Moby-Dick™

Leben mit Herman Melville

Fünfzig Inseln, auf denen wir nie waren und niemals sein werden:

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Update zu Hood’s Isle and the Hermit Oberlus:

Judith Schalansky: Atlas der abgelegenen Inseln, 2009.

Judith Schalansky, Atlas der abgelegenen Inseln

Nur weil sie da geboren ist, wo andere kuschelstudieren: in Greifswald. Süß, das Mädel, noch keine dreißig, blitzgescheit, wird es noch weit bringen im Leben. Erste Abenteuer in der Typographie; urdeutsch, in Fraktur, wie das so ist, wenn man nicht raus darf, mit der großen Freiheit ab 1989 war mit neun Jahren noch nicht zu rechnen und als sie da war, nicht abzusehen, wohin damit. Erste Männergeschichten in unverblümtem Trotz: Blau steht dir nicht. Der Untertitel ihres Meisterwurfs atmet deshalb unfehlbar alle Wehmut der Ozeane, nach denen er geordnet ist: Fünfzig Inseln, auf denen ich nie war und niemals sein werde.

Gerade noch am Vertriebsdrachen vorbeigeschmuggelt, die Formulierung, würde man sich vorstellen, wenn nicht die Vorstellung sämtlicher Angestellten bei mare als Stand-ins für den frühen Wolf Larsen vordringlicher wäre. Die erste Auflage null Komma nix vergriffen, denn Sehnsucht ist menschlich. Träume sind der Fluch derer, die sich an sie erinnern, da hol der Klabautermann die 34 Euro für 144 Seiten: Wenn dieses Papier keine Erotik ist, was dann?

Man hat ja auch nie mit einer Sirene geschlafen, sondern nur mit sehr viel Glück mit einer Fischbrötchenfalterin am Rüganer Strand mit rötlichem Pferdeschwanz geflirtet, und wird niemals den Leuchtturmwärter von Tristan da Cunha auf sein Sofa laden, sondern mit sehr viel Glück einen freien Grafikkollegen, der als Junge gern Segelschiffchen gezeichnet hat. Verachten wir keinen von ihnen, denn sie sind es, die das Stück für Weihnachten verfügbar halten. Querstreifen stehen uns nicht.

Danke an Frau Scratch.

Written by Wolf

4. November 2009 at 1:58 am

Posted in Moses Wolf

10 Responses

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  1. Wenn man etwa eine halbe Stunde lang sucht, dann findet man doch noch einen Blog (ein Blog?) auf deutsch. Aber verstanden habe ich den Post (das posting?) leider nicht.

    Früher war Deutsch meine Muttersprache, aber dann ging es mit Englisch weiter. Ist halt more user-friendly, you know? Nun kann ich noch immer deutsche Dichtung lesen, aber mit der contemporary Prosa hapert’s. Und dass es “hapern” als Wort überhapt gibt, das musste ich im Google abklären, denn mein online Wörterbuch führt es nicht.

    Sad, ¿no?

    cantueso

    4. November 2009 at 11:08 am

  2. Dein Deutsch ist soweit gut verständlich. In dem Posting dagegen gibt es das Wort “kuschelstudieren” nicht wirklich :o)

    Wolf

    4. November 2009 at 6:16 pm

  3. A propos Wolf Larsen: Hast du die neue Seewolf-Verfilmung denn gesehen, die jetzt im TV lief?

    fernseherin

    5. November 2009 at 12:18 pm

  4. Wo werd ich. Wenn die da die Eras benutzen .ò)

    Wolf

    5. November 2009 at 7:34 pm

  5. Das ist in der Tat ziemlich abschreckend. ;)

    fernseherin

    5. November 2009 at 9:50 pm

  6. Die Guten sind die Typosnobs. Erst die Typonazis die Bösen :o)

    Bei “Stand-ins für den frühen Wolf Larsen” erscheint meinem Jahrgang sowieso mehr Raimund Harmstorf vor dem Oberchakra. Spielen in der Neufassung eigentlich Kartoffeln eine Rolle?

    Wolf

    5. November 2009 at 10:28 pm

  7. Oui! Nie wieder frischverfilmter Seewolf, und zwar nicht nur wegen Eras-Missnutzuing. ;o) Wenn überhaupt, oute ich mich auch mal als Anhängerin von gotthabihnselig Seewolf Harmstorf. (Der war zu meiner östlichen Frühzeit ein achtabendfüllendes Kultprogramm und hat die Kinderseele nie wieder verlassen.) Ansonsten sowieso immer noch zuallererst für Mr. Londons Buchversion…

    Kartoffeln spielen in der Neufassung übrigens nur eine untergeordnete, weil verhunzte Rolle: der verhunzte Smutje scheitert in der Zerquetschungsszene und beruft sich als Rechtfertigung lediglich auf die einschlägige Faust seines Käpt’ns. Die allerdings anzuzweifeln ist – jedenfalls bei d i e s e m Seewolf… ;o))

    Hach, aber die 50 Inseln und 50 Karten. Kommen auch auf meinen Weihnachtswunschzettel. Seewolfsdank. :o) (Ob Jan Mayen da wohl auch dazuzählt?)

    hochhaushex

    6. November 2009 at 4:20 am

  8. Echt, acht? Nicht vierteilig…? Is ja doch schon paar Tage her…

    Ach ja, jetzt kommen sie wieder alle raus mit ihren Bücherschätzen, die sie sich übers Jahr verkniffen haben. Dabei kommt man nicht mal mit den alten hinterher. Vielleicht kauf ich mir doch nochn Fernseh.

    Wolf

    6. November 2009 at 5:16 am

  9. […] Lessing (Fotograf u.a. bei den Dreharbeiten von John Hustons Filmklassiker), Judith Schalansky („Atlas der abgelegenen Inseln“), Johannes Stüttgen (Autor, Mitstreiter von Joseph Beuys, Gesellschafter des Omnibus für […]

  10. […] ändern hat, oder etwas angenehm Unaufgeregtes wie Judith Schalansky mit ihrem bestechend schönen Atlas der abgelegenen Inseln oder Ronald Düker mit der Geschichte des amerikanischen Walkampfs — Herr Weinzierl hat wohl […]


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