Moby-Dick™

Leben mit Herman Melville

Archive for the ‘Kombüse’ Category

I Believe the Whale Got Sick

leave a comment »

Update zu Der Zweck von Metaphern:

Then Jonah prayed unto the Lord his God out of the fish’s belly, and said, I cried by reason of mine affliction unto the Lord, and he heard me; out of the belly of hell cried I, and thou heardest my voice.

Book Jonah, 2,2f.

Keine Ahnung, ob die zeitgenössische Musik besser oder schlechter ist als ihr Ruf, jedenfalls ist sie anders: Entgegen dem sich aufdrängenden Eindruck haben sich die populären Lieder in Moll-Tonarten zwischen 1965 und 2009 mehr als verdoppelt (zahlenmäßig, nicht in der Laufzeit), .mp3-Dateien geben jetzt doch nur 5 Prozent der eingespielten Tonsignale wieder (CDs 15, Vinyl-LPs 100), und der befürchtete galoppierende Missbrauch des Vocoders nach Do You Believe in Life After Love von Cher ist nach 1998 ausgeblieben.

Talking of Cher: Nicht mal das Schreckgespenst des “singenden Schauspielers” führt sich heutzutage noch zwingend so auf wie Uwe Ochsenknecht. Hugh Laurie zum Beispiel, dem deutschen Medienverbraucher als coolster aller Knochen Dr. House in der gleichnamigen Krankenhausserie bekannt, hat sogar singend, schreibend, musizierend angefangen, bevorzugt im Duett mit Stephen Fry, und zwar in allen Disziplinen ziemlich brillant.

Nachdem Dr. House in acht Staffeln alles gesagt hat, was zu sagen war, hat Hugh Laurie während der siebten schon mal wieder angefangen, seine musikalischen Wurzeln zu gießen. Für Let Them Talk 2011 hat er noch keine Lieder selbst geschrieben, bringt uns aber einen schönen Schwung seiner persönlichen Lieblinge des traditionellen Blues nahe.

Ob es dazu eine hunderteinundelfzigste Version von Swanee River gebraucht hat, darf man diskutieren, aber wenn’s ihn doch so freut, den Hugh. Außerdem lässt er im aufschlussreichen Beipackzettel seine Kindheitserinnerung dazu durchblicken: Dass er das mit einem gewissen Einfallsreichtum einspielt, ist eine um 45 Jahre verspätete Rache an seiner weiland Klavierlehrerin — daher wohl der diablische Lacher im Solo. Überhaupt will ich durchgehend glauben: Der Mann mag die Lieder wirklich. Das Eröffnungs-Instrumental ist grandios genug, um einen mit allen folgenden Schnitzern zu versöhnen, und so viele kommen da gar nicht mehr.

Liedauswahl und Interpretation begründen sich fadenscheinig, aber allemal gut genug mit because I can und weil’s das bringt. Blues als ausgelassener Spaß für erwachsene Leute — doch: Das ist ungefähr so lustig und lässig wie Dr. House.

Das Thema von The Whale Has Swallowed Me handelt aus dem Buch Jona, wurde ursprünglich von JB Lenoir angestimmt und steht somit dem Gospel nahe.

They say the Whale swallowed Jonah
Out in the deep blue sea.
Sometimes I get that feeling
That same old Whale has swallowed me.

The sun rise in the East,
Goes down in the West.
Sometimes I get that feeling
Every creature needs some rest.

I believe the Whale got sick,
That’s why I have this blues.
I do believe one day
He will finally turn me loose.

Now if I live
I pray, I don’t get killed.
I do believe one day
I will cross out of here

Hugh “Jonah” Laurie: Let Them Talk, 2011.

Written by Wolf

9. June 2012 at 12:01 am

Posted in Moses Wolf

Møbendick oder Der schwarze Wal

with 7 comments

Moby Dick im Mosaik – Legende trifft Legende

Elke HegewaldVon unserer legendären Elke.

Dass den drei Comic-Helden der Mosaik-Hefte auf ihren Abenteuerreisen durch Raum und Zeit und Weltgeschichte nicht irgendwann auch der weltliterarische Moby Dick begegnen musste, wäre erstaunlicher gewesen als es überraschend ist, dass es zu dieser denkwürdigen Begegnung kam.

“Hä?? Mosaik-Hefte?”

Mosaik 1, Dig Dag Digedag auf der Jagd nach dem GoldeOkay, okay, nochmal auf Anfang. Mosaik ist Kult. Womöglich ist es ja vermessen, Digedags, Abrafaxe und ihre mosaikanische Heimat jenseits des deutschen Pecos genauso für Markenzeichen und Fanobjekt zu halten wie diesseits davon. Oder doch nicht? Immerhin reden wir hier über die seit Wilhelm Busch oder so älteste und die seit überhaupt langlebigste und auflagenstärkste deutschsprachige Comic-Serie ever, die unverdrossen seit über fünfzig Jahren erscheint, bis heute. Was sie sogar ins Guinness-Buch der Rekorde gebracht hat.

Und was nicht halb so einfach war, wie es sich schnell mal so hinfabuliert. Sondern wenigstens anderthalb Lebensrettungen brauchte. Die halbe gelang mittels eines Blut-… nein, Heldenaustausches der Digedags durch die Abrax, Brabax und Califax Mitte der Siebziger. Die spätere ganze – durch einen mutigen Werbefuzzi von jenseits besagten Pecos und eine Verlagsneugründung Steinchen für Steinchen im allgemeinen Abwicklungsrausch Anfang der Neunziger. Mit Erleichterung konstatieren wir zudem, dass auch die alten Mosaik-Sammelbände mit den Urhelden Asyl gefunden haben – im Fränkischen beim Nürnberger Tessloff Verlag.

Die Mosaiker sind wohl sowas wie die Donaldisten des Ostens und Mosaik-Vater Hannes Hegen kann bis in die letzten Siebziger als so eine Art Carl-Barks-Pendant durchgehen. Abgesehen davon, dass er noch lebt, schätzt er den Max-und-Moritz-Preis des Internationalen Comic-Salon Erlangen (auf den natüralemente auch der Barks verweisen kann) vermutlich mehr als das ihm noch recht unlängst verliehene Bundesverdienstkreuz am Bande. Was man allerdings nicht sicher weiß, denn meidet er seit Jahrzehnten die Öffentlichkeit. Seit dem für ausgewachsene Mosaik-Insider noch erinnerlichen abrupten Abschied von seiner Schöpfung nämlich.

Ertönt da ein Aufschrei ob vergewaltigend gezimmerter Verwandtschaft? Na gut, ihr habt es nicht anders gewollt:

MosaikheftstapelSeit 2005 versammeln sowohl eine Duckipedia als auch eine Mosapedia geballtes Wissen über die beiden Comic-Welten. Mosaikanische wie donaldistische Forschungen widmen sich der Historie und Verbreitung, den Quellen und dem Sinngut des digedag-abrafaxischen und des Entenhausener Universums ebenso wie ihren menschlich-philosophischen Abgründen. Beide Seiten zeigen bisweilen belegbare Vorlieben für eine gewisse interimsgeschichtliche Terminologie aus deutschem Wort(un)gut. Beider Fangemeinden (wenn auch in abweichend organisierten Strukturen) sind riesig, deren Sammelwut legendär. Nach dem heimlichen Vorbild von Donald Duck und Co. haben auch die Mosaik-Figuren inzwischen längst laufen gelernt. Und in Forscherkreisen wird gar gemunkelt, dass die mosaikischen Urgestalten Dig, Dag und Digedag auf eine phonetische Namensverwandtschaft zu den Donald-Duck-Neffen Tick, Trick und Track hinweisen. Was ihr Schöpfer allerdings immer bestritten haben soll.

Angesichts des Vorgebrachten könnte man als halbgeouteter Anhänger beider Paralleluniversen schon mal auf eine Frage kommen: ob nicht gelegentlich deren Forschungsabteilungen den Ur-, Tat- und anderen Sachen dafür nachgraben wöllten, warum trotz unleugbarer Anwesenheit aller zwei einschlägigen Comicvertreter-Gemeinden beim Abriss eines langgestreckten Bauwerks vor mittlerweile über 20 Jahren selbige Gemeinden immer noch mindestens regional, wenn nicht überhaupt, getrennt marschieren statt vereint jagen. Oder einander auf der Straße nicht wenigstens freundlich grüßen. Oder nicht mal einen Comic-Zweiergipfel mit lustigen Reden und Sprechblasen-Statements veranstalten… Selber hat man ja nie Zeit für sowas.

Doch genug der aus- wie abschweifenden Lang- & Breiterklärungen zum Umfeld zweier Comic-Mythen. Zurück zum weblogrelevanten Wal, wie angekündigt zur Abwechslung mal dem in mosaikanischen Gewässern. Aus Entenhausener solchen hatten wir ja hier im unsrigen bisweilen schon mal welche von den Viechern.

Mosaik, Der schwarze Wal CoverWale unterschiedlicher Spezies (meines Wissens bedauerlicherweise noch ohne eine wohlsortierte Cetacea wie die Entenhausener) bevölkern diverse Mosaik-Hefte beider Heldengenerationen.

Ihre Lieblingsbeschäftigung haben sie von Moby Dick gelernt: Schiffe versenken. So zu beobachten unter anderem im Mosaik von Hannes Hegen, Heft 196 von 1973 (Amerika-Serie): “Die Fahrt nach Panama” mit den Digedags und Käptn Blubber auf seinem maroden Walfänger. Dort setzt eine Pottwalherde vor Panama-City den Postdampfer der Pazific Line außer Gefecht. Besagter Käptn Blubber (nomen est omen!), verhökert beiläufig nach dem Abgang seiner goldfiebernden Mannschaft das Walfett des letzten Fangs als Lampenöl und führt in Frisco auf seinem Schiff das tranmiefige Whaleboat-Hotel, bevor er mit dem und den Digedags zur Rettung eines Goldschatzes wieder in See sticht. Er ist immer noch ein zielsicherer Harpunenwerfer und verfügt über einen imposanten Wortschatz an Seemannsflüchen.

Als – farbmalerisches oder parodierendes – Umkehrbild zu Melvilles Albinowal taucht der schwarze Wal in zwei Heften aus den Fluten: in Nr. 85 (Erfinderserie) aus der Hegenschen Frühzeit vom Dezember 1963: “Der schwarze Wal vom Fehmarnsund” und, dreißig Jahre später, in Nr. 211 vom Juli 1993: “Der schwarze Wal” (Mittelalterserie, Wikingerkapitel) aus der Ära der Abrafaxe nach Hegen.

Mosaik Vereinte HeldenWozu ich noch einmal was nebenhererklären muss, diesmal ganz privat, so aus der Position der quasi lebenslangen und kurzzeitig gestörten Mosaik-Leserin. Ich hab ja in kindlich resoluter Parteilichkeit als erklärte Digedag-Fänin eine ganze Zeit die Abrafaxe boykottiert – zu plötzlich passierte der unvorhersehbare Heldenwechsel 1975/76 und, zudem unkommunizierte, Hintergründe interessierten die Zopfgöre von damals überhaupt nicht. Allerdings neigt sich aus heutiger Sicht und im speziellen Fall meine Sympathie eher dem spätereren Wikinger-Wal zu. Was an dessen deutlicher Anspielung auf Moby-Dick, vielleicht auch an der wenig mädchenaffinen Einbettung des Hegenschen Frühwals in “militärischen Kontext” liegen mag.

Von seiner Spezifizierung her ist wiederum der schwarze Strolch im Fehmarnsund melvillesker, da deutlich ein Pottwal. Eine zugegeben seltene und seltsame Fügung, denn in der Ostsee als Ort der Handlung wurde der erste nur vom Leben statt von Künstlerhand gezeichnete Pottwal erst 2004 gesichtet.

Viel früher ist der Hegensche aus Heft 85/1963 dort unterwegs: Er treibt im ersten Holsteinischen Krieg um 1850 sein Unwesen. Und was tut er? Na was schon – Boote rammen. Von den kriegführenden Parteien, mittendrin die Digedags, wird er für ein neu erfundenes gegnerisches U-Boot gehalten. Als ihm das zu heiß wird, sucht er das Weite.

Mosaik WalheilungKleines Schmankerl am Rande: Der historisch belegte und im Heft vercomicte U-Boot-Erfinder Wilhelm Bauer macht seinem Befinden mit urbairischen Flüchen Luft: “Malefiz-Kugelspritz’n damische! I schlag’s umanand!”

Fabriziert wurde das Ganze unter der künstlerischen Oberhoheit des damals unantastbaren Obervaters Hegen vom so emsigen wie kompetenten Mosaik-Künstlerteam, zu dem auch des oberen holde Gattin Edith Hegenbarth gehörte – sie zeichnete, er textete.

Als Co-Texter dieser Folge zu nennen wäre noch Lothar Dräger, gelernter Opernsänger und Langzeitmosaiker, der nach dem 1975er Crash auch Hegens Posten erbte. Ein Impressum mit Nennung aller Beteiligten kam beiläufig in der Hegen-Ära nur einmal vor, in Heft 11.

Mosaik 3x WalDer Schwarze in Heft 211/1993 ist am ehesten ein Grönlandwal (Balaena mysticetus) oder Nordkaper (Eubalaena glacialis), der schon auf dem Titelcover grinsend seine Barten sehen lässt. Dafür heißt er Møbendick und ist die Geißel der Wikinger, zu denen es die Abrafaxe mittels Zeitreise verschlagen hat. Ein Schelm, der bei dem Namen nicht an – Autobahngastronomie und Eisessen denkt. Öh… und an den von Captain Ahab zur Geißel der Menschheit erklärten weißen Wal natürlich.

Feder-, respektive stiftführend bei dieser Folge und unbedingt erwähnenswert sind zwei Ladies: Lona Rietschel und Irmtraut Winkler-Wittig, beide mosaikanisches Urgestein. Die erste, mit einem Studium für Modegrafik und Zeichentrick als Qualifikation, rettete nach der Mitnahme der Rechte an den Digedags durch Hannes Hegen das Mosaik als zeichnerische Mutter der neuen Abrafax-Helden, gab neben anderen auch der Kultfigur des fränkischen Ritter Runkel ihr Gesicht und darf im vorliegenden Fall für das Møbendick-Coverbild verantwortlich gemacht werden. Die zweite war mal Porzellanmalerin in der Porzellanmanufaktur Meissen, wovon später auch das Mosaik noch was hatte: als sie in Heft Nr. 2/91 auf Seite 21 inhaltskompatibel die Porzellanherstellung erklärte und mit dem allbekannten Zwiebelmuster garnierte. Die Walhatz-Geschichte mit den Nordic Seefahrern in Heft 211 gestaltete sie figürlich sogar komplett.

Møben-Dick oder Der (schwarze) Wal. Der jagt Sven Svensons Wikinger im Zuge der Handlung durch den Comic, von Norwegen bis nach Island:

Møbendick ist bei diesen wohlbekannt und gefürchtet. Den Männern gelingt es dank der Hilfe der Abrafaxe, mit ihrem Schiff in einem schmalen Fjord vor dem Wal Zuflucht zu suchen. Am nächsten Morgen ist Møbendick verschwunden, und die Männer machen sich auf die Heimreise in Richtung Island. Einige Wochen später taucht Møbendick in den Gewässern vor dem Wikingerdorf, in dem sich die Abrafaxe aufhalten, auf. Die Abrafaxe, denen die Schuld an der Rückkehr des Wals gegeben wird, sollen ihm geopfert werden. Während sich die drei in einem Ruderboot dem Ungetüm nähern, entdecken sie die Ursache für dessen Aggressionen: Eine Harpune steckt in seinem Körper und verursacht offensichtlich heftige Schmerzen. Califax gelingt es, das Geschoss zu entfernen. Er behandelt die Wunde mit seinem Rosmarinextrakt und befreit somit den Wal von dessen Schmerzen. Møbendick ist wieder friedlich und schwimmt zurück ins offene Meer.

Aus: Mosapedia. Møbendick.
Vgl. auch Mosapedia: Mosaik 211 – Der schwarze Wal.

Mosaik Lanze im WalUnd auch jetzt kann ich’s nicht lassen. Wieder außerhalb des Protokolls (und weil der geneigte Leser eh schon mit meinen beständigen Abschwöffen rechnet) juckt es mich in den Fingern, für die angelehnten Wortgut-Donaldisten unter uns noch einen vom Wal zu erzählen, bloß ohne Wal. Und vom Folgeheft Nr. 212, in dem die Abrafaxe mit den Wikingern Amerika entdecken. Schon der wohlverfremdete Titel “Neuland unterm Bug” sollte russenliterarischen Scholochow-Kennern und solchen sozialistisch-realistischer Terminologie was sagen. Und neben der Abwesenheit des im Vorheft gegenwärtigen Sven Svenson und der (wohlverfremdeten) Anwesenheit des dereinst allgegenwärtigen Hannes Hegen(barth) als Wikinger Hannes Gegenparth sowie einer bemerkenswerten Abhandlung zur nordischen Mythologie fallen zudem vorsätzliche Anklänge an DDR-typisches Vokabular auf: So werden (jaha, schaut’s her, Freie Donaldistische Jugendliche!) aus der Kampfreserve der Partei, der FDJ, hier die Einherjer in Walhalla.

Aber wir waren ja auf Fischzug nach Melville-Sequenzen. Ha, und einen hab ich noch.

Im Januar-Heft von 2003: “Ein fast perfekter Plan” (Zweite Japan-Serie, Nr. 325) begegnen die Abrafaxe im japanischen Hafen Hakodate flüchtig dem leibhaftigen Kapitän Ahab, und was für einem! Der heißt da zwar nur “ein Walfänger-Kapitän” und (noch) nicht Ahab (und sein Schiff noch nicht Pequod, aber es ist sein Schiff), doch seine Züge sind unverkennbar die des karikierten Gregory-Peck-Ahab aus Hustons 1956er Film “Moby Dick”. Uuund: Er steht da noch auf zwei gesunden Beinen. Was völlig in Ordnung geht und passend zur Örtlichkeit darauf hinweist, dass er das eine erst kurz nach dem Auslaufen des Schiffes hinter Japan verlieren wird. Hut ab vor witziger Belesenheit und Melville-Kenntnis des Zeichner- und Autorenteams.

Die einschlägigen Namen erhalten Mann und Schiff dann im noch recht frischen Januar-Heft Nr. 421 von 2011: “Unter Schmugglern” (Barock-Serie). Allerdings erscheinen sie da dem Brabax nur in einem Traum, und das auch noch zeitverschoben, so in die Zeit um 1700 hinein. Aber die Figur mit dem Peck-Habitus ist hier als Ahab benannt und auf dem Traumbild-Schiffsbug steht in Spiegelschrift “Pequod”.

Eindeutig in Melvillescher Mission unterwegs sind die Abrafaxe im mosaikischen Kalender von 2005 “Die Abrafaxe und die Welt der Bücher”: Auf dem März-Bild jagen sie in einer winzigen Pequod-Nussschale zusammen mit dem grimmig die Harpune schwingenden Ahab nach dem weißen Wal.

Wal und FlotteDer allbekannte Wesenszug von Comic-Palavern, zuvörderst aufs Visuelle zu bauen nämlich, manövriert mich am Ende mit meinem Sermon nun noch in eine mittlere Bredouille. Denn auf den Urheberrechten für illustrierende Bilder aus der Mosapedia sitzt frank und frech und recht rigide der Steinchen für Steinchen Verlag. Ob aus Protest gegen lästige Blogger-Werbung für lau und unkommerziell oder aus Sorge um unkontrollierbare Explosionen der Nachfrage auf dem Comic-Markt, weiß man nicht. Verziehen sei mir drum stümperhaftes Selberabknipsen der einschlägigen Illus aus meinem ehrlich und käuflich erworbenen Mosaik-Privatexemplar sowie die Bebilderung mittels Link-Verweisen. Tja, selber schuld, ihr Mosaiksteinchenverwalter.

PS: Kommt in nächster Zeit vielleicht wer nach Leipzig? Einer, der Comic-Fan ist? Für den ergeht hier noch ein exklusiver Freizeit-Tipp: Begebe er sich zum Zeitgeschichtlichen Forum in der Grimmaischen Straße und stürze er sich auf und in die noch bis zum 13. Mai 2012 dort laufende Digedag-Ausstellung. Es soll viel liebenswertes, lieb gewordenes und viel bislang unveröffentlichtes Zeug aus Hegens Archivschenkung zu sehen sein – und jede Menge Alt- und Jung-Mosaikaner, bis in die dritte Generation, wie man hört. Der Eintritt ist frei.

PPS: Ein Belegexemplar von Mosaik-Heft 211 (Reprint) “Der schwarze Wal” geht an den Käpt’n, damit der die richtigen Scans für die Freundlichen Begegnungen in der Bücherliste machen kann (den MosaPeck-Ahab muss ich erst noch herbeiorganisieren).

Bilder: Mosaik Nr. 1: Zeitgeschichtliches Forum Leipzig;
Vereinte Helden: von Mosaik. Geschichte und Figuren;
Mosaik-Hefte von weißnichtwo, vielleicht eBay;
alle anderen: selber geknipst. Dass man das sieht, ist gewollt, teilweise jedenfalls. Vielleicht tolerieren’s ja dann die Steinchen-für-Steinchen-Rechte-Geier.

Film: hier ab vier.

Written by Wolf

6. April 2012 at 12:01 am

Posted in Smutjin Elke

Pshaw!

leave a comment »

Update zur alten Schwulendebatte am Rande von Melville und Beitrag zum Karl-May-Jahr 2012:

2012 ist Karl May 100 Jahre lang gestorben und 170 Jahre lang am Leben. Seine Wildwest-Geschichten, mit denen man ihn am ehesten verbindet, schrieb er nicht von Anfang an. Da war erst 1874 oder nach anderen Stimmen 1875 Die Rose von Ernstthal, dann Schreibertätigkeit für, man ahnt das heute gar nicht mehr: die Gartenlaube und für Friedrich Pustet in Regensburg. Eine besondere Leistung des Sachsen war die Neukonzeption der baierischen Mundart für Der Weg zum Glück, 1886 bis 1888: eine Form der Realitätsnähe, die er beibehalten sollte. Als sein erster Amerika-Roman gilt Auf der See gefangen, 1878.

Seitdem glauben die bücheraffinen Leute in Deutschland, in Amerika, da fluchen alle Zounds! und Winnetou ist nur so eine Erfindung.

Wie immer ist es genau umgekehrt, lackaday and botheration!

George Catlin, Ha-wón-je-tah, Lakota chief, 1832, der wahre Winnetou

Ein Mann in mittleren Jahren, von vornehmer Haltung und fast Apollo gleichend. Auf der Jagd war er der erste; er konnte auf eigenen Beinen mit einem Büffel mitlaufen und schoss ihm dann den Pfeil ins Herz.

George Catlin über den Lakota-Häuptling Ha-wón-je-tah, als er ihn 1832 porträtierte.

Image: George Catlin: Ha-wón-je-tah, Lakota chief, 1832 by Smithsonian American Art Museum.

Scan und Text aus: Harald Eggebrecht: Der wahre Winnetou, in: Süddeutsche Zeitung, Dienstag, 11. Januar 2011, Seite 14: Rezension zu Helga Arend (Hg.): “Und wer bist du, der mich betrachtet?”: Populäre Literatur und Kultur als ästhetische Phänomene, 2010.

Written by Wolf

30. March 2012 at 12:01 am

Posted in Moses Wolf

Nasty black mark

leave a comment »

Update zu I have never read that:

Wenn Norbit, 2007 lustig sein soll, ist nicht mal mehr “Nigger” ein Schimpfwort. Sowas dürfen sich, Hollywood hin oder her, weltweit nur Neger ausdenken. Eddie Murphy hat das produziert (mit Geld!), das Drehbuch mitgeschrieben und drei Rollen übernommen. Die Oscar-Nominierung für die Maske war also durchaus berechtigt. Die drei Goldenen Himbeeren (nominiert für 8) auch. Ich werde keine Filmzitate anführen (na gut, überredet, ein gebremst alberiges), die Screenshots als Dokumentation einer Freundlichen Begegnung sind schon genug Zumutung.

Mr. Wong (eine von Eddie Murphys Masken) ist der Waisenhausvater des jungen Norbit (Khamani Griffin) und Moby-Dick-Fan. Zur pädagogischen Bildung und eigenen Kurzweil spielt er mit seinen Waisen gerne Walfang.

Mr. Wong [after harpooning Rasputia in the ass]: Bingo! Right in the blowhole! WHALE HO!

Rasputia: Did somebody just call me a whale?

Mr. Wong: Yeah! And a ho!

Norbit, 2007

Norbit, 2007

Norbit, 2007

Norbit, 2007

Norbit, 2007

Norbit, 2007

Norbit, 2007

Norbit, 2007

Norbit, 2007

Norbit, 2007

Norbit, 2007

Norbit, 2007

Norbit, 2007

Aber wir sind hier allesamt hard-boiled Internetnutzer und an Frank Schätzing gestählte Kulturbeutel. Wenn Sie da komplett durch müssen — stellen Sie einfach auf Vollbild. Und tun Sie es bald; ich glaub nicht, dass YouTube besonders lange einen vollständigen Film in anständiger (technischer) Qualität mitansehen kann:

Die Rechte an Bildern und Filmen dürfen liebend gern bei ihren Inhabern bleiben, ich beabsichtige mit Sicherheit keine Copyrightverletzung. Das Copyright daran, Norbit in Verbindung mit Qualität gebracht zu haben, schon.

Written by Wolf

1. March 2012 at 12:01 am

Posted in Moses Wolf

Rotzgrüne Perle der irischen See

leave a comment »

Update zu Call me Fishmael, Pretty Good Kunitzburger Eierkuchen
und Kein Wunsch, 125 zu werden: And Anxiety’s Plenty For Me:

— Gestatten der Herr mal die Rotzfahne, daß ich mein Messer abwischen kann.

Stephen litt es, daß er ihm das schmutzige zerknüllte Taschentuch herauszog und es hoch an einem Zipfel zur Schau hielt. Buck Mulligan wischte säuberlich das Messer ab. Dann betrachtete er das Taschentuch und sagte:

— Des Barden Rotzfahne. Eine neue Kunstfarbe für unsere irischen Poeten: Rotzgrün. Kann man fast schmecken, was?

Er stieg wieder auf die Brustwehr und blickte hinaus auf dei Bai von Dublin, sein helles eichenmattes Haar regte sich leicht.

— Mein Gott, sagte der still. Ist die See nicht genau was Algy sie nennt: eine graue liebe Mutter? Die rotzgrüne See. Die skrotumzusammenziehende See. Epi oinopa ponton. Ah, Dedalus, die Griechen! Ich muß dir Unterricht geben. Du mußt sie im Original lesen! Thalatta! Thalatta! Sie ist unsere große liebe Mutter. Komm her und sieh.

Stephen stand auf und ging hinüber an die Brustwehr. Sich darauf lehnend, blickte er hinab auf das Wasser und auf das Postboot, das sich eben aus deer Hafeneinfahrt von Kingstown löste.

— Unsere mächtige Mutter, sagte Buck Mulligan.

James Joyce: Ulysses, 1922,
Übersetzung von Hans Wollschläger, auch schon wieder 1975.

Erinnert sich jemand ans Jahr 1994? Da war Franz Kafka das siebzigste Jahr lang gestorben, worauf marktorientierte Buchverlage nur gelauert hatten, denn da wurde sein Copyright frei. Seitdem — nein, das ist noch nicht länger — gibt es von Kafka diese ganzen beliebig zusammengestoppelten und mit “Jeder ist ein Künstler”-Chuzpe “lektorierten” Kaufhausausgaben.

Das gleiche passiert jetzt mit James Joyce (* 2. Februar 1882 in Dublin; † 13. Januar 1941 in Zürich), dessen erlöschendes Copyright von seinem Enkel streng bewacht wurde. Da haben wir — einbezogen der verewigte Mr. Joyce — Glück, dass sich immerhin dtv der Dubliners annimmt (ab Mai 2012, übersetzt von Harald Raykowkski) und Manesse des A Portrait of the Artist as a Young Man, ebenfalls ab Mai 2012 — und von wem anders als unserem guten Friedhelm Rathjen übersetzt.

Das bedeutet auch: Ulysses darf zum Comic umgearbeitet — und veröffentlicht — werden. Ein grandioses Projekt in dieser Richtung, das ich schon längst freigegeben hätte, wenn ich der Enkel von James Joyce wäre, aber mich fragt ja wieder keiner, ein Projekt also, das nichts vom schuldigen Respekt gegenüber einem stil- und sinnstiftenden Buch für alle nachfolgenden Bücher vermissen lässt, ein Projekt, sage ich, das mir mit anderen Inkunablen der Weltliteratur so ähnlich auch schon beigefallen ist, das ich aber mit der sehr schnell eintretenden Idee “Phh, das kriegt kein Mensch hin, viel zu aufwendig” ruckzuck verworfen habe, ein dermaßen grandioses Projekt ist unserem verdienten Mitleser Klaus Jost aufgefallen: Ulysses “Seen”™. Adapted by Robert Berry from the novel by James Joyce.

Es ist groß. Groß wie das Buch, nach dem es gestaltet ist, das seinerseits groß werden musste, weil es ebenfalls nach einem Riesen gestaltet war. Es gibt aber einen Reader’s Guide, einen hilfreichen und — au weh, auch das noch — weiterführenden Weblog und wer ermisst, was noch alles, wozu ich noch nicht gekommen bin. Viel Zeit mitbringen.

Das macht man jetzt so, Comics aus Prosawerken zu bauen. Die so genannte Weltliteratur ist schon fast so vollständig durcherschlossen wie erstmals vor 150 Jahren vom illustratorischen Ehrgeiz von Gustave Doré, und neue Romane berücksichtigen vor der Brauchbarkeit als Filmstoff zuerst die Tauglichkeit als Comic. Da freut sich der Filmproduzent gleich mit, weil ein Comic als einwandfrei schnuffiges Storyboard zu gebrauchen ist. Ja viel besser noch: eins, das man schon verkaufen konnte.

Das sagt sich so kulturpessimistisch dahin, aber wieso soll das eigentlich ein Nachteil sein? Das Video zur Befreiung des Copyrights von James Joyce — eine Feierlichkeit, zu der es Kafka anno 1994 noch nicht gebracht hat — äußert sich jedenfalls sehr optimistisch. Mit dem Ulysses ist es im Lauf der zeit eigentlich nur bergauf gegangen: Über die erste deutsche Übersetzung von Georg Goyert meinte Kurt Tucholsky 1927 noch: “Hier ist entweder ein Mord geschehen oder eine Leiche fotografiert.“, die zweite von Hans Wollschläger 1975 war ein Meilenstein. Und der Comic sieht verdammt state of the art aus.

Heißt das, Ulysses wird endlich anständig verfilmt? — Bitte nicht, ich will keinen Showdown, in dem Molly Bloom eine Dreiviertelstunde allein im Bett liegt und sich warme Gedanken macht.

Ulysses Seen, Telemachus 0010, Cf. 1922: 5:2-15; Gabler 1.67-80

Yes.

Video: M. Barsant: Happy Public Domain Day, Joyceans!, 1. Januar 2012.

Written by Wolf

2. February 2012 at 10:56 am

Posted in Moses Wolf

Snøfnugg og spor i snøen

leave a comment »

Update zu Das ganze verkehrte Wesen (Frisches Basilikum
und Weil er da ist: Madness Affecting One Train of Thought:

Es bleibt eine der spannendsten Abenteuerpistolen: das Wettrennen zwischen Scott und Amundsen um den Südpol. Einer Guter gegen einen Bösen, tarantinischerweise gewinnt der Böse, der sich doch mit der Nordwestpassage hätte zufrieden geben können, und zur heiligen Adventszeit war’s auch noch — als V-Effekt, weil da am Südpol Tag ist.

Was Roald Amundsen für einen begabten Captain Ahab abgegeben hätte, lernen wir heute zur hundertjährigen Südpoleroberung im Kalenderblatt des Deutschlandradios:

Nach außen tat Amundsen weiter so, als hielte er an der Expedition in den Norden fest. Erst als er sich mit der Fram schon auf hoher See befand, offenbarte er der Mannschaft seinen wahren Plan. Im Januar 1911 erreichten sie das Schelfeis an der Antarktis.

Was Starbuck dazu gesagt hätte? — :

“Ich hab Mumm genug für seinen schiefen Rachen, und für den Rachen des Todes auch, Kapitän Ahab, wenn es sich bei dem Gewerbe, das wir betreiben, nun mal so ergibt; aber ich kam, um Walen hinterherzujagen, nicht der Rachsucht meines Kommandanten. Wieviel Faß wird deine Rache dir eintragen, selbst wenn du sie kriegst, Kapitän Ahab? sie wird dir auf unserm Nantucketer Markt nicht viel Bares bringen.”

Kapitel XXXVI, diesmal nach Rathjen.

Immer diese kaufmännischen Kleingeister. Selbst die Wölfin meint: “Ach Gott, hundert Jahre. Da waren die Pinguine schon viel eher dort. Die sind uns eh alle über.”

Wo sie Recht hat…

Originalt Amundsen-foto fra Sydpolen funnet i Australia, Aftenposten Norge, 8. Oktober 2009

Fachliteratur: Roald Amundsen: Die Eroberung des Südpols: 1910-1912, Edition Erdmann (das sind die antik designten, immer einen Tick zu teuren, aber die sind alle klasse und jeden Cent wert), Neuauflage Juni 2011.

Neu entdecktes altes Bild: Originalt Amundsen-foto fra Sydpolen funnet i Australia,
Aftenposten Norge, 8. Oktober 2009:

Dette er det hittil eneste kjente originalbildet fra Roald Amundsens ekspedisjon til Sydpolen i 1911. Se forskjellen på originalbildet og kopien lenger nede i saken. Amundsen er kraftigere på dette bildet. I tillegg vaier flagget og vimpelen annerledes, og man kan på dette bildet tydelig se snøfnugg og spor i snøen.

Ja, auch alles richtig.

Written by Wolf

14. December 2011 at 7:53 am

Posted in Moses Wolf

Nun, o Unsterblichkeit

leave a comment »

Update zu Den stärksten Trieb zum Wasser:

Heute: 200. Todestag von Adolphine Sophie Henriette Vogel (* 9. Mai 1780; † 21. November 1811).

Heinrich von Kleist und die Frauen by JudithMein Heinrich,

mein Süßtönender, mein Hyazinthenbeet, mein Wonnemeer, mein Morgen- und Abendrot, meine Äolsharfe, mein Tau, mein Friedensbogen, mein Schoßkindchen, mein liebstes Herz, meine Freude im Leid, meine Wiedergeburt, meine Freiheit, meine Fessel, mein Sabbath, mein Goldkelch, meine Luft, meine Wärme, mein Gedanke, mein teurer Sünder, mein Gewünschtes hier und jenseits, mein Augentrost, meine süßeste Sorge, meine schönste Jugend*, mein Stolz, mein Beschützer, mein Gewissen, mein Wald, meine Herrlichkeit, mein Schwert und Helm, meine Großmut, meine rechte Hand, mein Paradies, meine Träne, meine Himmelsleiter, mein Johannes, mein Tasso, mein Ritter, mein Graf Wetter, mein zarter Page, mein Erzdichter, mein Kristall, mein Lebensquell, meine Rast, meine Trauerweide, mein Herr, Schutz und Schirm, mein Hoffen und Harren, meine Träume, mein liebstes Sternbild, mein Schmeichelkätzchen, meine sichre Burg, mein Glück, mein Tod, mein Herzensnärrchen, meine Einsamkeit, mein Schiff, mein schönes Tal, meine Belohnung, mein Wert(h)ester!**, meine Lethe, meine Wiege, mein Weihrauch und Myrrhen, meine Stimme, mein Richter, mein Heiliger, mein lieblicher Träumer, meine Sehnsucht, meine Seele, meine Nerven, mein goldener Spiegel, mein Rubin, meine Syringsflöte, meine Dornenkrone, meine tausend Wunderwerke, mein Lehrer und mein Schüler, wie über alles Gedachte und zu Erdenkende lieb ich Dich.

Meine Seele sollst Du haben.

Henriette

Mein Schatten am Mittag, mein Quell in der Wüste, meine geliebte Mutter, meine Religion, meine innere Musik, mein armer kranker Heinrich, mein zartes Lämmchen, meine Himmelspforte. H.

Henriette Vogel an Heinrich von Kleist, 9. (!) November 1811.

Fachliteratur:

Fürs Frauenbild danke an Tatjana “Judith” Traurig! Sterbebild: Jochen Jansen, 5. August 2009.

Written by Wolf

21. November 2011 at 12:12 am

Posted in Moses Wolf