Moby-Dick™

Leben mit Herman Melville

So wahr mich der Erzbischof von Canterbury salbe

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Elke hat Kapitel 25: Postskriptum gelesen:

Elke HegewaldLaut Kamelopedia ist der Walrat „eine helle, wachsähnliche Zusammenrottung von alten und vergreisten Europawalen, auf denen ganz schlaue Sachen gesagt werden.“ (Merke: Kamelopedia, ugs.: Kami, ist für das wissbegierige Kamel das, was für den wissbegierigen Wikinger… äh Quatsch, internetaffinen Menschen an sich die Wikipedia, ugs.: Wiki.)

Doch selbst, wenn wir die in der letzteren enthaltene und uns Zweibeinern (noch) vertrautere Walrat-Definition zugrunde legen, glaube ich doch: Hier irrt der ehrenwerte Herr Melville. Und wir wollen es ihm zugute halten; andernfalls müssten wir nämlich von einer – als advokatischer Kunstgriff getarnten – clownesken Provokation gegen die Briten und ihr viktoria(ni)sches gekröntes (und gesalbtes!) Haupt ausgehen. Denn die krönungswilligen Häupter lassen an dieselbigen gewiss kein wachsartiges Zeug unklarer Bestimmung aus dem Kopf des Sperm Whale, sondern höchstens Wasser und – duftenden Balsam, wie er in seiner Konsistenz schon durch das zweite Buch Mose 30,22–33 geheiligt wurde. Oder sich wengstens dafür ausgeben kann.

Hach, da sprüht doch unserem rauschebärtigen Moby-Vater der blanke Schalk aus den Augen – dafür liebe ich ihn:

Es ist wohlbekannt, dass bei der Krönung von Königen und Königinnen, selbst in modernen Zeiten, eine bestimmte seltsame Prozedur vonstatten geht, um sie auf ihre Ämter vorzubereiten und gleichsam zu würzen. Es gibt da ein sogenanntes Staatliches Salzfass, und womöglich gibt es auch einen Staatlichen Pfefferstreuer… Eines allerdings weiß ich sicher, dass nämlich der Kopf des Königs bei seiner Krönung feierlich eingeölt wird, gerad wie ein Kopf Salat. Kann es jedoch sein, dass sie ihn deshalb salben, weil sein Innestes laufen soll wie ein Uhrwerk – dass sie ihn schmieren, gerad so wie man Maschinen schmiert?

Moby-Dick, Kapitel 25: Postskriptum.
Übersetzung: Matthias Jendis, Seite 197

Und vermutlich war ihm der hinterhergeschriebene Spaß sogar die todsichere Streichung des Postskriptelchens in der Londoner Ausgabe wert. Das muss er gewusst haben, dass die Königstreuen da sehr empfindsam sind und in ihrem Salzstreuer statt Meersalz dann sogar Riechsalz gebraucht hätten.

Immerhin ist die salbungsvolle Krönungszeremonie etwas so Heiliges und Intimes für sie, dass dieser Teil der Zeremonie gute hundert Jahre später, bei der noch allgegenwärtigen Elisabeth II., nicht mal im Fernsehen übertragen wurde. Wobei vor allem bemerkenswert ist, dass sie ihre Könige überhaupt bis heute noch ölen.

Langer Rede kurzer Sinn: Es ist gewiss Olivenöl – mit noch was drin, was aromatisch Müffelndem. Somit könnte das hier auch gut als ein Update zum seewölfischen Offenen Brief an Herrn Melville durchgehen. Aber ich will ja nicht streiten…

40 Minuten Krönung, Film von 1953:

Elizabeth II. 1953

Bild: Historic UK, 1953.

Written by Wolf

3. July 2007 at 12:41 am

Posted in Steuerfrau Elke

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