Moby-Dick™

Leben mit Herman Melville

Archive for November 2006

A Musical of a Whale

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South Sea People EaterHat da wer gesagt, Moby-Dick sei wie der Faust? Der im Leseprojekt gerade endlich von ferne winkende Captain Ahab gar der Satan aus Paradise Lost, und Mädels kommen da auch keine vor?

Ach Kinder, nicht so verklemmt. Ahab ist Frank’n’Furter, Ismael die fabelhafte Amelie, Starbuck noch zu was anderem gut als Kaffeekochen. Und auf einen Claim wie A Whale of a Tale wären wir doch alle gern gekommen.

Das können Sie buchen.

Written by Wolf

27. November 2006 at 12:58 am

Posted in Reeperbahn

Kapitel 15: Steffi findet Muscheln chowderhaft

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und füttert nochmal nach:

Stefanie DrecktrahSämtlichen vorangegangenen Rezepten zum Chowder ist nichts mehr hinzuzufügen (außer dass ich die Bowle noch mal betont wissen will!). Ich mag halt nur keine Muscheln. Ich habe lange in meinem Leben gezögert, bis ich mal weche probiert habe und prompt lag ich den folgenden Tag quasi Fische fütternd im Bett.

Nee, Muscheln sind für mich nichts. Aber immerhin passen sie in dieser verqueren Sicht in die Reihe der Todesomen, die Ismael entdeckt.

Ich denke auch, dass jetzt so langsam der Ernst der Sache überwiegt. Wir übernachten ja schon im Schatten der Pequod, also im Schatten des bösen Schicksals, das zumindest für einen unseres Dreamteams das Ende bedeuten wird (ich hoffe, ich verrrate keinem Leser damit ertwas neues!). Einzig der zweifache Galgen führt uns in die Irre – schließlich wissen wir, dass für Ismael der Sarg (Coffin) ein Zeichen des Lebens sein wird und nicht sein Untergang (im wahrsten Sinne des Wortes).

Ja, wir machen uns langsam ans Eingemachte, aus Spaß wird langsam Ernst und es wird Zeit für die Einführung der anderen Protagonisten.

Ich bin froh, dass Ihr an meiner Seite seid, liebe Bordkameraden.

Written by Wolf

23. November 2006 at 12:58 pm

Posted in Steuerfrau Steffi

Das Schwirren eines Vogels auf Blütenblättern, der Aufprall einer Nippesfigur auf dem Fußboden

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Erstens: Jodie Foster.

Panic RoomJodie Foster ist eine einschüchternd kluge Frau. Männer pflegen ja von solchen Fabelwesen impotent zu werden, wofür sie sich dann eine Beziehung lang rechtfertigen müssen. Nur Jodie Foster macht das mit Absicht.

In Panic Room (2002) tat sie so, als ob sie gedemütigt werde. Dabei rächte sie sich nur für die Demütigungen, die sie seinerzeit in ihren Lolitafilmen erleben musste. Oder soll das Zufall sein, dass sie eine Filmtochter vorschieben durfte, so alt wie Jodie Foster in Taxi Driver? Dann lesen Sie das dicke Buch der kalifornischen Mythologie nochmal.

Aufs Blut gereizte Bärenmama mit Bärentochter in Bärenhöhle (muss ich wirklich beweisen, dass wir hier in eine Gebärmutter eindringen?) bewirft geldgierige, schwanzgesteuerte Eindringlinge mit Eisenträgern; verspielte, noch nicht ganz herangereifte Bärentochter tapst nach alter Lolitasitte barfuß Bärenmama hinterher, die anscheinend seit ihrer eigenen Lolitazeit nur ihre Schuhe noch nicht wiedergefunden hat, und muss für leinwandfüllende Großaufnahmen ihre geschundenen Rosenfüßchen in die Kamera halten, ja wird geradezu über die verkrampfte Mimik ihrer Zehen als das verletzlichste aller Päderastenopfer charakterisiert – mit solchen topoi hat das Hollywood des jungen Jahrtausends doch nicht für die Katz den Panic Room möbliert. Sonst sind sie ja auch eher auf fadenscheinig sublimierte Übermütter mit Bombenbrüsten fixiert.

Da sei Jodie Foster vor. Als sie vor Jahrzehnten in ihrer Rolle als Mädchen am Ende der Straße allein in eine Art Panic Room eingesperrt war, wurde sie schon mal von nicht ganz so entschlossenen Unholden behelligt. Barfuß wie ein Bärenjunges, um den Anschein der Selbstbestimmtheit (und ihren zweiten Oscar) ringend, aber letztendlich schutzlos wie in Humbert Humberts Motelzimmer. Und was las sie dort? Emily Dickinson.

Zweitens: Emily Dickinson.

Emily Dickinson, auch nicht älter als 17Emily Dickinson war eine einschüchternd kluge Frau. Das hat nur niemand gemerkt, weil sie praktisch ihr Leben lang ihren Panic Room, nein falsch: ihr Kinderzimmer nicht verließ. Was sie dort statt dessen trieb, weiß Heinz Schlaffer in der Süddeutschen Zeitung vom 18. November 2006:

Selten verließ sie den Wohnort, bald immer seltener Haus und Garten ihres Vaters, am Ende kaum noch ihr Zimmer. Enthusiastisch liebte sie ihre Verwandten und Freundinnen, blieb dabei aber unzugänglich. Später sprach sie mit ihnen nur durch die halb geöffnete Tür aus dem Zimmer, das die anderen nicht betreten durften. Hier lebte sie mit ihren Gedichten für sich. […]

Es trifft sich gut, dass in diesem Herbst gleichzeitig eine Ausgabe ihrer Gedichte und eine Auswahl ihrer Briefe erschienen sind. So wird sichtbar, dass sich ihre Gedichte wie Briefe, ihre Briefe wie Gedichte lesen. Auch die Briefe verzichten auf Nachrichten über Umstände, Fakten und auf eine zusammenhängende Darstellung von Situation und Ereignis. Beide, Gedicht und Brief, wirken wie überstürzte Mitteilungen zufälliger Notizen, wobei einige wie von selbst zu Reim und Rhythmus finden und dann Gedicht heißen.

Eine also, der kein anderes Ausdrucksmittel zu Gebote stand als die lyrische Gestaltung. Eine so durchschaubare wie begreifliche Form des Selbstschutzes. Dass sie sich auch noch als Barfuß-Dichterin empfand, betont in diesem Fall wohl ihre Verletzlichkeit. Sowas lesen dann die bedrohten Mädchenexistenzen in ihren Jungfrauenzimmern.

Drittens: Herman Melville.

Herman Melville war ein einschüchternd kluger Mann. Was aber niemanden jemals groß interessierte, am wenigsten seine Frau. – In Heinz Schlaffers o.a. luzider Besprechung kommt auch kurz Melville vor:

Erst in der Mitte des 19. Jahrhunderts entsteht eine autonome amerikanische Literatur, sogleich aber von höchstem Rang: in den Essays Emersons, den Romanen Hawthornes und Melvilles, in der Lyrik Walt Whitmans und Emily Dickinsons. Doch selbst diese Gedichte, so fern sie auch allem praktischen Nutzen zu stehen scheinen, sind dem Geist der Pioniere, die einen Kontinent erobern, verwandt: Sie erkennen keine Konventionen der lyrischen Sprache an; sie wollen nur sagen, was wirklich und wahr ist. Deshalb sind sie rücksichtslos neu. Aus der adamitischen Situation der amerikanischen Kultur, die noch einmal am Anfang der Schöpfung zu stehen glaubt, geht ein eigenständiger Beitrag zur Literatur der Moderne hervor. Die amerikanische Lyrik verabschiedet, wie die europäische seit Rimbaud, die Vorstellung von schönen Versen, um die archaischen Elemente der Poesie wieder freizulegen.

Lolita gibt BärenpfötchenSo führt ein direkter Weg von Melvilles Ishmael und den Lost Boys auf der Pequod über Emily Dicksinsons autistische Lyrik und Nabokovs Lolita, die mit Humbert Humbert die USA bereiste, bis zu den populärpostfeministischen Jodie-Foster-Schinken.

Alle eine Revolution, alle eine Revolte.

Gibt es überhaupt künstlerisches Schaffen, das keine Kindheitsneurosen aufarbeiten will?

Written by Wolf

21. November 2006 at 12:50 pm

Was quält man sich eigentlich so?

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Blog with a viewWo man doch Moby-Dick locker in 1 Minute schafft.

Written by Wolf

18. November 2006 at 9:10 am

Posted in Mundschenk Wolf

Kaufen und Flachlegen

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Die nette Azubine vom alten Hugendubel am SalvatorplatzAlle Germanisten (und die meisten von ihren Kumpels, den Anglisten) waren mal mit einer Krankenschwester und mit einer Buchhändlerin zusammen, man kann sie auf die Nummer buchen.

Weil man ja ab einem gewissen Alter froh ist, wenn man keine Krankenschwestern trifft, dringt man gerne und oft in die Zielgruppe der Buchhändlerinnen ein, um ihnen Vergriffenes abzukaufen, damit das Verkaufsgespräch länger dauert.

Neu in der Warteschleife: der Sammelband aus der Library of America, klein, kompakt und knuffig (1478 Seiten!), und vor allem mit all jenen Raritäten drin, die zuletzt anno 1985 veröffentlicht und noch nie übersetzt wurden, vulgo Uncollected Prose:

Articles and Reviews: Etchings of a Whaling Cruise
Authentic Anecdotes of “Old Zack”
Mr Parkman’s Tour
Cooper’s New Novel
A Thought on Book-Binding
Hawthorne and His Mosses
Fragments from a Writing Desk

Das wird ein inhaltlicher Boost für die Bücherliste da rechts, und wer noch nie ein abgeschriebenes Exemplar aus der Stadtbücherei von Deep River, Iowa ausgebuddelt hat, kann ja gar nicht wissen, was für eine trostlose Ersatzbefriedigung das Flachlegen von Krankenschwestern ist.

Sollten Sie auch.

Eindringen!

Written by Wolf

16. November 2006 at 2:26 pm

Posted in Reeperbahn, Wolfs Koje

Kapitel 15, Chowder: Elke kennt sich aus mit manschigem Fischsuppenbrei

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Elke hungert:

Elke HegewaldHolla, na das nenne ich doch mal eine üppige Mahlzeit. Nahrhaft – und vor allem sehr abwechslungsreich – scheint es in der Küche von Mrs. Hussey zuzugehen. Nichts gegen die Spezialität im “Trankessel”, aber bei so viel Meeresgetier in einer bis zwei Schüsseln fürchtet man ja, dass einem Schwimmhäute zwischen den Zehen wachsen.

Ich weiß ja nicht, wie es euch ging, aber ich bin mit den landestypischen Gerichten Neuenglands nicht so vertraut und musste, um ehrlich zu sein, erst nachschlagen, was da Leckeres im Topfe der Frau Wirtin köchelt.

Schauder-ChowderDas Ergebnis war durchaus überraschend, denn es scheint, als sei dieses Chowder-Zeugs nicht nur was zum ordentlich Sattwerden, sondern Gegenstand eines wahren Kultes: Es füllt mit unterschiedlichsten Grundzutaten ganze Kochbücher, von denen wir aus unserem Primärmaterial lediglich die Muscheln und den Kabeljau kennen, nicht aber das Huhn, diverse Feldfrüchte und andere vegetarische Ingredienzien oder was da sonst noch so reinwandert. Chowder-Tage, Chowder-Festivals und Chowder-Kochwettbewerbe werden landesweit veranstaltet, und Restaurants und Imbissbuden heißen Chowder-House, Chowder-Bar oder – sehr hübsch – Chowder-Bowl.

Was für ein Siegeszug dieses manschigen Suppenbreis! Mhja… ich glaube, ich lass heute das Frühstück ausfallen.

Was sonst noch erwähnenswert ist: die abenteuerliche Navigation unserer zwei Walfänger zur wärmstens empfohlenen Unterkunft und Ismaels dunkle (Todes-)Ahnungen beim Anblick des an einen Galgen erinnernden Wahrzeichens der Herberge. Die ihm wohl mehr zu schaffen machen, als er merken lassen mag. Oder ist nur mir aufgefallen, wie krampfhaft und betont er den Spaßvogel mimt? – sogar sein Intimus ist vor seinen Foppereien nicht sicher. Das kennt man doch selber – laut pfeifend durch den dunklen Wald laufen! Nun, soll er erstmal eine Nacht darüber schlafen und was Ordentliches essen – was gabs doch gleich nochmal zum Frühstück?

Hussey ohne Mrs.Ach ja, und dann ist da noch Mrs. Hussey, die wirklich resolute Chefin des gastlichen Hauses, in der wir ja nun offenbar das angekündigte einzige handelnde Weibsbild der ganzen Geschichte kennenlernen durften, oder? Und ihre wortkarge, doch stimmgewaltige Autorität muss es schon in sich haben – wer hätte wohl sonst Queequeg von seiner geliebten Harpune trennen können?

Written by Wolf

13. November 2006 at 6:25 am

Posted in Steuerfrau Elke

Kapitel 15: Chowder für alle

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Wie gut, dass ich von Anfang an meine teure Ausgabe mit Bleistift vollgemarkert hab, wo im Moby-Dick überall Frauen auftreten: Da tu ich mich am Schluss leichter, wenn ich alle Fundstellen im Überblick auflisten will – wofür immer das gut sein wird. Es gibt viele, die an Frauen ein natürliches Interesse hegen. Einstweilen untersagt mir meine Erziehung, aus dem Zusammentreffen von dominanten Frauen und sehr viel Fisch ausgerechnet in Gesellschaft von Frauen eine allzu sinnhafte Verbindung herzustellen. (Kommt ein Blinder ins Fischgeschäft: „Na, Mädels?“)

Und zu Weihnachten schenk ich mir endlich den Freudschen Drewermann

Written by Wolf

12. November 2006 at 5:09 pm

Posted in Steuermann Wolf