Moby-Dick™

Leben mit Herman Melville

The Wolf and His Mosses

with 4 comments

Aus unserer halbjährlich fortgesetzten Chronik des Verfalls: Dieser Mann des Mooses
(1 Woche zu spät, ich weiß):

Was hält uns im Geleise
Was rettet uns vom Eise?
Vor drohender Versteppung
Und Länderstaubverschleppung?
Was wächst und bringt den Regen?
Was fesselt seinen Segen?
Was spart und nähret Flüsse?
Was sichert uns Genüsse?
Die Kleinsten und der Große,
Der Golfstrom und die Moose.

Karl Friedrich Schimper aus:
Auszug aus dem noch ungedruckten Mooslob oder Die schoensten Geschichten der Moose, alte und neue, in Versen fuer eine junge Dame zu einer eleganten Moossammlung, 1857;
vermutlich143 Strophen. Teilweise Abschrift, zur Verfügung gestellt von Prof. Dr. K. Mägdefrau.
Original in der Bibliothek des Botanischen Instituts der Universität München.

The Wolf and His Mosses, 11. Mai 2012, Egoshooting

Wenn, trifft es, Moos und Flechten
Scharf miteinander fechten,
Stets wird die Flechte siegen,
Das Möslein unterliegen.

Ibd.

Tatsächlich scheint es, als fände dieser Mann des Mooses, so wie viele andere Genies, großen Spaß daran, die Welt hinters Licht zu führen — zumindest hinsichtlich seiner eigenen Person. Ich zweifle nicht daran, daß er es eher bevorzugen würde, für einen mittelmäßigen Autor gehalten zu werden, der bereit ist, die gründliche und genaue Würdigung seiner selbst dem zu überlassen, der für die Beurteilung am besten geeignet ist — das heißt: ihm selbst. Zudem halten Männer wie Hawthorne am Grunde ihrer Seele den Beifall der Öffentlichkeit für solch ein starkes Indiz für die Mittelmäßigkeit in ihrer Sache, daß es sie bis zu einem gewissen Grad an den eigenen Fähigkeiten zweifeln ließe, wenn sie in öffentlichen Gefilden zu viel und zu lautstarkes Geblöke zu ihrer person vernehmen würden.

Herman Melville: Hawthorne und sein Moos, 1850,
übs. Alexander Pechmann in:
H.M.: Die große Kunst, die Wahrheit zu sagen: Von Walen, Dichtern und anderen Herrlichkeiten,
Jung und Jung 2005.

Nicht im Bild: Zaz: Port Coton aus: Zaz, 2010.

Written by Wolf

13. May 2012 at 12:01 am

Posted in Kommandobrücke

4 Responses

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  1. Lieber Herr Wolf!
    Das Foto vermittelt den Eindruck, dass Sie kurz davor stehen, eine aufregende Mahlzeit zu sich zu nehmen. Muss ich mir Sorgen machen?

    Klaus Jost

    13. May 2012 at 8:50 am

  2. Um das Moos nicht. Die haben eine “fraßhemmende Wirkung” eingebaut :o)

    Wolf

    13. May 2012 at 1:28 pm

  3. […] aus unserer halbjährlich fortgesetzten Chronik des […]

  4. […] Update unserer halbjährlich fortgesetzten Chronik des Verfalls in […]


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