Moby-Dick™

Leben mit Herman Melville

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Klüger werden in den Rotschopfwochen

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Update zu Cabidoulin is too seldom,
Die Zukunft war noch nie, was sie mal werden sollte
und Two Years Before the Mast:

Auf den ersten Seiten von Die Eissphinx gelernt: Eine Seemeile ist so lang wie eine Winkelminute zwischen zwei Breiten- oder Längengraden auf der Erdoberfläche, was unter Berücksichtigung einer unregelmäßig gekrümmten solchen bei der Längenmessung stört.

Memo an mich: Endlich den Erdradius auswendig merken. Und wenigstens so viele Stellen von π, wie auf dem Taschenrechner angezeigt werden. Und neue Telefonnummern.

I'm Like You, Tree, How I Wish I Could Talk to You Now, July 9, 2009Alina Rudya, Sea 6, August 10, 2009Danceboy, July 26, 2009

Erdgekrümmte Rotschöpfe: I’m Like You, Tree: How I Wish I Could Talk to You Now, 9. Juli 2009;
Alina Rudya: Sea 6, 10. August 2009;
Danceboy, 26. Juli 2009.

Written by Wolf

22. February 2010 at 4:03 am

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Rotschopfwochen auf Moby-Dick™: François Villon: Ich hab mich in dein rotes Haar verliebt

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Im Sommer war das Gras so tief,
daß jeder Wind daran vorüberlief.
Ich habe da dein Blut gespürt
und wie es heiß zu mir herüberrann.
Du hast nur meine Stirn berührt,
da schmolz er auch schon hin, der harte Mann,
weils solche Liebe nicht tagtäglich gibt…
Ich hab mich in dein rotes Haar verliebt.

Im Feld den ganzen Sommer war
der Mond so rot nicht wie dein Haar.
Jetzt wird es abgemäht, das Gras,
die bunten Blumen welken auch dahin.
Und wenn der rote Mond so blaß
geworden ist, dann hat es keinen Sinn,
daß es noch weiße Wolken gibt…
Ich hab mich in dein rotes Haar verliebt.

Du sagst, daß es bald Kinder gibt,
wenn man sich in dein rotes Haar verliebt,
so rot wie Mohn, so weiß wie Schnee.
Im Herbst, mein Lieb, da kehren viele Kinder ein,
warum solls auch bei uns nicht sein?
Du bleibst im Winter auch mein rotes Reh
und wenn es hundert schönere gibt…
Ich hab mich in dein rotes Haar verliebt.

Die lasterhaften Balladen und Lieder des François Villon.
Nachdichtung [nicht “Übersetzung”]: Paul Zech, 1946, gesammelt 1962.

Reaus v.d. O, Me, July 8, 2008

Beitrittsempfehlung: Ginger and Redhead Appreciation Society:

I came across a news article about “Kick a Ginger Day” a group that had been set up on Facebook to incite hatred towards ginger/redheaded people. This resulted in many children being attacked in school and on the street. Being a mother of a gorgeous red head it made my blood boil. This site is to show that the human race are not Neanderthals, sheep or insane bullys. To celebrate what it is to be a readhead. Love a readhead… or have a readhead as a friend or family member.

Bild: Reaus v.d. O: Me, 8. Juli 2008.

Written by Wolf

21. February 2010 at 12:01 am

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München am Meer XIV: Das Spielzeug der Wal

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Update zu Von zum Beispiel den Walfischen
und Mein harmlos Sonettlein von den Katzen und Walen
(und Der alte Mann und der Miez und Drei Leben and still counting:

AniOne Wild Variety Wavy Whale, Öko-Wal Katzenspielzeug

Erlegt bei Multifit Tiernahrungs GmbH via Fressnapf München-Mittersendling, Plinganserstraße 58.

Dagmar Gelven, Fressnapf München-MittersendlingMoritz meint: “Rotschöpfen kaufst du eh alles ab, mrr.”

“Da bin ich schon schlimmer gefahren als für drei neunundvierzich.”

Darum: Katzenjammer über Virginia Clemm — gemäßigter Rotschopf — live im Rockpalast am 26. April 2010!

Bilder: selber; Dagmar Gelven vom Fressnapf.

Written by Wolf

20. July 2010 at 5:22 pm

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Rogue’s Gallery: The Art of the Siren, #37

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Song: Baby Gramps: Old Man of the Sea (5:18 minutes)
from Rogue’s Gallery: Pirate Ballads, Sea Songs, and Chanteys, ANTI- 2006.

Artist’s website;
songs playlist.

Buy CD in Germany and elsewhere.

Rotschopf-Image: Connor Creagan, October 3, 2009.

Lyrics:

1.: At times I feel the shapeliest of mermaids
course through my veins,
but the feel of these shapely mermaids
of course is only in vain.

2.: I would let the seaweed splash
upon my eyelash.
I would let the seaweed splash, splash, splash
upon my eyelash.

3.: If I were the Old Man of the Sea,
I would bathe the lovely mermaids.
If I were the old man of the seawee-, wee-, seaweeds,
I’d bathe the lovely mermaids.

4.: Now I dreamt I saw an old mermaid snorkel
down dangle from the ships portal,
and when I tiptoed to peep in (in a bucket of absinthe),
saw she was soaking her fins.

5.: I would let Miss Octopus
brush and braid my bush.
I’d let miss Octo-, Miss Octopus
brush and braid my bush.

6.: If I were the Old Man of the Sea,
I would bathe the lovely mermaids.
If I were the Old Man of the Sea,
I’d bathe the lovely mermaids.

7.: At times I feel the shapeliest of mermaids
course through my veins,
but the feel of these shapely mermaids
of course is only in vain.

8.: I would let the seaweed splash
upon my eyelash.
I would let the seaweed splash, splash, splash
upon my eyelash.

9.: If I were the Old Man of the Sea
I would bathe the lovely mermaids.
If I were the old man of the seawee-, wee-, seaweeds,
I’d bathe the lovely mermaids.

Explanatory liner notes by ANTI-:

Sailors often attributed human qualities and consciousness to many aspects of their watery environs. Belief in mermaids, the Old Man of the Sea, malicious winds, and the like persist to this day.

Written by Wolf

11. May 2010 at 12:01 am

Posted in Siren Sounds

Sprache hat dich nur betrogen

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Ludwig Tieck:

Trost

Eric Kincaid, MermaidsWenn die Ankerstricke brechen,
Denen Du zu sehr vertraust,
Oft Dein Glück auf ihnen baust,
Zornig nun die Wogen sprechen, –
O so laß das Schiff den Wogen
Mast und Seegel untergehn,
Laß die Winde zornig wehn,
Bleibe Dir nur selbst gewogen,
Von den Tönen fortgezogen,
Wirst Du schön’re Lande sehn:
Sprache hat dich nur betrogen,
Der Gedanke Dich belogen,
Bleibe hier am Ufer stehn. –

~~~|~~~~~~~|~~~

Zitiert nach: Wilhelm Heinrich Wackenroder: Sämtliche Werke und Briefe. Historisch-kritische Ausgabe. Herausgegeben von Silvio Vietta und Richard Littlejohns, Band 1: Werke, herausgegben von Silvio Vietta, Universitätsverlag Carl Winter, Heidelberg 1991; darin: Phantasien über die Kunst für Freunde der Kunst [Folgeband zum frühromantischen Bestseller Herzensergießungen eines kunstliebenden Klosterbruders, 1797]. Herausgegeben von Ludwig Tieck, 1799. Aufsatz Tiecks innerhalb Wackenroders Sammlung: VIII. Die Töne. Erstveröffentlichung in Ludwig Tieck: Gedichte. Zweiter Theil, Seite 32.

Rotschopfsirenen: Eric Kincaid via Never Sea Land.

Written by Wolf

3. April 2010 at 12:01 am

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Die sichtbare Welt, Das ist Aller vornemsten Welt-Dinge und Lebens-Verrichtungen Vorbildung und Benahmung

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Update zu Durch den Schlick schrammen:

Katalog der
Bibliothek des Deutschen Museums,
München (Exzerpt):

  • Bibliotheca Germanorum. Erotica et Curiosa. Verzeichnis der gesamten Deutschen erotischen Literatur mit Einschluß der Übersetzungen, nebst Beifügungen der Originale. Herausgegeben von Hugo Hayn und Alfred N. Gotendorf. Zugleich dritte, ungemein vermehrte Auflage von Hugo Hayns “Bibliotheca Germanorum erotica”. Verlag Müller & Kiepenheuer, Hanau/München 1968. 9 Bände. Gesch. 090.980
  • Elena Kalis, RhianneHandwörterbuch des deutschen Aberglaubens. Herausgegeben unter besonderer Mitwirkung von E. Hoffmann-Krayer und Mitarbeit zahlreicher Fachgenossen von Hanns Bächtold-Stäubli. i.e. Handwörterbücher zur deutschen Volkskunde. Herausgegeben Verband deutscher Vereine für Volkskunde Abt. I Aberglaube. Walter de Gruyter & Co. Berlin und Leipzig 1927–42, 10 Bände. Gesch. 090.001
  • Karl Friedrich Wilhelm Wander: Deutsches Sprichwörter-Lexikon. Ein Hausschatz für das deutsche Volk. In 5 Bänden. Neudruck der Ausgabe Leipzig 1867, Scientia Verlag Aalen 1963.
  • Gerhard Dünnhaupt: Bibliographisches Handbuch der Barockliteratur. Hundert Personalbiographien deutscher Autoren des siebzehnten Jahrhunderts. Anton Hiersemann Verlag Stuttgart 1980. Gesch. 120.500: Bände 2.I–III
  • Darwin Holmstrom (Hg.): Das Harley-Davidson Jahrhundert. Moby Dick Verlag Kiel 2003. Gesch. 602.321 (ISBN 3895951927)
  • Helmut Pemsel: Weltgeschichte der Seefahrt. Verlag Österreich/Koehler, Wien 2000, VI Bände. Gesch. 638.052
  • A. B. C. Whipple, Redaktion der Time-Life Bücher: Die Seefahrer. Die Walfänger. Time-Life Bücher, Amsterdam 3. Auflage 1984. Gesch. 638.050
  • Dictionary of American Biography. Edited by Allen Johnson. Charles Scribner’s Sons, New York 1928–1944, 21 volumes. Gesch. 013.821

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  • Wiese, Eigel: Als Moby Dick noch Mocha Dick hieß. Wie ein Stück Weltliteratur entstand: Der fast unbesiegbare Wal aus Herman Melvilles bekanntestem Roman geht auf ein lebendes Vorbild zurück. Enthalten in: Mare. 1999, Nr. 15. Seite 24–27. ZB 9683
  • Elena Kalis, Red DressBarthelmess, Klaus: Neue Erkenntnisse zur Walstrandungsgraphik des 16. Jahrhunderts. Erster Nachtrag zu “Monstrum horrendum” (mit französischer und englischer Kurzfassung). Enthalten in: Deutsches Schiffahrtsarchiv. 1998, Nr. 21, Seite 157–181. ZA 7022
  • Mehl, Heinrich: Jagd auf den Wal. Enthalten in: Sammler-Journal. Jahrgang 27. 1998, Nr. 2, Seite 124–128. ZB 9056
  • Barthelmess, Klaus: Die Fauth’sche Versuchsanlage auf der norwegischen Walfangstation Hestnes 1938/39 (mit englischer nund französischer Kurzfassung). Enthalten in: Deutsches Schiffahrtsarchiv. Jahrgang 20. 1997, Seite 359–372. ZA 7022
  • Parmentier, Jan: Ostend whalers in Spitsbergen and Davis Strait: The history of the Ostend Whaling Company, 1727–1734. Enthalten in: The American Neptune, Volume 57. 1997, Nr. 1, Seite 19–36. ZB 8879
  • Rossnes, Gustav: Hvalfangstbase OG Kulturminne, Hektor Hvalfangststasjon (mit englischer Kurzfassung). Enthalten in: Norsk Sjøfartsmuseum. Årsberetming. 1996. (1997), Seite 133-154. ZA 7662
  • Barthelmess, Klaus: Fischerei und Walfang — “olympic challengers”. Verstöße gegen Walfangbestimmungen, 1950–1956 (mit englischer Kurzfassung). Enthalten in: Deutsches Schiffahrtsarchiv 1996, Nr. 19, Seite 67–86. ZA 7022
  • Horstmann, Jan G.: Deutscher Walfang vor 60 Jahren. Enthalten in: Schiffahrt international. Jahrgang 48. 1997, Nr. 6, Seite 28–29. ZB 5952
  • Barthelmess, Klaus: Neun bemalte Walschulterblätter und ein beschnitzter Wal-Humerus (Oberarmknochen). Enthalten in: Deutsches Schiffahrtsarchiv. Nr. 17, 1994. Seite 253–272. ZA 7022
  • Schnall, Uwe: Die Wal-Liste des altnorwegischen “Königsspiegels”. Enthalten in: Deutsches Schiffahrtsarchiv. Nr. 17. 1994. Seite 239–252. ZA 7022
  • Busch, Briton C.: The Whaleman’s Newspaper. The Whalemen’s Shipping List and Merchants’ Transcript of New Bedford, 1843 – 1914. Enthalten in: The Log of Mystic Seaport. Volume 44, 1992. Nr. 3, Seite 66–70. ZB 8942

Elena Kalis, Mermaid

Bilder: Friedrich Johann Justin Bertuch: Illustration verschiedener Schiffsmodelle, 12 Bd., Weimar 1790-1830. Nebst: Ausführlicher Text. Von Karl Philipp Funke. 24 Bd. Weimar 1796-1833.
Rotschopfsammlung von Elena Kalis: Rhianne; Red Dress; Mermaid.
Besonders empfohlen wird die Serie Alice in WaterLand.

Lied: Elena Bugado y Fede Comín: Del agua y de ti.

Written by Wolf

29. March 2010 at 12:01 am

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Magian Wine

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Update for The Roof Is On Fire and It Must Hurt:

Südfriedhof München, Magian Wine

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Rotschopf Anna Latysheva, Barb Wire, 22. August 2007Amulets gemmed, to Miriam dear,
       Adown in liquid mirage gleam;
Solomon’s Syrian charms appear,
       Opal and ring supreme.
The rays that light this Magian Wine
Thrill up from semblances divine.

And, seething through the rapturous wave.
What low Elysian anthems rise:
Sibylline inklings blending rave,
       Then lap the verge with sighs.
Delirious here the oracles swim
Ambiguous in the beading hymn.

From: Timoleon, 1891.

 

 

 

Images: Anna Latysheva, Kiev, Ukraine: Barb Wire, August 22, 2007;
Südfriedhof München:

Joh. Georg Heinzelmann
1782–1869
Susette Heinzelmann
geb. Wöhrle von Wöhrburg
1790–1882

Written by Wolf

22. March 2010 at 12:01 am

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Neue Legenden vom Heiligen Patrick

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Update zu A ship, gentlemen:

Es wird dem Menschen von Heimats wegen ein guter Engel beigegeben, der ihn, wann er ins Leben auszieht, unter der vertraulichen Gestalt eines Mitwandernden begleitet; wer nicht ahnt, was ihm Gutes dadurch widerfährt, der mag es fühlen, wenn er die Grenze des Vaterlandes überschreitet, wo ihn jener verläßt.

Jacob & Wilhelm Grimm: Deutsche Sagen, Vorrede zum ersten Band;
I.: Vom Wesen der Sage, Kassel, am 14. März 1816

Smoking Redhead ClubWie Sankt Patrick nach Irland zurückkommt

Die Zahl der Heiligen in Irrlandt ist Legion, o meine Brüder im Herzen, doch der größte unter ihnen war der heilige Patrick.

Als er, ein Einbürtiger von der Feindesinsel, dem verregneten Wales, von Seeräubern nach Ulster entführt wurde, lernte er trotz einem Leben in Sklaverey als Schafhirte die raue grüne Insel lieben.

Um ihn zu prüfen, verkündigte ein Engel ihm, ins französische Auxerre zu fliehen, wo er sich zum Priester ausbilden ließ.

Darnach war er alt und grau und zählte wohl schon siebenzig Jahr, als Gott sich abermals an ihn wandte, nach Irrlandt zurückzukehren.

Obschon er sich gut an die Schafe und das uisce beatha erinnerte, befand er sich zu alt.

Doch Gott sagte ihm, wenn er nicht folgte, so wolle er ihn mit Nachbarn geißeln, die ihn beständig ausschimpfen und mit ihrem Kehricht vor der Türschwelle und in seinen Ohren behelligen mochten.

Da konnte er ebensowohl wieder nach Irrlandt ziehen. So geschah es, und er tat noch viel Gutes.

Nach Lady Gregory
(15. März 1852–22. Mai 1932), 1926.

Alberto VargasWie Sankt Patrick einmal eine Ehe stiftete

Einmal kam ein armer Pächter zu Sankt Patrick, der sich vermählen wollte. “Vater”, sprach er, “ich bin nur ein armer Pächter vor dem Herrn, den zu verehren du uns gelehrt hast, doch ich will mich vermählen. Doch ich liebe nicht weniger als sieben Mädchen meines Dorfes. Nun sage mir, welche Magd ich freien soll.”

Sankt Patrick bedachte sich und strich seinen langen Bart. Als er sich fertig bedacht hatte, tat er den Mund auf, redete also und sprach: “Nimm die kleine dicke Rothaarige!”

Der arme Pächter hätte nun hingehen können und die kleine dicke Rothaarige freien, wie ihm der Heilige geheißen. Doch er bedachte sich eine sehr kurze Spanne, tat den Mund auf, redete also und sprach: “Woher, o Vater, weißt du denn, dass unter den sieben Mägden meines Dorfes eine kleine dicke Rothaarige dabei ist?”

Da redete der Heilige: “Ist das hier Irland oder nicht? Wo sieben Mädchen beisammen sind, wird doch wohl noch eine kleine dicke Rothaarige unter ihnen sein.”

Das war der arme Pächter zufrieden. Er dankte dem Heiligen, ging hin zu der kleinen dicken Rothaarigen und freite sie, um ein langes leben in Frieden und einem bescheidenen Wohlstand zu führen, sofern dies in Irrlandt möglich scheint. Patrick aber sah nach den anderen sechsen, allen zuvor jedoch nach der großen schlanken Rothaarigen, die vorzüglich kochen konnte.

Nach Flann O’Brien: An Cruiscín Lán.

Mateo Yorke, Warm Water, 11. September 2009Wie der Heilige Patrick einmal eine Hochzeit rettete

Eines Tages kam ein alter Pächter zum Heiligen Patrick und sprach: “Vater, die Not ist groß. Mein Ältester gedenkt sich zu vermählen. Gegen meine Schwiegertochter ist wenig einzuwenden, denn sie ist eine tüchtige kleine dicke Rothaarige, doch was soll ich tun, um das Hochzeitsmahl auszurichten? Ich habe nur einen Hahn und eine Henne, die ich schlachten kann. Schlachte ich den Hahn, grämt sich die Henne. Schlachte ich die Henne, grämt sich der Hahn. Was tun, was tun?”

“Wann ist die Hochzeit?” erkundigte sich der Heilige Patrick.

“In vier Wochen, o Vater!”

“Komm wieder in einer Woche, so soll dir Antwort zuteil werden.”

Nachdem diese Woche ins gesegnete grüne Land gezogen, sprach der alte Pächter wieder beim Heiligen Patrick vor.

“Vater!” sprach er, “die Not ist groß! Mein Ältester gedenkt sich schon in drei Wochen zu vermählen, und schlachte ich den Hahn, grämt sich die Henne. Schlachte ich die Henne, grämt sich der Hahn. Was tun, was tun?”

“Das weiß ich, mein Sohn. Komm wieder in einer Woche, so soll dir Antwort zuteil werden.”

Nachdem diese Woche ins gesegnete grüne Land gezogen, sprach der alte Pächter wieder beim Heiligen Patrick vor.

“Vater!” sprach er, “die Not ist groß! Mein Ältester gedenkt sich schon in zwei Wochen zu vermählen, und schlachte ich den Hahn, grämt sich die Henne. Schlachte ich die Henne, grämt sich der Hahn. Was tun, was tun?”

“Das weiß ich, mein Sohn. Komm wieder in einer Woche, so soll dir Antwort zuteil werden.”

Nachdem diese Woche ins gesegnete grüne Land gezogen, sprach der alte Pächter wieder beim Heiligen Patrick vor.

“Vater!” sprach er, “die Not ist groß! Mein Ältester gedenkt sich schon nächste Woche zu vermählen, und schlachte ich den Hahn, grämt sich die Henne. Schlachte ich die Henne, grämt sich der Hahn. Was tun, was tun?”

“Ich erkenne deine Not, mein Sohn”, gab der Heilige Patrick zur Antwort, und: “schlachte den Hahn.”

“Aber Vater!” entsetzte sich der alte Pächter, “so grämt sich die Henne!”

“Das weiß ich, mein Sohn”, sprach der Heilige Patrick in seiner grenzenlosen Weisheit, “soll sie sich grämen.”

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Lesender Rotschopf

Bilder: Smoking Redhead Club; Alberto Vargas; Mateo Yorke: Warm Water, 11. September 2009; selber gemacht, 2006.

Written by Wolf

17. March 2010 at 12:01 am

Posted in Mundschenk Wolf

Alles nur Theater…?

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Jürgen hat Kapitel 36: Das Achterdeck gelesen:

Jürgen Jessebird SchmitteEs gibt Autoren, deren Romane lesen sich streckenweise wie Drehbücher für den Film, zu dem sie einmal werden wollen. Bei manchen Passagen in den Werken von Dan Brown oder Michael Crichton kann man sich nicht nur die Szene selbst vorstellen, sondern sieht vor seinem geistigen Auge auch schon die Kameraeinstellung…

Eine solche Stelle ist auch Kapitel 36 — voller bedeutungsschwerer Handlungen, tiefer Symbolik und aufwühlender Dialoge. Der Traum eines jeden Regisseurs. Bloß: Es gab kein Filmbusiness zu Melvilles Zeit und den Moby-Dick auf eine Theaterbühne zu bringen, dürfte auch nicht in der Absicht des Autors gelegen haben.

Wenn wir hier also kein verkapptes Drehbuch haben, was dann? Nun, vielleicht doch ein Theaterstück? Aber eins, das nicht für uns, die Leser, aufgeführt wird, sondern für die Crew der Pequod — die gleichzeitig Statist und Publikum ist. Regisseur & Hauptdarsteller: Captain Ahab.

Nino Sandow Arbeitsbuch. Moby Dick - AmbosskopfEine glänzende Inszenierung! Ahab ruft sein Publikum zusammen, legt dann aber nicht sofort los, sondern steigert die Erwartung, indem er erst wortlos ein paar Runden dreht:

…and as though not a soul were nigh him resumed his heavy turns upon the deck.

Das Publikum wundert sich. Dann legt Ahab los, kein langweiliges Monologisieren, gleich den Zuschauer mit einbinden:

“What do ye do when ye see a whale, men?”

“Sing out for him!” was the impulsive rejoinder from a score of clubbed voices.

Ahab hat sein Publikum von Anfang an in der Hand, und als „erste befremdete Blicke“ auftauchen, spielt er seinen nächsten Trumpf aus.

Während er seiner Crew von weißen Wal erzählt, hält er ihnen gleichzeitig ein Goldstück vor, das er dem verspricht, der als ersten diesen Wal sichtet. Ziemlich clever, statt Furcht kommt gierige Vorfreude auf.

“Huzza! huzza!” cried the seamen, as with swinging tarpaulins they hailed the act of nailing the gold to the mast.

Juneau Empire, Subsistence, obsession and a new Moby DickEs ist nicht Ahab, der den Namen des Wals als erster nennt, Tashtego ist es — und den anderen Harpunieren ist er auch kein Unbekannter. Ihre Worte und Starbucks Frage “Captain Ahab, I have heard of Moby Dick — but it was not Moby Dick that took off thy leg?” bringen Ahab etwas aus dem Konzept:

“Who told thee that?” cried Ahab; then pausing,

Dann gelingt es ihm, seine Leidenschaft auf die Mannschaft zu übertragen:

“Aye, aye!” shouted the harpooneers and seamen, running closer to the excited old man: “A sharp eye for the white whale; a sharp lance for Moby Dick!”

Nur einen kann er nicht überzeugen: Starbuck. Mit ihm muss er „tiefer schürfen“, ihm erklärt er seine Philosophie: „I’d strike the sun if it insulted me.“ Doch auch das ist eine Vorstellung, eine Privatvorstellung für Starbuck. Als Ahab seinen Text abgeliefert hat, wendet er sich — (Aside) — an wen eigentlich? Doch an uns, die Leser? Oder vielleicht an jemanden, mit dem er auch sonst seine Pläne bespricht, der aber noch gar nicht aufgetaucht ist?

Jedenfalls schein Ahab zufrieden zu sein mit seinem Monolog:

Starbuck now is mine; cannot oppose me now, without rebellion.

Moby Dick Returns to YoughalDass Ahab hier falsch liegt, wird schnell klar: Stoßseufzen, Lachen aus der Last, Wimmern des Windes, Schlagen der Segel — Special Effects würden wir das heute nennen, die in diesem Fall wirklich an den Leser gerichtet sind:

But in his joy at the enchanted, tacit acquiescence of the mate, Ahab did not hear his foreboding invocation; nor yet the low laugh from the hold; nor yet the presaging vibrations of the winds in the cordage; nor yet the hollow flap of the sails against the masts, as for a moment their hearts sank in. For again Starbuck’s downcast eyes lighted up with the stubbornness of life; the subterranean laugh died away; the winds blew on; the sails filled out; the ship heaved and rolled as before. Ah, ye admonitions and warnings! why stay ye not when ye come? But rather are ye predictions than warnings, ye shadows! Yet not so much predictions from without, as verifications of the fore-going things within. For with little external to constrain us, the innermost necessities in our being, these still drive us on.

Nun folgen noch ein paar magisch anmutende Rituale, gemeinsames Trinken, die gekreuzten Lanzen (fast eine Art Segnung), schließlich der Todesschwur auf Moby Dick, verdeutlicht durch den Trunk aus den Harpunenmuffen. Das alles dient ganz offensichtlich nur dem Zweck, die Mannschaft zu beeindrucken. Ihn selbst bewegt das wenig, wie man an seinem Abgang sieht, eine Handbewegung, „alle gingen auseinander, und Ahab zog sich in seine Kajüte zurück.“

Bilder: Nino Sandow Arbeitsbuch: Moby Dick — Ambosskopf;
Juneau Empire: Subsistence, obsession and a new Moby Dick, 17. Mai 2001;
Moby Dick Returns to Youghal, 30. März 2009.

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Rotschopf des Tages: Sonny Burgess: Red-Headed Woman.

Written by Wolf

7. March 2010 at 12:01 am

Posted in Steuermann Jürgen

Because all I have left is the voice of the wind

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Katzenjammer kultivieren Kuddelmuddel.

Bernhard Blöchl:
Gut geschnurrt,
Süddeutsche Zeitung,
18. September 2009.

The wind is a-whipping through the open doors
Speaking of the sea and the rolling waves
Maybe there’s a ship at the bottom now
or struggling on the surface with a cry for help
Wish I could forget and let the years go by
Wish I could escape from my dreams of you
Twenty years ago it was a howling storm
as the voice of a god from a great beyond
I was standing on the shore as the sky grew dark
with a hand on a bible and a hand on my heart
Wish I could forget and let the years go by
Wish I could escape from my dreams of you.

Ketzenjammer (nicht die Kids): To the Sea.

Katzenjammer sind: Rotschopf Turid Jørgensen mit dem alleinstehenden Grinsebass, Solveig Heilo an Schießbude und Tröte, Marianne Sveen an Schießbude und allem, was drei bis zwölf Saiten hat, und Anne Marit Bergheim an Klavizimbel, fünfsaitigem Morgan-Banjo und sonstigem Zupfwerk, aber letztendlich alle an allen Instrumenten; Tuva Andersen ist ausgestiegen. Vielleicht weiß sie, warum.

Frau Fernseh hat’s bemerkt, und wir bitten um freundliche Beachtung des Waldes von Links auf Katzenjammers offizieller Webpräsenz.

Bilder: Andreas Ehrig: Katzenjammer (Norwegen) im Zwischenbau; Mathias Fossum für Myspace & Facebook.

Written by Wolf

6. March 2010 at 9:00 pm

Posted in Moses Wolf

Er nennt’s Vernunft

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Elke hat Kapitel 36: Das Achterdeck gelesen:

Da du, o Herr, dich einmal wieder nahst
Und fragst, wie alles sich bei uns befinde,
Und du mich sonst gewöhnlich gerne sahst,
So siehst du mich auch unter dem Gesinde.
Verzeih, ich kann nicht hohe Worte machen,
Und wenn mich auch der ganze Kreis verhöhnt;
Mein Pathos brächte dich gewiß zum Lachen,
Hättst du dir nicht das Lachen abgewöhnt.
Von Sonn’ und Welten weiß ich nichts zu sagen,
Ich sehe nur, wie sich die Menschen plagen.
Der kleine Gott der Welt bleibt stets von gleichem Schlag,
Und ist so wunderlich als wie am ersten Tag.
Ein wenig besser würd er leben,
Hättst du ihm nicht den Schein des Himmelslichts gegeben;
Er nennt’s Vernunft und braucht’s allein,
Nur tierischer als jedes Tier zu sein.

Faust I. Prolog im Himmel. Mephistopheles.

Elke HegewaldSchauplatz Achterdeck.

Und was für einer in der Inszenierung der Jagd auf den weißen Wal! Mit Pathos und großem Auftritt und Monolog des entmasteten Helden und Rächers, für und wider dessen Heldenstatus weiter gestritten werden darf. Ein Aufzug mit grummelndem Konflikt und kursiv geklammerter Regieanweisung…

Das Achterdeck des Schiffes ist – ein Sternbild, in unseren Breiten nicht vollständig am südlichen Winterhimmel sichtbar. Bei den alten Griechen gehörte es noch – wie sich das für ein ordentliches Achterdeck (Puppis) auch gehört – zu einem ganzen Schiff im Sternenmeer, dem Argo Navis nämlich. In trauter Gemeinschaft mit dem heute der himmlischen Übersichtlichkeit halber sich ebenfalls eigenständig blähenden Segel (Vela) und dem am Grunde funkelnden Kiel (Carina) des Schiffes. Und der zum Navigieren des Himmelsseglers nötige Schiffskompass (Pyxis) ist ein paar läppische Lichtjahre neben der Bordwand in die Fluten der Milchstraße gefallen – na, wenn das mal gut geht!

Nun, der mythologische Ausgang der Mission des später am Firmament vertäuten Heldenklippers ist bekannt: Es ging gut, jedenfalls solange, bis Captain Jason später seine hilfreich angetraute Medea mit einer neuen Flamme und Zweckehe betrog, Orpheus stimmte einen Shanty nach dem andern an und die Mannschaft entriss dem tödlichen Drachen den Pelz des güldenen Widders. Wofür die von astraler Heroenarchitektur nur so strotzende Antike sich mit einem Platz am Himmel für Schiff und Schafbock nicht lumpen ließ.

Argo constellation on Jan Ridpath's Star TalesDoch Nantucketer Waljäger sind nicht die alten Griechen und keine Argonauten, Ahab ist nicht Jason und der weiße Wal erst recht nicht das Goldene Vlies, sondern für den Walbeinernen wohl eher der blutrünstige Drache. Wie auch, was einem hoffentlich nicht als fieser Spoiler ausgelegt wird, die Pequod in die entgegengesetzte Richtung der Argo segeln wird, nicht himmel-, sondern direktemang höllenwärts.

Die “heroische” Mission, über die der zugegeben nicht mehr ganz arglose Moses von Leser hier zusammen mit der arglosen Mannschaft ins Bild gesetzt wird, gemahnt ihn denn auch gleichsam an einen Pakt mit Satans Stellverteter persönlich. Der zieht alle Register der Versuchung und Argumentation. Nagelt den materiell aufgezogenen Fischerschädeln blankgeputztes Gold an den Mast. Kitzelt mit dröhnenden Engelszungen die Draufgänger an ihrer heldischen Verwegenheit, den berechtigten Zweifler und Warner Starbuck an der braven Handwerkerehre. Und wo die nicht reicht, rhetorikt er mit seiner manisch gepäppelten Entschlossenheit, “selbst die Sonne [zu] schlagen”, dessen (schon vor zehn Kapiteln ausgemachte) schwächelnde Seelenstärke in Grund und Boden und ihn selber ins Gefolge zurück. Diesem hämmert er wie ein Feldherr seinen Soldaten vor dem Kampf die vertrauten Schlachtrufe der ewigen Waljäger in den Isolatohirnen zurecht. Und lässt es auch an pathetischen Gesten vom Lanzenkreuzen bis zum Treueeid und an Feuerwasser im Harpunenschaft zum Besiegeln desselben nicht fehlen.

Ein Spektakel, das ungeachtet der versteckten Lacher aus der Mannschaft, der hilflos aufzuckenden Vernunft des Einen und des gelegentlichen Gedankens ‘Der hat sie nicht mehr alle!’ seine Wirkung nicht verfehlt. Er hat sie, alle! Hat das Zeug zum Volksverführer und Seelen(ver)käufer. Und er, Ahab, allein weiß, wozu er diesen Auftritt braucht: Ohne sie ist er nichts auf der nun anhebenden Hatz gegen Moby Dick, diese Mauer, hinter der nichts mehr ist. Doch er kann den uferlosen Hass gegen “dies unfassbare Ding”, der sein Ahab-Universum beherrscht, noch so großtönend als hehres Ziel verkaufen (“Wer steht denn über mir? Wahrheit kennt keine Grenzen.”), kann noch so sehr den Kolumbus spielen, der dem ersten Aussänger des Landes Wal die Belohnung verspricht. Oder den Helden, der das in seiner entmasteten Kapitänswelt ausgemachte Böse herausfordert, sei es nun Urheber oder Werkzeug.

Es bleibt der erschauernde Einwand der Vernunft:

“Rache an einem stummen Tier! […] das einfach dich aus blindem Trieb getroffen! Ein Wahnsinn! Zu wüten gegen ein stummes Ding, Kapitän, erscheint mir grad wie Gotteslästerung.”

Starbuck im Jendis, Seite 273.

Es bleibt… der Zweifel, was von einem Helden übrig bleibt, der keine Grenzen kennt. Der seine Fehde mit dem Leben, die Rettung seiner Welt und Ehre auf dem Rücken anderer austrägt. Anderer, die ihre eigenen Gründe haben, mit ihm auf einem Schiff zu fahren. Mit deren Leben er die seinen Dublone für Dublone bezahlen und sich verschulden wird. – Wovon aber die andern auch nichts mehr haben werden…

Was rumort da in ihm und kann nicht aufhören, was treibt ihn, diesen Ahab?

Der Nantucketer Nathaniel Philbrick, zwar Schreiber, doch als alter Segler (see)fest mit zwei gesunden Beinen auf schwankenden Achterdecks stehend, diagnostiziert es knallhart als Psychotrauma, die “quälende Erinnerung” geheißen. Und sein vorsorgliches Hinzuzitieren eines Philosophen (den wir uns hier schenken) lässt die darum nicht mystischer werden:

Captain Ahab by Old EtcherFür die meisten Unglücksopfer sind die wiederholten Rückblenden einer quälenden Erinnerung therapeutisch hilfreich, da sie die Leidenden nach und nach von Ängsten befreien, die andernfalls ihre Fähigkeit weiterzuleben beeinträchtigen könnten. Manche werden die Erinnerung allerdings nie los. Gestützt auf Chases Bericht, schuf Herman Melville mit seinem Kapitän Ahab einen Mann, der aus den seelischen Abgründen, in denen sich Chase in jenen… schlaflosen Nächten wand, nie auftauchte. Genau wie Chase glaubte, dass der Wal, der die Essex angegriffen hatte, mit “entschlossener, berechnender Bosheit” vorgegangen war, wurde Ahab von der Vorstellung verfolgt, der weiße Wal sei ein Wesen, bei dem sich “grenzenlose Kraft mit unerforschlicher Arglist” paarte. Eingesperrt in sein privates Horrorkabinett, war Ahab der festen Überzeugung, sein einziger Ausweg bestehe darin, Moby Dick zur Strecke zu bringen. “Wie kann der Gefangene nach draußen kommen, wenn nicht durch die Mauer? Für mich ist der weiße Wal diese Mauer, die dicht vor mir steht.”

Nathaniel Philbrick: Im Herzen der See, Karl Blessing Verlag München 2000, Seite 146.

Ein Franzose sucht es uns aus dem Moby-Dick der politischen Ökonomie des Kapitalismus, Marxens “Kapital”, herauszuoperieren, mit überraschenden und lesenswerten Erkenntnissen:

Captain Ahab by Jim Nichols UFO ArtJede Wette, dass er – abgesehen von der persönlichen Rechnung, die er mit der sublimen Käscherin, der riesigen fahlen Schneppe, der ewigen Aufreißerin der Weltmeere offen hat –, dass er also den großen Kuchen anpeilt, die legale Sprengung der Allgemeinen Seekreditbank, das Geschäft der Geschäfte, an das alle denken, seit der Kopf des Pottwals ausgeweidet wird: der ganze Reichtum, das ganze virtuelle Kapital, das das Untier im Kopf hat, der unendliche Reichtum, den eine Mutter Courage, Libuše, Zigeunerin, Gipsy von Prag in der Tasche trägt in Form eines nicht übertragbaren Talismans. […]

Ahab ist der Ungeist der List ökonomischer Vernunft, die bewirkt, dass das Vorankommen der Menschheit, ihr besseres Befinden, die Verlockung des Gewinns, die verfluchte Gier nach Gold durchmacht (auri sacra fames, wiederholt Marx kapitellang, wenn er nicht Shylock zitiert) […] ist ein Menschenführer, der die Seinen ins Verderben steuert unter dem Vorwand, er biete ihnen eine Möglichkeit zum Geldverdienen. Darin reicht seine Geschichte an die großen historischen Farcen heran: oder ähnelt dieser Hitchcock-Sequenz, in der ein toll gewordenes Karussell nicht mehr zum Stehen kommt. […] es gibt Dutzende Tote! Hier wird nur Ishmael übrigbleiben. Bis auf ihn gehen alle baden: Seeleute, Reeder, Bankiers, Versicherer.

Jean-Pierre Lefebvre: Die Arbeit des Wals. Red Moby &/or: Das Kapital, im Rathjen-Moby, Zweitausendeins. Frankfurt am Main 2004, Seite 835 f.
Erstdruck in: Schreibheft, Zeitschrift für Literatur 37, Essen 1991.

[Anmerkung: Der Rote Moby wird hier nochmal ausführlich und gehörig zu repetieren sein, der Lefebvre stellt um den kapitalen Wal und den schon mal so daherzitierten Profitjäger Ahab noch so viel anderes auf, das man selber bis zu ihm noch gar nicht gedacht hat. Und außerdem: wo wir doch Rotschopfwochen haben, oder?]

Hmm… ist er nun also eine arme, gequälte Kreatur, der finstere Ahab, ein gefährlicher Irrer, dämonischer Visionär und Verweser oder nur eine suchende verlorene Seele? Ein Mensch, der irrt, solang er strebt?
Und was hätte er denn nun endlich dem Drewermann auf der Couch erzählt, wenn der sich jemals steuerbord einer solchen therapeutisch betätigt haben täte?

Wir wissen es (noch) nicht.

Wenn wir eins wissen, dann, dass wir im Angesicht monumentaler Melvillescher Kapitel als mikroskopische Mensch- und Leserlein manchmal mit Bloggerverdrängungssymptomen reagieren – über Monate. Dass wir dann – manchmal – lieber mit den Augen am Himmel nach Argo Navis suchen. Und uns, wenn unser Walfischprinzip wieder halbwegs funktioniert und der Spuk vorbei ist, staunend und mit einem leisen Lächeln nach ihm umsehen…

Die Winde wehten wieder, die Segel blähten sich, das Schiff stampfte und schlingerte wie zuvor.

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Ach, und fällt jemandem vielleicht noch ein passenderer Soundtrack ein als der hier?

Denn scheint dieser Ahab nicht irgendwie… nicht erwachsen genug (als wäre das ein Makel), nicht tragisch genug und seine Fantasie nicht düster genug – kurzum: Ist er nicht zuuu alternativ?

Aber eine lichte und hübsche Vorstellung ist’s schon: Ismael hockt auf dem Bugspriet, bläst melancholisch in seine Mundharmonika und summt vor sich hin:

And if I ever lose my legs,
I won’t moan, and I won’t beg,
Oh if I ever lose my legs, Oh if
I won’t have to walk no more.

Yeeeah-aye. Oder?

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Ingoetzel, Alice in Austinland, 27. November 2009

Bilder: Jan Ridpath’s Star Tales; Old Etcher; Jim Nichols UFO Art
sowie als Tribut an die laufenden Rotschopfwochen und des Roten Lefebvres Filmschaffen:
Leah Ingoetzel mit dem Lenin: Alice in Austinland, 27. November 2009.
Soundtrack: Cat Stevens: Moonshadow aus: Teaser and the Firecat, 1971.

Written by Wolf

4. March 2010 at 12:01 am

Posted in Steuerfrau Elke

Der Freizeittipp: Fuck yourself or fuck each other

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Ich mach’s kurz:

Der Country Rap hat heute Uraufführung. What about Carson haben komponiert, instrumentiert und trainiert, und den paar Fetzen nach, die Edda mir in den frühen Morgenstunden nach ihrem Novemberkonzert an der Theke vom Casablanca vorab ins Ohr gerappt hat, wird er klasse.

Heute, Mittwoch, 3. März 2010, ab 20.00 Uhr, im Casablanca, Nürnberg, Brosamerstraße (des is do beim Kobernikusblazz ins Luuch nei, wers kennt): Kunstkarawane! Eigene Musikinstrumente mitbringen, das wird lustig!

Hin!

Der sophisticated Rotschopf mit dem richtigen Werkzeug:
Qathi mit Norwegian Wood, 22. November 2007.

Written by Wolf

3. March 2010 at 12:01 am

Posted in Kommandobrücke

Das Lied vom blauen Korsaren

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calisaurus, 3. August 2009

Will ich ein Wirtshaus gahn,
will ein Schätzlein heben,
hat ein gülden Ringlein an,
ist es schon vergeben.

Will ich in dem Wirtshaus sitzen,
Rum trinken, rumgrölen, lachen,
lässt das Schätzchen mich abblitzen,
um mit andern Rum zu machen.

Wenn ich in mein Wirtshaus geh,
will ein bissel saufen,
bestellt Schätzchen Schießpulvertee,
muss sie dauernd laufen.

Will ich auf das Wirtshausklo,
will nicht alles blechen,
sauf aus, geh naus und tu nur so,
prell die ganze Zechen.

Yamanize, The split second of pure exhilaration, June 17, 2010

Rotschopfbilder: Calisaurus, 3. August 2009;
Yamanize: The split second of pure exhilaration, 17. Juni 2010.
Kneipenlieder: Marius Müller-Westernhagen: Hier in der Kneipe fühl ich mich frei, nur als Single, 1981;
Lisa Hannigan: I Don’t Know, aus Sea Sew (kaufen!), 2009.

Written by Wolf

2. March 2010 at 12:13 am

Posted in Mundschenk Wolf

Talking Captain Ahab Blues

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Update for Captain’s Blues and How Things Go:

1.: Listen to my story, listen to my song:
Captain Ahab was a madman who told what’s right and did what’s wrong.
The old pegleg thought he was world’s greatest sailor and whaler,
but really was a total failure.

2.: What the sirens sang rang true that the skies and seas were blue
and a madman’s gotta do what a madman’s gotta do,
and he forced poor Ishmael and his sponsors to devotion
and sank the Pequod in the ocean.

3.: Their manhood was emerging while that white whale they searching,
but their figurehead was an Indian virgin
with hair so fair and lips like a rose,
and that’s how far my story goes.

Verse 3 line 3 + 4, Rotschopfwochen Special Remix:

ruby red from her head to her wood-carved toes
(pretty ten not petty five, as you can’t walk on those).

A Treasury of Spicy Sea Songs Cover

Image: A Treasury of Spicy Sea Songs was raised by Bethlehem High Fidelity.

Written by Wolf

1. March 2010 at 12:09 am

Posted in Vorderdeck

München am Meer XII: Childhood Winter’s End

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Update zu To sail you home,
Golddublone für mich!
und What I Heard about the Apple Barrel:

Boys get discovered as winter melts,
Flowers competing for the sun.
Years go by and I’m here still waiting,
Withering where some snowman was.
Mirror, mirror, where’s the crystal palace?
But I only can see myself
Skating around the truth who I am
But I know dad, the ice is getting thin.

When you gonna make up your mind?
When you gonna love you as much as I do?

Tori Amos: Winter, in: Little Earthquakes, published in the USA on February 25, 1992.

Why tell the whole? The blows of the basement hammer every day grew more and more between; and each blow every day grew fainter than the last; the wife sat frozen at the window, with tearless eyes, glitteringly gazing into the weeping faces of her children; the bellows fell; the forge choked up with cinders; the house was sold; the mother dived down into the long church-yard grass; her children twice followed her thither; and the houseless, familyless old man staggered off a vagabond in crape; his every woe unreverenced; his grey head a scorn to flaxen curls!

Chapter CXII: The Blacksmith.

Now, as it shortly turned out, what made this incident of the Rachel‘s the more melancholy, was the circumstance, that not only was one of the Captain’s sons among the number of the missing boat’s crew; but among the number of the other boat’s crews, at the same time, but on the other hand, separated from the ship during the dark vicissitudes of the chase, there had been still another son; as that for a time, the wretched father was plunged to the bottom of the cruellest perplexity; which was only solved for him by his chief mate’s instinctively adopting the ordinary procedure of a whale-ship in such emergencies, that is, when placed between jeopardized but divided boats, always to pick up the majority first. […]

But the captain, for some unknown constitutional reason, had refrained from mentioning all this, and not till forced to it by Ahab’s iciness did he allude to his one yet missing boy; a little lad, but twelve years old, whose father with the earnest but unmisgiving hardihood of a Nantucketer’s paternal love, had thus early sought to initiate him in the perils and wonders of a vocation almost immemorially the destiny of all his race. Nor does it unfrequently occur, that Nantucket captains will send a son of such tender age away from them, for a protracted three or four years’ voyage in some other ship than their own; so that their first knowledge of a whaleman’s career shall be unenervated by any chance display of a father’s natural but untimely partiality, or undue apprehensiveness and concern. […]

But by her still halting course and winding, woeful way, you plainly saw that this ship that so wept with spray, still remained without comfort. She was Rachel, weeping for her children, because they were not.

Chapter CXXVIII: The Pequod Meets The Rachel.

On the second day, a sail drew near, nearer, and picked me up at last. It was the devious-cruising Rachel, that in her retracing search after her missing children, only found another orphan.

Epilogue.

25. Februar 2010: Die Little Earthquakes von Rotschopf Tori Amos wird volljährig. Wir hatten schon viel Spaß miteinander.

Cover Tori Amos, Little Earthuquakes

Freundliche Begegnung:

“Hast seen the White Whale?”

“Aye, yesterday. Have ye seen a whale-boat adrift?”

Chapter CXXVIII: The Pequod Meets The Rachel:

Friendly Encounter bei mir im Hinterhof, 17. Februar 2010:

Freundliche Begegnung. Friendly Encounter

Written by Wolf

25. February 2010 at 12:01 am

Posted in Fiddler's Green

Kein Krimi wie ein Gedicht

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Jürgen Jessebird SchmitteJürgen wird heute zarte 42, das Alter, in dem man das Leben, das Universum und den ganzen Rest versteht, und kriegt als Geschenk seinen eigenen Eintrag vom 20. September 2009 geklaut: John Burnside: Glister. Glückwunsch auch vom Rest der P.E.Q.U.O.D.!

Jürgen hielt berufsbedingt die Neuerscheinung Glister von John Burnside als einer der ersten in Händen. “Ein Buch wie ein Gedicht”, fasst er zusammen, und versteht einen im weiteren Verlauf richtig neugierig darauf zu machen. Scheint gut zu sein.

Und für uns gräbt er eine Freundliche Begegnung aus:

Nathalie by An Sophie & Bart, Ad Majorem Dei Gloriam IV, 13. Januar 2010Plötzlich wusste ich, dass er mich nur auf den Arm genommen hatte, und von diesem Augenblick an mochte ich ihn irgendwie. Schließlich verdankte ich es John, dass ich noch einmal zu Herman Melville griff. Ich kannte eine überarbeitete Fassung von Moby Dick aus der Kinderbücherei, nicht aber den eigentlichen Roman. Irgendwelche allgewaltigen Mächtigen hatten aus irgendeinem unerfindlichen Grund schon vor vielen Jahren beschlossen, dass sich Moby Dick als Kinderbuch eigne, woraufhin allerlei seltsame Ausgaben herausgebracht worden waren, samt und sonders gekürzt und illustriert und auf das bloße Skelett einer Abenteuergeschichte reduziert. Schlimmer noch, man hielt Melville für jemanden, der nur ein einziges Buch geschrieben hatte, weshalb ich, bis John kam, nichts von Maskeraden wusste, von Bartleby, der Schreiber oder Billy Budd. Niemand aber sollte je den ewigen Dank vergessen, den er jenem Menschen schuldet, der ihn zum ersten Mal dazu bringt, den wahren Herman Melville zu lesen. Laut John gehörte der ungekürzte Moby Dick ebenfalls zur fesselnden Lektüre – und er hatte recht, so wie er mit Proust und all den anderen Autoren recht hatte.

John Burnside: Glister; deutsch: Glister bei Albrecht Knaus, seit 28. September 2009.

Danke für deine Aufmerksamkeit und gute Arbeit, Jürgen! Schreib mal wieder was für uns!

Rotschopf Nathalie: An Sophie & Bart: Ad Majorem Dei Gloriam IV, 13. Januar 2010,
mit Juan Eusebio Nieremberg (1595–1658): De la diferencia entre lo temporal y eterno, Madrid 1640.

Written by Wolf

19. February 2010 at 1:07 am

Posted in Moses Jürgen

Further Etching

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Update zu Kapitel 24: Der Anwalt, Guardian of public virtue und Ahab geht von Bord:

I must here state that Bill Mann was a very distinguished character on board the styx. In person he was large and unwieldy, and possessed of great strength. He wore a pair of tremendous black whiskers, which he regarded as the greatest ornament to the human face divine; and altogether had the regular “damn-my-eyes” look of an old salt. Bill was unquestionably a hero, if great deeds entitle any man to that distinction. According to his own account, he had killed more whales, broken more girls’ hearts, whipped more men, been drunk oftener, and pushed his way through more perils, frolics, pleasures, pains, and general vicissitudes of fortune than any man in the known world. Nevertheless, Bill was a great grumbler. He had the happy knack of seeing through every thing at a glance, and making evil omens out of the smallest trifles. If a cloud appeared on the horizon, we were going to have “tough weather, and, like as not, the blamed old spars wouldn’t stand it, and we’d fetch up in Davy Jones’s locker.” He always “knew what he was about.” If he fell over a handspike and bruised his shins, he “knew what he was about.” Nay, for that matter, he could foretell every accident about to happen; but, unfortunately, seldom made particular reference to any special accident until after it did happen. Whenever any of the crew broke a looking-glass, he had fifty tragical stories to relate in proof of his position that it was a sure omen of bad luck. He was always “growling;” from morning till night he had something to growl at. If he had to do a job on the rigging, he went at it growling; be growled his way aloft twice a day; growled at the wheel; growled in the forecastle; growled in his sleep; and, although he could tell some amusing stories, he invariably wound up with a growl. Bill was every thing under the sun: a sailor; an actor, a musician, a pugilist; and, in short, considered himself an adept in seamanship, literature, politics, law, and every other pursuit that engages the attention of man. In all forecastle disputes touching questions in art; science, or literature, Bill was the great Sir Oracle, and clinched every argument by the assertion, that “there was nothing green in the corner of his eye; he knew what he was about.” His songs — for he could sing too — were never less than sixteen or eighteen verses. Every thing he did bore the peculiar stamp of his genius. Nothing pleased him; nothing went as he had seen things go. His last voyage was pleasant and prosperous; the last ship was a good sailer; the last crew were fine, clever fellows; the last forecastle wasn’t a hog-pen. He was continually cursing his “top-lights” if it wouldn’t be a source of infinite satisfaction to him if this crazy old tub of a barque would sink, spars, tackling, try-works, and all, and go crock to the bottom. He had seen salt water before; nobody could tell him about salt water; he knew what a sailor’s life was as well as any man; but he had never seen such doings aboard any other ship. He’d be blowed if he wouldn’t like to see the studding-sails dragging overboard, the top-masts swinging by the rigging, the yards braced to Halifax, and the whole bloody ship’s crew drifting on to a lee shore in the cook’s galley. Divers and sundry afflictions might befall him if he wouldn’t sooner be rammed and jammed into the fore-peak of purgatory than in such a ditty, lubberly, tub-sided blubber hunter as the barque styx.

Browne’s account on Captain Bill Mann, Chapter IX.

ohkayeor, Etching Workshop, Flickr June 15, 2009

Etchings of a Whaling Cruise, with Notes of a Sojourn on the Island of Zanzibar; With a History of the Whale Fishery, Its Past and Present Condition. By J. Ross Browne. Illustrated by Numerous Engravings on Steel and Wood. New York: Harper & Brothers, Publishers, 82 Cliff Street, 1846.

Herman Melville: Etchings of a Whaling Cruise: Rezension.

Rotschopfbild: ohkayeor: Etching Workshop, 15. Juni 2009.

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Further Reading Lied: Lisa Hannigan: Lille, Debütsingle aus: Sea Sew, 2008.

Written by Wolf

16. February 2010 at 2:09 am

Posted in Reeperbahn