Moby-Dick™

Leben mit Herman Melville

How odd! a dainty little skeleton-chamber; and—odder yet—sealed walls but windows be!

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Update zum Donnerstag:

2 von 3: Der deutsche Teil.

Als wesentlicher Unterstützer und regelmäßiger Veranstalter des Lyrik-Kabinetts steht immer wieder Michael Krüger aufgeführt, der Verleger von Hanser, ebenfalls in München. Das ehrt ihn. Der Mann ist hauptverantwortlich für das, was wir aktuell von Herman Melville auf Deutsch haben, und sonst noch für sehr viele, sehr gute Bücher. Hanser ist so ziemlich der letzte inhabergeführte Großverlag, dessen Gesamtprogramm man sich fast unbesehen aneignen kann: Wenn’s bei Hanser ist, wird’s schon kein Mist sein.

Tina Golden Moon Carp Fina, In My Green Armchair 2, 4. Februar 2009Das ist jetzt auch schon wieder zehn Jahre her, dass Hanser den Moby-Dick neu übersetzt herausgegeben hat. 2001 sollte es sein, zum 150. Jahrestag des Originals, in der Übersetzung von Friedhelm Rathjen. 2001 wurde es dann auch, wenngleich in einer derart überarbeiteten Fassung, dass Rathjen seinen Namen von der Übersetzung zurückzog. Hanser weist seitdem Matthias Jendis als Übersetzer aus, Daniel Göske als Herausgeber. Die Fassung von Rathjen ist sinnigerweise bei Zweitausendeins untergekommen — eine annähernd zeitgleiche Parallelübersetzung, heute bei btb (übrigens mit einer Verbesserung von unserem Mitsegler Jürgen) mit abweichender Zielsetzung, beide Fassungen mit eigener Berechtigung. Es war ein Geziehe und Gezerre bis kurz vorm Verlegerskandal, das einen als Bücherendverbraucher nichts Genaueres anging als an dieser Stelle beschrieben, und heute ist mit den zwei Neufassungen alles doppelt so gut.

Mir fällt nur auf: Michael Krüger als eine der maßgeblichen Stiftungspersönlichkeiten des Lyrik-Kabinetts enthält sich in seinen “Ausgewählten Werken” von Herman Melville ausgerechnet der Lyrik und überlässt sie einem österreichischen Verlag. Clarel und die Battle Pieces, beide bis vor kurzem notorisches Kassengift, sind schon fertig. Hat da der Herr Verleger die Ausgewählten Werke selbst ausgewählt? Geschieht das freiwillig? Fahrlässig? Zu teuer? Durch fremdes Copyright gebunden? Ohne Markt? Uninteressant? Nur was für die Österreicher? Und sollte es mich versöhnlich oder noch misstrauischer stimmen, dass die ansonsten vollständige Melville-Ausgabe der Library of America die ganze Lyrik auslässt?

Hanser vertreibt sehr wohl nach Österreich, und Herr Krüger verbringt seinen Feierabend doch bestimmt gerne mal auf einer Dichterlesung in teilweise seinem Lyrik-Kabinett. Falls er halbwegs so freundlich drauf ist wie der junge Zausel, der Kaffee kocht und Gedichtbände zurücksortiert, und nicht wie die weiland Putzfrau unter der Germanistik, könnte man da mal hin und ihn persönlich fragen. Wenn man als Bücherendverbraucher nur nicht immer so diskret wäre.

Jeunesse dorée: Tina “Golden Moon Carp” Fina: In My Green Armchair 2, 4. Februar 2009.
Vive la chanteuse: Zaz: Je veux, aus: Zaz, 2010.

Fortsetzung am Donnerstag, 28. April 2011.

Written by Wolf

24. April 2011 at 12:01 am

Posted in Reeperbahn

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