Moby-Dick™

Leben mit Herman Melville

Er bläst wieder (und wieder)

with 8 comments

Update zu John Huston hat doch Recht:

Das hat 2006 jemand versäumt: zum 50. Jahrestag der Moby-Dick-Verfilmung von John Huston — das ist die mit Gregory Peck, die Sie als Kind so beeindruckt hat — wenigstens so weit zu restaurieren, dass auf der DVD das ganze Breitwandbild zu sehen ist und nicht immer nur der Ausschnitt in der Mitte. Und jetzt das:

Drehstart für TV-Event “Moby Dick”

“Moby Dick”, die Fernsehverfilmung des Klassikers mit Gregory Peck, wird bei RTL zu sehen sein. Wie die Tele München Gruppe nun mitteilte, realisiert sie die Neuverfilmung des gleichnamigen Literaturwerkes gemeinsam mit dem Kölner Privatsender, dem ORF und dem US-amerikanischen Produktionsunternehmen RHI sowie weiteren Co-Partnern. Die Hauptrolle übernimmt Oscar-Preisträger William Hurt (“8 Blickwinkel”, “A History of Violence”), der den einbeinigen, vom Wahn getriebenen Kapitän Ahab verkörpert. An seiner Seite spielt Ethan Hawke (oscarnominiert für “Before Sunset” und “Training Day”) den 1. Offizier Starbuck, der es als einziges Besatzungsmitglied wagt, sich Kapitän Ahab entgegenzustellen. Die Dreharbeiten unter der Regie von Mike Barker (“Der Seewolf”), die, laut Mitteilung, mit einem Gesamtbudget von 18,4 Millionen Euro als bisher aufwendigste Produktion in der 40-jährigen Geschichte der Tele München Gruppe gelten, werden ab Mitte September in Lunenburg, Kanada, und auf Malta stattfinden. Geplant seien “spektakuläre Szenen auf hoher See und State of the Art CGI-Animationen”. Den Zuschlag für die Ausstrahlung des Event-Zweiteilers erhielt der Fernsehsender RTL, die Fertigstellung ist für Herbst 2010 geplant.

teleschau/der Mediendienst via Nordsee-Zeitung.

München am Meer (danke, Lara!): Mit einem Aufwand wie noch nie mal wieder die Actionstellen rausziehen und William Hurt einen 3D-animierten Wal beschimpfen lassen, um Aufmerksamkeit zu schaffen für die großen Brüder. Das griechisch-tragische Aufbegehren der Sohnfigur ist mit Ethan Hawke besetzt, dem Hübschling für Abiturientinnen, Mädchen müsste man leider ganz schön reinschreiben, aber ist eigentlich irgendwo die Rede von dem langweiligen Ismael? Man wünscht der Unternehmung ja nur das allerbeste Gelingen, sonst klage. Hoffentlich werden sie rechtzeitig bis Herbst 2010 fertig, denn vermutlich zum 160. Jahrestag der Buchvorlage 2011 lässt sich Hollywood seinerseits nicht lumpen:

Bekmambetov to direct ‘Moby Dick’

Universal Pictures has made a splashy preemptive buy of “Moby Dick,” a reimagining of the Herman Melville whale tale that Timur Bekmambetov (“Wanted”) will direct.

Studio paid high six figures to Adam Cooper and Bill Collage to pen the screenplay.

The writers revere Melville’s original text, but their graphic novel-style version will change the structure. Gone is the first-person narration by the young seaman Ishmael, who observes how Ahab’s obsession with killing the great white whale overwhelms his good judgment as captain.

This change will allow them to depict the whale’s decimation of other ships prior to its encounter with Ahab’s Pequod, and Ahab will be depicted more as a charismatic leader than a brooding obsessive.

“Our vision isn’t your grandfather’s ‘Moby Dick,’ ” Cooper said. “This is an opportunity to take a timeless classic and capitalize on the advances in visual effects to tell what at its core is an action-adventure revenge story.”

Scott Stuber is producing with Jim Lemley and Cormac and Marianne Wibberley.

Both Stuber and Bekmambetov have deals at Universal. Bekmambetov will look to apply the visual flourish he displayed on the U summer hit “Wanted.”

“We wanted to take a graphic novel sensibility to a classic narrative,” said Collage. They brought it to the Wibberlys, the “National Treasure” scribes who are branching into producing and will team with Stuber. The project then caught the fancy of Bekmambetov and Lemley, who teamed with the helmer on “Wanted.”

Bekmambetov is developing a sequel to the Angelina Jolie starrer and is also mobilizing and producing a slate of modestly budgeted Russian-language films for Universal’s offshore distribution operations.

Cooper and Collage received credit on the comedy “Accepted” and more recently did rewrite work on the untitled Trump Heist movie, the Tom Bezucha-directed “The People’s House” and the McG-helmed “Nightcrawlers.”

WMA made the deal and repped the scribes, Bekmambetov and the Wibberleys.

Michael Fleming: Bekmambetov to direct ‘Moby Dick’.
Universal steers reimagining of Melville classic
,
Variety, 22. September 2008.

Also mal schluss mit dem kulturzickigen Gemaule — Melville kriegt auf einmal richtig Konjunktur; nicht nur in Gestalt von ein paar gelehrten Übersetzungsspielereien, sondern für spaßhungrige Leistungsträger. Dating couples in Spendierlaune und wild entschlossen, Lust zu empfinden. Bigtime, on the big screen. Mit PR-Aufwand, aber mal richtig. Weil Melvilleana modern sind und nicht modernd, und the writers reveren sogar Melville’s original text mit graphic novel-style. Ist doch schön.

Insiderwissen: Der Bootsbau für die amerikanische Version stammt von den Jungs bei Norseboat, also unter Beteiligung von David von Never Sea Land. Der Mann findet mit Liebe und Sachverstand regelmäßig die tollsten Mermaids aus dem Kunstschaffen aller Stile und Epochen, der kann sicher auch die richtigen Traditional Boat Replicas von Walfängern samt Beibooten.

Ein deutscher Zweiteiler aus neuen Macs und ein russisch gesteuerter Blockbuster mit schönen Schiffchen. Mehr Vorankündigung gucken:

Und wann gibt’s jetzt den 1956er Film als diskutable DVD, miau?

Norseboat, Traditional Boat Replicas

Vorerst keine Filmbilder: Norseboat.

Written by Wolf

17. September 2009 at 12:45 am

Posted in Reeperbahn

8 Responses

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  1. Spannend. Fehlt jetzt nur noch die Verfilmung durch Bully…

    cohu

    17. September 2009 at 8:49 am

  2. Wenn wir das Zeug mit dem Mighty Mightor als “TV-Kult” betrachten… Das ist von 1967 und wäre dann schon letztes Jahr fällig gewesen. Schwein ghabt :o)

    Wolf

    17. September 2009 at 4:47 pm

  3. Haach… na supi, dass wir drüber gesprochen und den Bekmambetov jetzt auch haben. Dann kann ich ja meine Stoffsammlung vom letzten Dreivierteljahr nun archivieren. ;o)

    Als ich damals von den bekmambetischen Comic-Anwandlungen gelesen hab, frug ich mich einen Moment, ob der kyrillende Kasache als Drehbuchvorlage nicht doch heimlich die von Frau Fuchs höchstpersönlich redigierte Nr. 67 der Lustigen Taschenbücher hernehmen will. Aber is wohl dann nich so ganz der Style eines ‘Wanted’-Reschissörs, wa? Lassen wir uns also überraschen. – Und wenns schief geht, ham wir ja zum Glück noch unsern guten alten Papa Huston, auf den lass ich immer noch genauso wenig kommen wie auf den wilden Ahab-Peck.

    Musikalischer Kommentar zur Nutzung der schwimmenden Nachbauten beim NeverSeaLander: Komm in mein Boot!
    Wa(h)lweise auch als weiterführende Inspiration zum Mädchenreinschreiben für muskulöse Boots-Rammen. ;o))

    hochhaushex

    17. September 2009 at 9:34 pm

  4. Wenn “Archiv” nicht das unterm Schreibtisch heißt, muss das Thema damit nicht zwingend weggesperrt werden. Das meiste aus deiner Stoffsammlung kannst doch eh nur du selber lesen .ò) Dann mal dawajamente übersetzt! (Der Bekmambetov hat die Finger in den LTB? Versteh ich was falsch oder kann ich bloß kein Duckipedia lesen?)

    Wolf

    17. September 2009 at 10:23 pm

  5. Nö, der nicht. Aber der Herman, in “Micky auf den Spuren der Indianer” nämlich. Steht sogar inner Wicky… öh, Wiki. Und in Duckipedia-Stellen, die karg und unbewässert sind wie die kasachische Steppe, ist schlecht lesen. ;o) (Sorry, hab leider ums Verrecken nix Inhaltsschwangererereres online finden können, hmpf. Gibts denn keinen Freak nicht, der die offlinene Nr. 64 der LTB im Bücherregal mal kurz entstauben kann?)

    hochhaushex

    19. September 2009 at 4:44 am

  6. […] müssen zuvor leben. Ist das schon Konsens, dass Ahab als Held betrachtet wird? Ab den anstehenden zwei Verfilmungen wird es […]

  7. […] a comment » Update zu Er bläst wieder (und wieder): Elizabeth Meyer hatte in den siebziger Jahren 125.000 Dollar geerbt. Davon kaufte sie Bauland auf […]

  8. […] Update zu Er bläst wieder (und wieder): […]


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