Moby-Dick™

Leben mit Herman Melville

Archive for the ‘Smutjin Elke’ Category

Der letzte Wal?

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Elke macht zum Karfreitag ein passendes Update zu Reste in Pieces:

Elke HegewaldWie fänden Sie es, wenn statt Nachbars Lumpi, der immer ungenehmigt ausm Hausflur zu Ihrer Wohnungstür reinwutscht, oder statt der paarungswilligen Tauben, die zur Zeit massiv Ihren Balkon zu benisten versuchen, ein lebensgroßer Wal Sie besuchte? Na dann rücken Sie mal schön die Möbel an die Wand und füllen ihr Wohnzimmer randvoll mit Meerwasser. Ach ja, und gastfreundlicherweise sollte es wenigstens so an die 30 Meter, besser doppelt so lang und breit sein (von wegen der Wendemöglichkeit) und seeehr hoch… am besten nach oben offen.

Haben Sie nicht? Tja, schade. Ich auch nicht – eine aktuelle Vermessung ergab nur sechs mal vier mal knapp drei Meter, zwar mit direktem Kontakt zum Himmel, aber kein Schiebedach. Ha, aber es geht trotzdem! Die WDCS machts möglich! Was die Whale and Dolphin Conservation Society ist. Die zaubert Ihnen und uns aus akutem Anlass das größte interaktive Web-Banner ever auf den Bildschirm, einen Blauwal in voller Lebensgröße nämlich, den voluminösesten Verwandten aus der weitläufigen Familie unseres Moby-Dick und das größte Wesen überhaupt auf unserem Globus.

Dass er da – Zentimeter für Zentimeter – auch drauf passt, haben in Walschützers Auftrag und zur eigenen Imagepflege die “Jung(s) von Matt” so hingefrickelt. Wir schreiben es trotzdem an unsere internetzliche Klotür, schon deshalb, weil wir beim Schließen dieses Fensters zu den Weiten des Ozeans nicht wissen, ob wir grad zum letzten Mal Wal in Lebensgröße gesehen haben werden. Verkündigen jedenfalls die WDCSler. Und wenn die nicht wissen, was sie da sagen, wer dann?

Wer was gegen diese trüben Aussichten hat, kann übrigens mit dagegen anklicken – rechts auf großes Auge von Wal und dann vor Close den Link im aufspringenden Text. Wer gern engere Bande knüpft, kann gar Patenonkel oder -tante werden für einen Moby-Dick.

Und jetzt: Schau mir in die Augen, Großer!

*

Nachtrag 5. April 2007:

Springt mir doch heute Morgen am Dienstwege die Ampel auf Rot – und an derselbigen ein großflächiges lukullisches Angebot von mehr als zweifelhaftem Geschmack ins Auge:

Hä? – stutz und denk ich vor mich hin –, die japanische Walfang-Mafia? Und war spontan mit mir im Reinen, dass ich – ungelogen – Moby-Dick zwischen zwei Buchdeckeln jederzeit dem in einer Fladenbrotecke vorziehe. Genauso wie die Piece-für-Piece-für-Pixel-Darstellung des Riesenviehs auf meinem Monitor der fachmännisch zerteilten Beute eines Walfängers – aber sowas von.

Ach ja, sollte jemand gerade zum Wal-Fastfood-Fresser mutieren wollen und der auf dem Plakat beworbenen Adresse hinterhersurfen: Ätsch. Nix Wal-Burger; Walschützer! Gar nicht so doof, die Profis und ihre Kampagne. Cooles Ding. Aber der Countdown läuft – für oder gegen Moby und Familie!

Written by Wolf

6. April 2007 at 5:33 pm

Auf der Jagd nach Nantucket

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Elke hat noch was gefunden:

Die Jagd nach Dr. U englischBeinahe hätte ich mein kleines Fundstück vergessen, welches nur bestätigt, dass an Nantucket kein Weg vorbei führt. Denn hätte es wohl sonst seinen Platz sogar im Kosmos der Länder, Sprachen und Figuren eines H.C. Artmann gefunden, dieses, wenn im vorliegenden Fall auch nur kopfreisenden, Weltenbummlers vor dem Herrn? Auf seiner stetigen “Poetischen Suche nach dem Randständigen und Bedrohten”?

Written by Wolf

7. November 2006 at 8:08 pm

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Moby-Dick ist ein Gummitier,

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wie Elke weiß,

jawohl, so eins zum Aufblasen, mit Ventil und Stöpsel. Er war nicht weiß, sondern blau, und planschte vor vielen Jahren mit einem kleinen, blondbezopften Mädchen in den Ostseewellen. Meine erste Erinnerung an diesen Namen hat ein süß lächelndes Gesichtchen mit Kulleraugen und so überhaupt nichts mit diesem mythischen Wesen, dem Bild des gewaltigen und unheimlichen Gegenspielers des Kapitän Ahab zu tun.

Wie so vieles andere übrigens auch nicht, wofür Moby-Dick heutzutage alles herhalten muss. Das hätte der gute Herman Melville, der den Welterfolg seines Buches nicht mehr erlebt hat, sich nicht träumen lassen, welch unvorstellbaren Siegeszug auf bisweilen recht eigenwillige, ja kuriose Weise sein weißer Wal ein gutes Jahrhundert später sogar bis in die letzten Ecken des Alltagslebens antreten würde. Ihn gar für werbeträchtig zu halten, wäre ihm erst recht niemals nicht eingefallen. Und als aufrechte reale Poeten hoffen wir nur, dass er sich nicht im Grabe umdrehen möge angesichts des schwungvollen Handels mit nicht nur den erwähnten Schwimmhilfen (die ja noch eine gewisse, wenn auch seeehr entfernte Ähnlichkeit mit dem Namensgeber haben), sondern auch Kinderplanschbecken, Fischtellern, Surfbrettern und anderen Fortbewegungungsmitteln, Ferienunterkünften und was sonst noch alles von findigen Geldmachern mit Moby in Verbindung gebracht wird.

Dem Weißwal, der einstens sein eigenes Geheimnis den Rhein stromaufwärts bis nach Bonn getragen und retour wieder mitgenommen, dazu noch der Umweltbewegung einen kräftigen Push gegeben hat, legt man da allerdings gern und ehrfürchtig ein „Nennt mich Moby-Dick“ ins Maul.

Und ganz bestimmt werden sich auch die Täufer von Kindertagesstätten und die Sauna- und Muckibudenbetreiber bei den symbolträchtigen Benamsungen ihrer Häuser was Großes gedacht haben – fragt sich nur: Was?

Moby Dick, DresdenEines tiefen Nachdenkens wert finde ich vor allem die Namensidee für ein ohne Frage sehr lobenswertes Kindergesundheitsprojekt – ob man sie wohl etwas skurril nennen darf? Oder habe ich den tiefen Sinn des Ganzen nur nicht verstanden?

Die Begegnungen mit ähnlichen Merkwürdigkeiten sind Legion. Und lassen einen mit einem leisen Kopfschütteln auf die „Pequod“ zurückkehren wie an einen Zufluchtsort, an dem Moby-Dick noch das ist, was Melville um ihn gewoben hat. Unergründlich… vielleicht – aber auf jeden Fall ganz anders.

Moby Blau-aber-Nützlich

Written by Wolf

20. September 2006 at 11:36 am

Posted in Smutjin Elke