Moby-Dick™

Leben mit Herman Melville

Aber das schadet dem Endprodukt überhaupt nicht.

with 2 comments

Die Ösis mal wieder und ihre nicht genug zu preisenden Verlage (aber das hatten wir ja schon einmal).

Der feine kleine Harpune Verlag aus Wien veröffentlicht seit Oktober 2011 Moby-Dick.

Und zwar auf Englisch.

Jedes Kapitel einzeln.

Monatlich.

Und jedes Kapitel von einem anderen Künstler illustriert.

Und alles in nicht-chronologischer Reihenfolge.

Nun, was soll man dazu noch sagen? So ein Projekt muss doch unterstüzt werden.

Moby Dick FiletDie 2010er Neugründung des Harpune Verlags begeht von Anfang an kommerziellen Selbstmord: Jeder Verlag, dem sein Leben lieb ist, kalkuliert seit spätestens zwei Buchmessen die Umstellung auf Kindle und iPod und iPad und wie sie alle heißen durch, und ob immer noch ein Schnitt zu machen sei, wenn sich jeder, der zum Aneinanderreihen von Buchstaben gezwungen ist, den verbleibenden Rest an geistiger Leistung halblegal saugt — weil schlicht niemand mehr merkt, ob ein Buch lektoriert wurde oder nicht.

Was machen Sarah Bogner und Josef Zekoff? Gehen her und begreifen Bücher als Kunst-Objekte in handgelettertem Bleisatz und verkaufen sie auch so. Verlegerin Sarah Bogner:

Ich glaube, dass es in den letzten zwanzig Jahren keine bessere oder schlechtere Zeit gegeben hat, einen Verlag zu gründen. Wir versuchen jetzt, schöne, gute und wichtige Bücher zu machen.

Moby-Dick aus seinem inneren Zusammenhang gefetzt, das fördert die Konzentration darauf, selbst die Handlung herzustellen. Irgendwie stört da nicht mal mehr, dass Jonathan Meese seine Finger drin hat: Vielleicht braucht es für diese Art von Mut doch eine gewisse Unbesonnenheit. Für den Leser ist das zuträglich. Für den Verleger ist das in ahabesker Weise heroisch.

Eine Scheibe Moby Dick Filet, auf 460 Stück limitiert, kostet 8 Euro. Man kann sie abonnieren. Die Reihe läuft seit Oktober 2011 und ist auf 11 Jahre angelegt. Also: Bitte.

4:35 Minuten Fachwissen: David von Westphalen: Neugründung: Der Wiener Harpune-Verlag. Ungewöhnliche Bücher in aufwendiger Gestaltung, Beitrag auf Bayern 2, 10. Januar 2012.

Danke an Poor Richard für Aufmerksamkeit!

Written by Wolf

15. January 2012 at 12:01 am

Posted in Reeperbahn

2 Responses

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  1. Sieht ja heftich appetitlich aus, das Moby Dick Filet… mjammm. :o) (Tssjoah, die Ösis – und der Richy! – wieder…) Aber Konzentration hin oder her: um den Moby in Scheiben zu verdauen, muss man wohl trotzdem Hermans ganzen dicken Wal mögen, glaub ich.

    —Ahuiii… 11 Jahre?? Nicht, dass da einer auf die Idee kömmt, Wetten abzuschließen, wer eher mit dem fertig ist – die HARPUN(ier)E oder wir. ;o))

    hochhaushex

    21. January 2012 at 7:40 pm

  2. Noch haben wir einiges in der Flosse :o)

    Wolf

    22. January 2012 at 4:08 pm


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