Moby-Dick™

Leben mit Herman Melville

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Die Nachrichten von seinem Tod: Huck, Mark, Samuel und Tom (und Alexander, Andreas und Paul)

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Update zu Moby-Dick goes Huckleberry Finn
und The little mocking bird sang sweetly all the day:

Gentlemen: — Please do not use my name in any way. Please do not even divulge the fact I own a machine. I have entirely stopped using the Typewriter, for the reason that I never could write a letter with it to anybody without receiving a request by return mail that I would not only describe the machine, but state what progress I had made in the use of it, etc., etc. I don’t like to write letters, and so I don’t want people to know I own this curiosity-breeding little joker.

Yours truly,
Samuel L. Clemens.

Mark Twain to E. Remington Typewriter Company,
Hartford, March 19, 1875.

Dictating autobiography to a typewriter is a new experience for me, but it goes very well, and is going to save time and ‘language’ — the kind of language that soothes vexation.

I have dictated to a typewriter before — but not autobiography. Between that experience and the present one there lies a mighty gap — more than thirty years! It is a sort of lifetime. In that wide interval much has happened — to the type-machine as well as to the rest of us. At the beginning of that interval a type-machine was a curiosity. The person who owned one was a curiosity, too. But now it it is the other way about: the person who doesn’t own one is a curiosity.

In a previous chapter of this Autobiography I have claimed that I was the first person in the world that ever had a telephone in his house for practical purposes; I will now claim — until dispossessed — that I was the first person in the world to apply the type-machine to literature. That book must have been The Adventures of Tom Sawyer. I wrote the first half of it in ’72, the rest of it in ’74. My machinist type-copied a book for me in ’74, so I concluded it was that one.

That early machine was full of caprices, full of defects — devilish ones. It had as many immoralities as the machine of to-day has virtues.

Mark Twain: Unpublished Autobiography, 1904,
Villa Quarto, Florence, in: Harper’s Weekly, March 18, 1906.

Huckleberry DichterliebchenAlles an dem Manne ist zwei.

Das fängt mit dem Namen an: Samuel Langhorne Clemens wurde Mark Twain, das bedeutet wörtlich: zwei Faden Tiefe unter dem Rumpf eines Schaufelraddampfers, was wiederum bedeutet: Wenn das Uferpersonal bei seinem Nahen “mark twain!” rief, konnte sein Schiff sicher passieren — und das in seinem zweiten Leben, dem als Schreiber. Das erste behielt er bei: als Geschäftsmann, Ehemann und Vater. Die Hälfte Mark Twain wurde einer der Klassiker, die hundert Jahre nach ihrem Tod noch freiwillig, ja begeistert gelesen und verstanden werden.

Das ist heute. “Klassiker: ein Buch, das die Leute loben, aber nicht lesen” — das stammt von ihm wie bestimmt Hunderte anderer kurzer, knackiger Sätze, die ihm gern nur zugeschrieben werden, weil sie so schön knurrig-versöhnlich nach ihm klingen. Manchmal werden sie auch mit denen von Oscar Wilde verwechselt, es hat eben alles zwei Seiten.

Im englischsprachigen Volksgedächtnis haftet er wie Shakespeare und Lewis Carroll, selbst im deutschen ist er der Inbegriff eines schnucklig-romantischen Amerika geworden, dem man weder für den Bürger- noch die Irakkriege noch die als selbstverständlich angenommene Kulturlosigkeit böse sein kann: Den Negersklaven ging’s doch richtig gut! Und Lausbubengeschichten vom Mississippi sind ja was anderes als Musik mit Schlagzeug! Lösungssätze für Kreuzworträtsel liefert er wie sonst nur Wilhelm Busch, Kästner und Schiller.

Seine zwei stilprägenden Welterfolge waren die ersten Bücher, die ich im englischen Original gelesen hab; dem Jungwolf mangelte es am nötigen Gelde, und die Nürnberger Stadtbibliothek hatte auf Deutsch nur schmalbrüstige Kinderausgaben da. The Adventures of Tom Sawyer (1876) und Adventures of Huckleberry Finn (1884) dagegen in einem Band, complete and unabridged, wo ich noch nicht mal wusste, was abridge heißt, und nicht so kindisch mit bunten Bildchen von beschönigten prekären Existenzen aufgemacht, sondern eine abgegriffene, erwachsen wirkende Textwüste, älter als ich. Ich erinnere mich, dass ich die paar hundert Seiten durchgehalten hab, mit dem Pons Global in Nachschlageweite auf dem Bauch. Mein zweites Buch auf Englisch war dann Bukowski, dafür ließ ich mir alsbald von der Leipziger Verwandtschaft die DDR-Aufbau-Ausgabe Der berühmte Springfrosch von Calaveras von 1963 schenken (auf Amazon.de nur noch im Softcover bebildert), um eine Reihenfolge einzuhalten.

Der Unterschied zwischen Tom Sawyer und Huckleberry Finn ist ungefähr der zwischen Micky Maus und Donald Duck: der jeweils erstere ein kleiner Held aus dem einfachen Volk, Identifikationsangebot und pädagogisch taugliches Vorbild; die letzteren ihr struppigerer Widerpart — nicht etwa Gegner, nur Reibungsflächen als komplementäre Sidekicks. Und sogar beide in ihren Serien zuerst als Nebenfigur aufgetreten, danach wegen großer Nachfrage Hauptfiguren ihres eigenen Werks. Die etwas böseren Jungs auf der guten Seite, dadurch plastischer, schillernder, glaubwürdiger in ihrer mehrschichtigen Welt. Fand jemals einer Tom Sawyer besser als Huck Finn? Mag irgendwer Micky Maus?

Ersparen wir uns, die Lobreden auf Mark Twain und seine Jugendaufarbeitungen nachzusingen, die gerade zu seinem hundertsten Todestag die Feuilletons verstopfen; sie führen alle an, was Hemingway über den Huckleberry gesagt hat (soll ich’s sagen? — : dass es vorher “nichts” gab und nachher nichts Gleichwertiges mehr kam und dass es das beste Buch sei, das “wir” haben — außer Hemingways eigenen wahrscheinlich) und was sein Schöpfer doch für ein brillanter “Zyniker” war. Es stimmt alles, ist aber egal. Nehmen wir sachbezogen zur Kenntnis, was getan wird:

Mark Twain on Mississippi RiverDer Hanser-Verlag hat Sawyer und Finn in einem Band in neuer Übersetzung von Andreas Nohl vereint. Man hört nur Gutes darüber, es scheint wirklich grandios und überaus genießbar geraten — der Twain, hört man, fürs dritte Jahrtausend —, und man hätte von Hanser gar nichts Geringeres erwartet. Als Unternehmung, in Anspruch und Aufmachung erinnert das Opus stark an ihren neu eingerichteten Moby-Dick von 2001.

Und Alexander Pechmann hat Mark Twains Briefe erstmals auf Deutsch zu einer Biographie zusammengefasst: Sommerwogen. Eine Liebe in Briefen vereint vor allem die Briefe an seine Frau mit solchen, die den Entwurf vervollständigen. Pechmann hat sich vormals als Herman Melvilles neuester Biograph verdient gemacht, seine Unternehmung erinnert in Anspruch und Aufmachung stark an Daniel Göskes Materialsammlung Ein Leben von und über Melville.

Melville und Twain, die amerikanischen Ikonen — etwas scheint sie zu verbinden. Sicher das Stiften einer künstlichen neuen Welt für die geographische Neue Welt: Haben doch beide das Zeug zum Mythos und sind immerhin Klassiker geworden. Da lagen Themen herum, jemand musste sie aufgreifen. Und das Neue im Altbekannten, die frische Sicht auf allgemeinmenschliche Zustände konnten Zeitgenossen anrühren (in Melvilles Fall wenigstens den Verleger, in Twains Fall eine Menge Publikum, die zum zweitgrößten Bestseller der Zeit nach Uncle Tom’s Cabin reichte) und werden es wohl noch einige Generationen lang können.

Ferner teilten sich Melville und Twain den Verleger, Evert Duyckinck von Harper — übrigens auch mit Emerson, Longfellow und Poe; Harper besteht bis heute. Beider Romane wurden für reife Leser erfunden und als Kinderbücher zurechtgestutzt und vereinnahmt. Und wie Melville unternahm Twain seine Bildungsreise durch Europa und das Heilige Land, worüber vom letzteren mehr und entschieden besser gelaunte Zeitungsartikel, Romane und Vorträge entstanden als Melvilles langatmigstes Versepos der Welt. Auch das Bildungsideal der Europareise besteht noch unter ehrgeizigen Amerikanern.

In Italien interessierte ihn an Kunstschätzen hauptsächlich der Markusplatz, weil der nach dem Namenspatron seines Pseudonyms heißt, ansonsten mehr das nautische Geschick der Gondolieri. Seine Ciceronen nervte er mit der ersten Frage, ob die ganzen Leute, von denen sie ihm stolz erzählen wollten, doch nicht etwa schon tot seien.

Womöglich arbeitete er so auch am uramerikanischen, gerade in der Alten Welt volkstümlichen Bild des kulturlosen Amis. Wir wissen jetzt: Seiner Kultur mangelt es nicht, sie wendet sich nur gegen ihr falsches Verständnis.

Aus dieser betonten, stellenweise bis zur Pose aufgesetzten Volksnähe entspringt mein persönliches Lieblingsstück von ihm: The Awful German Language von 1880. Twains Stoffe sind ohnehin niemals erst durch ihre Benennung ins Leben getreten, sondern bilden es — vice versa — ab. Niemand kann ihm nachsagen, er hätte nicht versucht, dem Volk aufs Maul zu schauen, um es ihm gleichzutun. An der deutschen Sprache ist er mit launig allen vernünftig — lies: englisch — sprechenden Leuten mitgeteilter Verzweiflung gescheitert. Das Frappierende für den deutschen Leser ist die Sicht des Fremdsprachlers auf das Gestrüpp von endlosen Wörtern und ebensolchen Sätzen mit auseinandergerissenen Verben. Man muss weder Amerikaner noch Germanist sein, um auf die grotesken Aspekte der deutschen Sprache zu stoßen — aber so einsichtig und einsehbar, so erhellt und erhellend und dabei so pointiert wie der Innocent Abroad Twain hat’s seither keiner mehr gebracht. Praktischerweise ist die Satire ganz gut in ihren eigenen Gegenstand übersetzbar; online steht sie am handlichsten als Weblog-Eintrag aufbereitet bei Vitaly Friedman.

Die Ismael-Figur, die aus dem Nirgendwo kommt, tut, was sie will, geht, wohin sie will, sagt, was sie denkt, und erfolgreich das schafft, was sie als ihre Bestimmung erlebt — auch Huckleberry Finn ist so eine, und das macht ihn zutiefst amerikanisch. Die unverdrossen scheiternden Loser Ismael, Huck Finn und Donald Duck — dem Setting nach auch Django und alle anderen namenlosen Westerndorfbesucher europäischer Provenienz — leben den American Dream. Und es macht Spaß.

Nun wäre Samuel Clemens nicht Mark Twain, wenn das die einzige Sicht wäre.

Gleich im zweiten Kapitel von Tom Sawyer steht jenes Parade-Schelmenstück, das immer kommt, wenn irgendwas über Tom Sawyer kommt: wie er zur Strafe Tante Pollys Lattenzaun anstreichen muss, sich dabei einen Lenz macht und noch materiellen und sozialen Gewinn daraus zieht. Ein dramaturgischer Geniestreich, in dem sich die amerikanische Seele offenbar seit jeher wiedererkennt, und bei dem man jedes Mal wieder breit mitgrinst.

Das steht am Anfang. Im weiteren Verlauf treffen wir den stadtbekannten Säufer Muff Potter, den amoralischen Raubmörder Indianer-Joe, in ihr Schicksal ergebene Sklaven, korrupte und bigotte Honoratioren und nicht zuletzt einen vom alkoholkranken Vater verstoßenen kleinkriminellen Halbwaisen namens Huck Finn, der auf den einzigen anständigen Charakter auf dieser Geisterbahn in der Provinz von Missouri, den Bürgersohn Tom Sawyer, Einfluss nimmt, als ob das lustig wäre, besonders wenn man in diesem Milieu aufwachsen musste.

Ist es nicht. Aber man kann es idyllisch darstellen. Das Sequel Huckleberry Finn ist dann auch ungleich vielschichtiger, durchwachsener als Tom Sawyer, der tatsächlich fast als Sammlung von Kinderepisoden durchgeht. Genau richtig, um ziemlich viele Seiten und das inzwischen dritte Jahrhundert lang zu tragen. Mit diesen vergnüglichen Hits des Schreibers Mark Twain tingelte der Geschäftsmann Samuel Clemens durch einen Triumphzug von Lesereisen. Niemand von uns Heutigen war dabei oder könnte auf Bild- und Tonmaterial davon zurückgreifen — aber sich fragen, was er dabei über sein Publikum dachte, das er eigentlich nur getreulich abgebildet hatte.

Mark Twain and Dorothy QuickSehr viel schlimmer treibt er es in seinen späteren Büchern. Er etabliert als Stilmittel, lustig und übermütig anzufangen und dann immer düsterer zu werden, die Maulschellen der Sozialkritik kommen im Trojanischen Pferd humoriger Geschichten. Er schrieb unstrukturiert, atemlos und an allen Enden gleichzeitig — einer von denen, angesichts deren schieren Outputs man sich fragt, ob der denn nie wenigstens mal aufs Klo musste, dabei hatte er vor seiner Schreiberkarriere die nötige Lebenserfahrung zusammenerlebt, Drucker gelernt, nach Gold geschürft, Dampfer auf dem Mississippi von New Orleans nach St. Louis und zurück gelotst und als Journalist gearbeitet und war als Live Act ein unfehlbarer Kassenfüller für den Buchhandel, nebenbei auch noch treusorgender Ehemann, ein glühender Freund und Unterstützer aller Katzen, fleißiger Europareisender und, worauf alle Zeichen deuten, liebevoller Vater, und einzig als Investor für seine selbst erfundene Setzmaschine, deren Zeit noch nicht reif war, zu hitzig und folglich glücklos, und wenn’s am einen Projekt nicht recht vorwärts gehen wollte, schrieb er eben schnell am anderen weiter. Hier war er nicht zwei, hier war er die ganze Menschheit, die er für missraten und verloren hielt. Was musste in diesem Mann alles brodeln.

Ein Yankee aus Connecticut an König Artus’ Hof fängt an als harmlose Satire aufs ach so finstere Mittelalter. Hintenzu stellt sich als Moral heraus, dass die Menschheit seitdem nicht vorwärtsgekommen, sondern rückwärts in einen Abgrund gestolpert ist. Am Schluss sind die Neuzeitlichen die Kriegsgewinnler, sterben aber am Leichengift der Selbstbesiegten. Man hätte stutzen sollen, als die Titelfigur Hank Morgan Werksmeister in der Hartforder Waffenfabrik von Samuel Colt war.

Die Briefe von der Erde gar waren dermaßen brandgefährlich aggressiv, dass sie erst 1963 veröffentlicht wurden, nachdem Clemens/Twains letzte Tochter Clara starb und der Nachlass frei wurde. — Satan wird auf die Erde strafversetzt und muss Berichte schreiben, die zu einer radikal hoffnungslosen Abrechnung mit allem geraten, was Moral, Trost, ja Leben heißt:

Wenn es ein Motto für [Gott] gab, so hätte es lauten müssen: „Laßt keinen Unschuldigen entkommen.“ Man denke daran, was er in der Zeit der Sintflut tat. Da waren Unmengen von kleinen Kindern, von denen er genau wusste, dass sie sich nicht das Geringste hatten zuschulden kommen lassen; aber ihre Angehörigen hatten es, und das genügte ihm. Er sah die Wasser steigen bis zu ihren schreienden Mündern, sah die wilde Angst in ihren Augen, das Flehen auf den Gesichtern der Mütter, das jedes (andere) Herz als das seine gerührt hätte; aber er ließ die kleinen Würmer ersaufen.

Mark Twain: Briefe von der Erde,
cit. nach Paul Stänner: Ein Yankee aus Connecticut, Deutschlandradio Kultur Berlin, 18. April 2010.

Remington Typewriter CompanyDer liebenswerte, mitreißende Stegreif-Rhetoriker und ansteckend lebendige Kauz mit wuscheligem Feuerkopf und Schnauzbart, die Einstein und Disney von ihm abgeschaut haben müssen, war ein schonungsloser Haudrauf — nicht, weil er in Wirklichkeit so viel Bosheit unterdrücken musste, sondern im Gegenteil: weil er das Menschengeschlecht, das seine, lieb haben wollte. Seine Düsterarien sind nie Ermunterungen zum Aufgeben, nur Darstellungen dessen, was längst passiert ist und von Anfang an so war. Die Hölle, die sein Wohnort und der seiner Lieben ist, war ihm nicht recht: Er wollte, dass es vorwärts geht und besser wird; Tom Sawyer ist das erste Schreibmaschinenmanuskript der Literaturgeschichte — klar: gelernter Drucker; über den fingierten Ich-Erzähler Huck Finn, den bildungsfernen, verwahrlosten Straßenjungen, hat er Südstaaten-Slang in die Hochliteratur getragen und damit vielleicht endgültig die amerikanische von der englischen Literatur emanzipiert. Heute hätte er wahrscheinlich gebloggt.

Zynismus ist kein großmäulig missmutiges Herumlästern, sondern eine der anspruchsvollsten philosophischen Richtungen, für die man eine gute Zeitlang gelebt und sich aufmerksam umgeschaut haben muss — daher “ein Vorrecht des Alters”, wie wir von Twain wissen —, das wurde schon immer unterschätzt. Und Pessimisten haben immer Recht, darum kriegen sie nie einen Gutenachtkuss. Dass er seine von Anfang bis zum Ende zärtlich geliebte Frau Olivia und drei seiner vier Kinder überleben musste, gab ihm den Rest. Kein Gott, kein Teufel, kein Weltall existiert, und erst recht keine Liebe in der Welt — mitt alledem konnte man noch irgendwie zurecht kommen. Nur vor solcher Ungeheuerlichkeit eines blind dreindreschenden Schicksals stand sein Witz wehrlos, hilflos, resigniert.

Samuel Clemens, nicht so sehr Mark Twain, hat am Ende eine Art Frieden damit gemacht, dass die Menschheit nun einmal verdammt ist. So ist der Mensch, hier steht er und kann nicht anders, Gott helfe ihm, falls es ihn überhaupt gibt, es ist, was es ist, finden wir uns damit ab oder sterben wir noch unglücklicher als unbedingt notwendig. Seine letzten, bittersten Texte sah er erst gar nicht mehr zur Veröffentlichung vor.

Es hat einen Grund, dass ich lieber von hier unten aus dem Grab spreche: Von hier kann ich frei sprechen.

Twain hat seine Bibliothek sorgfältig behandelt, seine Arbeitsweise ist schwer anhand von Anstreichungen und Eselsohren nachvollziehbar, weil es kaum welche gibt. Umso auffallender die eine in seinem Exemplar von Darwins Reisebericht von der Beagle, Journal of Researches — mit Tinte:

Can any plausible excuse be furnished for the crime of creating the human race? [Kann man sich für das Verbrechen, die Menschheit erschaffen zu haben, irgendeine plausible Entschuldigung ausdenken?]

Ein Vorwurf gegen Gott, nicht gegen einen Menschen, das muss man unterscheiden. Twains alte Zweiheit: Nicht, weil sich das ausschlösse — sondern weil es eine andere Seite ist.

1835 war ein Jahr, in dem der Halleysche Komet in Amerika vorbeischaute, da wurde Samuel Clemens (noch nicht Mark Twain) geboren. Am 20. April 1910 war der Komet das nächste Mal fällig, da wollte er sterben. Einen Tag später, am 21. April vor 100 Jahren, hat er es geschafft und behielt ein letztes Mal Recht. Eine seiner wenigen Sentenzen, die überlebt und dabei — ausnahmsweise nicht vor lauter Überstrapazierung — sich überlebt haben, ist deswegen gerade noch:

Die Zeitungen schreiben, dass ich sterbe. Das ist falsch. Ich würde so etwas niemals in meinem Leben machen. Die Nachrichten über mein Ableben sind stark übertrieben.

Vielleicht ändert sich innerhalb hundert Jahren ja doch das eine oder andere — oder beides.

Prost, Master Mark, prost, Mr. Samuel. Ihr werdet noch gebraucht.

Literatur:

Totenlied: Blind Willie Johnson: Shine On Me: Afromamerikanischer Südstaaten-Gospel, hat nicht unmittelbar mit Mark Twain zu tun, stammt aber aus seiner Mississippidelta-Gegend, atmet seine verzweifelte Fröhlichkeit — und wird genau ab der zweiten Hälfte knorriger und besser. Das hab ich eigens für hier zusammengeschraubt. Falls es trotzdem mal wieder gesperrt ist, gucken Sie die zweite Wahl von Rose Stone and the Venice Four and the Abbot Kinney Lighthouse Choir aus dem Coen-Remake Ladykillers 2004, da kriegen Sie noch Trouble of This World obendrauf. Das ist auch noch wirklich schön und gibt genügend was fürs Auge her, dass es Vollbild rentiert.

Bilder: The Living Daylight: More of Mark Twain’s, 4. November 2009;
Mark Twain and Dorothy Quick: Photowall Mark Twain in Quotations Book;
E. Remington Typewriter Company, 1904;
Videobild: FotoEdge: Gospel Lighthouse in Excelsior Springs, Missouri, 16. November 2008.

Huckleberry Dichterliebchen: Druckbleistift 0,5 HB und Rötel auf Moleskine, April 2010.

Written by Wolf

21. April 2010 at 12:02 am

Nu in da houze:

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Update zu Nu in da houze und Nu in da houze:

One of the “masters of the great Art of Telling the Truth” (Hawthorne and His Mosses, 1850):

So, of his gentleness,
Knowing I loved my books, he furnish’d me
From mine own library with volumes that
I prize above my dukedom.

Prospero, The Tempest I,2,271 ff.

The Norton Shakespeare

Written by Wolf

27. July 2012 at 5:52 pm

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The Wolf and His Mosses

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Aus unserer halbjährlich fortgesetzten Chronik des Verfalls: Dieser Mann des Mooses
(1 Woche zu spät, ich weiß):

Was hält uns im Geleise
Was rettet uns vom Eise?
Vor drohender Versteppung
Und Länderstaubverschleppung?
Was wächst und bringt den Regen?
Was fesselt seinen Segen?
Was spart und nähret Flüsse?
Was sichert uns Genüsse?
Die Kleinsten und der Große,
Der Golfstrom und die Moose.

Karl Friedrich Schimper aus:
Auszug aus dem noch ungedruckten Mooslob oder Die schoensten Geschichten der Moose, alte und neue, in Versen fuer eine junge Dame zu einer eleganten Moossammlung, 1857;
vermutlich143 Strophen. Teilweise Abschrift, zur Verfügung gestellt von Prof. Dr. K. Mägdefrau.
Original in der Bibliothek des Botanischen Instituts der Universität München.

The Wolf and His Mosses, 11. Mai 2012, Egoshooting

Wenn, trifft es, Moos und Flechten
Scharf miteinander fechten,
Stets wird die Flechte siegen,
Das Möslein unterliegen.

Ibd.

Tatsächlich scheint es, als fände dieser Mann des Mooses, so wie viele andere Genies, großen Spaß daran, die Welt hinters Licht zu führen — zumindest hinsichtlich seiner eigenen Person. Ich zweifle nicht daran, daß er es eher bevorzugen würde, für einen mittelmäßigen Autor gehalten zu werden, der bereit ist, die gründliche und genaue Würdigung seiner selbst dem zu überlassen, der für die Beurteilung am besten geeignet ist — das heißt: ihm selbst. Zudem halten Männer wie Hawthorne am Grunde ihrer Seele den Beifall der Öffentlichkeit für solch ein starkes Indiz für die Mittelmäßigkeit in ihrer Sache, daß es sie bis zu einem gewissen Grad an den eigenen Fähigkeiten zweifeln ließe, wenn sie in öffentlichen Gefilden zu viel und zu lautstarkes Geblöke zu ihrer person vernehmen würden.

Herman Melville: Hawthorne und sein Moos, 1850,
übs. Alexander Pechmann in:
H.M.: Die große Kunst, die Wahrheit zu sagen: Von Walen, Dichtern und anderen Herrlichkeiten,
Jung und Jung 2005.

Nicht im Bild: Zaz: Port Coton aus: Zaz, 2010.

Written by Wolf

13. May 2012 at 12:01 am

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Fauststoff: Eine ungeheure Menge Mumpitz

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Update zu Ahoi, Goethe:

So wie bei allen großen Genies findet man bei Goethe eine ungeheure Menge Mumpitz und im entsprechenden Ausmaß meiner Beziehung zu ihm, eine monströse Menge davon bei mir.

Herman Melville an Nathaniel Hawthorne, Juni 1851, Übs. Alexander Pechmann.

Heute vor 85 Jahren, 14. Oktober 1926: Uraufführung Faust — eine deutsche Volkssage.

Es ist denkbar, daß Melville erst über eine Erklärung Goethes zur Figur des Faust auf die Idee kam, die biblische Gestalt des Königs Ahab als Vorbild für den Kapitän der Pequod zu nehmen. Eine Anspielung auf die Beschreibung von Goethes Leichnam in Kapitel 86 des Moby-Dick beweist, daß Melville Eckermanns Gespräche mit Goethe gelesen hatte; die Übersetzung von Margaret Fuller, einer Anhängerin des deutschen Dichters aus dem Kreis der Transzendentalisten um Ralph Waldo Emerson, war 1839 erschienen.

Alexander Pechmann: Herman Melville. Leben und Werk, Böhlau Verlag 2003,
11. Kapitel: Ahab und der Wal, Seite 150.

Kurz darauf — keine hundert Jahre später — unterschrieb Friedrich Wilhelm Murnau auf seiner ersten Amerikareise einen Vertrag mit dem Produzenten William Fox. Bevor Murnau endgültig nach Kalifornien auswanderte, drehte er als letzten Film in Deutschland den Faust mit Emil Jannings als Mephistopheles.

Murnaus Vermächtnis in und für Deutschland, die für einen jetzt 85-jährigen Film außerordentliche Länge von 106 Minuten, ist angefüllt mit einer Ausstattung und technischen Finessen, die in ganz erstaunlicher Weise state of the art gewesen sein müssen. Die Kulissen erreichen nur aus dramaturgischen Gründen nicht die Opulenz wie die in Fritz Langs Nibelungen (1924) oder Metropolis (1927), weil sie (ähnlich wie in seinem eigenen Nosferatu) eher durch eine ungefähre mittelalterliche Glaubwürdigkeit wirken müssen — dafür arbeitete Murnau mit Doppelbelichtungen. Bis vor ein paar Jahren, seit praktisch alle Großproduktionen wie eine Art animierte Excel-Tortengraphik gebaut werden (“cgi-ed”), war das die Methode der Wahl, um Geisterwelten darzustellen.

Wie der volle Filmtitel sagt, orientiert sich Murnau für seinen Faust-Film weit mehr am originalen Volksbuch Historia von Doktor Johann Fausten – dem weitbeschreyten Zauberer und Schwarzkünstler von 1587 als an den durchgesetzten Bearbeitungen von Christopher “Kid” Marlowe und Goethe. Es gibt also auch für den postmodernen Filmverbraucher einige Neuentdeckungen gegenüber dem Fauststoff aus der Schule. Und zeitbedingt, worüber man in weiter beschleunigenden Zeiten nicht zu lange höhnen sollte, durchaus eine ungeheure Menge Mumpitz.

Amerikanisches Filmplakat F.W. Murnau, Faust -- eine deutsche Volkssage via Cinemalane

Amerikanisches Filmplakat via Zoë Walker: The Big Parade, 19. Januar 2010.

Written by Wolf

14. October 2011 at 12:01 am

Posted in Rabe Wolf

Further Etching

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Update zu Kapitel 24: Der Anwalt, Guardian of public virtue und Ahab geht von Bord:

I must here state that Bill Mann was a very distinguished character on board the styx. In person he was large and unwieldy, and possessed of great strength. He wore a pair of tremendous black whiskers, which he regarded as the greatest ornament to the human face divine; and altogether had the regular “damn-my-eyes” look of an old salt. Bill was unquestionably a hero, if great deeds entitle any man to that distinction. According to his own account, he had killed more whales, broken more girls’ hearts, whipped more men, been drunk oftener, and pushed his way through more perils, frolics, pleasures, pains, and general vicissitudes of fortune than any man in the known world. Nevertheless, Bill was a great grumbler. He had the happy knack of seeing through every thing at a glance, and making evil omens out of the smallest trifles. If a cloud appeared on the horizon, we were going to have “tough weather, and, like as not, the blamed old spars wouldn’t stand it, and we’d fetch up in Davy Jones’s locker.” He always “knew what he was about.” If he fell over a handspike and bruised his shins, he “knew what he was about.” Nay, for that matter, he could foretell every accident about to happen; but, unfortunately, seldom made particular reference to any special accident until after it did happen. Whenever any of the crew broke a looking-glass, he had fifty tragical stories to relate in proof of his position that it was a sure omen of bad luck. He was always “growling;” from morning till night he had something to growl at. If he had to do a job on the rigging, he went at it growling; be growled his way aloft twice a day; growled at the wheel; growled in the forecastle; growled in his sleep; and, although he could tell some amusing stories, he invariably wound up with a growl. Bill was every thing under the sun: a sailor; an actor, a musician, a pugilist; and, in short, considered himself an adept in seamanship, literature, politics, law, and every other pursuit that engages the attention of man. In all forecastle disputes touching questions in art; science, or literature, Bill was the great Sir Oracle, and clinched every argument by the assertion, that “there was nothing green in the corner of his eye; he knew what he was about.” His songs — for he could sing too — were never less than sixteen or eighteen verses. Every thing he did bore the peculiar stamp of his genius. Nothing pleased him; nothing went as he had seen things go. His last voyage was pleasant and prosperous; the last ship was a good sailer; the last crew were fine, clever fellows; the last forecastle wasn’t a hog-pen. He was continually cursing his “top-lights” if it wouldn’t be a source of infinite satisfaction to him if this crazy old tub of a barque would sink, spars, tackling, try-works, and all, and go crock to the bottom. He had seen salt water before; nobody could tell him about salt water; he knew what a sailor’s life was as well as any man; but he had never seen such doings aboard any other ship. He’d be blowed if he wouldn’t like to see the studding-sails dragging overboard, the top-masts swinging by the rigging, the yards braced to Halifax, and the whole bloody ship’s crew drifting on to a lee shore in the cook’s galley. Divers and sundry afflictions might befall him if he wouldn’t sooner be rammed and jammed into the fore-peak of purgatory than in such a ditty, lubberly, tub-sided blubber hunter as the barque styx.

Browne’s account on Captain Bill Mann, Chapter IX.

ohkayeor, Etching Workshop, Flickr June 15, 2009

Etchings of a Whaling Cruise, with Notes of a Sojourn on the Island of Zanzibar; With a History of the Whale Fishery, Its Past and Present Condition. By J. Ross Browne. Illustrated by Numerous Engravings on Steel and Wood. New York: Harper & Brothers, Publishers, 82 Cliff Street, 1846.

Herman Melville: Etchings of a Whaling Cruise: Rezension.

Rotschopfbild: ohkayeor: Etching Workshop, 15. Juni 2009.

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Further Reading Lied: Lisa Hannigan: Lille, Debütsingle aus: Sea Sew, 2008.

Written by Wolf

16. February 2010 at 2:09 am

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Medienschau: Bücherfrühling!

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Update zu Alles Clarel:

Cover Herman Melville, Billy Budd, Matrose. Die großen Erzählungen

Ab 4. März hält Hanser den letzten Band seiner Melville-Ausgabe feil; es gibt die vier größeren Erzählungen Bartleby, der Notariatsschreiber, Benito Cereno, Die Encantadas oder die verwünschten Inseln und Billy Budd, Matrose in neuen Übersetzungen von Michael Walter und Daniel Göske und ausführlichem Kommentar vom letzteren. Beim Verlag kann man schon mal reinlesen.

Kein Grund zu zweifeln, dass es wieder ein Band wird, der die nächsten paar Jahrzehnte maßgeblich bleibt; von den 34,90 Euro für die 576 Seiten wird jeder Cent gerechtfertigt sein. Mir macht nur die Verlagsdarstellung Sorgen, die schon fast aufatmet: “schließt die letzte Lücke in seinem unvergleichlichen Werk”. Moment mal, auch wenn nur eine Werkauswahl angekündigt und die Biografie sehr groß war, heißt das jetzt, dass Hanser die ganze Lyrik und Essayistik kampflos den Österreichern überlässt? Mardi ist sei längerem an die Nordlichter vergeben, und Typee, Omoo, Redburn, White-Jacket und den Confidence-Man gibt’s dann gar nicht, oder wie?

Dass Hanser seine Melvilleana so grundlegend möbliert, freut mich so objektiv wie eigennützig, aber so wird das nix mit dem Melville-Boom, über den sich der Beteiligte Alexander Pechmann 2005 so gefreut hat.

Wo ich schon beim Rumzicken bin: Müssen die Islas Encantadas, zu deutsch: Galápagos-Inseln, wirklich verwünschte statt verwunschene Inseln heißen?

Erzählen Sie mir, wie’s ist, ich warte wieder aufs Taschenbuch vom Ramsch.

Written by Wolf

22. February 2009 at 3:39 pm

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Chance und Albtraum zugleich

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Update zu Ein Wal von einer Biografie:

Sehr umtriebig im Moment, der Friedhelm Rathjen. Es scheint, Nachbar Jessebird hat Herrn Rathjen letzte Woche erwischt, als letzterer gerade dem Erscheinen seines Artikels in der Zeit entgegenfieberte. Wenn ich in solche Situationen geriete, wäre ich auch gut gelaunt (ein hypothetisch dahingeflapster Bezug, der niemandes Leistung schmälern soll!).

Andrew Delbanco by Eric Himmel, 13 October 2003Rathjen macht uns in der gerade noch aktuellen Zeit auf die 2003er Melville-Biografie von Alexander Pechmann aufmerksam, wobei er die monumentale zweibändige Standardbiographie von Hershel Parker empfiehlt — und vor allem auf Melville. His World and Work von Andrew Delbanco, das laut Amazon schon am 15. September 2007, laut Rathjen “nun”, für Begriffe des Buchhandels also eher im Januar 2008, auf Deutsch als (“irreführend”) Biographie über Melville erschienen ist.

Rathjens Vergleich der beiden Fachbücher ist aufschlussreich und kompetent, er differenziert und reicht tief, man ist hinterher schlauer und fühlt sich nicht als Opfer liebloser PR, einfach toll. Allein wundert mich, warum er nirgends auf Ein Leben von Daniel Göske und Werner Schmitz eingeht, das von 2004 stammt und deshalb auch nicht gerade hoffnungslos veraltet ist. Liegt’s an den Übersetzerquerelen zwischen Rathjen und den konkurrierenden Herausgebern Jendis und Göske, die sich bis 2004 hinzogen? Mit dem Hanser Verlag scheint Rathjen dann ja immerhin ausgesöhnt; der Delbanco ist nämlich auch von Hanser und sogar von Werner Schmitz übersetzt.

Egal. Man kommt sowieso nicht mit Lesen hinterher.

CartoonStock, Moby Dick Gifts

Bilder: Andrew Delbanco by Eric Himmel, Columbia News, 13. Oktober 2003;
Moby Dick Gifts.

Written by Wolf

14. January 2008 at 1:55 am

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Alles Clarel

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Es fängt schon grüblerisch an:

1. Teil: JERUSALEM
I. Die Herberge

In einer Kammer, niedrig und von Zeit gezeichnet,
Altes Gemäuer, jüngst mit Kalk getüncht –
Das einem frisch in Stein gehau’nen Grabe gleicht,
Sitzt ein Student, Ellbogen auf dem Knie,
Die Stirn ganz regungslos gestützt auf die
Handschräge, und sinnt für sich.

Schreibheft 63, 2004Clarel. Ein Gedicht und eine Pilgerreise ins Heilige Land, im Original Clarel. A Poem and Pilgrimage in the Holy Land und bezeichnender in der meist auftretenden Schreibweise CLAREL, in Zahlen, damit die aufstrebenden Literaturwissenschaftler da draußen ein Gerüst für anstehende Hausarbeiten haben:

Herman Melvilles erstes und letztes Versepos, inspiriert seit seiner sechsmonatigen Reise in die alte Welt 1856–57, ausgearbeitet ab 1870, herausgegeben am 3. Juni 1876 bei G. P. Putnam & Co. auf eigene Kosten und unter Zuschuss seines Onkels Peter Gansevoort in 330, vielleicht auch 350 Exemplaren. Das war 100 Jahre nach der amerikanischen Unabhängigkeitserklärung, zugleich im zehnten Jahr von Melvilles Brot-Tätigkeit als Zollinspektor, seine insgesamt 26. Veröffentlichung.

Entstanden ist das längste Gedicht der amerikanischen Literatur – eingeteilt in 4 Teile, 150 Cantos und knapp 18.000 Verse in jambischen Tetrametern, unterbrochen von Einschüben in anderen Versmaßen – länger als Ilias und Odyssee zusammen, vergleichbar mit der Divina Commedia von Dante, den Canterbury Tales von Chaucer oder Paradise Lost von Milton. Außerdem war ein Jahr zuvor Mark Twains Innocents Abroad erschienen, ein humoriger Roman – ein Bestseller – über eine Reisegruppe durch Europa und die alte Welt, was Melville den Anstoß zu dem ähnlichen Thema verabreicht haben mag.

Melville betrachtete Clarel als sein dichterisches Vermächtnis an die Nachwelt. Trotzdem musste der Verleger Putnam Melville überreden, überhaupt seinen Namen auf den Umschlag setzen zu lassen. Melvilles Misstrauen in seine eigene Arbeit erwies sich nach all den vorangegangenen literarischen Fehlschlägen als berechtigt: Das Werk stieß bei Kritik und Publikum auf fundamentales Unverständnis und verkaufte sich so gut wie überhaupt nicht. 1879 musste Melville 224 Restexemplare von der Erstauflage wiederum auf eigene Kosten einstampfen lassen.

In Melvilles Tagebüchern und Korrespondenz finden sich keine Hinweise auf die Arbeit an Clarel, solange sie – immerhin in seiner Freizeit neben seiner Arbeit im New Yorker Hafen – vor sich ging. Trotzdem weiß Pechmann von familiären Szenen bei Melvilles zu berichten, in denen der Dichter morgens um zwei ins Zimmer seiner Tochter Fanny stürmte, um ihr seine Arbeitsfortschritte vorzulesen; „manchmal mußte sie ihm am Klavier den Takt vorgeben, damit er den Rhythmus seiner Verse prüfen konnte.“

Erst am 10. Oktober 1884, fünf Jahre nachdem Clarel weitgehend aus dem Weltgeschehen getilgt war, bezeichnete Melville das Werk in einem Brief an einen seiner raren Bewunderer, James Billson, als metrical affair (etwas herabsetzend als „Ding in Versen“) und insgesamt als „höchlich dazu geeignet, unpopulär zu sein“. Weitere drei Monate später schickte er Billson ein verbliebenes Exemplar aus eigenen Beständen, wohl zu Zwecken der Forschung und Dokumentation.

Clarel erlebte außer den Northwestern-Newberry Editions von 1924 und 1991, letztere herausgegeben von Harrison Hayford, Alma A. MacDougall, Hershel Parker und G. Thomas Tanselle, keine weiteren Auflagen. William Potter forschte ebenfalls erst 2004 in Melville’s Clarel and the Intersympathy of Creeds für Kent State University Press darüber.

Clarel erstmals in einer FremdspracheDie Ausgabe bei Jung und Jung, Salzburg 2006, ist die erste vollständige Übersetzung des Clarel in eine andere Sprache überhaupt. Besorgt, kommentiert und mit einem Nachwort versehen wurde sie von Rainer G. Schmidt auf Grundlage der Northwestern-Newberry Edition 1991, die Auszüge aus Melvilles Reisetagebüchern nach deren deutscher Ausgabe bei Achilla Presse, die Bibelstellen nach einer Lutherbibel von 1855.

Ein Vorbericht von Alexander Pechmann, „Eine Pilgerfahrt, ein Ding in Versen…“, über dieses verlegerische Unternehmen erschien 2004 im Schreibheft 63 auf Seite 95–100 und sicherte dessen Fortgang – vor allem auch die Zusammenarbeit mit dem Deutschen Literaturfonds e.V., während welcher Unstimmigkeiten auftraten.

Die vier Teile des Epos sind benannt:
1. Teil: Jerusalem
2. Teil: Die Wüstenei (The Wilderness)
3. Teil: Mar Saba
4. Teil: Bethlehem

Die äußere Handlung führt den Theologiestudenten Clarel auf seiner vergeblichen Suche nach Offenbarungen nach Jerusalem. Dort verliebt er sich in die rätselhaft schöne Tochter Ruth des amerikanisch-jüdischen Milleniaristenfreundes Nathan, welcher kurz darauf ermordet wird. Um die Zeit zu überbrücken, bis er das Haus der Familie nach jüdischem Brauch wieder betreten darf, unternimmt Clarel eine Pilgerreise zum Toten Meer, die ihn mit zahlreichen Diskussionspartnern zusammenführt, anhand derer er den Sinn des Lebens sucht. Das geliebte Mädchen Ruth ist kurz vor Clarels Rückkehr nach Jerusalem am Fieber gestorben.

Der Inhalt nach dem Klappentext der deutschen Ausgabe:

Clarel, ein junger amerikanischer Student, unternimmt eine Reise nach Jerusalem. Dort verweben sich biblische Vorzeit und Jetztzeit, dort verknüpfen sich alle gesehenen und imaginierten Landschaften und alle Seelenbestrebungen zu einem großartigen Teppich von melancholischer Wortpracht. Grandiose Wüstenszenerien und Südseereminiszenzen vermischen sich mit Phantasien von antiker Freizügigkeit und asketischen Modellen von Christentum und Islam. Clarel ist ein Traumspiel, worin Zeiten, Mythen und Stoffe zu einer schillernden poetischen Präsenz gebündelt werden.

Noch mehr SekundärliteraturAllgemein klingen Rainer G. Schmidts Ausführungen immer wieder etwas angestrengt nach einem Versuch der Ehrenrettung für Melvilles Werk. So wertet er die incoherence in Form von unreinen und unregelmäßig auftretenden Reimen und anderer formaler Schwächen, die Clarel von der Kritik vorgeworfen wurde, lieber abgemildert als die von anderer Stelle bescheinigte inconclusiveness – also nur Ergebnislosigkeit. Die schiere überbordende Gesamtlänge des Werkes verteidigt er mit dessen Gliederung in Cantos von nachgerade süffiger Textmenge, manche von nur einer Druckseite, zwischen denen man sogar lesend (und übersetzend) springen kann.

Schmidts erhellendste Erkenntnis aus seinem ansonsten erfreulich hohen Stand der aktuellen Forschung ist vielleicht die, dass Melville sein Leben lang immer nur ein einziges Buch schrieb, immer wieder ein Thema aus verschiedenen Blickwinkeln anging, mit dem er nie fertig wurde – eine umfassende und zutiefst menschliche Suche, vielleicht nach Sinn. Daher all die Reiseerzählungen, die ab seinem dritten Buch Mardi von 1849 stark philosophisch, ja metaphysisch durchsetzt und untermauert waren.

Auch brach spätestens seit Mardi Melvilles Hang zur Lyrik durch. Die Themen und Techniken aus Mardi sind in Moby-Dick von 1851 nachweisbar vervollkommnet und überhöht; dazu zählen Elemente wie die Stellen in rhythmisierter Prosa und liedhafte Strukturen. Schon Mardi lässt sich geradezu als Gedicht begreifen, und zwar als Rundgesang mit den verschiedenen Südseeinseln als Strophen (siehe deutsche Ausgabe Band II, S. 515). Als Melville mit Moby-Dick seinen Abstieg in der Publikumsgunst verankerte und nach dem Einbruch mit dem Confidence Man von 1857 vollends klein beigeben musste, zog er sich hauptsächlich auf Lyrik zurück. So gesehen ist ein Monolith wie Clarel – lyrisch, vieldeutig, grundsätzlich, einsam, pessimistisch – nur das logische Ergebnis von Melvilles Entwicklung.

Randbemerkung Melvilles in seiner Ausgabe der Künstlerbiographien von Giorgio Vasari:

Erreiche das bestmögliche Ergebnis. – Eine Fähigkeit zum Ergreifen. – Die unablässige Wahl erhabener Themen. – Der Ausdruck. – Packe so viel hinein wie du kannst. – Vollendung bedeutet Vollständigkeit, Fülle, nicht Glätte – Größe ist vom Maßstab abhängig. – Klarheit & Entschlossenheit. – Die größtmögliche Anzahl der größten Ideen.“

So viel als Einstieg.

Written by Wolf

10. November 2006 at 5:00 pm

Bücherliste

Work in Progress.

There’s another rendering now; but still one text.
Chapter XCIX: The Doubloon.

I. Der Walfänger

Deutsch übersetzt:

Die erste deutsche Übersetzung des Moby-Dick erschien 1927, auszugsweise und 76 Jahre nach dem Original. Die erste vollständige Übersetzung erschien 1942 in der Schweiz. 2001 erschienen gleich zwei konkurrierende.

Moby-Dick Melville/Jendis/GöskeWolf empfiehlt: Herman Melville: Moby-Dick. Die Neuübersetzung von Matthias Jendis, Hanser 2001, wird bis auf weiteres gültig bleiben. Feudal erläutert und aufgemacht, das Nachwort von Daniel Göske reich an Fakten und gedankenklarer Argumentationsführung. Ein Buch fürs Leben. – Das erste Kapitel Loomings heißt Schemen, dessen erster Satz Call me Ishmael heißt Nennt mich Ismael; beides wird ausführlich begründet.

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Herman Melville: Moby-Dick. Das Seitengleiche nochmal als Taschenbuch bei btb.

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Herman Melville: Moby-Dick; oder: Der Wal. Übersetzung von Friedhelm Rathjen, 2004. Scheinbar bewusst als Konkurrenz zur Hanser-Ausgabe gedacht, nur über Zweitausendeins erhältlich. Absichtlich nah am Original, daher voller Anglizismen. Kann leicht als besserwisserischer Gelehrtensport betrachtet werden, enthält dafür alle 269 historischen Illustrtionen von Rockwell Kent, und die Fluke war auch begeistert. Allerdings hat Rathjen die kurz nachher entstehende Übersetzung von Jendis beraten und unterstützt; jedenfalls hat er eine herzliche Danksagung von Jendis und Göske bekommen (Seite 910). – Das erste Kapitel Loomings heißt Kimmungen, dessen erster Satz Call me Ishmael heißt Nennt mich Ishmael.

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Herman Melville: Moby-Dick. Das Seitengleiche nochmal als Taschenbuch ab 14. Juli 2009 bei Fischer.

Diskussion der beiden Übersetzungen
mit allen relevanten Links
innerhalb des Weblogs:
Als sei der gewaltige Nichtstuer der kunstvolle Werber.

Herman Melville: Moby Dick. Übersetzung von Wilhelm Strüver, 1927. Dieter E. Zimmer in der “Zeit” vom 15. November 2001: “Die erste [deutsche Übersetzung] hat ein Wilhelm Strüver auf dem Kerbholz; immerhin Thomas Mann zeichnete als ihr Herausgeber [mit H.G. Scheffauer, Reihe Romane der Welt bei Knaur, Berlin, sagt das Schreibheft 57]. Sie drückt vor allem eins aus: Verachtung für den übersetzten Text. Fast zwei Drittel fand dieser dolmetschende Zensor offenbar so schlecht, daß er sie ganz wegließ. Das Drittel, das Gnade vor seinen Augen fand, scheint ihm aber auch nicht recht gefallen zu haben, denn immer wieder wurde seine Übersetzung zur bloßen Inhaltsangabe. So kulturchauvinistisch würde heute hoffentlich niemand mehr zu übersetzen wagen.” Nicht mehr erhältlich.

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Herman Melville: Moby Dick. Übersetzung von Margarete Möckli von Seggern, 1942, Schweiz. Laut Wikipedia die erste fast vollständige, jedoch recht fehlerhafte Übersetzung. Dieter E. Zimmer wertet deutlicher: durch poetisierende Umschreibungen kaschierte Stümperei; “Wer in Heuler vernarrt ist, hier kann er fündig werden. Einer der hübschen: Aus dem razorback whale (Messerrückenwal) macht die Übersetzerin einen Wal mit rasiertem Rücken.” Nicht mehr erhältlich, jedenfalls aber historisch zu würdigen, weil sie immerhin während des Krieges entstand, als man noch andere Sorgen hatte, sollte man glauben.

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Herman Melville: Moby Dick. Übersetzung von Fritz Güttinger von 1944. Laut Wikipedia vollständig, aber recht frei. Außerdem ist die Billigaufmachung von Manesse, mit der sie sich unnötigerweise selbst das Wasser abgegraben haben, körperlich schwer zu lesen: Das kleine fette Buch kriegt man nämlich in der Mitte kaum auseinander. – Das erste Kapitel Loomings heißt Kimmung, dessen erster Satz Call me Ishmael heißt Man nenne mich Ishmael.

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Herman Melville: Moby Dick. Übersetzung von Thesi Mutzenbecher unter Mitwirkung von Ernst Schnabel, 1946. Laut Wikipedia gekürzt und recht frei, in den Dialogen jedoch oft treffender als die folgenden. Außerdem ein hübsches, handliches Diogenes. Als Nachwort ein Essay von William Somerset Maugham persönlicher Färbung. – Das erste Kapitel Loomings heißt Die Kimm, dessen erster Satz Call me Ishmael heißt Nennt mich meinethalben Ismael.

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Herman Melville: Moby Dick. Übersetzung und Bearbeitung von Karl Bahnmüller, 1950. Ensslin & Laiblin Verlag, Reutlingen. Jugendausgabe in Leinen, 392 Seiten einschließlich Anhang und Inhaltsverzeichnis. Der Prologue fehlt, das erste Kapitel Loomings heißt Vorrede, dessen erster Satz Call me Ishmael heißt Ihr könnt mich Ismael nennen. Danke an Planet 9, weitere Informationen an Moby-Dick™ erbeten!

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Herman Melville: Moby Dick. Übersetzung von Alice und Hans Seiffert von 1956. Das Reclam-Heft, das ich als Junge hatte, das mich auf Melville angefixt hat und auf das ich deswegen nicht viel kommen lasse, wird auch in den Ausgaben bei Aufbau (Nachwort von Karl-Heinz Wirzberger) und Insel benutzt, und bringt in letzteren sogar eine Auswahl der Illustrationen von Rockwell Kent. Das war die Übersetzung für die DDR und erschien deshalb noch bei Reclam Leipzig. Dieter E. Zimmer 2001 sagt im Schreibheft 57 von 2001: “Die beiden letzten jedoch (Seiffert & Seiffert 1956, Mummendey 1964) kamen dem recht nahe, was man heute von einer Übersetzung erwartet. Sie wollten es nicht besser machen als der Autor, nur annähernd genauso gut.” Das dialektisch-materialistische Nachwort Die Entstehung des “Moby Dick” von Rudolf Sühnel ist in rezenten Auflagen bei Reclam noch enthalten. – Das erste Kapitel Loomings heißt Ausblick, dessen erster Satz Call me Ishmael heißt erstmals (!) Nennt mich Ismael.

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Moby Dick. Die Jagd nach dem weißen Wal. Übersetzung von Johannes Ferdinand Wetzel von 1957. Lizenzausgabe für den Bertelsmann Lesering mit Genehmigung des Blüchert Verlages, Hamburg; die Originalausgabe ist nicht nachzuweisen. Das Buch ist auf 64 Kapitel gekürzt, dem sonstigen Programm des Blüchert Verlags nach zu schließen offenbar als Kinderbuch gedacht. – Das erste Kapitel Loomings heißt Wie ich zum Walfang kam, dessen erster Satz Call me Ishmael heißt Nennt mich Ismael. Danke für die vorhandenen Informationen an Bernard Römer!

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Herman Melville: Moby Dick. Übersetzung von Hans Trausil, 1958. Verlag Deutsche Volksbücher Stuttgart, als Sonderausgabe für die Stuttgarter Hausbücherei 474 Seiten plus Inhaltsverzeichnis. Vergriffen. – Der Prologue fehlt, das erste Kapitel Loomings heißt Des Meeres Ferne tut sich auf, dessen erster Satz Call me Ishmael heißt Nennt mich Ismael. Danke an Planet 9, weitere Informationen an Moby-Dick™ erbeten!

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Herman Melville: Moby Dick. Übersetzung von Richard Mummendey von 1964. Sollte nach meiner Kenntnis von Mummendeys sonstigen Melville-Übersetzungen gut benutzbar und kommentiert sein und ist in der klassischen Aufmachung bei Artemis & Winkler die schönste von allen. – Das erste Kapitel Loomings heißt Kimmungen, dessen erster Satz Call me Ishmael heißt So nennt mich denn Ishmael.

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Herman Melville: Moby Dick. Übersetzung von Gerhard Lorenz, Eduard Kaiser Verlag, Klagenfurt, ohne Erscheinungsjahr und ISBN, laut Leserkommentar wahrscheinlich von 1961, nach anderer Quelle 1977. Pappband, gebunden in Halbleder mit silberner Prägung. 392 Seiten einschließlich 2 Seiten Nachwort des Übersetzers. — Der Prologue fehlt, das erste Kapitel Loomings heißt Zum Beginn, dessen erster Satz Call me Ishmael heißt Nennt mich Ismael. Danke an Planet 9, weitere Informationen an Moby-Dick™ erbeten!

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Zusätzlich ist eine Übersetzung von Hertha Lorenz nachzuweisen. Eventuell die fehlerhaft ausgewiesene Übersetzung von Gerhard Lorenz. Informationen an Moby-Dick™ erbeten!

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Die empfohlene Kinderfassung: Herman Melville/Jan Needle: Moby-Dick, Candlewick Books 2006. Deutsch: Sauerländer 2008. Stark gekürzte Ausgabe von Moby-Dick in der Mummendey-Übersetzung mit ausführlichem Glossar und aufwändigen Illustrationen von Patrick Benson, zum Kindersachbuch aufbereitet. Sachteil von Jan Needle. Die Ausgabe empfehlen wir, weil die Zielgruppe der Kinder ernst genommen wird. Darstellung und Kritik auf Planet 9.

 

Original englisch:

Die Erstausgabe des Moby-Dick erschien am 18. Oktober 1851 in drei Bänden unter dem Titel The Whale bei Richard Bentley, London; darin fehlten zahlreiche, meist satirische, monarchie- und religionskritische Passagen und der Epilog. Quasi die zweite Erstausgabe erschien in 1 Band und ohne Zensur unter dem Titel Moby-Dick; or, The Whale am 14. November 1851 bei Harper & Brothers, New York.

Diskussion der relevanten Online-Volltexte
innerhalb des Weblogs:
Voll der Moby.

Wolf empfiehlt: Herman Melville: Moby-Dick or The Whale in der Fassung der Northwestern-Newberry Edition of The Writings of Herman Melville von 1988, der Vater aller anderen Ausgaben. Der maßgebliche Text, 2001 mit neuem Vorwort von Hershel Parker zum 150-jährigen Erscheinen erschwinglich neu herausgegeben.

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Herman Melville: Redburn, White-Jacket, Moby-Dick in der Library of America, herausgegeben von G. Thomas Tanselle, ¹April 1983. Die drei Romane, die chronologisch dran sind, nach den Fassungen der maßgeblichen Northwestern-Newberry Edition of The Writings of Herman Melville (Redburn 1969, White-Jacket 1970, Moby-Dick 1988). Ein Ehrfurcht gebietendes Buch, das im besten Sinne von Natur aus nach Melvilles Rauschebart aussieht.

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Wolf empfiehlt: Herman Melville: Moby-Dick. Sehr gut benutzbare, nahezu erschöpfende, dabei erschwingliche Studienausgabe von Harrison Hayford und Hershel Parker. Haufenweise Sekundärmaterial wie Melvilles Korrespondenz, zeitgenössisches Bildmaterial, Buchkritiken, ein seemännisches Glossar, Quellentexte – zum Beispiel der impulsgebende, seit 1839 lange unübersetzt herumkreuzende, erst von Rathjen übersetzte Essay “Mocha Dick” von Jeremiah N. Reynolds.

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Herman Melville: Moby-Dick. Der Vorteil an der Ausgabe der Modern Library Classics: Sie versammelt alle Illustrationen von Rockwell Kent – auch die Vignetten, die nicht online gefunden haben. Schön, leider mager kommentiert.

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Herman Melville: Moby-Dick. Das billigste Original bei Penguin. Basic, plain and straightforward. Wurde von Friedhelm Rathjen zur Übersetzerarbeit benutzt, bis ihm der Verlag die Northwestern-Newberry-Ausgabe stellte. Es steht alles drin.



II. Beiboote

Erste Flotte: Herman Melvilles Gesamtwerk:

Ich führe Melvilles Veröffentlichungen chronologisch auf, und deshalb für gewöhnlich mit englischen Originaltiteln. Bislang gab es nur eine wirklich vollständige Melville-Ausgabe: The Works of Herman Melville. Standard Edition. Edited by Raymond W. Weaver. Volume I–XVI. London, Bombay, Sydney: Constable and Company Ltd. 1923–24. Zu Lebzeiten ließ Melville gern in Putnam’s Monthly Magazine und Harper’s New Monthly Magazine veröffentlichen.

Verlinkt sind jeweils Buchausgaben, welche Wolf empfiehlt, wobei er sich in allen Fällen etwas gedacht hat. Was meiner Recherche nach nicht als Einzelausgabe vorliegt, verweist möglichst auf den Volltext online. Falls Sie zuverlässigere, schönere, besser erreichbare Ausgaben kennen, geizen Sie nicht mit Ihrem Wissen.

Fragments from a Writing Desk, No. 1, in: Democratic Press and Lansingburgh Advertiser, 4. Mai 1839 unter dem Pseudonym L.A.V. Als Versuch, im Journalismus unterzukommen, ein Jugendwerk.

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Fragments from a Writing Desk, No. 2, in: Democratic Press and Lansingburgh Advertiser, 18. Mai 1839 unter dem Pseudonym L.A.V. Zweites und letztes Jugendwerk aus Melvilles Serie von Versuchen, im Journalismus unterzukommen. Erreichbar abgedruckt in Bryant (s.u.). – In Thema und Darstellungsweise sehr deutlich von Edgar Allan Poe beeinflusst, wahrscheinlich sogar eine absichtliche Hommage an ihn: Ein junger Student (Ich-Erzähler) bekommt während nächtlicher Studien eine romantische Einladung von einer Fee ausgehändigt, der er im weiteren Verlauf zu einem ominösen Rendezvous folgt.

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Typee: A Peep at Polynesian Life during a four Months’ Residence in a Valley of the Marquesas with Notices of the French Occupation of Tahiti and the Provisional Cession of the Sandwich Islands to Lord Paulet, 1846. Melvilles erster Roman, schon aus Erfahrung und daher aus seinem ureigenen Themenkreis. Fernweh, Seeluft, Salzwasser, Deckschrubben auf dem Windjammer, Palmeninseln, Menschenfresser und das libertinöse Liebesleben nackter Südseeschönheiten – alles drin. Und alles autobiografisch. Bis auf weiteres galt Melville im öffentlichen Bewusstsein Amerikas als der Mann, der unter den Menschenfressern lebte, und einfacher Matrose, der es zum Schriftsteller gebracht hat – was ihn nach Hershel Parkers Einschätzung auch zum ersten literarischen Sexsymbol Amerikas, einer Art Popliteraten machte. In gut puritanischen Kreisen galt er als verwerflich und verworfen. – Deutsch bei Abera.

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Omoo: A Narrative of Adventures in the South Seas, 1847. Offiziell als Sequel zu Typee (s.o.) konzipiert und verstanden, bildete laut Herhel Parker zusammen mit ihm die siamesischen Zwillinge der Reiseliteratur seiner Zeit. – Deutsch nur im vergriffenen Sammelband.

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Etchings of a Whaling Cruise, in: New York Literary World, 6. März 1847. Rezension zum gleichnamigen Bericht von J. Ross Browne, siehe unten im Teil Zweite Flotte: Sekundärliteratur.

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Authentic Anecdotes of “Old Zack”, in: Yankee Doodle, II, wöchentliche Folgen vom 24. Juli bis 11. September 1847 (außer am 4. September). Burleske fiktive Anekdoten um Zachary Taylor aus der Zeit, als er General im Mexikanisch-Amerikanischen Krieg und noch nicht der 12. Präsident der USA war.

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Mardi, and a Voyage Thither. Erstausgabe 16. März 1849, dreibändig bei Richard Bentley, London; amerikanische Erstausgabe 14. April 1849, zweibändig bei Harper & Brothers, New York – parallel zum Vorgehen bei Moby-Dick. In späteren Ausgaben wurden die Bände bei fortlaufender Kapitelzählung vereinigt. Wie Melville in seinem ungewöhnlich kurzen, prägnanten Vorwort zugibt, sollte Mardi bewusst etwas anderes werden als die ersten beiden autobiografischen Reiseerzählungen, die sowieso niemand glaubte. Ist nach wenigen Kapiteln ausgefranst und übergebordet zu einem Standardwerk der Groteske, auf der Basis einer krausen, dennoch nachvollziehbaren pantheistischen Seebärenphilosphie. Gilt als Fingerübung zu Moby-Dick, in welch letzterem die Themen und Techniken aus Mardi vervollkommnet und überhöht sind (rhythmisierte Prosa, liedhafte Strukturen). Der Ehrgeiz, eine Art Weltbuch statt eines Tatsachenberichts zu liefern, ist erkennbar und ließ Kritik und Publikum ratlos. – Kann als Gedicht begriffen werden: Rundgesang mit den einzelnen Südseeinseln als “Strophen”. Somit erster Durchbruch von Melvilles eigentlichem Hang zur Lyrik. – Deutsche Prachtausgabe bei Achilla, btb-Taschenbuch schon wieder vergriffen.

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Redburn: His First Voyage, being the Sailor-Boy Confessions and Reminiscences of a Son-of-a-Gentleman, in the Merchant Service, 1849. Nach dem finanziellen Einbruch Mardi musste dringend wieder etwas Handfestes unters zahlende Publikum. Es ist dann eine erfrischende Jungsgeschichte zur See geworden. – Das Psychogramm klingt uns Heutigen verdächtig nach Treasure Island (1883), die Wendungen an die Tränendrüsen nach David Copperfield (ebenfalls 1849) – aber Redburn war Erster, nur Oliver Twist (1837) früher, aber qua Handlungsführung zum Räubern ungeeignet. – Für eine frische deutsche Ausgabe zähle ich auf Hanser (Stand 11. September 2006). – Melville schrieb Redburn und den folgenden White-Jacket im Sommer 1849 innerhalb vier Monaten, um für die Arbeit an Moby-Dick einen Vorrat an verkäuflichen Werken parat zu haben.

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Mr Parkman’s Tour, in: New York Literary World, 31. März 1849. Rezension zu The California and Oregon Trail von Francis Parkman (1847), heute zu Melvilles Uncollected Prose gerechnet, die mal in einem eigentlich grandiosen Buch gesammelt wurde.

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Cooper’s New Novel, in: New York Literary World, 28. April 1849. Rezension zu The Sea Lions: The Lost Sealers von James Fenimore Cooper (1849), heute zu Melvilles Uncollected Prose gerechnet.

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A Thought on Book-Binding, in: New York Literary World, 16. März 1850. Rezension zu The Red Rover von James Fenimore Cooper (1827), heute zu Melvilles Uncollected Prose gerechnet.

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Hawthorne and His Mosses. By a Virginian Spending July in Vermont, in: New York Literary World, 17. und 24. August 1850. Melvilles wichtigster Essay: Angelegt als begeisterte Rezension über Mosses from an Old Manse von Nathaniel Hawthorne (vier Jahre nach dessen Ersterscheinen), zu einer Abhandlung über das Verhältnis von Wahrheit und fiktionalem Schreiben sowie zum Manifest einer amerikanischen Nationalliteratur geraten.

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White Jacket: or, the World in a Man of War, 1850. Fängt an als gewohnte Seebärengeschichte, gerät dann zu einem Pamphlet gegen die Zustände in der US-amerikanischen Marine, vor allem die offizielle Praxis der Auspeitschung, und überwindet damit auf dem Weg zum Moby-Dick die rein actiongeladene Räuberpistole. Wird trotzdem nicht langweilig. – Eins der verdienstreichsten Beispiele dafür, dass Literatur sehr wohl konkreten politischen Einfluss nehmen kann: Die Prügelstrafe in der Marine wurde 1850 vom amerikanischen Kongress wenn schon nicht faktisch abgeschafft, so doch offiziell verboten. – „Das Buch wurde jedem Kongressmitglied auf das Pult gelegt, und bald ging ein Gesetz durch, das die Auspeitschung in der Flotte untersagte und keine andere Strafe an deren Stelle setzte.“ (Konteradmiral Franklin nach John Freeman: Herman Melville, cit. H. M.: Weißjacke, Nachwort von Dr. Walter Weber, Manesse 1948) – Weißjacke gibt es nur im vergriffenen Sammelband. Sobald sich das ändert, erfahren Sie an dieser Stelle davon.

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Moby-Dick; or, the Whale, 1851. Kommentierte Editionsliste siehe oben, Teil I. Der Walfänger. Das Manuskript ist nicht erhalten.

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Pierre; or, the Ambiguities, 1852. Melvilles erster Versuch eines Romans zu Lande. Ist auch prompt als viel zu ätzende, gottlose Satire gestrandet, begründete sogar Melvilles Ruf als Wahnsinniger, weil verschiedene sexuelle “Verirrungen” (Libertinage, Homosexualität, Inzest mit Mutter, Schwester, Vater) zu wenig moralisierend dargestellt werden, kann heute als radikales Experiment gelten. – Deutsch gewohnt vorbildlich von Hanser zu btb.

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Wolf empfiehlt: Bartleby, the Scrivener, November–Dezember 1853. Die erste der Piazza-Erzählungen; das erste, was Melville nach Moby-Dick schrieb. Ein grandioses Stück über Arbeitsgebaren und Sozialtüchtigkeit, jedoch mit noch sehr viel weiter tragender Symbolik. Wäre es Musik, dann irgendwas zwischen Psychedelic-Rock und Blues. War seiner Zeit ungefähr 120 Jahre voraus. – Auf Deutsch brauchen Sie ihn nicht unbedingt; da legen Sie lieber zehn Euro drauf, kaufen sich den Sampler von John Bryant und haben ein Leben lang Ihre Freude dran. – Der Name lebt fort in einer höchst brauchbaren Volltext-Basis. Ausführliche Bibliografie bei der Washington State University. – Artikel innerhalb des Weblogs.

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Cock-a-doodle-doo! or the Crowing of the noble Cock Beneventano, November und Dezember 1853. Melvilles Abwendung von Ich-Erzählern nach dem Muster des extrem vielschichtigen tragikomischen, poetisch weisen Ismael aus Moby-Dick mit seiner “Desperado-Philosophie” (Jendis/Göske, S. 900), statt dessen erstmals Erzählperspektive des exzentrischen isolato, der dem rein pittoresken Kauz eine psychologische Dimension hinzufügt. Melodramatische, aber überraschend kraftvolle Darstellung von Armut. Komplexer Trick: Die Handlung ist anders zu bewerten, als einem der Erzähler weismachen will.

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The Encantadas, März–Mai 1854 unter dem Pseudonym Salvator R. Tarnmoor, später die vierte der Piazza-Erzählungen. Die wahrscheinlich erste Reportage über die Galapagos-Inseln, jedenfalls vor Darwin (1859). Besonders meisterlich strukturiert und anrührend sind die achte der zehn Skizzen, Sketch Eigth: Norfolk Isle and the Chola Widow, über die Halbblut-Indianerin Hunilla, die eine unbestimmte Zeit lang auf Norfolk fest saß, sowie die neunte, Sketch Ninth: Hood’s Isle and the Hermit Oberlus, über einen moralisch fragwürdigen, dafür authentischen Nachfahren des Robinson Crusoe.

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Poor Man’s Pudding and Rich Man’s Crumbs, Juni 1854. Erstveröffentlichte von drei Doppelerzählungen (Diptychen), als zweite verfasst. – Das diptych ist Melvilles genuine literarische Erfindung: Zwei womöglich allenfalls metaphysisch miteinander verbundene Erzählungen stehen nebeneinander, etwaige Schlüsse aus solcher losen Verbindung zu ziehen bleibt dem Leser überlassen.

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The two Temples, Frühjahr 1854. Erst im Nachlass (s.u.) veröffentlichte Doppelerzählung (Diptychon), als erste verfasst, von Putnam’s Monthly Magazine abgelehnt. Die Begründung des Schriftleiters laut Nachlassband in Richard Mummendeys Übersetzung:

Meine Erfahrungen als Herausgeber veranlassen mich sehr vorsichtig zu sein, damit wir die religiöse Empfindlichkeit der Öffentlichkeit nicht verletzen. Die Moral der “Beiden Tempel” würde die ganze Macht der Kanzel, nicht zuletzt von Brown und der Gemeinde der Grace-Church gegen uns aufbringen.

Kontrast zwischen der Abweisung aus dem Gottesdienst eines willigen frommen Besuchers (Ich-Erzähler), der sich in den “Tempel” einschleichen muss, um im Kirchturm unbemerkt teilnehmen zu können, versehentlich eingesperrt wird und sich nach seiner Befreiung bei der Polizei rechtfertigen muss, und dem herzerwärmend freundlichen Einlass in ein Theater (Musentempel) in London. Der amtierende Geistliche der episkopalen Grace-Church namens Brown war wohl zu lebensnah gezeichnet. – Erwerblich noch am besten in Bryant.

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The happy Failure, Juli 1854. Ein kauziger alter Mann (eine Art früher Vorläufer von Dagobert Duck und Daniel Düsentrieb) überredet seinen Neffen (Ich-Erzähler) und seinen Negersklaven, seine zehn Jahre lang ausgetüftelte Erfindung auf einer abgelegenen Flussinsel im Hudson zu testen. Das Gerät zur Trockenlegung von Sümpfen versagt, der Sklave darf das Alteisen für Tabakgeld verkaufen.

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Israel Potter; or, Fifty Years of Exile. A Fourth-of-July-Story, Juli 1854 – März 1855 in neun Fortsetzungen in Putnam’s Monthly Magazine. Unfreiwillige Exilanten müssen von Fernweh und Heimatliebe hin- und hergerissen leben. Israel Potter kehrt nach 50 Jahren im Exil nach Hause. – Übersetzung vom Exilanten Uwe Johnson (o ja, ich hab auch gestaunt) bei Insel.

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The Lightning-Rod Man, August 1854, später die dritte der Piazza-Erzählungen. Etwas handlungsarm, dafür gut christlich: In der Berghütte des sich selbst genügenden Junggesellen (Ich-Erzähler) steht bei einem Gewitter plötzlich ein nasser Fremder in der Stube. Es ist ein Verkäufer von Blitzableitern, der absichtlich während Gewittern neue Kunden akquiriert. Das ungebetene Beratungsgespräch gerät zu einem Streit, in dem sich die Beteiligten gegenseitig gottlos nennen.

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The Fiddler, September 1854. An der Begegnung mit einem Geigenvirtuosen, dessen Ruhm als Wunderkind lange verblasst, der aber als überaus sonniger, von Natur aus glücklicher Mensch und Menschenfreund geendet ist, tröstet sich ein Dichter (Ich-Erzähler) über den Misserfolg seines gerade veröffentlichten Gedichts.

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The Paradise of Bachelors and the Tartarus of Maids, April 1855. Zweitveröffentlichte von drei Doppelerzählungen (Diptychen), als letzte verfasst: Kontrast zwischen dem Besuch in einem Herrenclub und einer Papiermühle in unwirtlicher Gebirgsgegend, in der ausschließlich Jungfrauen arbeiten.

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The Bell-Tower, August 1855. Hommage an den verehrten Nathaniel Hawthorne, die fünfte und letzte der Piazza-Erzählungen. – Der gottlose, aber geniale Architekt Bannadonna baut sein Meisterstück in Gestalt des Uhrwerks für den Turm einer italienischen Provinzstadt. Das Werk gerät nur, weil er dabei eine Bluttat begeht, allerdings fällt sie in vergeltender Weise auf ihn zurück. Märchenhaft, allegorisch, Ambiente und Figurenzeichnung erinnern an klassische italienische Autoren wie Boccaccio.

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Benito Cereno, Oktober–Dezember 1855. – Eine der anerkannten Meisterleistungen Melvilles, die er selbst so einstufte, daher die zweite der Piazza-Erzählungen. Der historisch verbürgte, bodenständig freundliche Kapitän Amaso Delano des Robbenfängers Bachelor’s Delight hilft das in einer Flaute festliegende und seiner weißen Offiziere und Matrosen beraubte Schiff eines Sklavenhändlers (Don Benito Cereno) flott zu bekommen und scheitert immer wieder an dem schwer durchdringlichen passiven Widerstand des zickigen Adligen. Aus heutiger Sicht grenzwertige Beurteilung von “Negern”: eine Art wohlwollender Rassismus. Jedoch darf Melville unterstellt werden, sich gegen Diskriminierung zu wenden, jedenfalls unterstützt er nirgends in seinem Werk die zu seiner Zeit höchst gebräuchliche Sklaverei. – Die Erzählzeit ist identisch mit der erzählten Zeit (etwa 7.30 Uhr morgens bis 18 Uhr des selben Tages), was einige Längen ergibt; positiv formuliert: Das Geschehen ist in Echtzeit wiedergegeben, die aristotelische Einheit von Zeit, Ort und Handlung wird eingehalten. Die Besonderheit jedoch: Etwa das letzte Viertel besteht aus Passagen einer nur teilweise fingierten Gerichtsakte, aus welcher der Gang der Handlung nachträglich eine gegenteilige Deutung erfährt – ein Kniff, der eigentlich erst in der Literatur des 20. Jahrhunderts fällig war. – Melville bezog den Stoff aus dem Logbuch von Amaso Delano: Narrative of Voyages and Travels in the Northern and Southern Hemispheres, der als Hauptfigur seiner Erzählung seinen Klarnamen behält. – Deutsch bei Martus; von wissenschaftlichem Gebrauchswert ist die Einzelausgabe, 1987 eingerichtet und herausgegeben von Marianne Kesting bei Insel, die man in Stadtbibliotheken und Antiquariaten suchen soll. – Artikel innerhalb des Weblogs.

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Jimmy Rose, November 1855. Aufstieg und Fall einer Größe der New Yorker Gesellschaft. Verwandt mit “The Great Gatsby”, aber knapper und daher naturgemäß psychologisch weniger ausgefeilt.

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Israel Potter (s.o.), der Fortsetzungsroman aus dem vorigen Jahr im November 1855 zum Buch zusammengefasst.

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The Isle of the Cross, 1855. Ein offenbar abgeschlossenes Buchmanuskript, von Harper’s abgelehnt, seitdem verschollen. Der 2. Band von Hershel Parkers Biografie versammelt die vorhandenen Hinweise.

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I and my Chimney, März 1856. Humoristische Erzählung nach Melvilles eigenen häuslichen Verhältnissen in Arrowhead. Geschickt sublimierte erotische Anspielungen.

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The ‘Gees, ebenfalls vom März 1856.

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The Apple-Tree Table, Mai 1856. Ähnlich I and my Chimney (s.o.) humoristische Erzählung nach Melvilles eigenen häuslichen Verhältnissen in Arrowhead. Die Begebenheit mit einem vermeintlich spukhaften Klopfen in einem Apfelholztisch führt zu weitreichenden philosphischen Erkenntnissen.

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The Piazza Tales: die fünf Erzählungen Bartleby, the Scrivener, Benito Cereno, The Lightning-Rod Man, The Encantadas und The Bell-Tower, die Melville als seine bis dahin besten betrachtete, im Mai 1856 bei Dix & Edwards zum Buch zusammengefasst – zuzüglich einer einleitenden Rahmenerzählung The Piazza: Ein isolato (Ich-Erzähler) lässt sich an seinem Haus eine Piazza (Art Veranda) anbringen, zum Spott seiner Nachbarn an der Nordseite, und beobachtet von dort ein Haus auf dem gegenüber liegenden Berg, das er sich im Reich der Elfen gelegen vorstellt. Eines Tages bricht er dorthin auf und trifft eine vereinsamte junge Frau, die ihrerseits sein Haus mit ähnlichen Gedanken betrachtet. Endet atmosphärisch, nicht pointiert. – Für eine frische deutsche Ausgabe zähle ich auf Hanser (Stand 11. September 2006).

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The Confidence-Man: His Masquerade, 1857. Gilt als Melvilles letzte Veröffentlichung. Dabei hat er nie aufgehört zu schreiben. Wolf empfiehlt: Die Norton Critical Edition von 1971 bringt die (vermutlich immer noch) umfangreichste kommentierte Bibliografie zu einem Einzelwerk von Melville. – Darin: das Manuskript von The River, von dem man nicht weiß, ob es als Kapitel vorgesehen war. – All die Maskeraden für die deutsche Übersetzung sind meinem groben Überblick nach mit aller Kompetenz gelüftet.

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Herman Melvilles Karriere als Schriftsteller gilt damit als abgeschlossen.
Er hat jedoch nie aufgehört zu schreiben und als Schreiber zu leben.

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Statues in Rome; The South Seas; Travel: Vorlesungsskripten, 1857–1860. In diesem Zeitraum unternahm Melville drei Vortragsreisen durch die USA (bis nach Tennessee, Ohio, Wisconsin, Illinois) mit jeweils einem davon – in dieser Reihenfolge und mit absteigendem Publikumserfolg. Die Reisen führten ihn von Oktober 1856 bis Mai 1857 durch Europa und das Heilige Land, die Skripten sind nicht erhalten. 1957 rekonstruierte Sealts auf der Grundlage zeitgenössischer Zeitungsmeldungen über deren Struktur, Entwicklung und Wortlaut composite texts, welche für die historisch-kritische Northwestern-Newberry-Ausgabe 1987 überarbeitet wurden. Eine so entstandene mögliche Version von Statues in Rome findet sich in Bryant. Ihre Thematik ist verwandt mit Melvilles Essays wie Hawthorne and His Mosses (s.o.) und seinen späten Gedichten. In Wirklichkeit wollte Melville sowieso längst der Erneuerer der Lyrik sein.

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Die große Kunst, die Wahrheit zu sagen. Von Walen, Dichtern und anderen Herrlichkeiten. Die Jungfernübersetzung des essayistischen Werks sollte jeden Cent wert sein.

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Battle-Pieces and Aspects of the the War, Gedichte 1866. Nach etlichen Reisen, Depressionen, Scheidungsdrohungen und anderen Umbesinnungen auch noch die Umstellung auf Lyrik, das ging nicht gut. — Als Schlachtstücke erstmals von Raimund Varga übersetzt: Luftschacht 2010.

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Clarel. A Poem and Pilgrimage in the Holy Land, Epos 1876, inspiriert seit der Reise in die alte Welt 1857, ausgearbeitet ab 1870. – War lange verschollen, weil sich nicht mal die ausgekochtesten Literaturhistoriker mit den 893 Seiten abgeben wollten. Wer dann ausforscht, dass die beherzte Arbeit der ersten vollständigen deutschen Übersetzung immer noch 672 Seiten umfasst (das ist allemal mehr als Paradise Lost, nämlich so viel wie Ilias und Odyssee zusammen), fühlt Verständnis dafür in seinem Herzen keimen. – Wolf empfiehlt dennoch die deutsche Version als Monument dichterischen, übersetzerischen und verlegerischen Ehrgeizes und hat sie der populären Forschung zugänglich gemacht. Schönen Dank nach Österreich!

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The Burgundy Club. Verbindung zweier long poems mit verbindenden Prosatexten, als Alterswerk nahe an der Legendenbildung. Handelt, grob zusammengefasst, von Melvilles Erfahrungen in den New Yorker Literaturzirkeln der späten 1840er Jahre. – Die beiden Gedichte: At the Hostelry handelt über Malerei, Naples in the Time of Bomba handelt von der Politik Italiens. Das einleitende Prosastück House of the Tragic Poet führt die Figuren Marquis de Grandvin (idealer Künstler) und Jack Gentian (idealer Politiker) ein. – Melvilles lebenslanger Versuch, Kunst und Politik zu verquicken. Arbeitet Themen auf, die im Clarel-Epos keinen Platz fanden. Pläne seit 1862 nachgewiesen, vermutet schon seit 1859, abgeschlossen wahrscheinlich 1882. Zuverlässig rekonstruierter Text erst seit 1989.

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John Marr and other Sailors, Gedichte 1888. In einer Auflage von 25 Stück erschienen.

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Timoleon, Etc., Gedichte 1891. Nun aber wirklich Melvilles letzte Veröffentlichung zu Lebzeiten. 25 Stück. Lyrische Exkursion durch mediterrane Szenen, die sowohl von antiken als auch von modernen Befindlichkeiten handeln: Kunst, Architektur, Politik, Sex.

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Weeds and Wildings, Chiefly, with a Rose or Two. Gedichte. Alterswerk aus dem Nachlass 1924. Zumal der Teil Under the Rose enthält ein paar der schönsten Liebesgedichte überhaupt, an eine Rose als Emblem, insofern mittelalterlicher Minnelyrik vergleichbar. Thematisiert Melvilles altes Lebensdilemma zwischen Glaube und Zweifel und die Transzendenz durch körperliche Liebe – letztendlich ein Liebesbrief an seine Frau Elizabeth. Im Bewusstsein des gebildeten Nordamerikaners als Begriff präsent, aber immer noch unterschätzt. Ansonsten siehe Burgundy Club.

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Billy Budd, Foretopman, geschrieben 1888, Manuskript beendet am 19. April 1891, entdeckt 1919, veröffentlicht 1924 aus dem Nachlass. Der Dichter zeigt sich zum letzten Mal in Höchstform: Die schlichte Naturschönheit dieser Geschichte rührt einen tatsächlich ans Innerste. Das konnte auch noch keine der liebloseren Übersetzungen kaputt machen (Wolf empfiehlt hier die Diogenes-Ausgabe, die als Nachwort einen hervorragenden Essay von Albert Camus bringt). Nach seiner langen Periode als Lyriker, Vortragsreisender und Zollbeamter schrieb Melville noch einmal das, was er wohl doch am besten konnte: eine Seefahrergeschichte mit universell gültigem Bezug. Melvilles Abgang mit Würde. – Unvollständig erhalten ist ein Manuskript, genannt “The Ur-Billy Budd“, von vier Seiten (davon 1 in Prosa, 3 Lyrik), aus denen später die lange Novelle entstand, wie Harrison Hayford und Merton M. Sealts Jr. 1962 herausfanden. Eine Bearbeitung davon verwendete Melville als Schlussgedicht Billy in the Darbies für die Novelle. Historisch-kritisch aufgearbeitet in Bryant (s.u.). — Billy Budd Text, Erklärungen, Variationen, Referenzen online.

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Herman Melvilles Nachlass wurde 1924 zugänglich gemacht in: The Works. Band 13: Billy Budd and other Pieces. Darin fanden sich außer den oben angeführten Werken: Daniel Orme
Under the Rose
Major Gentian and Colonel J. Bunkum
The Cincinnati

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Wolf empfiehlt: Ein Leben. Briefe, Tagebücher und Aufzeichnungen. Auf 886 Seiten innerhalb des Hanserschen Projekts von Werner Schmitz (Übersetzungen) und Daniel Göske: alle von Melville erhaltenen Briefe und Tagebücher. Als Sammlung von Primärtexten ist das selbst in der Originalsprache unerreicht. Ein Fest. – Darin enthalten: die Reisetagebücher: New York–London 1849; Reise ins Heilige Land 1856–57; Reise an Bord des Schiffes “Meteor” 1860, die im moby-dick-intensiven Jahr 2001 in anderer Übersetzung von Alexander Pechmann als Auswahl von Achilla ermöglicht wurden.

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Wolf empfiehlt vor allem auch den Sammelband Tales, Poems, and Other Writings von John Bryant. Das ist ein Schmuckschatüllchen voller Melvilleana wie dem o.a. Bartleby, Romanproben, seltenen Briefen und einer Auswahl aus der Lyrik. Preziosen wie das Clarel-Epos sind ja normalerweise ohne den Professorenausweis für die Cambridger Unibibliothek praktisch nicht erreichbar. – Sollte ich je bemerken, dass es dieses Schätzchen auf Deutsch gibt, werde ich bedauern, dass ich Newsletters zu verschicken so aufdringlich finde.

 

Zweite Flotte: Sekundärliteratur:

Frederick Debell Bennett: Narrative of a whaling voyage round the globe, from the year 1833 to 1836. Comprising sketches of Polynesia, California, the Indian Archipelago, etc. with an account of southern whales, the sperm whale fishery, and the natural history of the climates visited, Richard Bentley, London 1840. Laut Übersetzer und Kommentator Rainer G. Schmidt in Mardi “von Melville häufig benutzte Literatur”. Neuausgabe bei Da Capo Press, New York 1970.

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J. Ross Browne: Etchings of a Whaling Cruise, 1847. Im März 1847 von Melville rezensiert, wahrscheinlich direkter Einfluss auf die sachliche Ebene in Moby-Dick, als “Spielmaterial” (Jendis/Göske, S. 879) und Steinbruch für Fakten. Außerdem Gegenstand von Melvilles erster Buchrezension am 6. März 1847 für die New York Literary World.

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Owen Chase: The Loss of the Ship Essex, Sunk by a Whale. Von 1821 und daher lange vor Moby-Dick. Wird im Gegensatz zu Jeremiah N. Reynolds selten als Quelle genannt – außer in der Amazon-Beschreibung zu den deutschen Ausgaben. Die Prework zur Prework von Nathaniel Philbrick: In the Heart of the Sea: die ungefilterten Berichte Überlebender, Erinnerungen und Apokryphen vom Schiffsunglück am 20. November 1820. – Melville bekam eine frühe Version der volkstümlichen Broschüre auf seiner eigenen Walreise 1840 von einem der fünf Überlebenden der Essex in die Hand und las sie in den südpazifischen Jagdgründen seines nachmaligen Moby-Dick. Eine Lektüre von weittragendem Eindruck.

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Richard Henry Dana, Jr.: Two Years Before the Mast, 1840. Wurde sogar übersetzt. Einer der direkten Einflüsse, auf einer Ebene thematischer Vorläufer für Moby-Dick. Publikumserfolg seiner Zeit. Melville stand am 1. Mai 1850, also mitten unter der Arbeit an Moby-Dick, mit Dana zumindest einmal in brieflichem Kontakt.

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Andrew Delbanco: Melville. His World and Work, 20. September 2005. Melvilles Werk in deutenden Nacherzählungen. Bezüge zu Zeitgeschichte, Geistesgeschichte. Spekulationen auf Grund der gesicherten Fakten. Auf Deutsch bei Hanser seit 15. September 2007, dort mit viel weniger Abbildungen. Ausführlich im Vergleich zu Alexander Pechmann: Herman Melville. Leben und Werk besprochen von Friedhelm Rathjen in der Zeit vom 10. Januar 2008.

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Eric Jay Dolin: Leviathan: The History of Whaling in America, Juli 2007. Laut Rezension im New Yorker (4 Seiten) a pleasantly anecdotal history of American whaling so comprehensive that he seems to have harpooned at least one fact from every cetacean text ever printed.

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Eugen Drewermann: Moby Dick oder: Vom Ungeheuren, ein Mensch zu sein. Eine tiefenpsychologische Deutung. Moby-Dick aus Freudscher Sicht. War in Österreich Ende 2005 ausführlich im Radio – in zwei Teilen.

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Edward F. Edinger: Melville’s Moby-Dick: An American Nekyia (Studies in Jungian Psychology by Jungian Analysts). Moby-Dick aus Jungscher Sicht.

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William Ellis: Polynesian Researches, during a residence of nearly six years in the south sea islands; including descriptions of the natural history and scenery of the islands—with remarks on the history, mythology, traditions, government, arts, manners, and customs of the inhabitants, London, Fisher, Son, & Jackson, 2 vols., 1829 (Verlag offenbar noch im 19. Jahrhundert erloschen). Wichtigste Schrift des Missionars. Laut einer zeitgenössischen (1830) Besprechung auf Horizon Books “one of the earliest instances of ethnological research by a missionary, and valuable for its information on the mythology, traditions, customs, etc of the south sea islanders while still little sophisticated by Europeans… The publication of this work went far to redeem the character of missionaries in the eyes of some who had thought of them all as ignorant and narrow-minded”. Laut Übersetzer und Kommentator Rainer G. Schmidt in Mardi “von Melville häufig benutzte Literatur”.

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Elizabeth Hardwick: Herman Melville, deutsch bei Claassen 2002. Exzentrische Biografie, die Melvilles Stil gerecht zu werden versucht. Nicht umfassend, auf Highlights beschränkt, populär.

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Kevin J. Hayes: The Critical Response to Herman Melville’s Moby-Dick (Critical Responses in Arts & Letters). Umfasst Kritiken von der Erstveröffentlichung 1851 bis nach 1990. Wie Moby-Dick schließlich doch noch kanonisch wurde, Gründe für das Melville-Revival Anfang des 20. Jahrhunderts.

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Brian Higgins, Hershel Parker: Herman Melville: The Contemporary Reviews, American Critical Archives. In Ergänzung zum Hayes (s.o.) die erhaltenen Kritiken zu Melvilles Werk von Typee 1846 bis zum posthumen Billy Budd. Viel Material aus schwer zugänglichen Tagesveröffentlichungen.

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Jay Leyda: The Melville Log. A Documentary Life of Herman Melville 1819–1891. (Jay Leyda, der Filmhistoriker.) Zuerst 1951 in zwei Oktavbänden erschienen, erweitert 1969, von Daniel Göske für seine eigene Arbeit am thematisch verwandten Ein Leben noch 2004 als bahnbrechend bezeichnet, erst von Hershel Parkers Monumentalbiographie von 1996 und 2002 (s.u.) übertroffen.

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Hershel Parker: Herman Melville 1819–1851: A Biography, 1996 und das gleiche 1851–1891, 2002. Die wohl noch eine Zeitlang gültige Biografie ist ein Monument von knapp 2000 Seiten. Die Trennung der beiden Bände deutet den Zenit in Melvilles Leben in jenem Moment an, in dem Moby-Dick erschien.

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Alexander Pechmann: Herman Melville. Leben und Werk, 1. Juni 2003 bei Böhlau, Wien. Ausführlich im Vergleich zu Andrew Delbanco: Melville. His World and Work besprochen von Friedhelm Rathjen in der Zeit vom 10. Januar 2008. Deutsches Original, sonst ähnlich Delbanco, siehe dort.

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Nathaniel Philbrick: In the Heart of the Sea. The Epic True Story that Inspired Moby Dick. Welchen Untertitel ich kurzsichtig formuliert finde.

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Proclus Lycaeus Diadochus & Thomas Taylor: The Six Books Of Proclus The Platonic Successor, On The Theology Of Plato, Translated From The Greek; To Which A Seventh Book Is Added, In Order To Supply The Deficiency Of Another Book On This Subject, Which Was Written By Proclus, But Since Lost. Also, A Translation From The Greek Of Proclus’ Elements Of Theology. To Which Are Added A Translation Of The Treatise Of Proclus, On Providence and Fate; A Translation Of Extracts From His Treatise, Entitled, Ten Doubts Concerning Providence; A Translation Of Extracts From His Treatise On The Subsistence Of Evil, London: Law, Longman, Baldwin, 1816, Erstausgabe auf 250 Stück limitiert. Laut Übersetzer und Kommentator Rainer G. Schmidt in Mardi “von Melville häufig benutzte Literatur”.

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Laurie Robertson-Lorant: Melville: A Biography, University of Massachusetts Press, Juli 1998. Etwa gleichzeitig mit der maßgeblichen Biografie von Hershel Parker (siehe oben) erschienen, evtl. in Konkurrenz. Akzent auf Zeitkolorit. Hauptquelle sind Melvilles 1983 aufgefundene 500 Familienbriefe. Als Konzept ein- statt zweibändig (wie Parker), weil Melville, wie Ismael über Queequeg sagt, “a riddle to unfold, a wondrous work in one volume” sei.

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Hermann Sülberg: Die Wale. Aus der geheimnisvollen Welt der Giganten, Gruner & Jahr, vorab gekürzt in GEO, Oktober 1993, Seite 18–42. Gute Übersicht mit ökologischem Schwerpunkt.

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Raymond Melbourne Weaver: Herman Melville: Mariner and Mystic, 1921. Google Book. Die Biographie, die das Melville-Revival in den 1920er Jahren mit verursachte. Zusätzlich gab Weaver 1924 erstmals Billy Budd heraus.



III. Freundliche Begegnungen

Ahab: The Call of the Wretched Sea. Doom Metal, Debüt-CD 29. September 2006, Deutschland. Die ohnehin im Namen auf Melville bezogene Band setzt Moby-Dick in denkbar düstere Musik um. Künstlerisch höchst gelungen.

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Laurie Anderson/Tom Neils: Songs and Stories From Moby Dick, Oper 1999, auf CD 2000, nicht in Deutschland erhältlich. Laurie Anderson-Hörbeispiele auf American Icons: a strange, cool, modern opera. – Ausgewählte Lieder daraus hat Anderson auf ihrer CD Life on a String, 2001 verwendet: Das erste Lied darauf heißt One White Whale und stellt das Streben nach Liebe neben die Suche nach dem seltenen weißen Wal. Im zweiten Lied auf derselben CD, The Island Where I Come From, singt offenbar Queequeg von seiner weiten Reise. Das dritte Lied, Pieces and Parts, behandelt den Fund eines Walskeletts in Alabama 1842, den Melville im Kapitel 104: The Fossil Whale erwähnt.

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Lena Andersson: Die letzten Tage von Duck City, laut Verlagsprogramm Herbst 2008 Seite 12 des Verlags Blumenbar seit 1. September 2008; schwedisches Original Duck City bei Natur och Kultur, Stockholm 2006. Duck City ist eine moderne Trash-Version des Entenhausen von Carl Barks, als Symbol für Wohlstand und Freiheit dargestellt und damit als Parallele zu Amerika. Grotesk überzogene Sozialkritik gegen Überflussgesellschaft und Kult um den perfekten Körper: “Die meisten Bewohner sind viel zu dick – ganz im Sinne von Dagobert, dem größten Nahrungsmittelproduzenten des Landes. Der Präsident ruft den Krieg gegen das Fett aus, genannt Operation Ahab II – die Jagd auf den großen weißen Wal. Bald gibt es nur noch zwei Bevölkerungsgruppen: Magersüchtige – und Fresssüchtige, die sich in illegalen Restaurants versammeln. Der Untergang von Duck City scheint nicht mehr aufzuhalten zu sein. Nur ein Literaturkritiker bewahrt als Einziger einen kühlen Kopf. Aber was soll der schon ausrichten?” (Aus dem Verlagstext) — Erfahrungsbericht innerhalb des Weblogs.

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Jon Avnet: Fried Green Tomatoes at the Whistlestop Café, 1991, deutsch: Grüne Tomaten. Vergnügliche, dramaturgisch und technisch hervorragend gemachte Hollywood-Komödie mit Kathy Bates, Mary Stuart Masterson, Mary-Louise Parker und Jessica Tandy. Basierend auf dem Roman von Fannie Flagg. – Moby-Dick wird im Film einmal erwähnt und bleibt stehen als bibelähnlicher Wälzer (Hardcover, Rotschnitt, die Ausgabe wird nicht ersichtlich), den nicht einmal ein ermittelnder Richter allzu genau anschaut. Aber er rettet als tragendes Requisit einer Eulenspiegelei zwei gesellschaftliche Schwache vor der Todesstrafe. Genaueres (mit Screenshot) innerhalb des Weblogs.

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Michael Gerard Bauer: Don’t Call Me Ishmael, September 2007. Auf Deutsch: Nennt mich nicht Ismael, Februar 2008 bei Hanser. Australisches Jugendbuch, Coming-of-age-Geschichte über einen Schüler, der Namensvetter einer (ihm unbekannten) Romanfigur mit als lächerlich empfundenem Namen ist und dafür von seinen Mitschülern ausgelacht wird. Souveräner Gebrauch der Sprache als gewaltfreies Mittel, sein Selbstbewusstsein zu bilden. Geschickte Übertragung von Elementen Melvilles auf ein modernes Jugendbuch in der australischen Gegenwart (Schüler Ismael als begabter Schwadroneur, krankhafte Abwesenheit von Angst). Moby-Dick-Zitate in der Übersetzung von Matthias Jendis, ebenfalls bei Hanser. Ausführliche Besprechung auf Planet 9.

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Mike Brent: The Ahab Film, work in progress 2008. Stop-Motion-Animationsfilm über Kapitön Ahab nach Art des klassischen Puppenfilms. Bislang liegen Einzelszenen als Arbeitsbeispiele vor. Weblog über dieses und andere Projekte im Weblog Darkmatters.

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Richard H. Bright: Nautical Mysteriums, seit 30. Mai 2007. Moderne Bearbeitungen populärer klassicher Musikstücke auf nautische Themen gemünzt, z.B. Hunting for Moby Dick nach dem 3. Satz Presto der Mondscheinsonate von Beethoven.

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Benjamin Britten: Billy Budd. Die Veroperung von Melvilles letzter Erzählung. Soll für zeitgenössische E-Musik richtig genießbar sein.

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John Burnside: Glister; deutsch: Glister bei Albrecht Knaus, seit 28. September 2009. Science-Fiction, trotz Suspense-Handlung eher kein Krimi. Jürgens Besprechung auf Planet 9 zitiert eine Würdigung Herman Melvilles dafür, dass er außer Moby-Dick, der überraschenderweise gar kein Kinderbuch ist, noch mehrere andere gute Bücher geschrieben hat: “Niemand aber sollte je den ewigen Dank vergessen, den er jenem Menschen schuldet, der ihn zum ersten Mal dazu bringt, den wahren Herman Melville zu lesen.” Die Stelle ist übernommen.

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Der Hund Marie: moby dick aus: _hooligans & tiny hands. Der Hund Marie heißt bürgerlich Max Martin Schröder und spielt in der Band von Olli Schulz und der Hund Marie und Tomte. Musikalisch sehr gelungen in der Tradition der Hamburger Schule. Moby Dick schrieb mir ein Buch in mein Blut. Artikel mit Text und Links innerhalb des Weblogs.

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André Deutsch: Moby Dick (Illustrated Classics). Comic-Bearbeitung 1997.

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The Spirit of Moby DickWill Eisner: Moby Dick, 1998. Jawohl, der mit dem Spirit. – Eisners Zeichnungen sind so elaboriert wie Fotos, nur revolutionärer aufgeteilt, seine Geschichten vollwertige Drehbücher. Als Comic etwas verdrängt, als Mensch inzwischen tot, aber immer noch Weltklasse, qualitativ durchaus in der Liga mit Carl Barks. Besprechungen in diesem Weblog, Moby-Dick als Comic. – Besser auf Englisch.

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Philip José Farmer: The Wind Whales of Ishmael, 1971; deutsch: Ismaels fliegende Wale, Moewig 1980. Sequel zu Moby-Dick als Science-fiction-Roman: Der Überlebende Ishmael fällt durch ein Loch im Raumzeitkontinuum in die Zukunft der Erde.

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Fannie Flagg: Fried Green Tomatoes at the Whistlestop Café, 1987. Deutsch: Grüne Tomaten. Eine kurze, aber handlungstragende Erwähnung von Moby-Dick; s.o.: Film von Jon Avnet, und (mit Screenshot aus der Film-DVD) The secret’s in the sauce innerhalb des Weblogs.

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Penko Gelev & Sophie Furse: Moby Dick. Pädagogisch gemeinte Comic-Bearbeitung: Fußnoten mit Sacherklärungen, 8 Seiten Anhang mit knappen Überblicken zu Herman Melville, Moby-Dick und Walfang. Als Einstieg ins Original und in Literatur allgemein geeignet. Gelungene Typenzeichnung.

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Gary Gianni: Moby Dick (Illustrated Classics). Comic-Bearbeitung 1988.

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Jean Giono: Pour saluer Melville; deutsch: Melville zum Gruß; als Hörbuch Annäherungen an Melville einschließlich eines Mitschnitts der Uraufführung von Stephen Melillo: Ahab. – Biografisch angelehnte Fiktion vom Übersetzer der ersten französischen Fassung von Moby-Dick: Melville, dargestellt als verkleideter genialer Seebär, reist 1848 nach London, um sein Manuskript von White-Jacket einzureichen, und hat in der Kutsche nach Bristol eine symbolträchtige Begegnung mit seinem “Engel”, der ihn zu Moby-Dick inspiriert. Ausführliche Besprechung bei ceeol.com (pdf-Link, der eine aspx-Datei lädt. Die 63 kB abspeichern, mit Extension .pdf versehen und im Acrobat Reader öffnen. Die interessante Stelle, “Engel und Haifisch”, fängt auf Seite 1 von 3 rechts unten an); 1999 stand es auch in der Zeit.

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Die kühnen Walfänger, 1938/1975Floyd Gottfredson: Mickey Mouse Mighty Whale Hunter. Text: Merril de Maris, Inking: Ted Thwaites. – Es hat sich eingebürgert, die historisch bedeutsamen Disney-Erzeugnisse nicht unter dem Namen des Firmeninhabers Walt Disney, sondern des Storyliners zu führen. Floyd Gottfredson war in seiner Anstellung bei Disney für Micky Maus das, was Carl Barks für Donald Duck war: der beste Ziehvater, langjährig fruchtbarer Erfinder großer Figuren, die später in minderwertigen Massencomics verwurstet wurden, the good artist. Vom 9. Februar bis 6. Juli 1938 erschien Gottfredsons Version von Moby-Dick als täglicher Strip in mehreren US-amerikanischen Zeitungen. – 1975 nahm in Deutschland ein vergriffenes Buch aus einem inzwischen stark umorientierten Verlag Gottfredsons Leistung endlich ernst: Im Band Ich Goofy aus einer größeren Auswahlserie von Gottfredsons respektive Barks’ Entenhausener Berichten im Melzer Verlag, übersetzt, herausgegeben und mit einem Vorwort versehen von Horst Schröder, kommentiert derselbe seine Übersetzung Die kühnen Walfänger (die übrigens in der Schreibweise “Mickey Mouse Mightly Walehunter” gedruckt wurde):

Die Geschichte wurde in den Comicheften (Walt Disney’s Comics & Stories Nr. 123–128, 1950/1) nachgezeichnet. Obwohl Dialog, Bildlayout und Handlungsführung des Originals zumeist beibehalten wurden[,] fällt die Nachzeichnung weit hinter Gottfredsons Original zurück. Ein deutlicher Beweis für dessen überragende Leistung als Zeichner, die selbst an sich etwas mittelmäßige Geschichten wie die vorliegende zum Stripkunstwerk erheben kann.

Gottfredsons Anklänge an Melville sind nicht mehr als populär, sein Akzent liegt naturgemäß auf Micky Maus’ Abenteuer, 1938 mit der schon stark entwickelten Figur Goofy. Der Wal heißt wie selbstverständlich Moby, das Schiff (bei Schröder) “Narzisse”, der Kapitän bleibt namenlos. Obwohl er alle Glieder beisammen hat, ist er sichtlich an die volkstümlich gewordene Vorstellung von Captain Ahab angelehnt. Melvilles sonstiges Personal findet keine direkten Entsprechungen, die Handlung läuft auf eine vorhersehbare Auflösung durch Mickys gewaltlose Schlauheit hinaus. Auftritt Kater Karlo, durch dessen Schiffsnamen Reminiszenz an “Killerwal” Orca. Die ausgefeilte Typenzeichnung selbst noch der peripheren seemännischen Nebencharaktere ist wirklich gut.

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Hakugei—Legend of the Moby Dick, 1997 bis 1999, auf 6 DVDs 2005. Japanische Anime-TV-Serie in 26 Episoden, in der die Geschichte von Ahab und Moby Dick ins Jahr 4699 transportiert wird. Aus der Rezension:

In the year 4699, the universe is packed with the wreckage of old spaceships, hulks abandoned when the companies that put them in space went under, or when they became obsolete or otherwise unwanted. The roughneck crews that salvage and strip these wrecks used to be called scrap traders or space recyclers, but by the time Hakugei—Legend of the Moby Dick begins, the derelict ships have commonly become known as “whales” and the salvagers as “whale hunters.” One of the most famous, Captain Ahab, heads up an unusually small, tight-knit crew, including a tattooed giant named Barba and an 11-year-old tough called Atre. And then there’s the young adventurer Lucky Luck, who opens the series by looking for Ahab, hoping to join his crew.

Eigener Wikipedia-Artikel.

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Hanna-Barbera-Studios: Moby Dick and The Mighty Mightor, TV-Zeichentrickserie in zwei Staffeln, insgesamt 36 Folgen, ab 9. September 1967. Moby Dick ist ein rundlicher “Freund aller Kinder” innerhalb einer Superheldenserie, kein symbolträchtiger Dämon. Verlinkter, kritischer Artikel innerhalb des Weblogs.

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Jens Harder: Leviathan, Éditions de l’an 2, Angoulême 2003. Meisterschüler-Arbeit im Fach Kommunikationsdesign an der Kunsthochschule Berlin-Weißensee: Comic ohne Text. Variation über Moby-Dick: Leviathan als Bestandteil des ewigen Fressens und Gefressenwerdens, tiefgehender Anspruch, düstere Tonality. Besprechung: Kai Kolwitz: Ein Wal schwimmt seinen Weg, Spiegel 29. Dezember 2003.

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Sheridan Hay: The Secret of Lost Things, deutsch: Die Antiquarin, Kindler, beide März 2007. Erstlingsroman einer New Yorker Antiquarin: Junge Tasmanierin fängt als Antiquarin in New York an, liest auf kollegiales Anraten Moby-Dick und kommt auf die Spur eines verschollen geglaubten Manuskripts von Herman Melville.

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Bernard Hermann: Moby Dick, 1938. Bedeutender Filmkomponist, dramatische Kantate für vier Solisten, Chor und Orchester. Charles Ives gewidmet. Englische Aufnahme amerikanischer E-Musik von 1973. Relevante Fundstellen bei der Bernard Hermann Society.

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Patricia Highsmith: Moby Dick II; or The Missile Whale; in: Tales of natural and unnatural catastrophes, 1987. Deutsch: Moby Dick II oder Der Bombenwal. Kurzgeschichte im Sammelband Geschichten von natürlichen und unnatürlichen Katastrophen, Juni 2008 neu übersetzt von Melville-Übersetzer Matthias Jendis, neu herausgegeben von Melville-Herausgeber Paul Ingendaay. Skurriler Thriller mit Vietnamkrieg-Kritik: Flussminen verfangen sich zusätzlich zu den vorhandenen Harpunen in Moby Dicks Leib und machen ihn zu einem zaubermächtigen Schrecken der Meere. In früherer deutscher Ausgabe sogar mit an Moby-Dick angelehntem Titelbild von Tomi Ungerer.

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Victor Hugo: Die Arbeiter des Meeres, in Frankreich viel verbreiteter. Frühes Vorbild (1867) für die berückende Mischung aus Belletristik und Sachbuch, die noch lange nicht Infotainment hieß. Dass die Pariser Landratte Victor Hugo, die sich sonst über Bucklige und anderweitig Benachteiligte ausließ, Mevilles Londoner The Whale kannte, darf vorausgesetzt werden. – Die deutsche Ausgabe war sehr viel schöner gestaltet als das Original, aber mach was.

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John Huston: Herman Melville’s Moby Dick, 1956. Die Verfilmung, die trotz jüngerer Versionen immer noch als die hauptsächliche gilt. Gregory Peck als Captain Ahab, Richard Basehart als Ismael, in einer Nebenrolle Orson Welles als Vater Mapple. Drehbuch: Regisseur John Huston mit Ray Bradbury.

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Sam Ita: Moby Dick: A Pop-Up Book; deutsch: Moby Dick: Ein Pop-up-Buch, Knesebeck 2009. 8-seitiges Pop-up-Buch November 2007. Bernhard Flieher in den Salzburger Nachrichten 22. Dezember 2009: “Die Pop-Up-Ausgabe von Moby Dick vereint exemplarisch drei Elemente: Comic, Bilderbuch und Spielzeug. […] Geschickt hat Sam Ita die Szenen für seine schier lebenden Bilder gewählt.”

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Das Buch Jona, ohne dessen Hintergründe kein guter Calvinist der Reformed Dutch Church Wale auch nur erwähnen kann, wurde ebenfalls von Eugen Drewermann tiefenpsychologisch durchdekliniert.

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George Klauba: Visions of Moby-Dick, auch als Ausstellung Avis Transformata, 2005. Serie von surrealistischen Gemälden mit Hauptgestalten und tragenden Szenen aus Moby-Dick, die alle menschlichen Figuren als charaktervolle Vögel darstellt. Offensichtlich bisheriges Hauptwerk des Künstlers.

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Led Zeppelin: Moby Dick in: Led Zeppelin II, 1969. Achtes von neun Liedern des Albums, 4:21 Minuten, hauptsächlich aus einem Schlagzeugsolo von John Bonham bestehend, das er live oft bis zu 30 Minuten ausdehnte. Der Titel hat nach Bonhams Auskunft keinen inhaltlichen Bezug zum Roman, nur wegen der eindrucksvollen Größe.

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Robert Lowell: The Quaker Graveyard in Nantucket. Ballade in: Lord Weary’s Castle, 1947. Längstes Gedicht der Sammlung, im Tonfall etwa, als ob John Milton Moby-Dick geschrieben hätte, aber High Modernist.

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John McCoy: Moby-Dick; or Children Crusading after the Whale, 1996. Ein vorgebliches Buch von “Kurt Vonnegut jr.”, dargestellt oder schon vollständig wiedergegeben auf einer einzelnen html-Page. Kindgerecht niedliche Parodie.

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Jed McKenna: Spirituell unkorrekte Erleuchtung. Ausbrechen in die Freiheit, 2005. Erleuchtungsbuch von diskutierwürdiger Seriosität, darin ausführliche Interpretation von Moby-Dick als westliche Version des indischen Mahabharata.

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Anna Mitgutsch: Zwei Leben und ein Tag. Darüber bloggte Marcella Grünwald am 23. März 2007:

Edith und Leonards Ehe ist gescheitert. Lange nach der Trennung schreibt Edith Briefe an Leonard, in denen sie ihrer beider Leben Revue passieren lässt, immer präsent: Herman Melville, der leidenschaftliche und exzentrische Geist, der auf beide eine große Faszination ausübte.

Die Amazon-Beschreibung meint:

In diesen Briefen denkt Edith aber auch über den großen Exzentriker der amerikanischen Literatur, Herman Melville, nach, für den sie und Leonard sich früh schon so rauschhaft begeistert hatten, dass sie gemeinsam ein Buch über das Leben des geheimnisvollen Außenseiters und sein Werk schreiben wollten – den unbehausten Reisenden, dessen Schicksal ihnen oft wie ein Schlüssel für ihr eigenes Leben vorgekommen war, für das Anderssein ihres Sohnes, für Gabriels Scheitern an der Welt.

Genauer kann ein Roman zu Lande Melvilles Geist kaum treffen.

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Moby Dick: Moby Dick. Die italienische Hardrock-Band veröffentlichte 2001 ihr einziges Album wieder, das schon 1973 mit dem Mixer von Led Zeppelin aufgenommen wurde. Die Band nannte sich nachmals Città Frontale. Gilt als extreme Rarität.

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Walter Moers: Käpt’n Blaubärs Seemannsgarn, Band 2: Moby Duck, die weiße Riesenente. Albern, kindisch, okay.

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Wolf empfiehlt: Fanny Morweiser: O Rosa. Ebenso vernachlässigter wie dünner Roman auf der Schwelle zwischen Hausfrauenkrimi und versehentlich hingeworfenem sozialpsychologischem Meisterstück, dessen Kapitel einzeln als lupenreine Short Storys funktionieren – jedenfalls ein dunkelrot schimmernder Halbedelstein, der gefunden werden will. Eigentlich hab ich mich erst beim dritten oder vierten Lesen gewundert, welche Masse von Skurrilitäten sich da überhaupt zusammenballt, und gemerkt, wie straff das alles erzählt ist. — Vorletztes Kapitel Der Badewannenwal: Herbert wohnt bei seiner Mutter und verwandelt sich in seinem Urlaub regelmäßig in eine Figur aus seinem derzeitigen Lieblingsbuch.

Diesmal fand sie Herberts Idee nicht die Spur lustig. Er blieb Tag und Nacht in der Badewanne und stieg nur heraus, wenn er aufs Klo musste. Seine Haut begann aufzuquellen und einen kränklichen weißen Ton anzunehmen. Sie holte sich das Buch und las es an drei Nachmittagen durch.

[…]

„Er macht Tauchübungen“, fuhr Irma fort, „die letzte Woche wollte er nur noch Fisch und Grünzeug. Und gestern verlangte er einen Tintenfisch.“

„Wozu?“

„Um ihn zu essen“, jammerte sie.

„Die schmecken nicht schlecht“, meinte Meier eins, „paniert oder mit einer guten Sauce.“

„Er wollte ihn roh“, sagte Irma düster.

„Und hat er?“

„Er hat“, sagte sie und schüttelte sich.

Es geht böse aus.

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Sena Jeter Naslund: Ahabs Frau. Dicker Roman, als Lesefutter gemeint, der Captain Ahab als Mann mit einem Leben außerhalb des Ozeans begreift und ihm Frau nebst Familie zuspricht. Fängt vielversprechend an, verflacht alsbald ins Triviale.

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Marisha Pessl: Special Topics in Calamity Physics, deutsch Die alltägliche Physik des Unglücks, Roman 2006. Ich-Erzählung einer jungen, sehr schönen Frau, deren Unglück es ist, viel zu intelligent zu sein, über das Verhältnis zu ihrem Vater, einem berühmten amerikanischen Englischprofessor. Die Kapitel sind nach Werken der Weltliteratur benannt, zu denen sie inhaltlich nur einen losen Bezug einnehmen. Das erste Kapitel des zweiten Teils von dreien heißt nach Moby-Dick.

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Arthur Gordon Poe by Edgar Allan PymEdgar Allan Poe: The Narrative of Arthur Gordon Pym of Nantucket, 1837. Selbst der Erfinder der meisten Errungenschaften moderner Literatur hatte Vorbilder; “der Pym” z.B. geht direkt auf Owen Chase: The Loss of the Ship Essex (s.o.) von 1821 zurück – genau wie Moby-Dick (und Philbrick, s.o.). Mit einer Verve, die nicht mehr anders zu erklären ist als durch Poes gezielten Einsatz von Drogen, welche den Darstellungsreichtum beflügeln und die Klarheit der Gedanken ins fieberhaft Surreale überhöhen, erhebt sich sein einziger Roman allerdings weit über Chase und selbst über Melville hinaus. Allein die Rolle des Erzählers im “Pym” ist ein Vexierspiel: Der Schriftsteller Poe schreibt seinem fiktiven Alter Ego Arthur Gordon Pym einen Tatsachenbericht zu, den letzterer von seinem Freund, einem fiktiven Mr. Poe, zu Ende führen lässt. Sogar der fragmentarisch gebliebene Zustand des Romans ist ein dramaturgischer Kniff, das literarische Werk wurde von Poe abgeschlossen. – Poe siedelt seinen Helden Pym, der in einer allegorisch überhöhten Weise Poes Autobiografie durchlebt, in der Walfangstadt Nantucket an und schickt ihn von dort aus mit Walfängern auf Reisen, die sich von realistischen, mit wissenschaftlichen Fakten untermauerten Schilderungen zu phantastischen Horrortrips steigern, die keiner Empirie mehr standhalten. – Die Rollenverteilung der Reisenden ist in mehreren Genres, die sich meist an jugendliche Leser wenden, Vorbild für zahllose Abenteuergeschichten geworden: Anführer/Buffo-Charakter/Superhirn; in den Weiterentwicklungen tritt häufig auch eine als schlau und emanzipiert gezeichnete Quotenfrau auf, das “starke Mädchen”. Bei Poe – wie vorher bei Chase und nachher bei Melville – enden die Figuren in einer Katastrophe. Poes fatalistischer Aspekt, der ihn über jugendaffine Kurzweil hinaushebt, die sich als rein spannende Unterhaltung versteht, liegt im Erkenntnisgewinn der Figuren, der erst im Moment des Untergangs und gerade durch den Untergang möglich wird. – Jene die Handlung schließenden Kapitel, die Pym wegen seines Ablebens angeblich nicht mehr schreiben konnte, erfuhren Ausarbeitung und Fortsetzung in Jules Verne: Die Eissphinx, 1897, und Charles Romyn Dake: A Strange Discovery, 1899. Von Anfang an war es für Literaten keine Schande, sich vom Titanen Poe recht detailliert inspirieren zu lassen. So griff auch Melville vor allem in seinem Frühwerk poeske Motive und dessen Tonfall auf. – Deutsche Einzelausgabe nur in der Übersetzung von Gisela Etzel, die maßgebliche Übersetzung von Arno Schmidt (Poes Gesamtwerk in Zusammenarbeit mit Hans Wollschläger) nur innerhalb der Gesamtausgabe bei Haffmans, und wenn überhaupt, dann geramscht. Onlinetext englisch, deutsch.

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Justin Quinn: Chapter 44 or 78,774 times E; Graphitzeichnungen auf Hanfpapier, Kaltnadel-Tiefdruck und Öl auf Leinen, 2004–2006. Zyklus von Paraphrasen über einzelne Kapitel aus Moby-Dick, in Arbeit. – Quinn transkribiert nicht den ganzen Roman in den genannten Kunsttechniken, sondern setzt sich mit seiner Arbeit selbst an die Stelle von Ahab in Kapitel 44: The Chart, indem er abertausendfach den Buchstaben E in verschlungene, labyrinthische Strukturen stellt: Seine Bahnen führen statt zu einem Ziel immer nur zu sich selbst zurück. Durch die Verwendung immer nur des einzigen Buchstaben E wird die Grenze zwischen Prosa und visueller Kunst aufgehoben. – Artikel innerhalb des Weblogs.

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Philippe Ramos: Capitain Achab, Spielfilm Frankreich/Schweden, produziert 2003, präsentiert 19. Mai 2004, angelaufen 13. Februar 2008, mit Denis Lavant, Valérie Crunchant, Virgil Leclaire, Dominique Blanc. Darstellung vom biografischen Hintergrund des späterhin getriebenen Ahab anhand Menschen, die ihn in seiner Jugend kannten, von seinem Vater bis zu seinem Freund Starbuck, mit Liebesgeschichte zu “Louise”. Im Ansatz provokant, in der Ausführung unterhaltsam verspielt. — Filmseite; Kurzrezension auf Time Out New York.

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Henry Reed: Moby Dick: A Play for Radio from Herman Melville’s Novel. London: Jonathan Cape, 1947. Hörspiel.

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Laurie Robertson-Lorant: The Man Who Lived Among the Cannibals: Poems in the Voice of Herman Melville, Spinner Publications, New Bedford 2005. Schmaler Gedichtband, fiktiv, aber nach der Melville: A Biography der Autorin gebildet, insofern ein ungewöhnliches poetisches Konzept nahe dem Dokutainment.

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Lew Sayre Schwartz/Richard Giordano: Moby Dick, based on the novel by Herman Melville. Die Form, in der die meisten Amerikaner bis heute Melville kennen lernen: als Classical Comic, letzte Version von 2002. Daran ist per se nichts Verwerfliches.

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The Sea Change featuring Lew Soloff: Moby Dick. Songs & Paintings, 2006, Label I Sea Music. The Sea Change besteht aus zwei Künstlern: Sven Gordon Williams und Ralf Walter Marquardt. Kein Rock, sondern Jazz-Komposition plus 40 Seiten Booklet mit anspruchsvoller Grafik.

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Bill Sienkiewicz, Moby Dick, page 22Bill Sienkiewicz & D.G. Chichester (Text): Moby Dick, 1990. Die Comic-Bearbeitung von Moby-Dick, die (eventuell neben Will Eisners, s.o.) als die künstlerisch gelungenste gelten muss, weil sie den Geist den Originals einfängt, darüber hinaus aber Elemente einführt, die erst das Medium des Comics ermöglicht. Grafische Mischtechniken. Tonart gothic (Sinkiewicz arbeitete u.a. mit Neil Gaiman), düster, beklemmend, mythisch bis surreal, Betonung der Gewalt und des weltimmanenten Bösen. – Besprechung im Weblog Dave’s Long Box.

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Phoney Bone goes AhabJeff Smith: Bone. Einer der Comics, die andauernd für den Nachweis herhalten müssen, dass Comics unter Umständen doch nicht der Antichrist sind, für den man sie in den 1950er Jahren hielt. Die Hauptfigur Bone ist praktizierender bis penetranter Moby-Dick-Fan. Selten ist die einbändige Ausgabe mal wieder lieferbar.

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Star Trek II: The Wrath of Khan, 1982. Das Thema der besessenen Rache wird wiederholt sowohl in der Star Trek-Fernsehserie als auch in den Kinofilmen aufgegriffen. Der Bezug auf Captain Ahab ist im zweiten Kinofilm am offensten: Während der rachsüchtige Khan die Enterprise durchs All verfolgt, zitiert er ganze Passagen aus Moby-Dick. Am Anfang des Films sieht man das Buch in seinem Regal stehen. Deutsch: Der Zorn des Khan; Artikel innerhalb des Weblogs.

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Frank Stella: Moby-Dick and Imaginary Places, ab 1985. Serie von großformatigen abstrakten Kunstwerken (Zeichnungen, Gemälde, Skulpturen, Plastiken) entlang der 135 Kapitel aus Moby-Dick. Keine Nachbildung des Plots, sondern inspiriert durch, Geist, Rhythmus und Fluss des Romans, mit dem Ziel eines Gesamtkunstwerks. – Sekundärliteratur vom Literaturwissenschaftler und Vorsitzenden der Melville Society Robert K. Wallace: Frank Stella’s Moby-Dick: Of Whales and Waves in Paint, on Metal, in Space: Words and Shapes, 2001.

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Robert Louis Stevenson: Die Schatzinsel. Ohne Moby-Dick wären vermutlich auch die folgenden Klassiker, in denen Schiffe in jeder Hinsicht tragende Rollen spielen, erstens nicht entstanden und zweitens nicht mit der üblichen Selbstverständlichkeit verhunzt worden. Im Unterschied dazu ist die Schatzinsel bei Diogenes der erste Band der Stevenson-Gesamtausgabe von 1924 und unterscheidet hoffentlich auch in den rezenten Auflagen noch zwischen Lang- und Schluss-s.

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Jules Verne: Zwanzigtausend Meilen unter den Meeren, in der neueren Übersetzung bei Fischer (ein Schnäppchen) ganz ungewohnt, aber korrekt, mit den Meeren im Plural, 1869. Dem Schreibheft fiel die Stelle auf:

Man sah in den Zeitungen … all die imaginären und riesenhaften Wesen wieder erscheinen, vom weißen Wal, dem fürchterlichen Moby Dick der hyperboräischen Regionen, bis zu dem maßlosen Kraken, dessen Fangarme ein Schiff von fünfhundert Tonnen umfassen und in den Abgrund des Ozeans zerren können“, und kurz darauf werden noch einmal die Auslassungen der Sensationspresse mit Bezug auf „die Kraken, die Seeschlangen, die Moby Dicks und andere Hirngespinste delirierender Seeleute“ erwähnt. Die größte Blasphemie ist der Plural – „des serpents de mer, des Moby Dick“!

Jules Verne durfte das. Der war in dieser für Abenteuerromane so empfänglichen Phase, die Melville mit angestoßen hatte, der Erfolgreichere.

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Orson Welles: Moby Dick Rehearsed, 1955. Theaterstück in zwei Akten, am 15. Juni 1955 in London uraufgeführt, wegen großen Erfolgs vom Autor fürs Fernsehen verfilmt (22 Minuten; Welles spielte selbst Ishmael, Ahab und Starbuck). Eine verbesserte Version von 1971 wurde 1999 von Stefan Drößler vom Münchner Filmmuseum restauriert. – Orson Welles spielte kurz darauf 1956 in der Moby-Dick-Verfilmung von John Huston den Father Mapple, Anfang der 1980er Jahre machte er Filmaufnahmen von sich selbst, wie er aus Moby-Dick vorlas. – Aufschlussreicher Artikel in der New York Times, für den man sich gratis registrieren muss.

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Karsten Weyershausen: Der Fall Moby Dick. Meines Wissens der einzige erhaltene Veröffentlichungsort.

Written by Wolf

30. August 2006 at 11:52 pm

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