Moby-Dick™

Leben mit Herman Melville

He which hath business, and makes love, doth do / Such wrong, as when a married man doth woo.

with 5 comments

Update zu Fragen eines Dilettanten mit einem Radio daheim,
Teach me to heare Mermaides singing
und Märchenstunde morgen (heute nicht):

Die Fragen sind doch die:

Celeste Tumulte, Little Ghost Girl, September 1, 20091.: Wird die Generation, die jetzt in die Altersheime strömt, sich im Aufenthaltsraum darum prügeln, ob Beatles oder Stones aufgelegt werden sollen? Ich mein — Fritz “Wenn’s der Wahrheitsfindung dient” Teufel ist tot und Rainer Langhans siebzig, und selbst die anderen, die zufällig nicht Teufel oder Langhans heißen, rasten bei einer Beschallung wie in Einer flog über Kuckucksnest doch schon beim Intro aus, oder nicht?

2.: Wieso fehlt in Jane Eyre der ganze Lebensabschnitt, in dem Jane aktiv selbstbestimmt zu denken anfängt und sich ihre endgültige Persönlichkeit zulegt? Nachdem im Internat Lowood ihre beste Freundin Helen Burns gestorben ist, überspringt sie ausdrücklich die acht Jahre, in denen sie von der Schülerin zur Lehrerin aufsteigt — am Ort ihres jahrelangen Leidens zum Beruf ihrer Misshandler — weil dem hochintelligenten Mädel nichts Besseres einfiel? Ist das Ihre Weise, das bildnerische Gestaltungsmitttel des Weißraums auf Entwicklungsromane anzuwenden, Frau Brontë?

3.: Wer schreibt mir bis Oktober die Einträge? Ich hab zugesagt, bis dahin 14 (in Worten: vierzehn) Gedichte von John Donne zu übersetzen. Die sind wirklich schön, sollen sinnstiftend auf einer hochstehenden Website und soviel wie reingeht in einem CD-Booklet unterkommen, taugen wie nix als Referenzen für meinen gedeihlichen Fortgang als Lohnschreiber und sollten gerade heute, gerade hier gelesen werden, ohne dass man pro Zeile zweimal in seinem pfundschweren Pons blättern muss. Das bedeutet: jede Woche durchschnittlich 1,5 Barockhämmer exorbitanten Schwierigkeitsgrades, die in den verflossenen vier Jahrhunderten noch niemand zur Gänze verstanden hat, in flüssigem, süffigem, genießbarem Deutsch abliefern, einer verschraubter, verschrobener, verwinkelter als der andere und dicht voll Bedeutungsebenen sonder Zahl gestapelt, und Seine Exzellenz Donne schont seinen Übersetzer nicht und reimt seine metaphysischen Auslassungen paarig, gekreuzt, umarmt und geschweift. Moby-Dick™ wird brachliegen (was tut er eigentlich jetzt…?), meine Frau wird mir die Hölle heiß machen, dass ich, wenn ich schon mal einen vollständigen deutschen Satz an sie richte, rede wie das Lichtdouble für Shakespeare (was tut sie eigentlich jetzt…?), ich werde in Binnenreimen, strophenübergreifenden Enjambements und gerade mal so postmittelalterlichen Conceits denken (was tu ich eigentlich jetzt?) — aber wenn ich 14 Donne-Gedichte auf Zeit geschafft hab, kann ich alles.

The Bait

Rachael Bae, The habit of Decomposing, July 5, 2010Come live with me, and be my love,
And we will some new pleasures prove
Of golden sands, and crystal brooks,
With silken lines and silver hooks.

There will the river whisp’ring run
Warm’d by thy eyes, more than the sun;
And there th’ enamour’d fish will stay,
Begging themselves they may betray.

When thou wilt swim in that live bath,
Each fish, which every channel hath,
Will amorously to thee swim,
Gladder to catch thee, than thou him.

If thou, to be so seen, be’st loth,
By sun or moon, thou dark’nest both,
And if myself have leave to see,
I need not their light, having thee.

Let others freeze with angling reeds,
And cut their legs with shells and weeds,
Or treacherously poor fish beset,
With strangling snare, or windowy net.

Let coarse bold hands from slimy nest
The bedded fish in banks out-wrest;
Or curious traitors, sleeve-silk flies,
Bewitch poor fishes’ wand’ring eyes.

For thee, thou need’st no such deceit,
For thou thyself art thine own bait:
That fish, that is not catch’d thereby,
Alas! is wiser far than I.

Noch Fragen? Keine? Dann hätte ich gern Antworten, bittedanke.

Bilder: Danca Dos Erros, 2009;
Rachael Bae: The Habit of Decomposing, 5. Juli 2010.

Written by Wolf

15. July 2010 at 7:20 am

Posted in Laderaum

5 Responses

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  1. Donne ist toll. Da beneide ich Dich. Der Mensch wächst ja an seinen Aufgaben.
    (Ich hab grad überlegt, verhält sich Donne zu Shakespeare eigentlich wie Stones zu Beatles? Aber ne, vermutlich eher wie Gallagher zu Hendrix. Bei mir im Altersheim wird dann natürlich Country aufgelegt, haha!)

    cohu

    15. July 2010 at 9:01 am

  2. Da gibts allerhand zu wachsen. Es hieß ja nix, bis wievielten Oktober, oder? Und 2010 oder 2011…? Ein gutes Zeichen — die Prokrastination greift schon.

    Donne zu Shakespeare verhält sich selbstverständlich wie Kristofferson zu Cash, und bis unser Altersheimbett frei wird, kriegt jeder seinen eigenen Kassen-iPod, juhu, dafür Raucher-Aufenthaltsräume erst wieder für die Generation 90+.

    Wolf

    15. July 2010 at 4:31 pm

  3. Ach ja: 4.: Warum muss ich Eier im Kühlschrank aufheben, wenn sie in jedem Laden neben dem Kühlfach stehen?

    Wolf

    19. July 2010 at 3:37 pm

  4. Musst Du gar nicht. Auf den Eiern steht ein MHD und ein “zu kühlen ab”, wenn man sie schnell verbraucht kann man sie auch draußen stehen lassen (angeblich wird das Rührei mit Nicht-Kühlschrankeiern besser…)

    cohu

    20. July 2010 at 7:25 am

  5. […] leave a comment » Update zu Teach me to heare Mermaides singing und He which hath business, and makes love, doth do / Such wrong, as when a married man doth woo: […]


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