Moby-Dick™

Leben mit Herman Melville

Weihnachtsgewinnspiel: Simplify!

with 13 comments

Update zu Heavenly Peace:

Was kann die Welt mir wohl gewähren?
Entbehren sollst du! sollst entbehren!
Das ist der ewige Gesang,
Der jedem an die Ohren klingt,
Den, unser ganzes Leben lang,
Uns heiser jede Stunde singt.

Faust I.

Simplify, simplify.

David Henry Thoreau.

Stille Nacht zusammen!

Es gab bei uns lange kein Gewinnspiel mehr, weil sich nicht mal mehr die üblichen Verdächtigen beteiligt haben. Damit wird es ihnen besser gehen als mit den Abschreibungen meiner zuständigen Stadtbibliothek.

Diesmal ist es anders: Unser Leser und Unterstützer Klaus Jost hat dankenswerter Weise vier Hefte Mare gesponsert. Die verlose ich jetzt, genau dafür hat der Gute sie gestiftet. Genauer: Drei davon, weil ich so frei sein will, eins der Exemplare mare 82 Oktober/November 2010: Moby Dick. Von RAF über Hollywood bis Led Zeppelin — wo Moby Dick überall auftaucht. Die Globalisierung eines Romans zu behalten. Das ist nämlich wirklich schön, und eine tolle ganzseitige Wiedergabe von Herman Melvilles 1860er Daguerrotypie ist drin — ohne störendes Gedöns außenrum, und auf der Rückseite ist nur Werbung, die man leichten Herzens in einem Wechselrahmen schlafen legen wird, yay.

Das gibt’s also für zwei Gewinner, ungelesen und gepflegt. Ferner gibts einmal die mare 85 April/Mai 2011: Was New York zusammenhält. Über die schlagende Kraft der Brücken — genauso schön, ein einziges Mal durchgeblättert (hüstel), aber ebenso gepflegt.

Und wenn sich genug Menschen beteiligen, leg ich aus eigenen Beständen noch Bücher und CDs drauf. Jeder gewinnt was Schönes, ist das ein Wort?

Und wie?

Erste Möglichkeit: Sei großzügig! Ist doch Weihnachten! Berichte also im Kommentar davon, wie du an eine der folgenden Organisationen eine Summe Geldes gespendet hast (die Links führen direkt auf die jeweilige Spendenseite):

Das sind welche, die ich spontan unterstützen würde, aber es gilt natürlich auch eine Organisation deiner eigenen Wahl, von mir aus das Rote Kreuz, Unicef, die Synchronschwimmerinnenstaffel Hamburg-Hafenbecken, Stadtkapelle Röthenbach an der Pegnitz oder irgendwas. Bei politischen Parteien, diskutierwürdigen Sekten oder Wehrsportgruppen wär ich vorsichtig, aber für dergleichen werden unsere Leser schon kein Geld in den Schlot blasen, gelle?

Gelten Wehrsportgruppen eigentlich als gemeinnützig? Egal — die oben angeführten Organsisationen sind es; auch Zuwendungen an die ausländische Library of America sind in Deutschland steuerlich absetzbar.

Dein Spendenbetrag unterliegt deinem eigenen Ermessen, du kannst mir sowieso alles erzählen. Ich bin leichtgläubig und nach meiner freudlosen Jugend mit primitivsten Mitteln zu begeistern, außerdem will ich gar nicht wissen, wie ich das kontrollieren sollte, weil mich sowas nervt.

Zhesin Evgeniy Sizon, Winter Sleep, 2. Januar 2011Zweite Möglichkeit: Entferne aus deinem Haushalt bis zum 24. Dezember jeden Tag (mindestens) 1 Gegenstand, den du nicht mehr brauchst. Das ergibt eine Art umgekehrten Adventskalender und entspricht dem Sinne, den das Simple Living Manifest der Zenhabits 72-fach lehrt. Das kostet dich nichts, was du entbehren würdest, entlastet das Hirn und macht zufrieden. Simplify, simplify. Das Zeug kannst du als Sachspende verwenden, dem Sperrmüll zuführen oder endlich deinem Nachbarn zurückgeben, je nachdem. Was weiß denn ich, was bei dir im Weg rumoxydiert.

Du sollst uns über deine Zuwendung oder Entrümpelung bis Montag, den 26. Dezember 2011 um Mitternacht berichten, so lange eben die Kernzeit von Weihnachten dauert. Am besten aber tust du es jetzt sofort, wo du schon mal online bist und auf dein Online-Banking zugreifen kannst. Und von haufenweise Wohlstandsschrott, den du “bestimmt irgendwann mal brauchen” kannst, bist du bestimmt auch umzingelt, wetten?

Auf ein Wort Weihnachtspredigt.

Du bist gesegnet mit einem Internetzugriff und genügend Freizeit, elitäre Späße über Bücher, Seemannsromantik und luftig geschürzte Mädchen zu lesen. Deine Musik saugst du illegal aus Prinzip, nicht aus Armut. Du kannst lesen, schreiben und jederzeit einen Volkshochschulkurs über dein Lieblingsthema halten und hast die Auswahl, ob du deine raumgreifende Bücherwand auf Kindle umstellen sollst, um Platz für mehr Bilder und eine anständige Dobro zu schaffen, oder dir lieber ein Kochset für molekulare Küche zulegst. Du kannst dir leisten, deinen abgelebten Pofel ersatzlos aus deinen kostbaren Quadratmetern rauszuschmeißen, statt täglich neu welchen zusammenzuklauen, um ihn in bitter nötiges Crack umzusetzen. Du läufst weniger als zwanzig Minuten zum Bus und hast ein Auto (“einen VW?! Pff!”), auf dem Land wohnst du wegen der Kinder oder gar aus Steuergründen und nicht, um autark deine eigenen Runkelrüben zu ziehen. Ob du dich von Haferschleim oder Kalbshaxen ernährst, ist eine Frage deiner Vorlieben, nicht deiner Einkünfte. Zu Weihnachten kaufst du etliche Geschenke aus still grummelnder Höflichkeit.

Das ist alles voll okay, aber dir sollte klar sein: Im globalen Vergleich ist das ein beneidenswerter Reichtum. Also nicht so geizig, zehn Euro dürfen’s ruhig sein. Ab 50 Euro oder wenn du noch vor Heiligabend eine Sperrmüllabfuhr bestellen musstest, lass ich zwei Bücher (oder CDs) für dich springen — bevor ich mir’s anders überleg! Goethe, Novalis, Kafka, Beethoven und ein altes Schneewittchen müssen gerade raus, und wer einen Einzeleuro überweist und noch stolz drauf ist, kriegt Frank Schätzing. Nach der anderen Richtung werde ich nicht anstehen, extra für dich was auszusuchen und gegen Bargeld zu kaufen.

Also: Gutes tun, darüber reden — die Kommentarfunktion ist geöffnet — und nach Weihnachten noch einen hübschen Geschenk-Nachbrenner einsacken. Wiederum zen-entrümpeln oder für deine örtliche Kinderonkologie spenden kannst du den immer noch nächstes Jahr.

Doofe Idee, zu faul, zu anstrengend? Von wegen. Klasse Idee und ganz einfach. Genau das, was Moby-Dick™-Leser tun sollten. Hallelujahoi!

Zhesin Evgeniy Sizon, Winter Sleep, 2. Januar 2011

Bilder: mare; Zhesin Evgeniy Sizon: Winter Sleep, Version 1 und 2, 2. Januar 2011.

Written by Wolf

1. December 2011 at 12:24 pm

Posted in Kommandobrücke

13 Responses

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  1. Zählen auch Sachspenden* an die mir nächst nahestehende Bahnhofsmission? (* ein Dutzend verschiedener Süßigkeitenkartonagen, ein Kasten Malzbier, ein 5-Liter-Apfelsaft-Behältnis & zwei Kuchen)

    Hinzu wird noch eine Geldspende an “Medico international” kommen – wobei es wohl unter der magischen 50 €-Grenze liegen wird (*auf die “ich armer Student”-Tränendrüse drück*); aber mind. die Hälfte wird drin sein.

    Und nun genug der Selbstrümung/-brüstung. Frohes irgendwas – was auch immer du / ihr feiert.

    Mario

    23. December 2011 at 2:23 pm

  2. Und wie das zählt! Bahnhofsmission find ich sogar ausgesprochen gut, mein Vater war Eisenbahner, da hab ich von jeher ein Sentiment für Bahnhöfe. Da muss ich gar nicht lang mit meinem unparteiischen Waisenkind beraten, um das als preiswürdig einzustufen. — Deine Adresse brauch ich!

    Und alle anderen haben doch bestimmt auch schon fleißig gespendet, ja? Falls wir uns nicht mehr sehn: Schöne Weihnachten und Hanukkah und Mean Geimhridh und Alban Arthuan und wie sie alle heißen!

    Wolf

    23. December 2011 at 6:07 pm

  3. Auch wenn ich hier wohl zu den ‘üblichen Verdächtigen’ gezählt werde, tue ich die geldwert ermunterten Dinge ja lieber im Stillen – und nicht nur zu Weihnachten – und erröte eher verlegen beim Öffentlich-Machen. Aber eh hier noch einer denkt, Blogger und Blogleser sind Knauser…. ;o)

    Die SOS-Kinderdörfer kriegen von mir mit Regelmäßigkeit was, auch dieses Jahr Weihnachten. Aus einleuchtenden Gründen (zu denen nicht d e r zählt, dass sie mir jedes Jahr liebevoll die Karten für die Weihnachtspost sponsorn und in diesem Jahr sogar einen niedlichen Adventskalender in Postkartengröße :o) ). Die Höhe (entsprechend meinen bescheidenen Möglichkeiten): in der Mitte zwischen einem blauen und einem (orange?)roten Schein. Greenpeace in gleicher Penunze – für die Wale. (Über die Library of America werd ich bei Gelegenheit nachdenken. :o) )

    Die Entmüllungs-Soap war mir für diesmal zu aufwändig-anstrengend. Obwohl die Idee schon toll ist und sich bestimmt nochmal verbraten lässt.

    Frohe und stille und aggressionsfreie Weihnachten in Familie oder mit wem auch immer für euch alle.

    Und @Mario: feine, gute Aktion das.
    Und nochmal unbekannte, nicht unherzliche Frohe-W-Grüße…
    Gleiche – bekannte – an dich, Wolf. :o)

    hochhaushex

    24. December 2011 at 5:12 am

  4. Bei den SOS-Kinderdörfern schaut abermals von der Seite ums Eck: Der spendet auch für die — jedenfalls last time I looked, der Kontakt ist etwas sparsam geworden .ò) — und mit ähnlichen Anstellagen, jemals was darüber zu erzählen. Nicht sein übelster Zug, find ich: Ein bissel was Gutes tun und viel drüber rumtrompeten ist Art der Pharisäer, wie der gesagt hat, den die meisten von uns heute feiern. Das Waisenkind sagt: Einwandfrei preiswürdig.

    Die Adresse von Mario hat mich erreicht, die der Hochhaushex ist bekannt. Schön, dass mehr als einer mitmacht. Es wird trotzdem bis nach den Feiertagen dauern, bis ich euch je ein Päckchen schnüre, das geht dann in den ganzen Strom von Umtauschware an Amazon mit rein.

    Noch jemand? Ich hab schon noch Preise, bis jetzt ist nicht mal die Stiftung von Klaus weg!

    Wolf

    24. December 2011 at 9:37 am

  5. Dank eines unerwarteten Geldregens seitens der doch relativ frischen Schwiegereltern in spe, habe ich mich nun doch für eine 50 €-Spende entschieden.

    Und da oben von regelmäßigen Tätigkeiten die Rede ist: Einmal im Monat geht es zu Oxfam; wodurch der SuB regelmäßig größer ist als ich.

    Mario

    25. December 2011 at 5:28 pm

  6. An Oxfam mach ich meinen SuB immer kleiner — oder ist die Rede von Geldspenden an Oxfam im Austausch gegen Naturalien?

    Wolf

    26. December 2011 at 12:59 pm

  7. Durch Oxfam wird mein SuB größer — der umgekehrte Weg ist also gemeint. Geld gegen Lesen.

    Mario

    26. December 2011 at 1:56 pm

  8. Ich und finanzielle Transaktionen :o)

    Gewinnspiel ist dann wohl vorbei, zwei Gewinner. Ich fang mal an, was Feines unter euch aufzuteilen, ne?

    Wolf

    27. December 2011 at 11:10 am

  9. Heute morgen freute ich mich, als die nette Dame von der Post mir eine Büchersendung mit deinem Stempel mit den zwei Kostbarkeiten brachte.

    Aus den Socken gehauen hat es mich, als nachmittags der nette Bote vom Paketdienst ein zweites Paket mit gleichem Stempel brachte und ich die darin enthaltenen Schätze sah.

    Vielen Dank auf diesem Wege!

    Mario

    29. December 2011 at 6:11 pm

  10. O bitte bitte! Mal sehen, wie kostbar die Schätze mit der Zeit noch werden :o)

    Wolf

    30. December 2011 at 1:28 pm

  11. Mein Preispaket kam heute an, ein Regen im Segen… öh, oder andersrum. ;o) Ich sag nur: …haach, Wolf. Und daanke!
    (Und wie die Schätze noch kostbar-re-rer werden! Sorgsam einnutzen. Die Zeit arbeitet für uns und für die neuen alten Hausheiligtümer, oder?)

    Nochmal lieben Dank auch.
    Und Prosit Neujahrsdingens und vooorsichtigen Rutsch! Und so… und alles… :o)

    hochhaushex

    31. December 2011 at 12:18 am

  12. Is ja alles unter Dächern & Fächern für heuer; sogar das I-hate-the-sea-Lied hab ich endlich raus. Was stehtn 2012 an? O je, das wird ein Schaltjahr .ò)

    Wolf

    31. December 2011 at 7:02 am

  13. […] zu Only that day dawns to which we are awake und der Weihnachtspredigt in Simplify!: Zum eigenen Landstrich verhalten wir uns meist noch wie der Seefahrer zu unentdeckten Inseln im […]


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