Moby-Dick™

Leben mit Herman Melville

Archive for the ‘Wolfs Koje’ Category

Ostergewinnspiel: Finde die sieben Fehler!

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Update zu Katze von der Steuer absetzen!:

Man sieht nur mit der Brille gut.

Cohu de Saint-Exupéry, 8. März 2008.

Original und Fälschung: Kringeln Sie die sieben Fehler, die unser Photograph auf dem rechten Bild versteckt hat, mit monitorsicherem Edding ein und gewinnen Sie eine Stunde Frühjahrsputz bei sich zu Hause!

EgoshootingMiriam Fairfax Breasty Pinup

Bilder: Der Wolf mit seiner neuen Cerruti 1881, Karwoche 2010;
Terri Burton in der Rolle von Miriam “Ich hab auch Augen, du Arsch” Fairfax,
ca. 1851 (Schätzwert) via Tittyblog:
Einzige ernstzunehmende Bildersammlung (zwei Seiten) auf My Archives. Authentic Vintage Porn.

Lied: Die Ärzte: Buddy Hollys Brille aus: Im Schatten der Ärzte, 1985 und immer noch ihre beste.

Written by Wolf

4. April 2010 at 12:01 am

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Test Lesesucht

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Update zu Eigentlich sollten wir erwachsen werden:

Wer Bücher aus dem 19. Jahrhundert durchnudelt, kann ruhig auch mal ein Stöckchen schnitzen. Das folgende ist bei der Bibliomanie aufgelesen.

Faerie Girl, Death of a Librarian, 2. Juni 2010trifft nicht zu
trifft zu

  1. Du hast deinen eigenen Sachbearbeiter bei Amazon.
    [Da sei der Basis vor.]
  2. Deine Kreditkartenabrechnungen werden per Büchersendung verschickt.
    [Welche Kreditkarte, hähä?]
  3. Du kaufst Teil 3 einer Serie und noch bevor du angefangen hast zu lesen, freust du dich auf Teil 4.
    [“Eckermann, lesen Wir Serien…?”]
  4. Du teilst das Jahr nicht in Frühjahr, Sommer, Herbst und Winter auf, sondern Neuerscheinungen Frühjahr und Neuerscheinungen Herbst.
    [Ja, definitiv: Das ist mir von einem Jahr Verlagsausbildung geblieben.]
  5. Die vielen Mails in deiner Mailbox sind keine Spams, sondern die Lieferauskünfte deines Online-Buchhändlers.
    [Nur bei Weihnachtsanfällen mit Gebrauchtbüchern, die von so vielen Klitschen wie Büchern versendet werden.]
  6. Deinen Buchhändler wählst du danach aus, wie weit es bis zum nächsten Parkhaus ist, damit du nicht so weit so schwer tragen musst.
    [Siehe Punkt 2: Kreditkarte.]
  7. Dein Stapel ungelesener Bücher ähnelt in Höhe und Ausrichtung dem Schiefen Turm von Pisa.
    [Mich erinnert er mehr an Troja.]
  8. Du ärgerst dich im Mai, wenn ein im Oktober erscheinendes Buch noch nicht in der Datenbank deines Online-Buchhändlers zum Vorbestellen aufgeführt ist.
    [Um Himmels willen, ich komm nicht mal mit dem ganzen alten Zeug hinterher.]
  9. Die Familienmitglieder deiner Serienhelden sind dir geläufiger als deine eigenen Cousins und Cousinen.
    [Eine Serie hab ich schon mal freiwillig gelesen.]
  10. Dein Postbote hasst dich.
    [Mein offizieller ist ganz okay. Die unterbezahlten und demotivierten Aushilfen vom Liefer-“Service” schneiden mich und tragen alles gleich in den Bierschuppen gegenüber. Was wiederum nicht schadet, weil die Wirtin ein Pfundshaus ist.]
  11. Deine Familie erkennt dich ohne Buch vor dem Gesicht nicht mehr.
    [Meine Frau erkennt mich am Mundgeruch.]
  12. Du freust dich über ein schlechtes TV-Programm, denn es verschafft dir mehr Zeit zum Lesen.
    [Ich eriwetere auf “DVD-Angebot”, dann stimmt’s.]
  13. Du überbietest dich im Eifer des Gefechts bei eBay selber.
    [Ich biete nicht mal, ich beobachte immer nur.]
  14. Die Leihbücherei deines Heimatortes kann nur aufgrund deiner Buchspenden existieren.
    [The perks of wohning in a Großstadt.]
  15. Du verbringst alle Wochenenden im Baumarkt, um dir neue Regalbretter zuschneiden zu lassen.
    [Das würde meine Frau unterstützen…]
  16. Wenn dein SUB auf unter 5 sinkt, steigt dein Puls auf 180.
    [Tut er nie. Der SUB.]
  17. Man nennt dich auch den Schrecken der Flohmärkte.
    [Nein – den Retter der Grabbelkisten.]
  18. Dein Vermieter kündigt dir, weil die Statik des Hauses nicht für deine Buchmengen ausgerichtet ist.
    [Eigengenutzte Immobilie!]
  19. An Sonn- und Feiertagen bestellst du entweder online oder gehst an den Hauptbahnhof, um dir Suchtstoff zu beschaffen.
    [Das fette ich mal, weil bislang zweimal unterlaufen: Das eine Mal hab ich auf dem Nachhauseweg vom Krankschreibenlassen im Supermarkt einen Wolfgang Hohlbein aufgelesen einzig zu dem Zweck, ihn an diesem Kranktag durchzulesen, das andere Mal hab ich mir an einem Samstag kurz vor Ladenschluss ums Verrecken eingebildet, ich bräuchte jetzt auch mal so einen Hochglanz-Edelschund, der bei Hugendubel unter “Erotik” gleich neben der Chick-Lit steht, mit “ästhetisch” ausgeleuchteten Brüsten drauf. Gekauft hab ich mir dann die dummy.]
  20. Wenn du in den Urlaub fährst, dann hast Du die Klamotten im Handgepäck und der Koffer ist voller Bücher.
    [Nein, der ist leer, damit ich vor Ort Bücher reinschlichten kann. Durch meine Ausbeute aus drei Tagen New York anno 1993 bin ich heute noch nicht durch.]
  21. Du versiehst Deine Bücher grundsätzlich mit Schutzfolien, damit sie beim (sowieso schon vorsichtigen) Lesen nicht leiden.
    [Macht das jemand, der nicht von der Schulordnung dazu gezwungen wird?]
  22. Du hast bereits Freundschaften gekündigt, weil Du ausgeliehene Bücher beschädigt zurückbekommen hast.
    [Hey, das war auch sonst ein Arschloch…]
  23. Du riechst heimlich in der Buchhandlung an den neuen Büchern und siehst Dich dabei verstohlen um.
    [Ich hatte mal eine Freundin, die Buchhändlerin war und Verlage am Geruch unterscheiden konnte.]
  24. Du hältst Menschen, die die letzte Seite eines Buches zuerst lesen, für nicht gesellschaftsfähig.
    [Wenn ich das fette, steigt mir meine Frau aufs Dach.]
  25. Du behältst jedes Buch, obwohl es Dir überhaupt nicht gefallen hat oder Du es nie lesen wirst.
    [Anybody in for Gartenratgeber aus den 80ern?]
  26. Du hast das Gefühl, einen guten Freund verloren zu haben, sobald Du ein gutes Buch beendet hast.
    [Ich hab’s ja nicht geschrieben.]
  27. Du verlässt niemals das Haus ohne Buch.
  28. Du ärgerst Dich über Bücher, die Dir nicht gefallen, liest sie aber trotzdem zu Ende.
    [Leider nicht. Ich bin kein Schnellleser und auf meine Lebenszeit angewiesen.]
  29. Du verwendest Grundsätzlich für jedes Buch ein neues Lesezeichen.
    [Vielmehr möbliere ich Bücher, die ich fortan lebenslang ständig brauchen will, mit solchen teuren Postkarten fürn Euro.]
  30. Du setzt dich anstatt vor das Aquarium vor Dein Bücherregal.
    [Kunststück.]
  31. Du hegst als ansonsten friedliebender Mensch Mordgedanken bei schlampigen Übersetzungen oder Grammatik- und Rechtschreibfehlern.
    [Aber hallo! Ich hab sogar den Stöckchentext korrigiert, umformuliert und eine Redundanz rausgeschmissen. Es ist stärker als ich.]
  32. Du liest beim Lesen von dicken Bücher immer zwischendurch mal wieder den Klappentext.
    [Ebenfalls Berufskrankheit: Klappentexte stimmen nie.]
  33. Du freust Dich über Dein neues Auto nur deshalb, weil Du nun auch die schweren Hardcover mit Dir herumschleppen kannst.
    [Ich mit einem Auto, gar noch mit einem neuen? Schwer bildlich vorzustellen.]
  34. Du kannst Dir nicht vorstellen, wie man in der Supermarktwarteschlange NICHT lesen kann.
    [So weit kommt’s noch.]
  35. Du wünschst Dir zu allen Feiertagen nur Bücher, obwohl Du mindestens zwei Leben bräuchtest, um Deinen derzeitigen SUB auch nur annähernd abbauen zu können.
    [Bücher wünscht man nicht noch künstlich nach, die laufen einem zu.]
  36. Du kaufst Dir ein ausgeliehenes Buch, das Dir gut gefallen hat, nach dem Lesen, obwohl Du noch nie ein Buch zweimal gelesen hast.
    [If you love something, set it free. Außerdem hab ich schon Bücher zweimal gelesen.]
  37. Du berechnest nach jedem Kapitel die durchschnittliche Seitenanzahl je Kapitel.
    [Und die verbleibende Lesezeit.]
  38. Du musst unter allen Umständen ein neues Buch beginnen, nachdem Du das letzte fertig gelesen hast, und nimmst dafür auch mitternächtliche Klettertouren im Nachthemd aufs Bücherregal auf Dich.
    [Wenn ich schon mal dabei bin…]
  39. Du denkst, dass Du krank bist, wenn Du in einer Buchhandlung mal nichts kaufst.
    [Nein, dann denk ich, dass ich gesund bin. Wozu gibt’s das Zeug für einen Bruchteil gebraucht online?]
  40. Deine Umgebung reagiert völlig schockiert darauf, Dich ohne Buch anzutreffen.
    [Kommt nicht vor.]
  41. Du nimmst das Buch auch aufs Klo mit und liest.
    [Ich bin nicht so der Fäkaltyp.]
  42. Du rufst andauernd: “Oh! Eine Buchhandlung!”
    [Vielmehr bleibe ich wortlos davor stehen. Nichts anderes wird erwartet, wenn schon mal jemand mitkommt.]
  43. Du sinnst ständig über kreative Möglichkeiten nach, Deine wachsenden Bücherstapel unterzubringen.
    [Und CDs!]
  44. Du legst diverse Listen an – incl. SUB – bzw. Dateien an und führst sie auch, um den Überblick über die Bücher zu behalten.
    [Wenn ich mir die nicht freihändig merken kann, hilft Buchhaltung auch nicht weiter.]

Mehr als 10 Treffer: akut lesesüchtig
Mehr als 20 Treffer: fortgeschrittenes Stadium
Mehr als 30 Treffer: nicht mehr therapierbar

Ich bitte um zahlreiche Weiterverwertung!

Sommersemester

Bilder: Faerie Girl: Death of a Librarian, 2. Juni 2010;
Sommersemester, Rinderbrunnen München, 21. Juni 2008, meins.

Written by Wolf

22. January 2010 at 5:04 am

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Was geschah mit Wolfs Schädel?

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Update zu Jahresendmeeressäugetiereschwanzflossenfigur:

Die Osterkerzen mussten weg, dafür war die phallische schon so weit runter, aber die Bücher im Hintergrund sind das ganze Jahr lang gut.

3 Kerzen Christmas Desk

Fröhliche Restweihnachten für alle!

Bild: selber gemacht; Weihnachtskarte: Hannah.

Written by Wolf

25. December 2009 at 11:03 am

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Einnorden

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Update zu Seine erhabene Wildheit und Viscount Melvilles Reisen:

Seelen begegnen
sich nicht
auf neunzig
Grad Nord

sondern magnetisch
am Arsch
der Nordwestpassage:

Kurs Nord-Nordwest
muss reichen:

Ahoy sailor.

Alles für den Soundtrack: Blitzen Trapper: Furr aus: Furr, 2008. Vollbild und laut!

Bild: Truls Lynne Hansen: The road to the magnetic north pole, in: Ultima Thule, Ravnetrykk no. 7, University of Tromsø.

Literatur:

Written by Wolf

17. December 2009 at 12:01 am

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Mein kaltes Herz (I’ll be back to stay)

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Update zu Entschluss, Amerikas Goethe zu werden und Leben im Konjunktiv:

Sehr geehrter Herr Wolf,

Sie erhalten dieses Schreiben, weil Ihr Ruf zu uns gedrungen ist. Den Weg, auf dem dies geschehen ist, vermuten Sie ganz zu Recht in Ihrem Weltruhm.

Wir sind eine kleine, aber in klimatischer und strategischer Hinsicht überdurchschnittlich günstig gelegene, außerdem autarke Inselkolonie im Westen von Irland, von der Sie noch nie gehört haben sollten. Ob Sie in uns Elysion, Fiddler’s Green, Avalon, Walhall, Nirwana, Shangri-La, Arno Schmidts Gelehrtenrepublik, die Res Publica Literaria oder etwas anderes erblicken, obliegt Ihnen selbst; alles davon ist richtig, wenn Sie es so wollen. Haben wir doch Verträge mit sämtlichen geographischen Instituten und Herstellern kartographischer Werke auf der Welt, uns in ihren Atlanten und Globen unerwähnt zu lassen.

Bei uns finden jene weltweit tätigen und bekannten Künstlerinnen und Künstler aller Ausrichtungen ihr Zuhause, die den Rummel um ihre Person satt geworden sind. Für einen Jahresbeitrag, der bei dem Status unserer Siedler als unerheblich gelten muss, bieten wir ihnen ideale Lebensumstände, absolute Diskretion sowie die schlüssige Legende ihres Ablebens.

Gegründet wurden wir Ende 1791 von Wolfgang Amadeus Mozart, der mit 35 beschloss, sein Lebenswerk für diesmal abzuschließen und sich nicht länger mit Freimaurern und Neidern herumzuschlagen. Eben das ist der Grund dafür, dass sein Grab unbekannt blieb. Auf dem Seeweg zu uns schrieb er „La Paloma“ und starb Mitte des 19. Jahrhunderts betagt und zufrieden.

Wilhelm Hauff, Kreidezeichnung von J. Behringer, Wikimedia Commons1827 holte Mozart den deutschen Schriftsteller Wilhelm Hauff zu sich, dessen Werke er auf dem irischen Festland in englischer Übersetzung kennen und schätzen gelernt hatte. Wie Sie sich erinnern, lautet die offizielle Version, dass Hauff im Alter von 24 Jahren den Folgen eines “Nervenfiebers” erlag. In Wirklichkeit übte er noch direkten, ja freundschaftlichen Einfluss auf James Macpherson, den Herausgeber der Gedichte von Ossian, der ebenfalls hier seinen Lebensabend verbrachte. Sein Spät- und Hauptwerk wird ausschließlich bei uns auf dem wahrscheinlich sichersten Server der Welt gespeichert. Und das wird auch so bleiben.

Als erste Siedler begaben sich Jane Austen und eine Generation später alle sechs (sic) Brontë-Geschwister in derart gute Gesellschaft: Schicksale wie die unserer Siedler sind ein Frauenmagnet.

In jüngerer Vergangenheit haben sich Zeitgenossen wie Marilyn Monroe, James Dean, Grace Kelly, Jimi Morrison, Jimi Hendrix, Mama Cass, Brian Jones, Janis Joplin, Jörg Fauser, Jacques Brel, Peter Rohland, Keith Moon, Sid Vicious, Freddy Mercury, River Phoenix, Frank Zappa, Douglas Adams, Kurt Cobain, Sandy Denny und natürlich John Lennon angesiedelt.

Alle der Genannten führen hier das Leben, das sie sich wünschten, als sie erst noch berühmt werden wollten; ihr Wunsch erfüllt sich jetzt, hier bei uns. Referenzen darüber erhalten Sie unter bestimmten Vorkehrungen zur Diskretion, die wir seit dem Zuzug von Elvis Presley einhalten müssen, der sich leider heute noch regelmäßig in seinem Herkunftsland sichten lässt.

Wenn Sie, Herr Wolf, sich in unsere Bevölkerung einreihen wollen, bitten wir Sie um Ihre Nachricht. Wir unterrichten Sie hiermit darüber, dass Sie ab sofort in unserer Kartei potentieller Siedler geführt sind, und werden uns jederzeit an Sie erinnern. Ihre Akte wird garantiert noch am selben Tag gelöscht, an dem Sie in realiter versterben. Die Werke, die Sie als unser Staatsbürger hervorbringen, bleiben Ihrem Urheberrecht unterworfen. Unsere Regierung leistet sich diese Caprice, weil sie in unserer Geschichte noch nie missbraucht wurde: Die Vorteile, wenn Sie ausschließlich bei uns veröffentlichen, überwiegen.

Ihr Fehlen in der Gesellschaft wird sehr gut begründet sein. Wir haben die besten Erfahrungen damit gemacht, unseren Siedlern Automobilunfälle oder Erstickungen am eigenen Erbrochenen anzudichten. Sollten Sie eine bestimmte, mehr oder weniger spektakuläre Todesart wünschen, sprechen Sie uns an. Unsere Agenten und Mediengestalter sind weltweit führend in Nachrichtenlancierung und Public Relations.

Was Sie bei uns erwartet, ist ein Leben nach Ihren eigenen Vorstellungen. Unser Großklima wird vom Golfstrom bestimmt und ähnelt daher dem Irlands und der Azoren, wenngleich mit deutlich geringerer Regenwahrscheinlichkeit. Luft- und Wasserqualität sind weltweit beispiellos.

Unsere Regierungsform ist die Basisdemokratie. In unserem Falle hat sich dieses soziale Experiment als tragfähig erwiesen, weil wir bei unseren Einwohnern mit einer gewissen sittlichen Reife und verwandten Interessen rechnen können. Der einzige Fehler, den einer der immer nur nach Bedarf durchwechselnden Opinion Leaders je begangen hat, war das Erheben von Steuern; er wurde noch vor Ende des ersten Erklärungszeitraums korrigiert. Seitdem lebt jeder einzelne Siedler so autark wie die gesamte Kolonie.

Als Residenz können sich Ihr Traumhaus einrichten oder eine Wohngemeinschaft mit Künstlern nach Ihren Absprachen eingehen. Ihr Lebensunterhalt wird sich wie bisher aus dem bestreiten, was Sie ohnehin am besten können.

Unsere Industrie und Landwirtschaft arbeiten praktisch ohne Zukäufe von außerhalb, was bedeutet, dass Sie sich fortan von rückstandsfreien Lebensmitteln ernähren werden. Schnapsbrennerei und Brauereiwesen sind zu einer Blüte gelangt, an welcher in der restlichen Welt noch nicht einmal geplant wird. Es gedeihen alle gängigen natürlichen Drogen. Der nordöstliche Teil unserer Insel ist der Besiedlung durch eine Frauensekte vorbehalten, die sich als Gemeinschaft von Tempelhuren versteht.

Warten Sie nicht zu lange mit Ihrer Antwort!

Mit freundlichen Grüßen,
(Schnörkelstrich)
Population Key Manager

Dieses Schreiben vernichtet sich bei Luftkontakt nach sieben Minuten selbst.

Bild: Wilhelm Hauff, * 29. November 1802 in Stuttgart; † 18. November 1827 ebenda:
Kreidezeichnung von J. Behringer 1826, in: Helmut Hornbogen: Tübinger Dichter-Häuser.
Verlag Schwäbisches Tagblatt, Tübingen, 1989, Seite 94.

~~~|~~~~~~~|~~~

Sommerliedchen: New World Trio: Kara Kara Kimbiay, 1971.

Written by Wolf

29. November 2009 at 12:01 am

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Shut Up ‘N Play Yer Guitar

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Update zu Schnaps fürn Durscht:

Mithin, sagte ich ein wenig zerstreut, müßten wir wieder von dem Baum der Erkenntnis essen, um in den Stand der Unschuld zurückzufallen? Allerdings, antwortete er, das ist das letzte Kapitel von der Geschichte der Welt.

Heinrich von Kleist: Über das Marionettentheater, 1810.

Wissen ist keine Schande. Es nützt halt nur nichts.

Sven Regener, 2009.

Deutsch sein heißt, eine Sache um ihrer selbst willen tun.

Kaiser Wilhelm II.

It’s fucking great to be alive.

Frank Zappa, 1940–1993.

Vielleicht hat sogar schon jemand das Radfahren verlernt, aber niemand kann vor sich selbst so tun, als wüsste er etwas nicht. Die Unschuld ist weg.

Es war eine Zeit, als die Jungs Gitarre lernten, um Kommunenorgien mit House of the Rising Sun zu untermalen: a / C / D / F // a / C / E7. Die Schwierigkeit war das F, vor dem Barré hatte jeder einen Heidenrespekt. So lange, bis sie ihn zum ersten Mal raushatten. Zehn Sekunden danach schüttelten sie den Kopf über ihre einstige Angst wie über ihre Kindheit, als sie allen Ernstes glaubten, im Radio wohne ein kleinwüchsiges Symphonieorchester.

Meine eigene Not hatte ich eher im gedankenschnellen Umrechnen von Flageoletten, dafür kriegte ich schnell spitz, was Powerakkorde sind, und grinste deshalb milde über Barrés. Was mir niemand sagte: dass man mit Gitarrespielen Mädchen beeindrucken kann, ich war immer nur aufs “Bier für die Musik” aus. Das verschaffte mir einen unschlagbaren Sympathievorsprung, weil ich’s nicht drauf anlegte, und bei der gleichzeitig anhaltenden Arbeit mit Kopf und beiden Händen wird man sowieso bis in den Vormittag hinein nicht besoffen.

Als ich nach meiner Lagerfeuerkarriere erfuhr, dass ich statt den Freigetränken die Mädchen hätte haben können, war meine Jugend verspielt. Aber ich konnte nie wieder so tun, als ob ich nicht wüsste, was ich verpasst hatte.

Gitarrespielen ist wie Weihnachten: Es hilft nichts, das Ritual einzuhalten — man muss es gerne tun. Gitarrespielen, um Mädchen zu gefallen, ist wie Weihnachten seine Eltern zu besuchen: Es hilft nichts, das Ritual einzuhalten — man kann nur Fehler machen. Gitarrespielen mit diesem Wissen ist wie die Erinnerung an Weihnachten in der Kindheit: Es hilft nichts, das Ritual einzuhalten — Kind ist man nur einmal.

Als ich anfing, nahm ich mir vor aufzuhören, sobald ich den Karten Dippler Blues von Peter Horton konnte. Irgendwann konnte ich sogar Tears in Heaven, aber es war egal. Ich verstieg mich dazu, meine Bob-Dylan-Lieder selbst zu schreiben, und brachte es zu so viel Perfektion, dass man den Dylan gar nicht mehr raushörte, und denen ich sie stolz zeigte, fanden es schade um die Zeit. Entweder war es Mist, dann gibt es keine Entschuldigung, oder es war gut, dann wär’s ja auch noch schöner, wenn nicht. Mädchen beeindrucken heißt eine Sache um ihrer selbst willen tun — genau das muss Kaiser Wilhelm wirklich gemeint haben — und Gitarrespielen zur Unzeit — nach 22 Uhr oder über 22 Jahren — ist wie karfreitags Weihnachten feiern, und schluss ist mit Sympathievorschuss. Deshalb liegt einen Teilaspekt seines Lebens nicht gelebt zu haben überraschend nah am generellen Tod.

Vor Jahren stellte ich meine erste Gitarre, die den Hals bis zur Unspielbarkeit hängen ließ, aus sentimentalen Gründen einer Werkstatt für Instrumentenbau vor. Alle Alphamädchen, die ein Handwerk lernen, werden noch vor dem dreißigsten Lebensjahr was mit Medien machen, meistens Grafik, vor allem aber tragen sie einen blonden Pferdeschwanz und sind durch eventuelle Virtuosität nicht zu beeindrucken, weil sie von Natur aus in allem um ein Vielfaches besser sind. Meine zuständige wischte sich die Sägespäne von den Händen an der Küferschürze ab und erklärte die Patientin für tot. Dieser Wochen fange ich meine Monate mit geringfügig weniger Dispo an als zuvor und versuchte eine andere Werkstatt, denn Gitarrespielen ist wie Weihnachten: Es hilft nichts, Fehler zu machen — man muss das Ritual einhalten. Und man kriegt nie ein Pony, sondern immer einen Rollkragenpullover.

Susi trägt den Hals wieder aufrecht und klingt so schön wie vor Zeiten. Allein die Auswahl, die einst Freiheit bedeutete, ist jetzt ein Sachzwang: Geblieben ist das Gitarrespielen um seiner selbst willen; der Sympathievorsprung ist kein Licht mehr, das man erwarten darf, wenn man den Lichtschalter bedient, sondern eine Kerze, die einem möglicherweise hingestellt wird. Wenn ein freundliches Mädchen sie bringt, hat man das größte Glück, das einem noch widerfahren kann. Wenn sie nichts Drängenderes zu tun hat, setzt sie sich daneben, um ein Weilchen zuzuhören. Sie stellt eine anteilnehmende Frage und gibt bereitwillig Auskunft, weil sie sich nichts vergeben wird. Wenn man etwas spielt, das ihr früher einmal gefallen hat, fühlt man sie an seiner Seite mitwiegen, sie legt den Finger beim Licht ihrer Kerze auf eine Stelle im Textblatt und sagt:

“Ui.”

Ihre Haare kitzeln von schräg hinten an der Wange, und ihr Lächeln wärmt mehr als die Kerze und ist echt. Aber der Wind verheißt einen langen Winter, die Kerze flackert bedenklich, und wenn sie wieder in die Wärme geht, am Ende ihre Kerze wieder einkassiert, darf man sie nicht zurückhalten. Was das war? Kein Verdienst mehr, sondern eine Gnade. Und ganz besonders jetzt ist es wie Weihnachten: Man kann es nicht einfach bleiben lassen.

Dass Susi gestimmt ist, sagt mir Moritz, indem er nicht sofort vom Bett aufspringt und das Gescholler flieht: Katzen sind Blueser. Dass ich Recht habe, sagt mir die Stimme aus dem Arbeitszimmer: “Ich versuch mich hier zu konzentrieren! Danke!”

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Written by Wolf

23. November 2009 at 7:31 am

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Lieb, die Olle

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Update zu Walgesänge mit Begleitung:

Auf Myspace rumgurken ist was Feines. Ich hab dort fünfzigmal so viele Freunde wie im Facebook und kenn von keinem einzigen den Namen. Eine von ihnen will ein Matrosenmädchen sein, und nicht mal das stimmt. Sagt sie ja selber:

eigentlich bin ich gar kein richtiges matrosenmädchen. ne landratte bin ich. aber mein opa war matrose. deswegen darf ich mich auch so nennen, sagt der herr großpapa.

mein herz schlägt für wildes rumgeküsse, schmutzige schäferstündchen, mädchen und jungs mit eiern, ordinäres gefluche, old-school-tätowierereien, versoffene nächte, charles bukowski und heinz erhardt. und bier. und die schreiberei. die ist wichtig. die hab ich lieb, die olle.

und sonst… rock’n’roll.

ahoi.

Für solche herzlosen Gesellen allerlei Geschlechts, die davon noch nicht kaputt genug gegangen sind, bloggt sie (Obacht: Da sind schon mehrere Seiten aufgelaufen). Am Goethegeburtstag zum Beispiel sowas:

Matrosenmädchen ist ja gar nicht soKäthe war eine hübsche junge Dame. Alles andere als ein Fotomodell oder ein Mannequin, das wohl, aber mit so viel kleinen charmanten Makeln auf einem Haufen, dass man sie hinreißend finden musste. Ging gar nicht anders. Das süße Käthchen, das neben den hochgewachsenen Schönheiten aus dem Viertel viel zu kurz geraten wirkte, dessen Ohren ein bisschen zu weit abstanden, dessen Augen zu groß waren für das winzige Gesicht und das durch die Lücke zwischen seinen Schneidezähnen „La Paloma“ pfeifen konnte. Aber das mit 15 schon so kokett war wie die übertrieben geschminkten Damen in der verruchten Bar „Zur roten Laterne“, in deren Fenstern des Nachts immer die roten Blinkeherzen so einladend leuchteten. Zu schade war Käthe sich selten, etepetete wie ihre Cousine, die feine Jette, wollte sie nie sein, das verabscheute sie, und so machte sie sich gern die Hände schmutzig, wenn alle anderen „Igittigitt!“ schrien. Und sie verschenkte ihr Herz, wann immer ihr danach war. Einmal schenkte sie es dem Bauernjungen Paul mit den roten Haaren, der ihr immer so sehnsüchtig nachglotzte, wenn sie auf dem Weg in die Stadt am Hof seines Vaters vorbei radelte. Paul war es schrecklich peinlich, dass stets ein Hauch Kuhscheiße und Hühnerfurz in der Luft lag, wenn er seiner Angebeteten begegnete. Aber Käthe küsste seine Bedenken einfach so weg. „Scheiß auf die Kuhkacke und die Eierdinger“, hauchte sie und sagte ihm dann, er habe die schönsten braunen Augen, die sie je gesehen habe. Das war nicht mal gelogen. Auch wenn sie dem schönen Heinz gestern noch etwas ähnliches gesagt hatte. Aber der hatte nun mal die schönsten grünen Augen, die Käthe je gesehen hatte.

Die Mädchen im Viertel zerrissen sich die Mäulchen über das Mädchen mit den Segelohren, das so anders war als sie. So unanständig und liederlich. Flittchen nannten sie sie manchmal und sahen sich dann verschämt um, ob sie auch ja niemand gehört hatte. Flittchen sagt man nicht laut.

Käthe wusste das, sie war ja nicht aus Dummsdorf, und eigentlich war es ihr egal. Aber da war gestern dieser Junge gewesen, der Neffe von Metzger Franz, ein Matrose, fast zu schön, um wahr zu sein, und er hatte sie so seltsam angesehen, als der Schlachter ihr ein Stück Fleischwurst geschenkt und dabei ihre Hand eine Sekunde zu lang festgehalten hatte. So, als wüsste er von all dem Gerede und ein bisschen so, als würde er sich vor ihr ekeln. Käthe hatte verlegen auf ihre Schuhspitzen gestarrt und sich geschämt. Dann hatte sie sich die Fleischwurst in den Mund gestopft und war davon gerannt. Geheult hatte sie nicht, nein, das war nicht ihr Metier, wie Mama immer sagte. Nein, das war es wirklich nicht und lieber hätte sie sich den großen Zeh abgehackt, als vor anderen Leuten salzige Suppe aus ihren Augen tropfen zu lassen. Aber durcheinander war sie. Nicht schön durcheinander, sondern dumm. Die Blicke des Matrosen hatten sie verunsichert. Zuerst. Jetzt machten sie sie wütend.

„Was bildet der sich eigentlich ein!“ schimpfte Käthe laut und stampfte mit beiden Füßen auf dem Boden auf. Dann schwang sie sich auf ihren grünen Drahtesel und sauste mit scharlachroter Rübe in die Stadt. Den Matrosen zur Rede stellen wollte sie, jawolljaja.

„Guten Tag, Herr Franz“, sagte sie mit fester Stimme, als sie die Metzgerei betrat.

„Guten Tag, Fräulein Käthe. Was kann ich für Sie tun?“ Der Metzger musterte Käthe unverhohlen, in seinen stumpfen Schweinsaugen blitzte es.

„Ich möchte bitte Ihren Neffen sprechen. Diesen Matrosen.“

„Soso. Jaaaaaaakob!“, schrie Herr Franz da. Seine Wangen glänzten rosig von Fett und Schweiß.

Wäh, dachte Käthe angeekelt. Wie konnte ich nur?

„Ja?“ Der schönste Kopf der Welt lugte hinter der Tür, die zur Schlachterei führte, hervor.

Und so wie man sie kennt, lässt sie einem das wieder stehen und warten bis in die Steinzeit, dass es weitergeht. Und weiter geht es dann doch nur mit katzengoldenem Satzgefunkel wie… aber nein, ich sag nix mehr, weil sie mir sonst nix mehr lesen bei ihr, wenn Sie das Beste schon kennen, reicht ja schon das da oben, complete and unabridged. Zu Ihrer Beruhigung kann ich aber sagen, dass sie in einzelnen Wörtern am besten ist, vielleicht sollte sie einfach mal eine Auflistung von tollen Wörtern hinschreiben, das geht ja schnell und kann sie gut, aber irgendwie würde doch auch was fehlen. Die Geschichte bestimmt.

Und die, ach Gottchen, sagen wir halt mal Philosophie dazu, oder wissen Sie ein besseres Wort dafür, sie weiß doch selber keins, weil sie gar keins braucht, die Philosophie, sagte ich, einer Schiffbrüchigen zwischen Tank Girl für die Generation 20plus, einer Amelia Earhart zu Wasser, wie sie vorm nächsten Verschallen in der Hafenkneipe mit einem damenhaft gedrechselten Glas voll Rum in der Faust eine neue Version ihrer Lebensgeschichte zum Besten gibt, und einer Poetry Slammerin, die zu viel Zeit im Bett verbringt, dafür einen Wortschatz hat.

Und Blut und Schleim und Dosensaft und Salzwasser. Ohne zu viel zu verraten. Klingt sowieso ekliger, als es bei ihrer Fingerfertigkeit dann unten rauskommt. Ist doch alles virtuell, das Flittchen macht doch nur Spaß. In transitivem wie intransitivem Sinne, ich hab sie durchschaut. Das Matrosigste an ihr sind nämlich die Segelohren, ätsch.

Matrosenmädchen. Home is nun mal where your heart is

Bilder: Matrosenmädchen, überaus privat, 2009.

Written by Wolf

1. September 2009 at 6:21 am

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