Moby-Dick™

Leben mit Herman Melville

Damit Ruhe ist

with 7 comments

Auflösung zum Märzgewinnspiel: Be a Mitruhender!:

Die Unruhe ist allemal der stärkste Sucher der Ruhe.

Ernst Bloch.

Der größte Sinnesgenuss, der gar keine Einmischung von Ekel bei sich führt, ist, im gesunden Zustande, Ruhe nach der Arbeit.

Immanuel Kant: Anthropologie, 1798.

Die einzig vernünftige Antwort aber auf die Frage: Wie kommt es, daß eine Translation im Äther sich nicht von Ruhe unterscheiden läßt? war die, welche Einstein gab: weil er nicht existiert!

Hermann Weyl: Raum, Zeit, Materie — Vorlesungen über Allgemeine Relativitätstheorie, 1919.

Moby-Dick™ hat selbstverständlich die klügsten, schönsten und gerissensten Leser unter allen Weblogs diesseits des Pecos, was sich, wenn man’s nicht von selber wüsste, darin manifestiert, dass sie eine Aufforderung wie “Be a Mitruhender!” verstehen, wie ihnen selbst beliebt: Nämlich so, dass sie in Ruhe verharren. Ich bin stolz auf jeden einzelnen. Und das mein ich nicht halb so sarkastisch, wie es klingt: Na klar ruht man am günstigsten, indem man ruht. Wie konnte ich je auf etwas anderes verfallen.

Allein die gute Hochhaushex Elke, das verlässliche Haus, hat sich die Arbeit gemacht und Fotos dazu. Dabei hätte jeder verlorene Einkaufszettel, über den sichtbar mal ein Fahrradreifen drübergewischt ist, gereicht, solang einer dazuerklärt: Na, das ist doch die Textur von der Freizeitwohlfühlgammelhose von dem Typen, Määänsch. Wo ich so kindlich leicht zu überzeugen und zu erheitern bin.

Elke gewinnt eine Entschädigung dafür, dass sie nicht geruht hat, für ihr Bild von Kai:

Kai by ElkeKai ist grad im Bewerbungsmodus, und man kann ja nie wissen, ob der Personalchef nicht mal schnell im Internet guhuugelt, wie versoffen oder verbohrt sein künftiger Mitarbeiter ist oder wie verspielt seine Perle. (Hmjoh… das T-Shirt kam beiläufig direkt aus dem mitgeführten Wanderrucksack auf den Mann, nachdem der Inhalt des vorletzten Glases – hier nicht im Bild – durchs Hemd geflossen war. Von außen.)

Von Elke stammt auch der überaus treffende Einwand auf meine Gewinnspielanleitung: Leute in Ruhe sind keineswegs leichter anzusprechen als welche in Bewegung, denn offenkundig wollen sie genau das: ihre Ruhe.

Das ist eine Entscheidung für ein Bild, die zwangsläufig eine gegen die ganzen anderen sein muss. Besuchet Elke und lernt, wie man Realpoesie gestaltet. Für das Bild und ihre feinsinnige Beobachtung über ruhende Menschen gewinnt Elke einen Haufen Bücher, je nachdem, was für einen großen Karton ich auftreibe. Der Rest geht an eine karitative Ruhestiftung.

Faul war ich selber. Vorgestellt hab ich’s mir ungefähr so, wie wenn die Enkelinnen von Janis Joplin und Patti Smith fürs Proseminar “Popliteratur” lernen. In Vorder- und Rückansicht (und Desktop-Hintergrundgröße) im Münchner Hofgarten:

(Das schlechte Gewissen für ein Candid scheint doch leichter erträglich als die 50% Wahrscheinlichkeit für eine Abweisung einschließlich Anpflaumen. Wenn einen die Leute schon für einen perversen Spanner halten, sollen sie wenigstens Recht haben.)

Danke, Elke!

Aufreibend geruhsame Schnulze: Evanescence: My Immortal, aus: Fallen, 2003
featuring Amy Lee im Barcelonischen Barri Gòtic.

Written by Wolf

1. April 2011 at 6:57 am

Posted in Kommandobrücke

7 Responses

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  1. Okay, wir konstatieren: Es gab eine Menge mehr Mitruhender als Mitmachender. Wogegen im vorliegenden Fall nicht mal einer was haben darf. Schließlich erging die Aufforderung geradezu suggestiv. :o)

    Hey, und nun kannst dus ja auch ruhig zugeben, Wolf – es ging dir ja eigentlich überhauptz nicht um das Gewinnspiel, nicht sehr. Sondern um die Gelegenheit, die zwei “Enkelinnen von Janis Joplin und Patti Smith”, fürs Proseminar “Popliteratur” lernend, in Vorder- und Rückansicht auf der Gänseblümchenwiese (oder isses Klee?) vorzuführen. Nicht wahr? ;o) Was recht gelungen rüberkömmt. Dochdoch, schöner Schnappschuss.

    Kschsch… ‘sch mach ja nur Spaß!* Außer mit dem Letztesten.

    Und ich sag: Dankedu.

    hochhaushex

    2. April 2011 at 6:37 pm

  2. Die Motivation zum Gewinnspiel muss ich von mir weisen, auch wenn es für das Bild spricht, dass jemand das glaubt .ò) Vielmehr ging es darum, Bücher auszumisten. Und du musst jetzt Platz dafür schaffen. Ich lass auch den Tolstoi-Klotz weg, den hast du bestimmt selber dreifach besetzt.

    Wolf

    3. April 2011 at 9:38 am

  3. Wohlwohl, es spricht für das Bild – egal wer das glaubt. ;o) Wiewohl meine Bilder- und meine Bücherseele grad uneins sind, welche Motivation ihnen dann lieber wäre; ausmisten hat so einen Touch von Müllsäcke an den Straßenrand stellen, hehe.

    —Was issn das für ein Tolstoi-Klotz? :o)

    hochhaushex

    3. April 2011 at 9:06 pm

  4. Wenn ich Müllsäcke an den Straßenrand stell, stilisier ich mich vielleicht vom Umweltverschmutzer zum Wohltäter, kann aber immer noch nicht sicher sein, dass das Zeug in gute Hände kommt. Denn wo man Bücher an den Straßenrand stellt, stellt man am Ende auch Menschen an den Straßenrand .ò)

    Der Tolstoi-Klotz ist vierbändig bei Pawlak, vermutlich Ende 70er, Anfang 80er: Autobiographische Schriften und Erzählungen I; Erzählungen II und Romane; dann Anna Karenina in zwei Bänden. Das hab ich mal unbesehen fürs Gesamtwerk gehalten, was weiß denn ein Zwölfjähriger… Bis ich die drei Dünndruckbände allein an Erzählungen bei Insel gefunden hab, und die bleibt hier :o) Also wahrscheinlich nix, was dich irgendwie locken könnte, ne.

    Wolf

    4. April 2011 at 6:02 am

  5. Du hast als Zwölfjähriger nach dem tolstoianischen Gesamtwerk gestrebt? Wow! Schon damit bist du wohl einzig. :o) Und ja doch, deine frühreife Antiquarie interessiert mich brennend, was denkst du! Nicht nur, weil das bei mir angesammelte Halbwerk sich hier vorwiegend in Originalsprache lümmelt, sondern vor allem, weil ich noch nie einen klotzigen Vater Tolstoi von Pawlak (da: Tolstoj) in Übersetzungen von jenseits des Rio Grande in der Hand hatte.

    Hey, und ich kenne tatsächlich einen, der zwar (wie du) nie Menschen an den Straßenrand stellen würde, wohl aber Bücher. Das heißt, er packt solche, so sie bei ihm überzählig sind, für Lesehungrige auf eine Bank vor seinem Haus, zum Mitnehmen. Die Leut wissen das und sind dankbar, und es haben sich dort schon mehr gute Hände gefunden, als man glauben mag.

    hochhaushex

    5. April 2011 at 3:58 am

  6. Ich hab als Zwölfjähriger nach tollen Büchern gestrebt und seitdem nicht viel dazugelernt, nur dass spätestens seit dem Tolstoi mein Misstrauen gegenüber Verlegern noch tiefer sitzt .ò)

    Bei uns im Treppenhaus geht auch ein schwunghafter Büchertausch wortlos vor sich hin. Einen Karton an dich hab ich bis jetzt noch gar keinen — muss erst wieder auf eine größere Lieferung warten — aber von mir darf da auch der Tolstoi mit. Den Bodensatz vom Schlage der Gartenratgeber setz ich halt aus. Wirdschonnochwirdschonnoch.

    Wolf

    5. April 2011 at 6:07 am

  7. Oh… nur keine ungesunde Hetze, schon gleich gar nicht zum Finale unseres o. g. Spielmottos. ;o) Und sowieso ist Vorfreude die schönste Freude.

    Hey, and we love the sound of silence. :o)
    *

    hochhaushex

    6. April 2011 at 1:08 am


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