Moby-Dick™

Leben mit Herman Melville

Møbendick oder Der schwarze Wal

with 7 comments

Moby Dick im Mosaik – Legende trifft Legende

Elke HegewaldVon unserer legendären Elke.

Dass den drei Comic-Helden der Mosaik-Hefte auf ihren Abenteuerreisen durch Raum und Zeit und Weltgeschichte nicht irgendwann auch der weltliterarische Moby Dick begegnen musste, wäre erstaunlicher gewesen als es überraschend ist, dass es zu dieser denkwürdigen Begegnung kam.

“Hä?? Mosaik-Hefte?”

Mosaik 1, Dig Dag Digedag auf der Jagd nach dem GoldeOkay, okay, nochmal auf Anfang. Mosaik ist Kult. Womöglich ist es ja vermessen, Digedags, Abrafaxe und ihre mosaikanische Heimat jenseits des deutschen Pecos genauso für Markenzeichen und Fanobjekt zu halten wie diesseits davon. Oder doch nicht? Immerhin reden wir hier über die seit Wilhelm Busch oder so älteste und die seit überhaupt langlebigste und auflagenstärkste deutschsprachige Comic-Serie ever, die unverdrossen seit über fünfzig Jahren erscheint, bis heute. Was sie sogar ins Guinness-Buch der Rekorde gebracht hat.

Und was nicht halb so einfach war, wie es sich schnell mal so hinfabuliert. Sondern wenigstens anderthalb Lebensrettungen brauchte. Die halbe gelang mittels eines Blut-… nein, Heldenaustausches der Digedags durch die Abrax, Brabax und Califax Mitte der Siebziger. Die spätere ganze – durch einen mutigen Werbefuzzi von jenseits besagten Pecos und eine Verlagsneugründung Steinchen für Steinchen im allgemeinen Abwicklungsrausch Anfang der Neunziger. Mit Erleichterung konstatieren wir zudem, dass auch die alten Mosaik-Sammelbände mit den Urhelden Asyl gefunden haben – im Fränkischen beim Nürnberger Tessloff Verlag.

Die Mosaiker sind wohl sowas wie die Donaldisten des Ostens und Mosaik-Vater Hannes Hegen kann bis in die letzten Siebziger als so eine Art Carl-Barks-Pendant durchgehen. Abgesehen davon, dass er noch lebt, schätzt er den Max-und-Moritz-Preis des Internationalen Comic-Salon Erlangen (auf den natüralemente auch der Barks verweisen kann) vermutlich mehr als das ihm noch recht unlängst verliehene Bundesverdienstkreuz am Bande. Was man allerdings nicht sicher weiß, denn meidet er seit Jahrzehnten die Öffentlichkeit. Seit dem für ausgewachsene Mosaik-Insider noch erinnerlichen abrupten Abschied von seiner Schöpfung nämlich.

Ertönt da ein Aufschrei ob vergewaltigend gezimmerter Verwandtschaft? Na gut, ihr habt es nicht anders gewollt:

MosaikheftstapelSeit 2005 versammeln sowohl eine Duckipedia als auch eine Mosapedia geballtes Wissen über die beiden Comic-Welten. Mosaikanische wie donaldistische Forschungen widmen sich der Historie und Verbreitung, den Quellen und dem Sinngut des digedag-abrafaxischen und des Entenhausener Universums ebenso wie ihren menschlich-philosophischen Abgründen. Beide Seiten zeigen bisweilen belegbare Vorlieben für eine gewisse interimsgeschichtliche Terminologie aus deutschem Wort(un)gut. Beider Fangemeinden (wenn auch in abweichend organisierten Strukturen) sind riesig, deren Sammelwut legendär. Nach dem heimlichen Vorbild von Donald Duck und Co. haben auch die Mosaik-Figuren inzwischen längst laufen gelernt. Und in Forscherkreisen wird gar gemunkelt, dass die mosaikischen Urgestalten Dig, Dag und Digedag auf eine phonetische Namensverwandtschaft zu den Donald-Duck-Neffen Tick, Trick und Track hinweisen. Was ihr Schöpfer allerdings immer bestritten haben soll.

Angesichts des Vorgebrachten könnte man als halbgeouteter Anhänger beider Paralleluniversen schon mal auf eine Frage kommen: ob nicht gelegentlich deren Forschungsabteilungen den Ur-, Tat- und anderen Sachen dafür nachgraben wöllten, warum trotz unleugbarer Anwesenheit aller zwei einschlägigen Comicvertreter-Gemeinden beim Abriss eines langgestreckten Bauwerks vor mittlerweile über 20 Jahren selbige Gemeinden immer noch mindestens regional, wenn nicht überhaupt, getrennt marschieren statt vereint jagen. Oder einander auf der Straße nicht wenigstens freundlich grüßen. Oder nicht mal einen Comic-Zweiergipfel mit lustigen Reden und Sprechblasen-Statements veranstalten… Selber hat man ja nie Zeit für sowas.

Doch genug der aus- wie abschweifenden Lang- & Breiterklärungen zum Umfeld zweier Comic-Mythen. Zurück zum weblogrelevanten Wal, wie angekündigt zur Abwechslung mal dem in mosaikanischen Gewässern. Aus Entenhausener solchen hatten wir ja hier im unsrigen bisweilen schon mal welche von den Viechern.

Mosaik, Der schwarze Wal CoverWale unterschiedlicher Spezies (meines Wissens bedauerlicherweise noch ohne eine wohlsortierte Cetacea wie die Entenhausener) bevölkern diverse Mosaik-Hefte beider Heldengenerationen.

Ihre Lieblingsbeschäftigung haben sie von Moby Dick gelernt: Schiffe versenken. So zu beobachten unter anderem im Mosaik von Hannes Hegen, Heft 196 von 1973 (Amerika-Serie): “Die Fahrt nach Panama” mit den Digedags und Käptn Blubber auf seinem maroden Walfänger. Dort setzt eine Pottwalherde vor Panama-City den Postdampfer der Pazific Line außer Gefecht. Besagter Käptn Blubber (nomen est omen!), verhökert beiläufig nach dem Abgang seiner goldfiebernden Mannschaft das Walfett des letzten Fangs als Lampenöl und führt in Frisco auf seinem Schiff das tranmiefige Whaleboat-Hotel, bevor er mit dem und den Digedags zur Rettung eines Goldschatzes wieder in See sticht. Er ist immer noch ein zielsicherer Harpunenwerfer und verfügt über einen imposanten Wortschatz an Seemannsflüchen.

Als – farbmalerisches oder parodierendes – Umkehrbild zu Melvilles Albinowal taucht der schwarze Wal in zwei Heften aus den Fluten: in Nr. 85 (Erfinderserie) aus der Hegenschen Frühzeit vom Dezember 1963: “Der schwarze Wal vom Fehmarnsund” und, dreißig Jahre später, in Nr. 211 vom Juli 1993: “Der schwarze Wal” (Mittelalterserie, Wikingerkapitel) aus der Ära der Abrafaxe nach Hegen.

Mosaik Vereinte HeldenWozu ich noch einmal was nebenhererklären muss, diesmal ganz privat, so aus der Position der quasi lebenslangen und kurzzeitig gestörten Mosaik-Leserin. Ich hab ja in kindlich resoluter Parteilichkeit als erklärte Digedag-Fänin eine ganze Zeit die Abrafaxe boykottiert – zu plötzlich passierte der unvorhersehbare Heldenwechsel 1975/76 und, zudem unkommunizierte, Hintergründe interessierten die Zopfgöre von damals überhaupt nicht. Allerdings neigt sich aus heutiger Sicht und im speziellen Fall meine Sympathie eher dem spätereren Wikinger-Wal zu. Was an dessen deutlicher Anspielung auf Moby-Dick, vielleicht auch an der wenig mädchenaffinen Einbettung des Hegenschen Frühwals in “militärischen Kontext” liegen mag.

Von seiner Spezifizierung her ist wiederum der schwarze Strolch im Fehmarnsund melvillesker, da deutlich ein Pottwal. Eine zugegeben seltene und seltsame Fügung, denn in der Ostsee als Ort der Handlung wurde der erste nur vom Leben statt von Künstlerhand gezeichnete Pottwal erst 2004 gesichtet.

Viel früher ist der Hegensche aus Heft 85/1963 dort unterwegs: Er treibt im ersten Holsteinischen Krieg um 1850 sein Unwesen. Und was tut er? Na was schon – Boote rammen. Von den kriegführenden Parteien, mittendrin die Digedags, wird er für ein neu erfundenes gegnerisches U-Boot gehalten. Als ihm das zu heiß wird, sucht er das Weite.

Mosaik WalheilungKleines Schmankerl am Rande: Der historisch belegte und im Heft vercomicte U-Boot-Erfinder Wilhelm Bauer macht seinem Befinden mit urbairischen Flüchen Luft: “Malefiz-Kugelspritz’n damische! I schlag’s umanand!”

Fabriziert wurde das Ganze unter der künstlerischen Oberhoheit des damals unantastbaren Obervaters Hegen vom so emsigen wie kompetenten Mosaik-Künstlerteam, zu dem auch des oberen holde Gattin Edith Hegenbarth gehörte – sie zeichnete, er textete.

Als Co-Texter dieser Folge zu nennen wäre noch Lothar Dräger, gelernter Opernsänger und Langzeitmosaiker, der nach dem 1975er Crash auch Hegens Posten erbte. Ein Impressum mit Nennung aller Beteiligten kam beiläufig in der Hegen-Ära nur einmal vor, in Heft 11.

Mosaik 3x WalDer Schwarze in Heft 211/1993 ist am ehesten ein Grönlandwal (Balaena mysticetus) oder Nordkaper (Eubalaena glacialis), der schon auf dem Titelcover grinsend seine Barten sehen lässt. Dafür heißt er Møbendick und ist die Geißel der Wikinger, zu denen es die Abrafaxe mittels Zeitreise verschlagen hat. Ein Schelm, der bei dem Namen nicht an – Autobahngastronomie und Eisessen denkt. Öh… und an den von Captain Ahab zur Geißel der Menschheit erklärten weißen Wal natürlich.

Feder-, respektive stiftführend bei dieser Folge und unbedingt erwähnenswert sind zwei Ladies: Lona Rietschel und Irmtraut Winkler-Wittig, beide mosaikanisches Urgestein. Die erste, mit einem Studium für Modegrafik und Zeichentrick als Qualifikation, rettete nach der Mitnahme der Rechte an den Digedags durch Hannes Hegen das Mosaik als zeichnerische Mutter der neuen Abrafax-Helden, gab neben anderen auch der Kultfigur des fränkischen Ritter Runkel ihr Gesicht und darf im vorliegenden Fall für das Møbendick-Coverbild verantwortlich gemacht werden. Die zweite war mal Porzellanmalerin in der Porzellanmanufaktur Meissen, wovon später auch das Mosaik noch was hatte: als sie in Heft Nr. 2/91 auf Seite 21 inhaltskompatibel die Porzellanherstellung erklärte und mit dem allbekannten Zwiebelmuster garnierte. Die Walhatz-Geschichte mit den Nordic Seefahrern in Heft 211 gestaltete sie figürlich sogar komplett.

Møben-Dick oder Der (schwarze) Wal. Der jagt Sven Svensons Wikinger im Zuge der Handlung durch den Comic, von Norwegen bis nach Island:

Møbendick ist bei diesen wohlbekannt und gefürchtet. Den Männern gelingt es dank der Hilfe der Abrafaxe, mit ihrem Schiff in einem schmalen Fjord vor dem Wal Zuflucht zu suchen. Am nächsten Morgen ist Møbendick verschwunden, und die Männer machen sich auf die Heimreise in Richtung Island. Einige Wochen später taucht Møbendick in den Gewässern vor dem Wikingerdorf, in dem sich die Abrafaxe aufhalten, auf. Die Abrafaxe, denen die Schuld an der Rückkehr des Wals gegeben wird, sollen ihm geopfert werden. Während sich die drei in einem Ruderboot dem Ungetüm nähern, entdecken sie die Ursache für dessen Aggressionen: Eine Harpune steckt in seinem Körper und verursacht offensichtlich heftige Schmerzen. Califax gelingt es, das Geschoss zu entfernen. Er behandelt die Wunde mit seinem Rosmarinextrakt und befreit somit den Wal von dessen Schmerzen. Møbendick ist wieder friedlich und schwimmt zurück ins offene Meer.

Aus: Mosapedia. Møbendick.
Vgl. auch Mosapedia: Mosaik 211 – Der schwarze Wal.

Mosaik Lanze im WalUnd auch jetzt kann ich’s nicht lassen. Wieder außerhalb des Protokolls (und weil der geneigte Leser eh schon mit meinen beständigen Abschwöffen rechnet) juckt es mich in den Fingern, für die angelehnten Wortgut-Donaldisten unter uns noch einen vom Wal zu erzählen, bloß ohne Wal. Und vom Folgeheft Nr. 212, in dem die Abrafaxe mit den Wikingern Amerika entdecken. Schon der wohlverfremdete Titel “Neuland unterm Bug” sollte russenliterarischen Scholochow-Kennern und solchen sozialistisch-realistischer Terminologie was sagen. Und neben der Abwesenheit des im Vorheft gegenwärtigen Sven Svenson und der (wohlverfremdeten) Anwesenheit des dereinst allgegenwärtigen Hannes Hegen(barth) als Wikinger Hannes Gegenparth sowie einer bemerkenswerten Abhandlung zur nordischen Mythologie fallen zudem vorsätzliche Anklänge an DDR-typisches Vokabular auf: So werden (jaha, schaut’s her, Freie Donaldistische Jugendliche!) aus der Kampfreserve der Partei, der FDJ, hier die Einherjer in Walhalla.

Aber wir waren ja auf Fischzug nach Melville-Sequenzen. Ha, und einen hab ich noch.

Im Januar-Heft von 2003: “Ein fast perfekter Plan” (Zweite Japan-Serie, Nr. 325) begegnen die Abrafaxe im japanischen Hafen Hakodate flüchtig dem leibhaftigen Kapitän Ahab, und was für einem! Der heißt da zwar nur “ein Walfänger-Kapitän” und (noch) nicht Ahab (und sein Schiff noch nicht Pequod, aber es ist sein Schiff), doch seine Züge sind unverkennbar die des karikierten Gregory-Peck-Ahab aus Hustons 1956er Film “Moby Dick”. Uuund: Er steht da noch auf zwei gesunden Beinen. Was völlig in Ordnung geht und passend zur Örtlichkeit darauf hinweist, dass er das eine erst kurz nach dem Auslaufen des Schiffes hinter Japan verlieren wird. Hut ab vor witziger Belesenheit und Melville-Kenntnis des Zeichner- und Autorenteams.

Die einschlägigen Namen erhalten Mann und Schiff dann im noch recht frischen Januar-Heft Nr. 421 von 2011: “Unter Schmugglern” (Barock-Serie). Allerdings erscheinen sie da dem Brabax nur in einem Traum, und das auch noch zeitverschoben, so in die Zeit um 1700 hinein. Aber die Figur mit dem Peck-Habitus ist hier als Ahab benannt und auf dem Traumbild-Schiffsbug steht in Spiegelschrift “Pequod”.

Eindeutig in Melvillescher Mission unterwegs sind die Abrafaxe im mosaikischen Kalender von 2005 “Die Abrafaxe und die Welt der Bücher”: Auf dem März-Bild jagen sie in einer winzigen Pequod-Nussschale zusammen mit dem grimmig die Harpune schwingenden Ahab nach dem weißen Wal.

Wal und FlotteDer allbekannte Wesenszug von Comic-Palavern, zuvörderst aufs Visuelle zu bauen nämlich, manövriert mich am Ende mit meinem Sermon nun noch in eine mittlere Bredouille. Denn auf den Urheberrechten für illustrierende Bilder aus der Mosapedia sitzt frank und frech und recht rigide der Steinchen für Steinchen Verlag. Ob aus Protest gegen lästige Blogger-Werbung für lau und unkommerziell oder aus Sorge um unkontrollierbare Explosionen der Nachfrage auf dem Comic-Markt, weiß man nicht. Verziehen sei mir drum stümperhaftes Selberabknipsen der einschlägigen Illus aus meinem ehrlich und käuflich erworbenen Mosaik-Privatexemplar sowie die Bebilderung mittels Link-Verweisen. Tja, selber schuld, ihr Mosaiksteinchenverwalter.

PS: Kommt in nächster Zeit vielleicht wer nach Leipzig? Einer, der Comic-Fan ist? Für den ergeht hier noch ein exklusiver Freizeit-Tipp: Begebe er sich zum Zeitgeschichtlichen Forum in der Grimmaischen Straße und stürze er sich auf und in die noch bis zum 13. Mai 2012 dort laufende Digedag-Ausstellung. Es soll viel liebenswertes, lieb gewordenes und viel bislang unveröffentlichtes Zeug aus Hegens Archivschenkung zu sehen sein – und jede Menge Alt- und Jung-Mosaikaner, bis in die dritte Generation, wie man hört. Der Eintritt ist frei.

PPS: Ein Belegexemplar von Mosaik-Heft 211 (Reprint) “Der schwarze Wal” geht an den Käpt’n, damit der die richtigen Scans für die Freundlichen Begegnungen in der Bücherliste machen kann (den MosaPeck-Ahab muss ich erst noch herbeiorganisieren).

Bilder: Mosaik Nr. 1: Zeitgeschichtliches Forum Leipzig;
Vereinte Helden: von Mosaik. Geschichte und Figuren;
Mosaik-Hefte von weißnichtwo, vielleicht eBay;
alle anderen: selber geknipst. Dass man das sieht, ist gewollt, teilweise jedenfalls. Vielleicht tolerieren’s ja dann die Steinchen-für-Steinchen-Rechte-Geier.

Film: hier ab vier.

Written by Wolf

6. April 2012 at 12:01 am

Posted in Smutjin Elke

7 Responses

Subscribe to comments with RSS.

  1. Na hallo aber. Mosaik war auch dem geborenen und lebenslang praktizierenden Wessi ein Begriff, in was für einem steilen Winkel das Ding aber auf die imperialistische Seite des Pecos gelehnt war – und anscheinend noch ist – erfahr ich erst jetzt. Ohne abwertende Unterstellungen gefragt: War das anfangs Plagiat, Hommage oder Subversion? Wenn Herr Hegen schon die phonetische Verwandtschaft zu den Neffen abstreitet, wird man wohl keine sehr weit führende Antwort erlangen.

    Deine dankenswert abfotografierten Bildbelege hab ich mal auf width=”50%” in den Text gebaut. Wer eine rechte Maustaste hat, Grafiken anzuzeigen, zeige sie sich leicht vergrößert an. Dankesehrschön fürs Belegexemplar – scannen kann ich die viel. In einer Hinsicht erinnern mich deine Ausführungen über die Herrschaften Steinchen für Steinchen auch noch an Asterix – vertreten von Ehapa –, Perscheid und Gary Larson: in deren internetberüchtigter Nickeligkeit in Copyrightfragen. Wahrscheinlich verdienen die heute mehr mit Abmahnungen wegen unbefugter Bildverwendungen als mit Heftchenabsatz. Es hat mehr als einen Grund, wenn ich hier dauernd mit privaten Flickr-Funden garniere, die stolz sind, wenn sie überhaupt mal irgendwo erblickt werden, denn mit themennahen Illustrationen.

    Über das belgische Gewächs “Tim & StruppI”, so sehr es in deren Image passen würde, weiß ich nicht ausdrücklich etwas Vergleichbares. Trotzdem fehlt mir hier das mutmaßliche Vorbild des o.a. Blubber, dessen phantasievoll alliterierendes Rumgefluche selbstverständlich weder Plagiat, Hommage noch Subversion an Käpt’n Haddock war .ò)

    Das Klischee von Wilhelm Busch als “Erfinder” der Comics hält für meinen persönlichen Begriff nicht (mehr) – da konnte Erika Fuchs für Donald Duck die “Fromme Helene” zitieren was sie will: Wenn es einen Comic ausmacht, anhand fortlaufender gezeichneter Bilder eine Geschichte zu erzählen, können wir mindestens zurück bis Rodolphe Toepffer, womit sogar schon gleich die franko-belgische Schule begründet wäre – wenn nicht bis zum Bayeux Tapestry (meines Wissens kommen in keinem davon Cetaceen vor…). Insgesamt scheinen mir die Bewohner des großen Hauses Disney, die bis dato fortgeführt werden, und darin speziell Entenhausen, die echtesten Urbilder fürs Mosaik. Zugute halten muss man demselben, dass es nicht eine ganz so hilflose Anbiederung an Carl Barks ist wie das ebenfalls deutsche Gewächs “Fix & Foxi”.

    Danke, Elke! Es ist ja immer wieder grandios anregend, was du für uns alles rausfindest und aufwirfst. – Wie versprochen bekommt Elke für Blut, Schweiß und Lachtränen ein paar hübsche Bücher aus meinen notorisch unbeständigen Beständen; diesmal werden es mehrere Bände Jean Paul, von Insel, Reclam und ein original überhundertjährig antiquarisches. Sowas Tolles können Sie auch haben, wenn Sie was Tolles beitragen.

    “Klickeradomms – von Medici.” :o)

    Wolf

    6. April 2012 at 6:01 am

  2. Haach… ahnte ichs nicht, dass du aufs Paralleluniversum anspringst, du Auch-Comixer und alter Selber-Donaldist. :o) Das freut mich.

    Um mal ‘ne Antwort ohne Unterstellung zu versuchen: weder Plagiat noch Hommage noch Subversion – glaub ich. Auch wenn alles West-Comictum a priori erstmal unter Schmutz- und Schundliteratur lief und Meyers Neues Lexikon in DDR-Version von 1962 noch verkündigte, dass Comics verboten, weil „auf sadistische Gewaltverbrechen, Pornographie, Kriegshetze und Hetze gegen das sozialistische Lager orientiert“ seien. Allerdings schien die Idee nicht verboten genug, um dennoch – oder gerade deshalb – über ein ‘schundloses’ Gegenstück zum wider alle Verbote an Beliebtheit zulegenden Zeux von driebn nachzudenken. Wenn du mich fragst, hatte also der Hegen nur das richtige Näschen für den richtigen Moment und war mit diesem Riecher einfach der erste, der – sogar ohne Auftrag – ein fertiges Konzept über den Tisch schieben konnte, phonetische Verwandtschaft zu den Neffen hin oder her. (Die wäre wahrscheinlich nicht mal gecheckt worden. ;o) )

    Und viel mehr Plagiat, Hommage oder Subversion würd ich auch gar nicht unterstellen w o l l e n. Nicht mal an Käpt’n Haddock – gehören nicht zu jeglichem Comic-Strickmuster etwelche expressive Typen mit expressivem Wortschatz? Und weil das so ist, können Flüche einfach nicht einseitig gepachtet sein, oder? ;o)

    Was man Vadder Hegen (mit nur sehr punktuell anoktroyierten Ausrutschern) unbedingt zugute halten muss, dass er sich nicht als propagandaträchtiger Antischmutz- und -schundkämpfer einspannen ließ. Er hatte ja auch gute Karten, der Gute – wo sein Konzept sich schließlich auch wirtschaftlich als überaus tragfähig erwies.

    Die ‘echtesten Urbilder fürs Mosaik’ würd ich dann bidde auch gerne nochmal der einschlägigen Forschermeute zum Fraß vorwerfen. So explizite Anbiederung, womöglich gar mittelhilflose, kann ich bei dem nämlich gar nicht so recht finden. Aber vielleicht bist du als viiiel besserer Entenhausen-Kenner als ich da im Vorteil? Ich denk ja immer noch, dass eine inhaltliche Idee ohne wirklichen Bruch, die sich erfolgreich seit über einem halben Jahrhundert mit ernsthaftem Bildungs- und Humoranspruch durch sämtliche Realitäten ernster und unernster Welt- wie Überhauptgeschichte kritzelt, verfremdelt und schmunzelt, schon was ganz Eigenes haben muss. Ende vorerst nicht abzusehen. Aber du darfst da sehr gerne mit mir streiten. :o)

    Darauf, dass du das Wilhelm-Busch-Klischee nach rückwärts erweiterst, hatte ich heimlich gehofft – ich kenn dich doch! ;o) Und hab nicht umsonst ein relativierendes ‘oder so’ eingefügt. Dankschön, Wolf. Auf Moby-Schreiber ist eben Verlass.

    Ei, und nun soll ich tatsächlich auch noch einen so tollen Bücherpreis dafür kriegen?
    Freudentränen! :”o)

    Aber bevor ich hier vollends abhebe, möcht ich mich dann doch noch um eine Korrektur anbiedern. Die Leipziger haben offenbar die irgendwo angelesene Ausstellungsverlängerung gecancelt. So gibts die Digedags wohl doch nur bis zum 13. Mai. Könntestu das noch reinredigiern…. bütte. Dankeee!

    Osterglockenbimmeln, Osterwassergluckern… von Haus zu Haus. :o)

    hochhaushex

    6. April 2012 at 12:25 pm

  3. Das wäre schon okay, wenn eine Serie gewisse Strukturen im Personal verwendet, die alle verwenden. Es gibt in einer lustigen Meute immer einen Anführer, ein Superhirn, einen gemütlichen Dicken und ein Blitzmädel. Die Charakterzüge sind immer auf 3 bis 5 Figuren verteilt, also nicht zwingend 1:1, manchmal bevölkern sie ein ganzes gallisches Dorf. Das funktioniert in den Fünf Freunden, den Wilden Hühnern, den Comicseiten in den Sparkassen-Giveaways aller Länder und Zeiten — und zwar mal wieder genau seit Poe. Das Ensemble ist nämlich aus dem Arthur Gordon Pym, 1838 noch ohne Quotenfrau.

    Es ergehen also keine Vorwürfe ans Mosaik (man wirft weiß Gott auch Carl Barks kein Epigonentum an Poe vor…), sondern — ein sehr verhaltener — an Fix & Foxi, die weder zu ihrer Verwandtschaft zu Entenhausen noch zu Enid Blyton stehen, sondern wie zufällig selbsterfunden statt drei Neffen eben zwei Enkel verwenden, ich kann das gern an geeigneter Stelle fortführen.

    Gerade für Konzepte, die Auflage und Reichweite bringen sollen, wird so ein Personal heute mehr vom Marketing als vom ausführenden Schreiber bestimmt — daher wahrscheinlich auch die Quotenfrau spätestens seit den Tausenden von Enidblytonien, weil Mädchen nun mal auch lesen können und gern bunte Bildchen gucken und Taschengeld kriegen, mithin Zielgruppe sind. So kapitalverliebt wird’s wohl in der frühen DDR nicht abgelaufen sein, stimmt schon. Auf das weitere Verdienst des Herrn Hegen, dass er ideologisch nach allen Richtungen integer bleibt, wär ich deshalb gar nicht gekommen. Aber wie kann einer bei der Knallcharge Blubber bitte nicht an die Knallcharge Haddock denken? .ò)

    Dein Honorar dauert noch einen Moment, die Post macht sowieso erst Mitte nächster Woche wieder auf :o)

    Wolf

    6. April 2012 at 4:10 pm

  4. Danke, du. Fürs Korrektürchen. :o)

    Stimmt, mit den Personage-Mustern (an die man nicht immer denkt) hat alles seinen Sinn. Ich hätte wissen können, und habs ja auch, dass du in Comic-Architektur besser bewandert bist als ich.

    Hey, und n a t ü r l i c h fällt einem zu Käpt’n Blubber umgehend auch der Blubbertyp Käpt’n Haddock ein – bloß nicht unbedingt als vorsätzliche Subversion. ;o) Und hey, ist schon spannend, wenn einem dauernd unversehens comicerweis so parallele Figur-Naturereignisse in Haus und Hirn schneien; sehr gern dürfen wir das fortführen. Und vielleicht finden: noch ein Grund mehr für die Verbrüderung comicbasierter Fan- und Forschergemeinden.

    Sanftes, freches Widerwort zur Quotenfrau: die ist mehr für die Jungs als für die Mädels, also die großgewordenen jetzt ;o) – glaub ich. Man(n) fantasiere sich sich nur mal die kurvige Figürlichkeit der Quotenfigürinnen, der holden Adelaide von Möhrenfeld des braven Ritter Runkel oder der bauchfreien Prinzessin Suleika vielleicht, vors geistige Auge, wa. (Oder verfall ich da jetzt grad milieugeschädigt der verteufelten ‘pornösen Schundhaftigkeit’ jeglichen Comics? ;o)) )

    —-Achso, ja… wenn du “Honorar” sagst, erröte ich gleich verlegen und verschämt – schreib ich hier etwa schnöde für materielle Vergütung? Unter uns Waljägern und Piratenbräuten? ;o)
    Auf die Wiedereröffnung des Postservice freu ich mich aber trotzdem… :o)

    hochhaushex

    7. April 2012 at 6:59 am

  5. Mit den westlichen Comics weisen die Bildergeschichten von Hannes Hegen einige Gemeinsamkeiten auf. Das Bild überwiegt den Text-Teil, die Figuren sind mit wenigen Strichen gezeichnet und mit knalligen Farben ausgefüllt. Und die Bilderfolgen fangen nur die wichtigsten Momente im zeitlichen Verlauf einer Geschichte ein. Anfangs war der Text bei Hegen noch comictypisch mit Sprechblasen im Bild eingefügt. Später jedoch wurde im MOSAIK der Text über oder unter den Bildern, statt in Sprechblasen angeordnet. Im Unterschied zu den westlichen Comics, sind Hegens Figuren eher realistisch gezeichnet als comichaft überzeichnet. Außerdem gibt es in den Digedags keine selbst erfundenen Wesen, tierische Helden kommen auch nicht vor. Auch die Sprache in den Digedags entspricht nicht den westlichen Comics. Sie ist weniger lautmalerisch, knapp und witzig, sondern eher erzählend und belehrend. Zu den Unterschieden zwischen West-Comics und der MOSAIK zählt auch, dass die MOSAIK-Comics nicht von allzu schnellen Bilderwechseln geprägt waren und vergleichsweise große und relativ wenige Bilder auf einer Seite hatten. Der Name Bilderzeitschriften erscheint insofern passend und beschreibt damit zugleich die signifikanten Unterscheide zum Comicheft des “Klassenfeindes”.

    Vicente Fleming

    25. January 2013 at 7:27 am

  6. Das sind allerdings Argumente. Erst mal danke für so viel Kompetenz auf einen dreivierteljährigen Artikel, und ich mach vorsichtshalber mal die Autorin aufmerksam, dass sie möglicherweise gerade bestätigt wurde :o)

    Wolf

    25. January 2013 at 4:04 pm

  7. Das hab ich ja schon immer für e i n e n Sinn und Zweck von Kommentaren gehalten: Details und Infos zuzufüttern, die man eh nicht alle selber unterbringen kann. Von Lesern, die gut Bescheid wissen. Danke, Vic.

    —Hach, Wolf… unser Moby. Er atmet noch in seinem mit Harpunen gespickten Leib. Büdde die lebenserhaltenden Systeme nicht abschalten. Denn auch wenn uns die Wellen des schnöden Tagwerks zuzeiten weit landeinwärts spülen – wir bleiben doch am Meer… :o) Ja?

    hochhaushex

    26. January 2013 at 11:48 am


Leave a Reply

Fill in your details below or click an icon to log in:

WordPress.com Logo

You are commenting using your WordPress.com account. Log Out / Change )

Twitter picture

You are commenting using your Twitter account. Log Out / Change )

Facebook photo

You are commenting using your Facebook account. Log Out / Change )

Google+ photo

You are commenting using your Google+ account. Log Out / Change )

Connecting to %s

%d bloggers like this: