Moby-Dick™

Leben mit Herman Melville

Wiser far than I

with one comment

Wie versprochen: Die Übersetzungen der metaphysischen Gedichte von John Donne et collegae für Loves Alchymie laufen noch, ich gebe alles. Fertig ist eine schön marschierende Version von The Bait.

Kelseeee, guess what i'm done, writing your book, October 18, 2009Irgendwas ist ja immer: Ohne Hille Perls kenntnisreichen Hinweis darauf, dass in The Bait der für Donnes Empfinden zu populäre Christopher “Kit” Marlowe verulkt wird — Shakespeares beste Konkurrenz, den Sie aus Shakespeare in Love kennen — hätte ich nicht einmal die parodierende Tonart ins Ohr genommen. Und wie um des Himmels willen parodiert man Marlowe?

Nach zwei, drei Tagen so vergnüglichem wie unnützem Blättern in meinem herumgilbenden Penguin-Marlowe erwies es sich als hilfreich genug, so altertümelnd zu schreiben, wie ich sowieso dauernd rede. Das schmeichelt dem Textfluss, es war ja auch so ein wässriges Thema. Ich musste einfach nicht geradezu verhindern, dass Strophe 1 so unvermeidlich nach dem Erlkönig klingt, und schon gibt’s einen intertextuellen Bezug, der als Parodie (griechisch für “Gegen-Gesang”) durchgeht. So viel Glück — das schon als nächste Versprechung — hab ich bei den nächsten Übersetzungen nicht.

Vor allem war der Rhythmus des Originals nicht einzuhalten, egal ob ich mir drei Stunden oder drei Jahre Zeit zum Einlesen und Umschmelzen genommen hätte: Englische Wörter sind nun mal kürzer denn deutsche. Da musste ich vor allem in Strophe 5 ein Stück Inhalt opfern, das der Gesamtaussage hoffentlich nicht zu viel abbricht.

Die Silben der einzelnen Verse sind mit Daktylen statt Trochäen aufgefüllt, die von Natur aus eine Senkung mehr haben und meinem bisherigen Überblick nach nirgends knitteln — was meint: Die Hebungen stimmen überall, zu den Senkungen warte ich erst noch ein, zwei Jährchen zeitlichen Abstands ab, um kalten Herzens noch mehr hinauszukicken. Wer sich jetzt den Text ohne das Original im Ohr hersagt, sollte nicht mehr viele Einwände erheben müssen.

Aus Pragmatik sind manche Stellen wörtlich übersetzt, andere nachgedichtet — was dem Original insofern strukturell entspricht, als ab der 5. Strophe eigentlich ein neues Gedicht anfängt. Die letzte Strophe mag ich ganz gerne. Das liegt aber großenteils am Rohstoff und ist darum doch recht ordentlich geraten, finde ich in meiner grenzenlosen Bescheidenheit.

Der Köder

Brittney Bush Bollay, Skinny Legs and All, February 28, 2007Komm her zu mir und leb mit mir,
Gar neue Freuden zeig ich dir
An kristallenem Bach auf goldenem Sand
Mit silbernem Haken an seidenem Band.

Wo dein Auge den murmelnden Fluss erblickt,
Das ihn noch mehr denn die Sonne erquickt,
Wird sich das Fischvolk in dich verlieben
Und sehnen, mit dir den Treubruch zu üben.

Badest in all diesem Leben du dann,
Kommt jeder Fisch, welcher mit Drum und Dran
Bestückt, gleich entzückt zu dir hingeschwommen
Und nimmt dich froher, als wenn du ihn genommen.

Ist dir dergleichen abschlägig beschieden,
Deine Blöße dem Mond und der Sonne zu bieten,
Verfinsterst du beide. Wie bescheidest du mich?
Ich bedarf ihres Lichts nicht, denn ich hab ja dich.

Sollen andre frieren, bluten
In Schilf und Rohr, mit Angelruten
Und Schlingen und Reusen und löchrigen Netzen
Sich selber täuschen und die Fische verletzen.

Sollen ruppige Hände an den Ufern sich schinden,
Schleimigen Nestern die Brut zu entwinden
Und durch Verrat mit hemdseidnen Fliegen
Das schweifende Auge des Fisches zu trügen.

Denn du bedarfst nicht solcher List,
Weil du dein eigner Köder bist:
Der Fisch, der dem entwischt, ist leider
Um einiges als ich gescheiter.

Bilder: Kelseeee: guess what i’m done, writing your book, 18. Oktober 2009;
Brittney Bush Bollay: Skinny Legs and All, 28. Februar 2007.

Written by Wolf

24. September 2010 at 6:47 am

Posted in Reeperbahn

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  1. […] Obligates Update zu Teach me to heare Mermaides singing und Wiser Far Than I: […]


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