Moby-Dick™

Leben mit Herman Melville

The Watercolors of the Astrokater

with 3 comments

Update zu Der alte Mann und der Miez und
This mere painstaking burrower and grubworm of a poor devil of a Sub-Sub:

Spineless Classics, Moby-Dick

Das muss ich erzählen. Statt mich, wie mit selbst gesetztem Termin zum verflossenen Halloween vorgenommen, um Kapitel 42 zu kümmern — auf dem Bilde oben schauen wir das Lesezeichen schon auf Höhe 42 vorgerückt —, hab ich den Deutschen Klassiker Verlag im Taschenbuch entdeckt; insel macht die, und der ist eine Unterabteilung von Suhrkamp, wer kennt sich schon noch aus mit diesen ganzen Aufkäufen, Imprints und Elefantenhochzeiten. Das waren diese wahnwitzig teuren Ausgaben verstorbener, als elitär verschrienen Deutschunterrichtsstoffe, da waren hundert Euro pro Band noch gar nichts.

Ja, und bei denen gibt’s auch die einzig wahre Ausgabe meines angestammten, fast hätte ich gesagt angeborenen Hausheiligen E.T.A. Hoffmann. In den Taschenbuchversionen, inzwischen angejahrt genug, dass man sie bei Amazon.de für den Gegenwert weniger Seidel Bier erwischt, dabei seitengleich mit den feudalpreisigen Hardcovers, les ich gerade, und deshalb fasse ich andere Leute in so viel Geduld mit dem Kapitel 42.

Ausgerechnet die Lebensansichten des Katers Murr sind noch nicht ins Taschenbuch übergegangen. Davon gibt’s aber eine etwas verbraucherfreundlichere Ausgabe — auch bei insel, die ja geradezu für sowas zuständig sind. Die Illustrationen von Maximilian Liebenwein sind hinreißend: lauter kleine, aber zahlreiche, sinnvoll in den Text eingestreut, dass es richtig Spaß macht, an jeder Ecke über ein nettes Katzenbild zu stolpern. Es sind scherenschnittartige Tuschezeichnungen oder etwas ähnliches, sichtlich Kleinformate, aber voller Details, mit einem sehr liebevollen Blick auf die Anatomie der Katze und die Lebenswelt von Bamberg im frühen Ottocento.

Die les ich aber gar nicht. Sondern die große, auf die ich nur zugreifen kann, weil ich die mal an jemanden verschenkt hab, mit dem ich heute zusammenwohne; dabei war das Hauptgeschenk das Vorlesen eines vollständigen belletristischen Werks, wobei ich natürlich an den beigelegten Kater Murr dachte. Das ist das Praktische am Verschenken von Gutscheinen: Sie werden wirklich nie eingelöst. Auch das Zusammenwohnen mit dem Kater Murr mit den Illustrationen von Michael Mathias Prechtl (ich hab die Sonderausgabe der Büchergilde Gutenberg, die sie mir erst gar nicht verkaufen wollten, weil ich kein Mitglied bei denen bin, aber bei dem Preis wollten sie dann doch nicht so sein) hat seine Vorteile: Prechtl hat nicht einfach den Text paraphrasiert, sondern eine eigene Galerie berühmter Katzen aus Literatur und Malerei eingeflochten. Das sind jeweils ganzseitige (Großformat!) Aquarellmischtechniken von Katzen, von denen man schon mal vage gehört hat, auf die man aber erst kommen muss, um ihre Verdienste für Kultur und Gesellschaft überhaupt zu erkennen.

Michal Mathias Prechtl, Astrokater SchrodingerSchrödingers Katze kennt man. Prechtl hat auch den Astrokater Schrodinger aufgetan:

Die beste amerikanische Astronautin, Amanda Jaworksi, anerkannte Physikerin, Expertin in Atomphysik, Strahlenkunde, Astronomie, Geologie und Photometrie hat ihren Kater Schrodinger benannt, nach dem Physiker und Philosophen Erwin Schrödinger, der mit seinem theoretischen Experiment der “Katze im Kasten” berühmt wurde. Amerikaner leugnen die Notwendigkeit von Pünktchen auf dem o und anderswo, so daß sich der arme Schrödinger unnötig schnöde verödet vokalisiert vorkommen muß. Kater Schrodinger verschluckt zwei vom Subpartikel Tachyon verlorene Evolutionsmoleküle, fängt an zu zeichnen (ausschließlich Amandas Füße) und wird von den blauen Robotern zum Planeten Epsilon Erdani entführt, vierzig Millionen Lichtjahre von der Erde entfernt. Amanda, die mit ihrem Raumschiff zum Mars fliegen soll, ändert ihren Kurs dahin, um ihren geliebten Kater zu retten.

Wem dies alles wie Science ichweißnichtwas vorkommt, der liegt richtig, aber um die wunderbare Story zu durchschauen, muß er unbedingt Carol Hills dickes Buch lesen, mindestens zweimal.

Ein Kater in einem dicken, physikbeschwipsten Roman von einer Frau über eine Frau für Frauen, der malen kann. Prechtl stellt ihn in einem klassischen Motivdreieck dar, deren wichtigste Ecke ich die links untere finde: Die Frau schaut versonnen zu, wie ihr lieber Kater ihren Fuß abbildet, und sieht so glücklich dabei aus, wie man sich Frauen wünscht, mit denen man zusammenwohnt: Sie fühlt sich durch Kater Schrodingers Blick gewertschätzt und schätzt zurück. Auch in einer Astronautin steckt ein anerkennungsbedürftiges Mädchen. Amanda. The Eleven Million Mile High Dancer ist für 1 Cent bestellt, für Sie gibt’s noch mehr Exemplare.

So wird das freilich nix mit dem Kapitel 42.

Bilder: Daheim mit Spineless Classics, 2011;
Michael Mathias Prechtl: Astrokater Schrodinger aus der Galerie berühmter Katzen aus Literatur und Malerei, 1997.

Written by Wolf

3. November 2011 at 2:34 pm

Posted in Wolfs Koje

3 Responses

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  1. Upps… 42. Wahrscheinlich bin ich damit noch nicht mehr voranner als du, eher weniger. Und zwar aus mindestens genauso triftigen Gründen. ;o)

    Astrokater für 1 Cent habsch auchma bestellt, wenns Mist ist, kann mans verschmerzen. Und auf den prächtigen Prechtl-Hoffmannskater Murr spar ich. Und auf das Spineless-Classics-Mobybuch auf 1 Seite auch.

    Ei, und rechts daneben fehlt unten noch eins, aber nicht mehr lange. :o)

    hochhaushex

    6. November 2011 at 7:44 am

  2. Was da rechts & links daneben noch fehlt, mal ich derzeit selber. Graphitgriffel & Rötel sind was Ausdrucksvolles :o)

    Wolf

    6. November 2011 at 1:25 pm

  3. […] Update zu Ahoi, Goethe und The Watercolors of the Astrokater: […]


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