Moby-Dick™

Leben mit Herman Melville

Der Zweck von Metaphern

with 8 comments

Update zu Dr. House und der Meta-Dick,
nebenbei zu The secret’s in the sauce und Stephans Billy Budd heute:

Hugh Laurie by the mayor of televisionFrau Fernseh war einst so freundlich, uns eine freundliche Begegnung mit Moby-Dick aus dem TV-Geschehen mitzuteilen, vermutlich nach dem Text in der deutschen Fansite Dr. House Fans zitiert. Inzwischen liegt im Hause Wolf die zweite Staffel Dr. House auf DVDs vor, was uns in die Lage versetzt, den Dialog in zuverlässigen Details wiederzugeben. Er handelt in der 17. Episode der 2. Staffel, All In, deutsch: In Not, Erstausstrahlung 11. April 2006, ab Minute 26:56:

Wilson: Hast du mal Moby-Dick gelesen?
House: (ironisch) Ist das ein Buch?
Wilson: Der Fall (der verstorbenen Frau) ist zehn Jahre her!
House: Zwölf.
Wilson: Zwangsvorstellungen sind gefährlich.
House: Nur wenn ich auf einem hölzernen Kahn stehen würde und sie ein Wal wäre. Ich glaube, da bin ich außer Gefahr.
Wilson: Dir ist doch klar, dass ich es als Metapher meine?
House: Und dir ist doch klar, dass Metaphern den Zweck haben, Leute von etwas abzuschrecken, indem man ihnen weismacht, es würde etwas Schlimmeres passieren als das, was wirklich passiert? — Gott, hätte ich doch eine Metapher, um das besser zu verdeutlichen.
Wilson: (typischer treudoof-zerknirschter Wilson-Blick)
House: Du kannst wieder zurückgehen. Keine Angst, dich wird schon keine Hexe auffressen.

Im Original:

Wilson: Have you read Moby-Dick?
House: It was a book?
Wilson: It was ten years ago!
House: Twelve.
Wilson: Obsession’s dangerous.
House: Only if you’re on a wooden ship and your obsession’s a whale. I think I’m in the clear.
Wilson: You do realize it’s a metaphor?
House: You do realize that the point of metaphors is to scare people from doing things by telling them that something much scarier is going to happen than what will really happen? — God, I wish I had a metaphor to explain that better.
Wilson: (typical gullible contrite Wilson look)
House: Go back to the game. Don’t worry, I’m not going to get eaten by witches.

Womit der Gelehrtenstreit eröffnet wäre, ob “I’m not going to get eaten by witches” mit “Dich wird schon keine Hexe auffressen” übersetzt werden darf.

Tatsächlich haftet der Art, wie Hugh Laurie in der Gestalt von Dr. House seinen unbelehrbaren Dickschädel samt seinem invaliden rechten Bein durch ein abgeschlossenes Szenario wuchtet, etwas entschieden Ahabeskes an. Es ist kein Boot, sondern das Princeton-Plainsboro Teaching Hospital (PPTH) in New Jersey, und House nicht der Schiffsoberste, sondern ein ständig vom Rausschmiss bedrohtes Genie, sein Ringen um Erfolg und Anerkennung und sein struppiges Charisma mit trotzig zur Schau getragenem Hinkebein aber könnten direkt aus Ahab-Darstellungen entlehnt sein, wie das onkologische Sensibelchen Wilson (Robert Sean Leonard) richtig erkennt.

Auch an Kulturbeflissene, die das anders sehen und “Krankenhausserie” allenfalls in abqualifizierendem Tonfall verwenden, ergeht Empfehlung für die gesamte Serie: Das ist gut gemachtes Fernsehen mit stereotypen, aber einfallsreich durchexperimentierten Drehbüchern, allerhand Wahrheitsfindung und einer Synchronstimme, die im Hinterkopf dröhnt.

House M.D., All In

Bilder: Hugh Laurie by the mayor of television, 24. November 2008;
Screenshot aus All In.

Written by Wolf

10. December 2009 at 3:46 pm

Posted in Rabe Wolf

8 Responses

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  1. Das war nicht nach irgendeiner Fanseite zitiert, sondern direkt vom Fernseher! ;)

    Ist aber interessant, das mal mit der englischen Version zu vergleichen. Vielleicht hat der “Übersetzungsfehler” einen phonetischen bzw visuellen Hintergrund? Müsste man mal vor dem Spiegel ausprobieren. Mich … dich … mich …dich.

    Die Serie verliert später etwas an Originalität, aber freut mich, dass es bis jetzt gefällt. Sag ich doch. ;)

    fernseherin

    10. December 2009 at 8:39 pm

  2. Herr Klebsch hat aber auch eine Stimme zum Niederknien.

    wortteufel

    11. December 2009 at 7:29 am

  3. @ fernseherin: Dafür wars vorbildlich mitstenographiert :o) Und gut zu wissen, dass man die hinteren Folgen gar nicht mehr so dringend braucht. Die sind nämlich teurer .ò)

    @ wortteufel: Wenn ich mich schon über Filme schlausurf, dann auch über die Synchronsprecher. Der Name Klebsch war mir bis jetzt noch gar nicht untergekommen…

    Wolf

    11. December 2009 at 7:58 am

  4. Die eigentliche Frage ist doch: sieht Käpt’n Ahab genauso gut aus wie Dr. House? Und: Wer ist auf der Pequod die Cameron?

    cohu

    11. December 2009 at 9:42 am

  5. Natürlich sieht Ahab aus wie Dr. House. Vor allem, wenn er mal den Abe-Lincoln-Bügel aus den Ohren hakt.

    Die Cameron ist entweder Queequeg (schon mal mit dem Protagonisten im Bett gewesen — oder war das nur mit Cuddy?) oder Flask (macht das wirklich gern, butterless), aber da würd ich noch zweite Meinungen anhören. Foreman mit Daggoo gleichsetzen soll dann lieber jemand anders, das wird mir zu heiß .ò)

    Wolf

    11. December 2009 at 10:18 am

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