Moby-Dick™

Leben mit Herman Melville

Schön spricht der Physiologus: Teil 2 von 3: vom Walfisch

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Update zu den Sirenen und Eselskentauren:

17. Vom Walfisch (aspidochelone)

The Medieval Bestiary, AspidocheloneSalomon sagt in seinen Sprüchen: „Gib nicht acht auf ein schlechtes Weib; denn die Lippen der Hure sind süß wie Honig, und ihre Kehle ist glatter als Öl, aber hernach bitter wie Wermut und scharf wie ein zweischneidiges Schwert. Denn die Füße der Unvernunft führen ihre Diener nach dem Tode in die Hölle.“ Es gibt ein Untier im Meer, das Walfisch heißt, das hat zwei Eigenarten.

Die erste ist diese: Wenn es hungrig ist, öffnet es sein Maul, und ein gewaltiger Wohlgeruch kommt aus dem Maul, und die kleinen Fische riechen das und drängen sich in sein Maul, und es schluckt sie hinunter. Die großen und ausgewachsenen Fische nähern sich, wie ich finde, dem Untier nicht.

So ködern auch der Teufel und die Ketzer durch ihre trügerische Beredsamkeit – das ist durch den Wohlgeruch ausgedrückt – die, die noch töricht und nicht vollkommen im Bewusstsein sind, die in ihrem Denken Vollkommenen lassen sie unbehelligt. So ist Hiob ein ausgewachsener Fisch, Moses, Jesaja, Jeremia und die ganze Schar der Propheten. So ist Judith dem Holofernes entflohen, Esther dem Artaxerxes, Susanna den Alten, Thekla dem Thamyris.

Die andere Eigenart des Untiers ist diese: Es ist riesengroß wie eine Insel. Die Seeleute, die das nicht wissen, binden ihr Schiff an ihm fest wie an einer Insel, werfen die Anker aus und machen die Schiffspflöcke fest. Dann entzünden sie auf dem Tier ein Feuer, um sich etwas zu kochen. Wenn ihm nun heiß wird, taucht es in die Tiefe und reißt das Schiff mit sich.

So auch du, wenn du dich mit deiner Hoffnung an den Teufel klammerst, wird er dich mit sich in die Hölle des Feuers in die Tiefe reißen.

Schön spricht der Physiologus vom Walfisch.

Zitiert nach: Physiologus. Naturkunde in frühchristlicher Deutung.
Aus dem Griechischen übersetzt und herausgegeben von Ursula Treu,
Union Verlag (VOB) Berlin 1981, im Artia Verlag Hanau, 1998.

Bild: The Medieval Bestiary.

Bestiarisches Ziergetön: Cat Power: Werewolf (beachten Sie eine brutalere, aber angemessen stimungsvolle und cineastisch ergiebige Verbilderung), aus: You Are Free, 2003.

Written by Wolf

14. June 2011 at 1:01 am

Posted in Laderaum

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