Moby-Dick™

Leben mit Herman Melville

Es lebt der Mensch ein Streben lang

leave a comment »

Update — kein Überschreiben mehr möglich — zum Junigewinnspiel:

Das war ein hartes Rennen! Zu vervollständigen war der Satz

Es strebt der Mensch ein Leben lang

Aufs Finale zu zeichnete sich ab, dass der Atem der Athleten immer länger, jedoch nie langatmig wird. Die Vorlage, die sich aus dem Stand spülend in die dunstigsten Sphären der Küchenphilosophie erhob, lieferte der Dichtungsring:

Es strebt der Mensch ein Leben lang
und im nächsten fängt er von vorne an.

Noch kürzer glaubte sich Gingi mit einer Lösung fassen zu können, deren besondere Grandezza in ihrer spartanischen Sportlichkeit liegt. Genau 1 (Betrag in Worten wiederholen: einen) Buchstaben fügte Gingi hinzu, mit dem er dem Satz neuen Sinn verlieh. Selbst mit zwei leichten Korrekturen in der Orthographie bleibt da kein Zeichen zuviel und keins zuwenig — was der Definiton von wahrer und großer Kunst sehr nahe kommt:

Es strebt der Mensch, ein Leben langt.

Keine leichten Gegner! Der Lokalmatador smashill, kaum dass er das Ziel erkannte, feuerte umgehend aus allen Rohren:

Es strebt der Mensch ein Leben lang, deshalb gibt’s heut zu wenig Wein, Weib und Gesang.

Es strebt der Mensch ein Leben lang, in der Schule haben Streber noch aufs Maul gekriegt, heute schauen Sie auf die Harz-IV-Empfänger runter und haben immer noch Angst, alleine durch dunkle Straßen zu gehen.

Es strebt der Mensch ein Leben lang, drum wär ich gern ein Delphin oder Wal, würde das Meer nicht so versaut sein.

Es strebt der Mensch ein Leben lang, morgens mit seiner Hose aus dem Haus zu gehen.

Wie nie anders zu erwarten, stürmte Elke aus dem Hinterhalt, um keinen Stein auf dem anderen zu lassen. Vor ihrer Ergänzung eines Satzes schweigt jeder Kommentar. Wer das zu Ende gelesen hat, sollte gar nicht erst dem Impuls zu widerstehen suchen, still sein Kreuzlein zu schlagen.

Ewiglange (Un)Ode an das ewige Streben und so

Elke HegewaldEs strebt der Mensch ein Leben lang
im Tun und auch im Meiden
Nach Hab und Gut, Wein, Weib, Gesang,
nach Freuden – oder Leiden,

nach Sinn, nach Ehre, Lohn und Brot,
nach Gipfelsturm, nach Ruhe.
Und kriegt er keine Flügel nicht,
will er bequeme Schuhe.

Der strebt nach Macht, nach Volk und Raum,
will siegen oder erben,
der nach Willkomm, nach Abschied kaum —
in dem wohnt stets ein Sterben.

Strebt auf, strebt ab, nach Höh’rem gar,
verbissen und versponnen,
und sieht sich oft doch wieder da,
wo alles hat begonnen,

strebt von der Wiege bis zum Tod
geklagt sei’s und gepfiffen –,
in seinem Lebenssegelboot
die Klippen zu umschiffen,

auf die es ihn tagein, tagaus
in Sturm und auch bei Flaute,
bei Wellengang und stiller See
hintrieb: wo Finstres graute,

wo Morgenrot ihn mal ergriff,
als neue Ufer harrten;
wo ‘s Steuer brach, das ganze Schiff,
als ihn Sirenen narrten

vielleicht auch der Klabautermann —
mit Sang und mit Verlocken.
Mal kam er, mal kam er nicht an,
tat Lieb’ und Seel’ verzocken.

Sieht Inseln blühen oder Wahn,
Weiß nie, was kommt am Ende.
Er strebt und rackert, dass sein Kahn
auch mal ‘nen Hafen fände.

Der hier will alles, der da grient,
nimmt’s leicht, was kommt, mit Spaß.
Kriegt einer je, was er verdient? –
Der sag’: wie geht denn das?

Der alte Mann am Fische zieht
im Meer, das ihm verwandt.
Der Dichter träumt, dass einst ein Lied
man singt – von seiner Hand.

Ich streb und taste mit dem Zeh,
Dem großen und dem kleinen,
dass ich nicht fall und aufrecht geh
auf Wiesen, Strand und Steinen,

aus Strandgut Hühnergötter klaub
oder ‘nen Engel fänge…
was Glück bringt, wenn ich nur dran glaub,
in angemessner Menge.

Es irrt der Mensch, solang er strebt –
und andersrum stimmt’s auch,
wer ohne Fehl ist, werf’ den Stein —
die Sehnsucht wohnt im Bauch.

Du liebst, strebst, träumst, traumtanzt – und fällst.
Ja mei, auch das kommt vor.
Wer nicht mehr liebt und nicht mehr irrt,
der ist ein armer Tor.

So geht’s uns allen, gell, mein Freund?
Da hilft auch kein Gezeter.
Der Trick ist: wieder aufzustehn —
lang hinschla’n, das kann jeder.

***

Was sind wir doch ein seltsam Tier,
das großtut: “Streber samma!” —
Zuviel gestrebt, das wissen wir,
bringt Stress und Katzenjammer.

Mensch, alter Streber, halt mal ein!
Musst du denn stets durchs Leben rasen?
Sooo schlimm kann es doch wohl nicht sein:
sich einfach auch mal treiben lassen…
die Beine baumeln… Wolken zählen…
die Sommersprossen auf der Nasen…
die Lieblingshandynummer wählen…
auf der Mundharmonika blasen,
Zu zweit allein das eine tun;
in Platten stöbern – oder Truhn.
Zu Haus in sich sein dann und wann,
bevor der Tanz hebt wieder an:

Es strebt der Mensch sein Leben lang,
ob er gesund ist oder krank.
So soll’s wohl sein. Die Zeit verrinnt,
drum, Steuermann: Bleib hart am Wind!
Zurück ans Ruder in dein Boot –
weil wenn du aufhörst, bist du tot.

Die Adresse von Elke ist bekannt, die von smashill war es kurzzeitig, stand aber auf einem inzwischen ausgemisteten Zettel, was niemand persönlich nehmen muss. Schreibst du sie mir bitte nochmal? Dichtungsring und Gingi sind neu im Olymp und müssen ihre Adressen erst verraten. Gewonnen haben alle, jeder kriegt was Feines, das Porto Büchersendung geht aufs Haus.

Soll ich noch meine Lieblingslösung aus meiner Schulzeit sagen? Geliefert hat sie mein nachmaliger Deutsch-LK-Lehrer, dem wir wünschen wollen, dass er hinter seinem einsteinesken Schnauzbart eine angemessene Pension verknuspert:

Es strebt der Mensch einen Leben lang
nach Bockwurst, Bier und Zitherklang.

Hach… gerade weil er sich den dritten Schritt zur deutschlehrerhaften Alliteration und vor allem “Klampfenklang” verkniffen hat…

Herr OStR C. Ruppert (nein, nicht der H. “Musik”-Ruppert. Und sind Sie jetzt eigentlich noch StD geworden?) kriegt leider nix, obwohl er jede gut eingelesene Schwarte verdient hat — aber wenn er mir auf ein paar Tage die 1988er Abizeitung zum Abkopieren leihen könnte (das war die mit meinem “Werther’s Echte”-Comic drin, die ich zu vage erinnerten sieben Achteln im Alleingang mit der Nadja gemacht hab, oder ham die andern dreieinhalb was anderes gemacht als zwei Druckereien angefragt? Und nein, das Sekretariat hat sie nicht mehr), wär ich ihm auch nicht bös.

Danke an alle!

Written by Wolf

21. June 2010 at 9:56 pm

Posted in Kommandobrücke

Leave a Reply

Fill in your details below or click an icon to log in:

WordPress.com Logo

You are commenting using your WordPress.com account. Log Out / Change )

Twitter picture

You are commenting using your Twitter account. Log Out / Change )

Facebook photo

You are commenting using your Facebook account. Log Out / Change )

Google+ photo

You are commenting using your Google+ account. Log Out / Change )

Connecting to %s

%d bloggers like this: