geworden, an ein großes Bohei darum erinnere ich mich nicht; deshalb wird er am 17. November seinen 75. Todestag feiern. Oder wir. Oder ach, Sie wissen schon. Alles Gute, Ringel.

Cover Joachim Ringelnatz, Sämtliche Gedichte, Diogenes

Weil man dem Buchhandel ja alles selber wegfeiern muss:

Gewinnspiel

noch bis Sonntag!

Bild: Na, wo wird’s schon her sein.

Written by Wolf

7. August 2009 at 12:01 am

Posted in Moses Wolf

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  1. […] Update zu Lang ist die Eisenbahnfahrt, kurz ein Leben: […]


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