Moby-Dick™

Leben mit Herman Melville

Neue Legenden vom Heiligen Patrick

with 2 comments

Update zu A ship, gentlemen:

Es wird dem Menschen von Heimats wegen ein guter Engel beigegeben, der ihn, wann er ins Leben auszieht, unter der vertraulichen Gestalt eines Mitwandernden begleitet; wer nicht ahnt, was ihm Gutes dadurch widerfährt, der mag es fühlen, wenn er die Grenze des Vaterlandes überschreitet, wo ihn jener verläßt.

Jacob & Wilhelm Grimm: Deutsche Sagen, Vorrede zum ersten Band;
I.: Vom Wesen der Sage, Kassel, am 14. März 1816

Smoking Redhead ClubWie Sankt Patrick nach Irland zurückkommt

Die Zahl der Heiligen in Irrlandt ist Legion, o meine Brüder im Herzen, doch der größte unter ihnen war der heilige Patrick.

Als er, ein Einbürtiger von der Feindesinsel, dem verregneten Wales, von Seeräubern nach Ulster entführt wurde, lernte er trotz einem Leben in Sklaverey als Schafhirte die raue grüne Insel lieben.

Um ihn zu prüfen, verkündigte ein Engel ihm, ins französische Auxerre zu fliehen, wo er sich zum Priester ausbilden ließ.

Darnach war er alt und grau und zählte wohl schon siebenzig Jahr, als Gott sich abermals an ihn wandte, nach Irrlandt zurückzukehren.

Obschon er sich gut an die Schafe und das uisce beatha erinnerte, befand er sich zu alt.

Doch Gott sagte ihm, wenn er nicht folgte, so wolle er ihn mit Nachbarn geißeln, die ihn beständig ausschimpfen und mit ihrem Kehricht vor der Türschwelle und in seinen Ohren behelligen mochten.

Da konnte er ebensowohl wieder nach Irrlandt ziehen. So geschah es, und er tat noch viel Gutes.

Nach Lady Gregory
(15. März 1852–22. Mai 1932), 1926.

Alberto VargasWie Sankt Patrick einmal eine Ehe stiftete

Einmal kam ein armer Pächter zu Sankt Patrick, der sich vermählen wollte. “Vater”, sprach er, “ich bin nur ein armer Pächter vor dem Herrn, den zu verehren du uns gelehrt hast, doch ich will mich vermählen. Doch ich liebe nicht weniger als sieben Mädchen meines Dorfes. Nun sage mir, welche Magd ich freien soll.”

Sankt Patrick bedachte sich und strich seinen langen Bart. Als er sich fertig bedacht hatte, tat er den Mund auf, redete also und sprach: “Nimm die kleine dicke Rothaarige!”

Der arme Pächter hätte nun hingehen können und die kleine dicke Rothaarige freien, wie ihm der Heilige geheißen. Doch er bedachte sich eine sehr kurze Spanne, tat den Mund auf, redete also und sprach: “Woher, o Vater, weißt du denn, dass unter den sieben Mägden meines Dorfes eine kleine dicke Rothaarige dabei ist?”

Da redete der Heilige: “Ist das hier Irland oder nicht? Wo sieben Mädchen beisammen sind, wird doch wohl noch eine kleine dicke Rothaarige unter ihnen sein.”

Das war der arme Pächter zufrieden. Er dankte dem Heiligen, ging hin zu der kleinen dicken Rothaarigen und freite sie, um ein langes leben in Frieden und einem bescheidenen Wohlstand zu führen, sofern dies in Irrlandt möglich scheint. Patrick aber sah nach den anderen sechsen, allen zuvor jedoch nach der großen schlanken Rothaarigen, die vorzüglich kochen konnte.

Nach Flann O’Brien: An Cruiscín Lán.

Mateo Yorke, Warm Water, 11. September 2009Wie der Heilige Patrick einmal eine Hochzeit rettete

Eines Tages kam ein alter Pächter zum Heiligen Patrick und sprach: “Vater, die Not ist groß. Mein Ältester gedenkt sich zu vermählen. Gegen meine Schwiegertochter ist wenig einzuwenden, denn sie ist eine tüchtige kleine dicke Rothaarige, doch was soll ich tun, um das Hochzeitsmahl auszurichten? Ich habe nur einen Hahn und eine Henne, die ich schlachten kann. Schlachte ich den Hahn, grämt sich die Henne. Schlachte ich die Henne, grämt sich der Hahn. Was tun, was tun?”

“Wann ist die Hochzeit?” erkundigte sich der Heilige Patrick.

“In vier Wochen, o Vater!”

“Komm wieder in einer Woche, so soll dir Antwort zuteil werden.”

Nachdem diese Woche ins gesegnete grüne Land gezogen, sprach der alte Pächter wieder beim Heiligen Patrick vor.

“Vater!” sprach er, “die Not ist groß! Mein Ältester gedenkt sich schon in drei Wochen zu vermählen, und schlachte ich den Hahn, grämt sich die Henne. Schlachte ich die Henne, grämt sich der Hahn. Was tun, was tun?”

“Das weiß ich, mein Sohn. Komm wieder in einer Woche, so soll dir Antwort zuteil werden.”

Nachdem diese Woche ins gesegnete grüne Land gezogen, sprach der alte Pächter wieder beim Heiligen Patrick vor.

“Vater!” sprach er, “die Not ist groß! Mein Ältester gedenkt sich schon in zwei Wochen zu vermählen, und schlachte ich den Hahn, grämt sich die Henne. Schlachte ich die Henne, grämt sich der Hahn. Was tun, was tun?”

“Das weiß ich, mein Sohn. Komm wieder in einer Woche, so soll dir Antwort zuteil werden.”

Nachdem diese Woche ins gesegnete grüne Land gezogen, sprach der alte Pächter wieder beim Heiligen Patrick vor.

“Vater!” sprach er, “die Not ist groß! Mein Ältester gedenkt sich schon nächste Woche zu vermählen, und schlachte ich den Hahn, grämt sich die Henne. Schlachte ich die Henne, grämt sich der Hahn. Was tun, was tun?”

“Ich erkenne deine Not, mein Sohn”, gab der Heilige Patrick zur Antwort, und: “schlachte den Hahn.”

“Aber Vater!” entsetzte sich der alte Pächter, “so grämt sich die Henne!”

“Das weiß ich, mein Sohn”, sprach der Heilige Patrick in seiner grenzenlosen Weisheit, “soll sie sich grämen.”

~~~|~~~~~~~|~~~

Lesender Rotschopf

Bilder: Smoking Redhead Club; Alberto Vargas; Mateo Yorke: Warm Water, 11. September 2009; selber gemacht, 2006.

Written by Wolf

17. March 2010 at 12:01 am

Posted in Mundschenk Wolf

2 Responses

Subscribe to comments with RSS.

  1. So viele Roudhaarade! Aber es fehlt noch (oder habe ich sie übersehen?) *der* Rotschopf dieses Jahrzehnts:
    Christina Hendricks aka Joan Holloway in “Mad Men”. Der müssten mindestens 1-100 posts gewidmet werden!

    Und wo ich schon dabei bin, möchte ich auch noch hinweisen auf die ganz reizende Lauren Ambrose, wieder eine Serienheldin, Claire Fisher in “Six Feet Under”.

    cohu

    17. March 2010 at 7:52 pm

  2. Puhh, die Hendricks… Ist das erlaubt, so jemand zu verlinken und dabei die Telefonnummer zu unterschlagen? Ich bin mich mal im Schnee wälzen.

    Gestern erstmals “erlebt”: Isla Fisher, bekannt aus Definitely, Maybe. And so little time.

    Wolf

    18. March 2010 at 10:52 am


Leave a Reply

Fill in your details below or click an icon to log in:

WordPress.com Logo

You are commenting using your WordPress.com account. Log Out / Change )

Twitter picture

You are commenting using your Twitter account. Log Out / Change )

Facebook photo

You are commenting using your Facebook account. Log Out / Change )

Google+ photo

You are commenting using your Google+ account. Log Out / Change )

Connecting to %s

%d bloggers like this: