Moby-Dick™

Leben mit Herman Melville

München am Meer XIII: Eintritt 15,50

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Update zu Die sichtbare Welt, Das ist Aller vornemsten Welt-Dinge und Lebens-Verrichtungen Vorbildung und Benahmung:

Marmorkarpfen Moby Dick, Stiegl Bräu SalzburgIch hab mich breitschlagen lassen mitzukommen, weil sie da einen Marmorkarpfen (Hypophthalmichthys nobilis) haben sollen, der Moby Dick heißt und so ziemlich der hässlichste Fisch Deutschlands sein soll.

Stimmt, haben sie. Gleich zu Anfang des Rundwegs. Und weil er in der Abteilung mit der nachgestellten Isar wohnt, sogar im Flaucher, den man bei Naturbegehungen immer nur von oberhalb der Wassernarbe sieht (heißt das bei Binnengewässern so?), haben sie ihm einen Kasten Bier beigesellt: Stiegl Bräu Salzburg.

Ein feiner Stoff, weiß ich noch aus Wien. Da muss der Kasten wohl flussaufwärts geschwommen sein, oder der Dekorateur stellt sich vor, wie ein Rudel Österreicher auf Münchenurlaub dem touristischen Geheimtipp nachging, beim polizeilich geduldeten Grillen sein Bier in die Isar zu stellen, und noch nicht mit den seichten Stellen vertraut war.

Marmorkarpfen Moby Dick, FischschwarmMoby Dick, der Marmorkarpfen, entspricht in der Tat nicht den derzeit geltenden Idealen von Schönheit mit seiner charakterstarken Unterlippe, verhält sich aber ausgesprochen gesellig unter der dichten Besiedlung von Fischarten, die als in der Isar ansässig insinuiert werden. Er ist der Schwarmgrößte im künstlichen Flaucher und gibt den jovialen Chef. Die Kleinen machen ihr Ding, und er macht sein Ding. Es geht eng zu, aber es gibt kein Gerempel.

Erst sieht es so aus, als ob Moby Dick ständig bereit wäre, einem seiner Nachbarn eine Flasche gut gekühltes Stiegl Bräu anzubieten, bis man bemerkt, dass die Flaschen schon leer sind. Logisch: Gestern war auch im Wasser Samstagabend. Dann passt er wahrscheinlich nur auf, dass keiner der doofen Döbel und Zingel, was ja schon wie ein Schimpfwort für jemanden klingt, der lax zwischen Mein und Dein unterscheidet, seine Pfandflaschen entwendet. Die werden nämlich draußen am Kiosk angenommen.

Artgerechte Haltung für Münchner.

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Schild Fische nicht berühren“Fotografierst du schon wieder Schilder?”

“Es ist stärker als ich.”

“Der Wolf. Da geht er endlich mal auf dem Meeresgrund spazieren, ohne sich nass zu machen, und was knipst er? Fische anfassen verboten.”

“Was du hast. Was da an Message drinsteckt! Im Lebensraum der Ozeane finden fucking neunzig Prozent allen Lebens statt, und sie hängen Schilder auf, dass man keinen Hering anstupsen soll.”

“Der Ozeane! Nicht Münchens!”

“Und deswegen is der Hering so traurig, wenn ich meinen Finger in sein Biotop reinwasche?”

“Vielleicht is es ja ein Piranha.”

“Siehste. Das wäre dann noch eine Ebene mehr, auf der das gut is.”

“Und außerdem is es gut genug ausgeleuchtet, dass es deine Kamera auch packt, gell?”

Memo to myself: Nächstes Mal geht der Schreiber oder die Art Directrice ins Sea Life.

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Schriftbarsch“Schau, Wolf. Ein Schriftbarsch.”

“Schöner Schriftbarsch.”

“Gefällt dir nicht? Is doch genau dein Fisch.”

“…”

“Versuchst du jetzt zu entziffern, was auf dem draufsteht oder was?”

“Naja, dazu sind wir doch da: um zu lauschen, was uns die Fische zu sagen haben.”

“Was erwartest du? Die fünfzig besten Barschrezepte?”

“Jedenfalls was Gehaltvolles. Für die Typographie bist ja mehr du.”

“Heißt ja auch Schriftbarsch, nicht Schriftenbarsch.”

“Eben.”

“Wo gibt’s denn den?”

“Da, wo’s auch Tintenfische gibt.”

“Und? Was lernst du von diesem possierlichen Gesellen?”

“Er kann in seinen Höckern für bis zu sieben Tage Wasser speichern, aber mit seinen gespaltenen Klauen nicht in den Sand einsinken.”

“Und was sich auf Barsch reimt, steht auch drauf?”

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Feuerfisch Amphore“Uah, is der schön.”

“Wer? Der Nemo?”

“Der heißt nicht Nemo, du Disneyopfer. Anemonenfisch heißt der. Außerdem mein ich den Feuerfisch.”

“Anemonenfisch? Da steht aber Clownsfisch.”

“Auch Disneyopfer. Alle.”

“Aber du bist die Kapazität für Meeresbiologie.”

“Nein, für Form und Inhalt. Und ‘Nemo’ als Abkürzung für ‘Anemonenfisch’ war auch bloß bei Jules Verne geklaut.”

“Deswegen sieht der auch aus wie mit Schreibfedern gespickt.”

“Der Nemo?”

“Der Feuerfisch.”

“Und er wohnt in einer WG mit dem Schriftbarsch und dem Tintenfisch.”

“Und da schreiben sie immer alle der Schildkröte den Panzer voll.”

“Glaub’s ruhig. Die große Runde vorhin, das war die einzige Meeresschildkröte Bayerns.”

“Hat Michael Ende nicht zuletzt in München gewohnt?”

“Der Beweis.”

“Was steht denn auf Schildkröten, wenn sie nicht grade Momo zu Meister Hora führen?”

Consider the Lobster.”

“Logisch.”

“Logisch.”

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Nautilus“Boah, so groß sind die?”

“Wer denn?”

“Nautilus.”

So groß sind die gar nicht. Ganz kleiner Verlag, immer noch independent, in Hamburg. Haben mal tolle abseitige Irika gemacht, und Franz Dobler war mal bei denen.”

“Wolf!!”

“Ach, die Schnecke da meinst du.”

“Das U-Boot bei Jules Verne bestimmt nicht.”

“Das wenn mir wieder eingefallen wär…”

“Wetten, das war deine erste Idee?”

“Meine zweite. Weil ich nämlich im Gegensatz zu manchen Meeresbiologen noch ein anderes Buch von Jules Verne kenn. — Was hatn der da in der Mitte, das aussieht wie ein Auge?”

“Das ist… ein Auge.”

“Typisch.”

“Was?”

“Dass nichts ist, wie es scheint.”

“Wieso denn? Sieht aus wie ein Auge, ist ein Auge.”

“Genau das mein ich: Nicht mal auf das is mehr Verlass.”

“Wolfwolfwolf…”

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Muränen“Cool, Muränen!”

“Und ein Stachelrochen. Der is cool.”

“Warum is jetz dein Stachelrochen cooler als meine Muränen?”

“Der heißt auf Englisch Stingray!”

“Du sollst Fische gucken, nicht Schilder.”

“Aber das heißt doch, dass Rochen auf Englisch Ray heißt!”

“Jaaa…?”

“Ja! Und Ray Charles is dann der Rochen Karl!”

“Du bist ein Kindskopf.”

“Ich find nicht, dass Ray Charles durch besondere Kindlichkeit aufgefallen is.”

“Vor allem nicht der X-Ray. Das is nämlich der jugendgefährdende.”

“Der heißt doch X-Rate.”

“Das gibt Sinn. Vor allem, wenn man weiß, wie sich Muränen benehmen.”

“Aua…”

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Großes Mädchen an der Scheibe“Was knipst du denn wieder?”

“Keine Schilder. Piranhas.”

“Es sieht aber aus wie hübsche Mädels in Sandalen.”

“Is mir gar nicht aufgefallen.”

“Pfff!”

Lass doch die Frau da gucken.”

Du guckst!”

“Ja — die Piranhas.”

“Genau wie das hübsche Sandalenmädel!”

“Darin erschöpfen sich aber auch die Verbindungen zwischen uns.”

Du erschöpfst!”

“Liebling, du bist ja eifersüchtig.”

“Nein, ich krieg bloß langsam Hunger.”

“Fischstäbchen?”

“Ein Eis.”

“Aber ich bin ein Kindskopf, ja? Die Sonderausstellung Quallen müssen wir noch.”

“Bäh. Dann lieber hübsche sandalige Mädels.”

“Na bitte, geht doch.”

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Kleines Mädchen an der Scheibe“Wolf! Schon wieder Mädels knipsen!”

“Jetz geht’s aber los. Wie alt isn die? Vier?”

“Ihr Großvater könntest du sein.”

“Vater vielleicht.”

“Und? Bist du’s?”

“Nicht dass ich wüsste.”

“Ganz sicher bist du aber nicht.”

“Jedenfalls is die blond.”

“Alle Vierjährigen sind blond. Außerdem vererbt sich Blondhaar rezessiv.”

“Bestehst du auf einen Vaterschaftstest?”

“Funktioniert sowas bei Kaltblütern?”

“Sie ist kein Fisch! Nehm ich an.”

“Schlimmer: Blond!”

“Ich will auch ein Eis.”

“Ein Stiegl Bräu willst du.”

“Ei stimmt ja. Schaumer mal, ob der Moby Dick schon Bier holen war.”

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Seepferdchen an AnkerketteAls ich noch ein Seepferdchen war,
Im vorigen Leben,
Wie war das wonnig, wunderbar
Unter Wasser zu schweben.
In den träumenden Fluten
Wogte, wie Güte, das Haar
Der zierlichsten aller Seestuten,
Die meine Geliebte war.
Wir senkten uns still oder stiegen,
Tanzten harmonisch um einand,
Ohne Arm, ohne Bein, ohne Hand,
Wie Wolken sich in Wolken wiegen.
Sie spielte manchmal graziöses Entfliehn,
Auf dass ich ihr folge, sie hasche,
Und legte mir einmal im Ansichziehn
Eierchen in die Tasche.
Sie blickte traurig und stellte sich froh,
Schnappte nach einem Wasserfloh
Und ringelte sich
An einem Stengelchen fest und sprach so:
Ich liebe dich!
Du wieherst nicht, du äpfelst nicht,
Du trägst ein farbloses Panzerkleid
Und hast ein bekümmertes altes Gesicht,
Als wüßtest du um kommendes Leid.
Seestütchen! Schnörkelchen! Ringelnaß!
Wann war wohl das?
Und wer bedauert wohl später meine restlichen Knochen?
Es ist beinahe so, dass ich weine –
Lollo hat das vertrocknete, kleine
Schmerzverkrümmte Seepferd zerbrochen.

“Das sieht dir wieder ähnlich, dass du so einen Schweinkram auswendig kannst.”

“Genau deswegen bist du stolz auf mich.”

“Und weil du so schön Schilder knipsen kannst.”

“Und dergleichen.”

“Grr.”

Grünes Seepferdchen“Stell dich mal zu dem Hai, dann knips ich dich.”

“Der Hummer tut’s nicht?”

“Nein, der wohnt zu finster. Hai hat besseres Licht.”

“Na, dann zu den Seepferdchen.”

“Quark. Schau mal, wie groß die sind. Da krieg ich grade deinen großen Zeh daneben drauf.”

“Ich werd mich nicht zu den Muscheln stellen. Es heißt Sea Life, nicht Beach Life.”

“Nein, die sind für die Kindervorstellung aufm Trockenen. Hast du eigentlich Haare gewaschen?”

“Genau an dem Tag, wo du zum letzten Mal die Unterhose gewechselt hast.”

“Du willst doch wohl nicht in Klamotten ins Aquarium.”

“Wenn du mich zu den bakteriologischen Präparaten steckst, mach ich’s wie deine grauslichen Quallen.”

“Und ich wie die Austern.”

“Okay, zum Hai.”

“Armer Hai.”

“Kann mir kurz jemand auf die Sprünge helfen, wozu ich dir den Eintritt bezahlt hab?”

Lecker Brauseröhrchen“Damit du mich allein in die Sonderausstellung Quallen schickst, die im Preis mit drin wär, und derweil noch mehr Geld für Eis, Brauseröhrchen und Plüschnemos ausgeben kannst.”

“Nää, lass mal. Einen Plüschhai hätt ich vielleicht genommen.”

“Einen Hai? Im Ernst?”

“Der war souverän, der Hai. Also der echte vorhin. Wie Sherman auf meinem Bildschirmschoner.”

“Echt? Den gibt’s wieder? Für Vista?”

“Für XP jedenfalls.”

“Ein Grund mehr, mit Windows 7 zu warten.”

“Meine Rede. Bis in die Steinzeit.”

“Haie gibt’s ja schon länger. Da werden die schon noch eine Zeitlang halten.”

“Nicht so lang wie Nautilus, die gibt’s ja schon seit… naja — lang.”

“Eine stabile Lebensform. An der Konstruktion scheint irgendwas zu stimmen.”

“Wegen Survival of the fittest und so? Darwinist.”

“Wer fängt jetzt wieder an mit dem Schweinkram?”

“You ain’t seen nothing yet.”

“Ich weiß, ich weiß. Neunzig Prozent allen Lebens.”

“Consider the hübschen Mädels.”

“Charmeur.”

Ruderambiente

Bilder: Sea Life München, Muttertag 9. Mai 2010.

Written by Wolf

26. May 2010 at 6:41 am

Posted in Fiddler's Green

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