Moby-Dick™

Leben mit Herman Melville

München am Meer VII: Freitagsfisch (Das Achterdeck)

with 5 comments

Kaufmännisch vernünftiges Update zu Von Lindau bis zum Fehmarnsund
und Frisches Basilikum:

Fangflotte Moby Dick München, Zenettistraße Schlachthof. Lkw-Reihe Parkplatz[Bild groß] Es ging auf das Ende des Tages zu. Plötzlich kam er an der Reling zum Stehen, und indem er sein Knochenbein dort in das Bohrloch steckte und mit einer Hand nach einer Want griff, befahl er Starbuck, jedermann achteraus zu schicken.

[…]

“Was macht ihr, wenn ihr einen Wal seht, Männer?”

“Ihn aussingen!” lautete die unwillkürliche Erwiderung aus einem Dutzend Kehlen im Chor.

“Gut!” rief Ahab mit wildem Beifall in seiner Stimme; die herzhafte Munterkeit bemerkend, in welche sie durch seine unerwartete Frage auf so magnetische Weise hineingeworfen worden waren.

“Und was macht ihr als nächstes, Männer?”

“Wegfieren, und hinterher!”

“Und was für ‘ne Melodie ist’s, zu der ihr pullt, Männer?”

“Wal ist tot oder kaputt das Boot!”

[…]

Moby Dick München, Zenettistraße Schlachthof. Eingang Fahrrad[Bild groß] “All ihr Toppsgasten habt mich schon zuvor Befehle über einen weißen Wal geben hören. Schaut her! Seht ihr diese spanische Goldunze?” — eine große große glänzende Münze in die Sonne haltend — “das ist ein Sechzehndollarstück, Männer. Seht ihr es? Mr. Starbuck, langt mir mal die Kleidkeule da her.”

Während der Maat den Hammer holte, rieb Ahab, ohne etwas zu sagen, das Goldstück langsam an seine Rockschößen, als wolle er dessen Glanz vermehren, und summte unterdes ohne Worte vor sich hin, dabei solch merkwürdig gedämpfte und unartikulierte Töne hervorbringend, daß es wie das mechanische Summen der Räder seiner Lebenskraft in seinem Innern schien.

Sowie er die Kleidkeule von Starbuck erhalten, trat er auf den Großmast zu mit dem emporgehaltenen Hammer in der einen Hand, wobei er mit der anderen das Goldstück herzeigte und mit hoch erhobener Stimme ausrief: “Wer von euch auch immer mir einen weißhäuptigen Wal sichtet mit runzliger Stirn und schiefem Kiefer; wer von euch auch immer mir jenen weußhäuptigen Wal sichtet mit drei Löchern, steuerbords in seine Schwanzflosse gestochen — paßt auf, wer von euch auch immer mir jenen selbigen weißen Wal sichtet, der soll diese Goldunze kriegen, Jungs!”

“Hurra! hurra!” riefen die Matrosen, als sie mit geschwenkten Ölhüten das Annageln des Goldstücks an den Mast bejubelten.

“Ist ein weißer Wal, sag ich”, nahm Ahab den Faden wieder auf, als er die Kleidkeule hinwarf; “ein weißer Wal. Sperrt die Augen nach ihm auf, Männer; haltet Ausschau nach weißem Wasser; wenn ihr nur eine Blase seht, singt aus.”

[…]

Moby Dick München, Zenettistraße Schlachthof. Fleisch- und Wurstwaren Gaßner Metzger- & Gastromarkt[Bild groß] “Gott segne euch”, schien er halb zu schluchzen und halb zu schreien. “Gott segne euch, Männer. Steward! geh das große Maß Grog holen. Aber was ziehest du für ein langes Gesicht, Mr. Starbuck; wollest du den weißen Wal nicht jagen? keinen Mumm für Moby Dick?”

“Ich hab Mumm genug für seinen schiefen Rachen, und für den Rachen des Todes auch, Kapitän Ahab, wenn es sich bei dem Gewerbe, das wir betreiben, nun mal so ergibt; aber ich kam, um Walen hinterherzujagen, nicht der Rachsucht meines Kommandanten. Wieviel Faß wird dir deine Rache eintragen, selbst wenn du sie kriegst, Kapitän Ahab? sie wird dir auf unserem Nantucketer Markt nicht viel Bares bringen.”

“Nantucketer Markt! Buhu! Doch komm näher, Starbuck; bei dir muß man die Wurzeln was weniges weiter unten ansetzen. Wenn Geld der Maßstab sein soll, Mann, und die Buchhalter ihr großes Kontor, den Globus, ausberechnet haben, indem sie’s mit Guineen umgürten, eine für jeden dritten Teils eines Zolls; dann laß dir sagen, daß meine Rache hier hohe Zinsen bringen wird!”

“Er schlägt sich an die Brust”, flüsterte Stubb, “wozu soll das gut sein? mir scheint, die klingt gewaltig, aber hohl.”

“Rache an einem tumben Tier!” rief Starbuck, “das dich einfach aus blindstem Trieb geschlagen hat! Wahnsinn! Wütend zu sein auf ein tumbes Ding, Kapitän Ahab, ist doch wohl gotteslästerlich.”

Moby Dick München, Zenettistraße Schlachthof. Hochformat mit Uhrturm[Bild groß] “Hör noch mal her, — die Wurzeln was weniges weiter unten. Alle sichtbaren Dinge, Mann, sind nichts als Pappmasken. Aber bei jedem Ereignis — beim lebendigen Handeln, der unerschrocknen Tat —, da streckt irgendein unbekanntes, aber doch vernunftbegabtes Etwas die Formen seiner Züge hinter der vernunftlosen Maske hervor. Wenn man schlagen will, so schlage durch die Maske! Wie kann der Gefangene je nach außen kommen, wenn er die Mauer nicht durchbrich? Für mich, da ist der weiße Wal nun diese Mauer, dicht an mich herangeschoben. Bisweilen denk ich, es ist nichts dahinter. Doch da ist genug. Er müht mich; er belastet mich; ich seh in ihm entfesselte Kraft, mit einer unergründlichen Arglist, die sie noch verstärkt. Dieses unergründliche Etwas ist’s hauptsächlich, was ich hasse; und sei der weiße Wal das Agens oder sei der weiße Wal der Meister, ich werd diesen Haß an ihm auslassen. Sprich mir nicht von Gotteslästerung, Mann; ich würd die Sonne schlagen, wenn sie mich beleidigt. Denn könnt die Sonne dieses tun, dann könnt ich jenes tun; denn hierin steckt auf eine Art stets ein gerechtes Spiel, Eifersucht regiert sämtlich’ Geschöpfe.”

[…]

“Gott behüte mich! — behüt uns alle!” murmelte Starbuck, leise.

Bilder: moby dick, Zenettistraße 11, 80337 München: Seit 1976 Fischlieferant der gehobenen Münchner Gastronomie und Hotellerie: Edelfische, Krustentiere und Muscheln aus fast allen Weltmeeren, Import direkt aus den Ursprungsländern, Spezialitätenforschung nach Auftrag.

Abholmarkt am Münchner Schlachthof hinter dem Wirtshaus im Schlachthof, Mitnahmemarkt über 1200 m², Lieferservice im Großraum München ab Warenwert von 150 Euro frei Haus. Parkplätze vor der Tür, Bus 152, Haltestelle Zenettistraße.

Text: Kapitel XXXVI: Das Achterdeck (Auszüge), Übersetzung Friedhelm Rathjen.

Clips: REAL Whaling 1 and 2: Enactment of a 19th century style whale hunt AND the trying-out of whale blubber. It mixes shots of the film’s cast edited in with footage of actual whaling that was done by whalers of Madeira (Portuguese islands), collected from 1956 John Huston Moby Dick film and provided by the incredible Hulton Clint.

Written by Wolf

23. October 2009 at 12:43 am

Posted in Fiddler's Green

5 Responses

Subscribe to comments with RSS.

  1. Aaah… die Transporterkolonne. Liefern die auch nach auswärts? Die kenn ich doch – sind das nicht die Biester, die ich ümmer zu spät vor die Linse kriege? Oder waren das doch eher die hier? ;o)

    Hmm… und hatt’ ich hier nicht irgendwann mal was gebloggt über die Namensvermarktung des aaamen Moby? Wer ist überhaupt auf den Trichter gekommen, dass ausgerechnet ein Wal Aushängeschild für die Vertilgung von Seegetier sein soll – „seit über 33 Jahren“? Fragen über Fragen… Tja, so sind wa, wir Binnenländer am Meer, nä. ;o))

    Oder liegt das alles nur daran, dass ich fiebere? Walgrippe oder so…

    hochhaushex

    24. October 2009 at 2:56 am

  2. “Berlin am Meer” — ans Werk, ans Werk! :o)

    Das Faszinierende ist ja, dass die Zenettistraßler in Blickweite von Ottis Schlachthof als Aushänge-Schild gar keinen Wal, sondern zu ihrem Namen eine Garnele führen… Ich trau mich trotzdem kaum gegen solche Missbräuche zu wettern und zu höhnen, weil oft — soll man sagen: leider? — recht ehrbare, unterstützenswerte Sachen “Moby Dick” heißen. Eine Sammelbeschwerde hab ich irgendwann aufgegeben: Man müsste glatt einen Rundumschlag gegen Lebenshilfeprogramme für übergewichtige Kinder und jedes dritte Restaurant in Neuengland rauspfeifen, und nicht mal einen Fischladen mit vertrauenswürdigen Importmethoden (bis jetzt kein Grund, an solchen zu zweifeln…) kann ich gar zu verwerflich finden.

    Nicht mal schimpfen kann man. Und das Internet will wunder wie demokratisch sein .ò)

    Wolf

    24. October 2009 at 3:54 am

  3. Schimpfen könnte man evt. auf diesen greisligen italienischen Segmüller – http://www.mobildick.it/
    Wobei, CRAZY JUMP… das hat was.

    cohu

    27. October 2009 at 11:45 am

  4. Halleluja. Fällt das unter blindengeeignet oder können die Freunde der italienischen Oper wirklich nicht mal auf ihren Möbelseiten Ruhe halten?

    Wolf

    27. October 2009 at 11:00 pm

  5. […] with 4 comments Christina Dichterliebchen macht ein Update zu Hic sunt leones, New York 1660, Die Einsamkeit des Langstreckenläufers, Heimkehr und Freitagsfisch: […]


Leave a Reply

Fill in your details below or click an icon to log in:

WordPress.com Logo

You are commenting using your WordPress.com account. Log Out / Change )

Twitter picture

You are commenting using your Twitter account. Log Out / Change )

Facebook photo

You are commenting using your Facebook account. Log Out / Change )

Google+ photo

You are commenting using your Google+ account. Log Out / Change )

Connecting to %s

%d bloggers like this: