Moby-Dick™

Leben mit Herman Melville

Die Grande Dame der Bootsrestaurierung

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Update zu Er bläst wieder (und wieder):

Andrew Testa. Im Hafen von Newport steht die International Yacht Restoration SchoolElizabeth Meyer hatte in den siebziger Jahren 125.000 Dollar geerbt. Davon kaufte sie Bauland auf Martha’s Vineyard — vorausschauend, wie sich Jahre später zeigte. Da bekam sie für das Land auf der Nobelferieninsel vor Cape Cod zehn Millionen. Die hat sie in die „Endeavour” gesteckt, komplett. Verkauft hat sie das Schiff später für 15 Millionen. Sie leistete sich eine Farm in Massachusetts, 500.000 Dollar spendete sie für Denkmalschutzprojekte in Newport, mit dem Rest beglich sie Schulden. Es glaubt ihr keiner. Immer wieder kommen Leute auf sie zu: Wollen Sie einen Rembrandt kaufen? Für eine Million? „Ich hab kein Geld”, sagt sie dann. „Haha”, amüsieren sich die Gesprächspartner, ,ich wohne zur Miete’, haha.”

Anfang der achtziger Jahre begann sie zu recherchieren. Von den ursprünglich zehn Yachten hatten drei überlebt: „Shamrock V”, „Endeavour I” und „Velsheda”. Meyer arbeitete zu jener Zeit als Journalistin und überzeugte den Chefredakteur des „Nautical Quarterly”, sie nach Europa zu schicken; dort sollten die Boote sein. In Monaco fand sie „Shamrock V”, die britische Herausforderin des America’s Cup von 1930. Der einst ideal proportionierten Yacht waren alle möglichen Aufbauten zugefügt worden, und Meyer dachte nur: Gebt mir eine Kettensäge. Aber immerhin, sie war seetüchtig.

Andrew Testa. Das Rampenlicht schätzt sie nicht, elegante Boote um so mehr. Nicht nur die berühmte Endeavour gehörte Elizabeth Meyer. Über 80 Boote hat sie restauriert.Dann, an der britischen Küste, in einem ehemaligen Lager für Wasserflugzeuge aus dem Zweiten Weltkrieg, das einst berühmteste Segelschiff der Welt: die 40 Meter lange „Endeavour”. „Ich stand vor ihr und sah aus wie eine Comicfigur”, sagt Meyer, „wie hypnotisiert.” Im Bauch der „Endeavour” sammelte sich Laub, sie war nicht einmal mit einer Plane bedeckt. Um sie herum gammelten noch ein paar andere Boote, sonst war hier nichts. Elizabeth Meyer lieferte ihrem Chefredakteur die versprochene Geschichte. Und kam Monate später wieder, mit einem Scheckbuch und einem Plan.

Wie viel sie bezahlt hat, verrät sie nicht, viel wird es nicht gewesen sein; die beiden Männer, denen die „Endeavour” vor ihr gehört hatte, hatten sie für je zehn Pfund gekauft.

Elizabeth Meyer lebt mit ihrem Mann und zwei Katzen in einem zweistöckigen Haus aus dem 18. Jahrhundert, unterhalb der Kirche in Newports Zentrum, umgeben von einem üppigen Garten, den sie täglich pflegt. Das Haus mit den knarzigen Stiegen und Bruce Chatwin im Regal ist von den Prachtbauten der Bellevue Avenue weit entfernt, auch von den Eitelkeiten und Gerüchten, die die Sommergäste aus Manhattan mitbringen.

Steffi Kammerer: Liebesdienste einer Lady, in: mare 75, August 2009.

Weiterlink: Elizabeth Meyers International Yacht Restoration School in Newport.

Bilder: Andrew Testa für mare: “Im Hafen von Newport steht die International Yacht Restoration School” und “Das Rampenlicht schätzt sie nicht, elegante Boote um so mehr. Nicht nur die berühmte Endeavour gehörte Elizabeth Meyer. Über 80 Boote hat sie restauriert.”

Written by Wolf

22. August 2010 at 12:17 pm

Posted in Moses Wolf

2 Responses

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  1. […] This post was mentioned on Twitter by boote, boote. boote said: Die Grande Dame der Bootsrestaurierung « Moby-Dick™: Meyer arbeitete zu jener Zeit als Journalistin und überzeugte… http://bit.ly/9bHRcK […]

  2. […] zu Die Grande Dame der Bootsrestaurierung und Zwei Windjammer für eine Wasserleiche: Vom Drachenkopf bis zur Meerjungfrau: Seit […]


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