Moby-Dick™

Leben mit Herman Melville

Speaking words of wisdom

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Update zu Chiemgirl Blues:

Johannes Waechter ist einen großen Teil der Süddeutschen Zeitung wert. Der Mann führt dort in einem schnauzigen, unterkühlten Tonfall den bestrecherchierten Musikblog diesseits des Hudson, ohne Verherrlichung und ohne Ressentiment; jedenfalls erwischt erimmer die richtige Musik, über die man auch einige Vertiefung erfahren will. Falls jemand einen besseren kennt, her damit, ich glaube ihm seit Monaten jedes Wort.

Waechter hat gemerkt, dass “unser” Friedhelm Rathjen 130 Stunden Bootleg-Material der Beatles durchgehört hat und uns in einem Buch darüber erzählt: Von GET BACK zu LET IT BE: Der Anfang vom Ende der Beatles. Was er nicht sagt: Rathjen findet — wie meistens — vorerst nicht im normalen Sortimentsbuchhandel statt, sondern bei Rogner & Bernhardt und somit nur bei Zweitausendeins.

Was er doch sagt:

Cover Friedhelm Rathjen, Von Get Back zu Let it Be, 2010Am 2. Januar 1969 traf man sich im Filmstudio in Twickenham, und von Anfang an filmte das Team des Regisseurs Michael Lindsay-Hogg alles, was sich ereignete. Ende Januar hatte Lindsay-Hogg 130 Stunden Material aufgenommen, Bild und Ton. Die Tonspur seines Films gelangte kurze Zeit später in die Hände von Bootleggern, und in den kommenden Jahrzehnten erschien eine riesige Anzahl von Raubpressungen mit Outtakes von den Sessions und Versionen der zahlreichen Rock’n’Roll-Klassiker, die die Beatles zum Warmwerden gespielt hatten. Das Bootleg-Label Purple Chick trieb das Ganze im Jahr 2004 auf die Spitze und brachte auf 83 CDs eine Komplettedition der Sessions heraus.

Friedhelm Rathjen hat sich nun die Mühe gemacht, dieses Material anzuhören und eine genaue Chronologie der Sessions zu erstellen. In seinem Buch erfahren wir, was die Beatles an jedem einzelnen Tag der Sessions spielten, was sie redeten, wie sie sich stritten und herumalberten. Das ist in gleichem Maße faszinierend wie ernüchternd.

Ernüchternd deshalb, weil Rathjen keinen Zweifel daran lässt, dass die berühmteste Band der Welt damals kurz davor stand, das Musikmachen zu verlernen: Wenn die Beatles zu den Instrumenten griffen, kam in der Regel lahmes, uninspiriertes Zeug heraus; außerdem litten sie an einem Mangel an neuen Songs, vor allem weil John Lennon, damals heroinsüchtig, nichts Brauchbares zu den Sessions beitrug. […]

Rathjens Buch kulminiert im berühmten Rooftop-Konzert vom 30. Januar 1969. Nach dem Ende der Sessions gingen die Probleme der Beatles aber erst richtig los. Der Nachteil von Rathjens Ansatz, eine begrenzte Periode im Schaffen der Beatles wie unter dem Mikroskop zu betrachten, liegt natürlich darin, dass er keine großen Zusammenhänge schildern kann; die Charaktere der Gruppenmitglieder, ihre tief sitzenden Rivalitäten und geschäftlichen Differenzen, werden in seinem Buch nur angerissen. All das, was man in Rathjens Buch vermisst, steht jedoch in Peter Doggetts You Never Give Me Your Money: The Battle For The Soul Of The Beatles, das meines Erachtens in Kürze zu einem Standardwerk werden wird.

Johannes Waechter: Das schmerzhafte Ende der Beatles, 12. Februar 2010.

Written by Wolf

15. February 2010 at 12:01 am

Posted in Moses Wolf

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