Moby-Dick™

Leben mit Herman Melville

Avril on the Ground

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Update zu Ambra (Love Is a Touchscreen App):

Man erlebt meistens angenehme Überraschungen, wenn man in der Stadtbibliothek einfach irgendwelche DVDs mit einpackt, manchmal sind auch Offenbarungen dabei. Die Best Damn Tour: Live in Toronto von Avril Lavigne war ganz okay. Ein springfröhliches, ehrbares Gerocke und Gepunke mit lustigem Abgang, das gute Laune macht, das geht schon klar.

In München hängt derzeit massiv die Plakatkampagne für ihre neue Goodbye Lullaby. Au fein, denk ich — die jungische Rotzröhre im Gotenkleidchen hat was Neues gemacht, daheim mal YouTube anschmeißen. Und jetzt sagen wir’s mal so: Ich erspare uns allen das Video zu What the Hell. Die Frau will 2011 siebenundzwanzig Jahre alt werden; sie entdeckt nicht soeben staunend ihre Sexualität, sondern wurde 2009 geschieden — und sie scheut sich nicht, ihren Collegefilmchensound mit einem dünnen Alibi für eine Geschichte über freche Schulmädchen zu untermalen, die ihre persönliche Freiheit über die Möglichkeit definieren, gedankenlos, wenn nicht offensiv anderer Leute Geld zu verschleudern und dafür geliebt werden wollen. Das ist so mies, dass es schon wieder surreal ist.

Es muss also Absicht sein. Nicht wahr, Frau Lavigne, das ist es doch: Absicht? Nicht wahr, das meinen sie doch bestimmt wieder so, na, Dings, ironisch, dass man’s nur in Berlin Mitte kapiert und zur Not noch in Ontario, wo Sie doch, wie man hört, herkommen, und nur wir Tom-Waits-verseuchten Landeier, die achthundertseitige Bücher aus dem neunzehnten Jahrhundert lesen und dazu das Orgelwerk von Bach auf Anschlag stellen, weil sie’s immer etwas gröber brauchen, wieder nix schnallen? Bitte sagen Sie schon, dass es Absicht war, ich will Sie doch eigentlich mögen.

Frau Lavigne aber schweigt. Jedenfalls zu ihrer neuen Platte ist ihr interviewweise nichts anderes zu abzuringen als was ihr die PR-Mieze von RCA Records zu lernen aufgegeben hat. Tragisch, sowas.

Akustisch bekommt die junge Frau Lavigne recht durchwachsene Sachen zu tun: Eindeutigere Einschätzungen als “Ihr Musikstil ist zwischen Pop und Rock angesiedelt” und “Durch diese Einflüsse, dem Musikgenre und ihren persönlichen Stil wird Lavigne von den Massenmedien häufig als Punk beschrieben” (sic) sind offenbar nicht möglich. Jetzt kriegt sie eben die volle Palette Himbeerbonbon-Punk zugetraut samt der Attitüde, dass sie “ihre Songs selber schreibt”. Optisch dagegen schafft sie ein Genre mit, das sich bislang hauptsächlich in besonderen Flickr-Gruppen manifestiert. Keine Ahnung, wie das heißt. Sieht aber spaßig aus. Definieren wir es vorläufig übers Bildmaterial. (Verlinkt sind größere Bilder, als sie hier erscheinen. Selbstverständlich sind den Freunden des gepflegten Frauenfußes, die sich gerne bei uns einfinden, längst die Funktionen “Grafik anzeigen”, “Grafik speichern unter” und “Grafikadresse kopieren” hinter der rechten Maustaste in die Klickroutine übergegangen.)

The Faintest Way, Piano

Dazu Avril Lavignes Beitrag:

Avril Lavigne, Goodbye Lullaby Cover outtake, 2011

Avril Lavigne, Goodbye Lullaby Cover outtake, 2011

Und jetzt weiß ich’s wieder: Auf der Live in Toronto war sie auch nicht in den überengagierten Videos, sondern live am besten. Mittlerweile kann dazukommen, dass modernistische Neuinterpretationen von Alice in Wonderland überstrapaziert werden. Vielleicht sollte man solche Sachen immer erst zwanzig Jahre ruhen lassen, bis sie wieder reif zum Entdecken sind.

Bildmaterial: das meiste aus Flickr, und da aus dem Pool von My Love Affair With The Piano ;
Video: Avril Lavigne: Alice (Underground), aus: Almost Alice, dem Soundtrack zur Alice in Wonderland-Verunglimpfung von Tim Burton, 2010.

Written by Wolf

26. March 2011 at 2:05 pm

Posted in Rabe Wolf

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