Moby-Dick™

Leben mit Herman Melville

Archive for December 2009

Fruit and Flower Painter

with one comment

Update for Immolated and Herba Santa:

I den in a garret
     As void as a drum;
In lieu of plum-pudding—
     I paint the plum!

               No use in one’s grieving,
                    The shops you must suit:
               Broken hearts are but potsherds—
                    Paint flowers and fruit!

How whistles my garret,
     A seine for the snows:
I hum O furtuna,
     And—paint the rose!

               December is howling,
                    But feign it a flute:
               Help on the deceiving—
                    Paint flowers and fruit!

 

William Adolphe Bouguereu, Une vocation, 1896Poems by Herman Melville. In 1860 Melville assembled a volume entitled Poems by Herman Melville, which failed to secure a publisher. No table of contents for this project survives, but several of the 1860 poems most certainly appear later in Timoleon and the unpublished Weeds and Wildings. At his death, Melville left twenty-five or so “miscellaneous” poems that do not fall into any project category. Among these are several neatly transcribed, fair-copy poems on high-quality yellow paper. According to Ryan, these works, here indentified as “yellow-paper poems,” predate Melville’s other manuscripts, which are inscribed on less refined paper. Although we cannot date the yellow-paper poems more specifically, they may have originally been included among the Poems of 1860. […]

Fruit and Flower Painter. Originally composed in the first person, the monologue concerns an artist (presumably male) who resorts to commercial painting to make a living and forget his “broken heart.” In revision, Melville shifts from first- to third-person female point of view, thus making the deceived artist a woman. Melville was not happy with his original title and considered four others including “Ashes of Roses.” The image, from Shakespeare’s Romeo and Juliet: “The roses in thy lips and cheeks shall fade to paly ashes” (IV.i.99), recurs in “The Swamp Angel“.

John Bryant: Tales, Poems, and Other Writings, Modern Library Classics 2002.

This is the first publication of both versions on the internet.

 

Fruit and Flower Painter

She dens in a garret
     As void as a drum;
In lieu of plum-pudding—
     She paints the plum!

               No use in my grieving,
                    The shops I must suit:
               Broken hearts are but potsherds—
                    Paint flowers and fruit!

How whistles her garret,
     A seine for the snows:
She hums Si fortuna,
     And—paints the rose!

               December is howling,
                    But feign it a flute:
               Help on the deceiving—
                    Paint flowers and fruit!

Image: William Adolphe Bouguereau: Une vocation, 1896.

Written by Wolf

31. December 2009 at 4:34 am

Posted in Laderaum

No one to please or disappoint but myself

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Update zu Kapitel 44 oder 78774-mal E:

Page 0402009 sind wir mit der Hauptaufgabe in Moby-Dick™: die Kapitel durchzuhecheln, knapp zwei Kapitel vorangekommen. Es gibt Dinge, die ein DSL-Anschluss nicht beschleunigen kann.

Cohu hat’s im MetaFilter gefunden: Verheerend optimistisch äußert sich im Vergleich zu uns Matt Kish, der sich vorgenommen hat, nicht alle Kapitel, sondern alle Buchseiten seines Moby-Dick auszugestalten. Das Projekt heißt One Drawing for Every Page of Moby-Dick:

About this Moby-Dick project: […] Impulsively, I grabbed the first paperback edition of Moby-Dick I could find, which turned out to be the Signet Classic edition from 1992 with 552 pages. Looking back, maybe I should have thought things through a bit more since I’ve seen quite a few editions with around 400 pages, which would have saved me an awful lot of time. But that’s the way things turned out and that’s the edition I am sticking with even though it will take me at least a year and half of constant and daily work to complete. Probably more. I seem to be able to average about 20 to 25 pieces per month. Sometimes more, sometimes less.

Über ein Jahr will der Gute brauchen? Über solche Dimensionen der Zeitplanung lächelt unsereins ja nur milde, aber macht nichts, er ist ja noch jung (Jahrgang 1969). Außerdem hat er weder eine Künstlerausbildung noch eine Ausstellung — einfach nur angefangen.

Seine veranschlagten 20 bis 25 Kunstwerke pro Monat hält er bis jetzt ganz tapfer durch und dokumentiert sie, wie sich das gehört, in seinem gleichnamigen Weblog. Wenn alles gut geht (“And I have a full time job too. And a wife. And a life”), ist er im März 2011 mit Seite 552 fertig.

Kish arbeitet nicht, wie es nahe liegt, auf den Seiten eines einzelnen Buches, sondern auf papierenen Überresten, die er pauschal und darum knapp an der Wirklichkeit vorbeigeschrammt found paper nennt, aus einem Antiquariat, in dem er als Schüler gejobbt hat — abgelegte Landkarten, Diagramme, wissenschaftliche Veröffentlichungen, Reparaturführer — aus dem unverkäuflichen Bodensatz von Bücherkisten, die vor über zwanzig Jahren schon zum zweiten Mal weggeschmissen wurden. So entsteht nicht ein Unikat, das im Lauf täglicher Maltraktion immer bunter, zerfledderter und — vielleicht — wertvoller wird, sondern viele, stark unterschiedliche Blätter, die aus ihrem Material erwachsen. Diese Kunst hat auch etwas Naturwüchsiges.

Die seitenweise Einteilung bedeutet auch, dass Kish sich pro Kapitel mehrmals inspirieren lassen muss. Jedes Blatt heißt nach einer Textstelle, die einen Satz oder länger dauert. So viel Impact gibt Moby-Dick also allemal her.

Das passiert nach dem Vorbild von Zak Smith, den man als wenig jugendfreien Multitechniker kennt:

So I illustrated Gravity’s Rainbow — nobody asked me to, but I did it anyway.

Leben mit Herman Melville und Thomas Pynchon, täglich gestaltend und mit einer Verbissenheit, die nicht nach Sinn und Entlohnung fragt. Das ist ein Geist, der mir doch sehr imponiert.

Weitermachen — das sag ich vor allem auch zu uns selber. Guten Rutsch.

Danke an Matt, Zak — und Cohu!

Page 086

Bilder: Matt Kish:

Page 040: “Yet what depths of the soul does Jonah’s deep sea-line sound!” [From Chapter IX: The Sermon.]

8.5″ by 11″
acrylic paint, collage and marker on found paper
September 15, 2009;

Page 086: “Cap’ain, you see him small drop tar on water dere? You see him? well, spose him one whale eye, well, den!” and taking sharp aim at it, he darted the iron right over old Bildad’s broad brim, clean across the ship’s decks, and struck the glistening tar spot out of sight. [From Chapter XVIII: His Mark.]

10.5″ by 8.25″
ink and marker on found paper
November 27, 2009.

Written by Wolf

30. December 2009 at 4:23 am

Posted in Moses Wolf

Moby-Dick und das Radio: Zu wüten gegen ein stummes Ding

with 3 comments

Mehr als ein Dutzend Hörstücke, die auf Melvilles Roman beruhen, wurden auch vom deutschsprachigen Radio produziert: von Ernst Schnabels dreiteiliger Fassung aus dem Jahr 1948 bis zum destillierten Klassiker im Fünf-Minuten-Format aus den 1990ern.”

weiß Julian Doepp; wir arbeiten daran, alle davon für die Bücherliste nebenan zu verifizieren.

Die neueste deutsche Hörspielfassung stammt von Dr. Klaus Buhlert (Bearbeitung, Komposition und Regie) und basiert auf der Übersetzung vopn Matthias Jendis. Das wirklich Neue an ihr ist, dass er nicht die Stellen herausholt, in denen viel Sturmgebraus und “Da bläst er!”-Schreie vorkommen, sondern die Möglichkeiten der Übersetzung nutzt, um die stilistischen Kapriolen, die Vielschichtigkeit und die viktorianische Gesellschaftskritik, deren Aktualität sich begründen lässt, ins Radio holt. Der Bayerische Rundfunk bringt auf Bayern 2 zwischen 27. Dezember 2009 und 5 Januar 2010 alle zehn Teile à 53 Minuten. Das mitzuverfolgen ist ein Stück Leben mit Melville; falls weder das Christkind noch die Stadtrbücherei das Hörbuch hergeben (vor der 2009er Komprimierung sollte man eher vorsichtig sein), haben Sie doch jetzt sicher auch Urlaub.

Der Bayerische Rundfunk über seine Produktion:

Bayern 2 bietet Live-Stream an, ist also überall empfangbar.

Danke an unseren Leser Mario Sacco für die Aufmerksamkeit!

Cover Herman Melville, Moby-Dick, Abenteuerhörspiel Der Hörverlag 2002

Bild: Amazon.de, Der Hörverlag München.

Written by Wolf

26. December 2009 at 12:23 pm

Posted in Moses Wolf

Was geschah mit Wolfs Schädel?

with 2 comments

Update zu Jahresendmeeressäugetiereschwanzflossenfigur:

Die Osterkerzen mussten weg, dafür war die phallische schon so weit runter, aber die Bücher im Hintergrund sind das ganze Jahr lang gut.

3 Kerzen Christmas Desk

Fröhliche Restweihnachten für alle!

Bild: selber gemacht; Weihnachtskarte: Hannah.

Written by Wolf

25. December 2009 at 11:03 am

Posted in Wolfs Koje

Verpasste Gelegenheiten 2009:

with 2 comments

Update zu Bleeding Life:

  • 30 Jahre The Wall (30. November);
  • 60 Jahre Tom Waits (7. Dezember);
  • Klimakonferenz” (Dezember),
  • Google Video lässt sich nichts mehr hochladen (März);
  • und die Vollversion It’s A Wonderful Life ist raus aus Google Video (Dezember).

Die gute Nachricht: Essen ist fertig. Ergänzungen?

Verpasste Gelegenheiten via Kim Shattuck

Bild: via Kim Shattuck;
Film: Mickey’s Christmas Carol, 1983 (die zweite Wahl nach dem Capra).

Written by Wolf

24. December 2009 at 3:56 pm

Posted in Meeresgrund

Playlist Unheilige Nacht

with 7 comments

Update zu Die Weihnachtsfeier des Seemanns Kuttel Daddeldu:

“Knecht Ruprecht schwang seine Rute und sprach:

Heißt es bei euch denn nicht mitunter:
Nieder den Kopf und die Hosen herunter?”

Theodor Storm: Unter dem Tannenbaum, 1863.

Die Auswahl muss leider subjektiv bleiben. Es fällt jedoch auf, dass vor allem aus der Weimarer Zeit besonders viele, gute und böse Gedichte überliefert sind, welche sich gegen die bürgerliche Tradition weihnachtlichen Feierns richten, die als überholt, verlogen und der politischen Situation unangemessen empfunden wurde.

Nicht aufgenommen wurden die seit einigen Jahren verbreiteten deutsch-englisch-makkaronischen “Christmaslieder” (etwa “When the last Kalender sheets/flattern through the winter streets/and December wind is blowing/then is everybody knowing/that it is not allzuweit,/she does come, the Weihnachtszeit” pp.), weil offenbar jede Veröffentlichung eigene Veränderungen nach eigenem Richtigdünken anbringt und deshalb keine feststehende Version davon zu ermitteln war. Hier ist offenbar mit Hilfe des Internets ein Volksgut im Entstehen, was ich für ein großartiges Ereignis halte. Schauen wir in zehn Jahren nochmal.

Für Deutschland gesperrt, jedenfalls nirgendwoher einzubetten sind Sarah Silverman: Give the Jew Girls Toys, 2005, und eine anständige Aufnahme von 7 O’Clock News/Silent Night von Simon & Garfunkel 1966 — das Stille Nacht mit den Radionachrichten im Hintergrund, was dermaßen anrührend ist, dass man es zu den Russen auslagern musste: RuTube.

Meine noch zugänglichen Lieblinge sind die Pogues und der Ringelnatz. Sie dürfen gerne Themenverwandtes in Wort, Bild und Ton beisteuern; gerade anglophone und maritim besetzte Beiträge finde unterbesetzt! Mit dem, was Google und Forestle auf “Seemannsweihnacht” finden, hat man keine Freude. Und wenn Sie Verbesserungen und fehlende Veröffentlichungsdaten wissen?

Alphabetisch nach Autoren:

 

Arnfrid Astel: Stille Nacht (1972)

Eine trockene Angelegenheit
dieses Weihnachtsfest.
Krümel vom Christstollen,
Tannennadeln auf dem Teppich.
Aus Langeweile singen wir falsch,
vögeln aus Verzweiflung.
Wir besaufen uns. Es ist zum Heulen.

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Paul Auster, untermalt von Tom Waits:
Auggie Wren’s Christmas Story, in: Smoke, 1995.

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F.W. Bernstein: Weihnachten in der Schule (1994)

Hör mal zu!
Auch du!
Wenn das Jahr zu Ende geht
wird es abends früher spät
alle tragen feste Schuhe
Ruhe!
Weißer Schnee füllt bald die Straßen
Markt und alles ist verlassen
will
Karlchen, sei doch still!
Willig kommt der Weihnachtsmann
hat ein rotes Röckchen an
hell wird jedes Licht
Peter, red jetzt nicht!
Und ein großer Kerzenschein
wollt ihr endlich ruhig sein!
Hüpfet über Stock und Stein —
Karlchen, dich sperr ich jetzt ein!
Und zu unsern Lieben
kommt aus Heu und Stroh
Ruhe endlich! Wo
bin ich steh’n geblieben?

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Biermösl Blosn mit Die Toten Hosen (Campino, der Wahre Heino, Lazy Lemmy): Still, still, still.
Die Studioaufnahme 1998 wurde einst zu einem Funny Forward mit einer schlichten, aber wirkungsvollen 3D-Animation erweitert,
die inzwischen weitgehend aus den Speicherplätzen verschwunden ist.

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Tarquin Britten: Credit Crunch Christmas, 2008.

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Get Well Soon: Christmas in Adventure Parks, 2008.

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Get Well Soon: Listen! Those Lost at Sea Sing a Song on Christmas Day, 2008.

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Heinrich Heine: Altes Kaminstück (1824)

Draußen ziehen weiße Flocken
Durch die Nacht, der Sturm ist laut;
Hier im Stübchen ist es trocken,
Warm und einsam, stillvertraut.

Sinnend sitz ich auf dem Sessel,
An dem knisternden Kamin,
Kochend summt der Wasserkessel
Längst verklungne Melodien.

Und ein Kätzchen sitzt daneben,
Wärmt die Pfötchen an der Glut;
Und die Flammen schweben, weben,
Wundersam wird mir zu Mut.

Dämmernd kommt heraufgestiegen
Manche längst vergeßne Zeit,
Wie mit bunten Maskenzügen
Und verblichner Herrlichkeit.

Schöne Fraun, mit kluger Miene,
Winken süßgeheimnisvoll,
Und dazwischen Harlekine
Springen, lachen, lustigtoll.

Ferne grüßen Marmorgötter,
Traumhaft neben ihnen stehn
Märchenblumen, deren Blätter
In dem Mondenlichte wehn.

Wackelnd kommt herbeigeschwommen
Manches alte Zauberschloß;
Hintendrein geritten kommen
Blanke Ritter, Knappentroß.

Und das alles zieht vorüber,
Schattenhastig übereilt —
Ach! da kocht der Kessel über,
Und das nasse Kätzchen heult.

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Agnes Hüfner: Weihnachten zu Hause

Ihr Kinderlein kommet, o kommet doch all,
zur Krippe her kommet, in Bethlehems Stall/Pst!
Und seht, was in dieser hochheiligen Nach/Ruhe!
Könnt ihr nicht mitsingen/Der Vater im Himmel/
Na wird’s bald/für Freude euch macht.

O seht in der Krippe/leg die Puppe jetzt endlich weg/
im nächtlichen Stall/Hände auf den Tisch/
seht hier/Kopf hoch/bei des Lichtleins hellglänzendem/
zieh nicht son Gesicht/Strahl/
In reinlichen Windeln/du wäschst dir aber gleich mal die Hände/
das himmlische Kind/Schmutzfink/
viel schöner/abscheulich/und holder/und die Fingernägel/
als Englein/pfui Teufel/es sind.

Da liegt es/lümmel dich nicht so rum/ihr Kinder, auf Heu/
das gute Sofa/und auf Stroh/war teuer genug/
Maria/ich muss das schließlich wieder sauber machen/und Josef/
du könntest deinen Kindern auch mal was sagen/betrachten
es froh/immer hab ich den Ärger/Die redlichen Hirten/
ich geb mir doch bei Gott genug Mühe/ knien betend/
auf den Knien/davor/für euch/hoch oben/
aber ihr/schwebt jubelnd/rotzfrech/der Engelein/Flegel/Chor.

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Erich Kästner: Weihnachtslied, chemisch gereinigt (1928)
(Nach der Melodie: «Morgen, Kinder, wird’s was geben!»)

Morgen, Kinder, wird’s nichts geben!
Nur wer hat, kriegt noch geschenkt.
Mutter schenkte euch das Leben.
Das genügt, wenn man’s bedenkt.
Einmal kommt auch eure Zeit.
Morgen ist’s noch nicht soweit.

Doch ihr dürft nicht traurig werden.
Reiche haben Armut gern.
Gänsebraten macht Beschwerden.
Puppen sind nicht mehr modern.
Morgen kommt der Weihnachtsmann.
Allerdings nur nebenan.

Lauft ein bißchen durch die Straßen!
Dort gibt’s Weihnachtsfest genug.
Christentum, vom Turm geblasen,
macht die kleinsten Kinder klug.
Kopf gut schütteln vor Gebrauch!
Ohne Christbaum geht es auch.

Tannengrün mit Osrambirnen —
lernt drauf pfeifen! Werdet stolz!
Reißt die Bretter von den Stirnen,
denn im Ofen fehlt’s an Holz!
Stille Nacht und heil’ge Nacht —
weint, wenn’s geht, nicht! Sondern lacht!

Morgen, Kinder, wird’s nichts geben!
Wer nichts kriegt, der kriegt Geduld!
Morgen, Kinder, lernt fürs Leben!
Gott ist nicht allein dran schuld.
Gottes Güte reicht so weit…
Ach, du liebe Weihnachtszeit!

Anmerkung: Dieses Lied wurde vom Reichsschulrat für das Deutsche Einheitslesebuch angekauft.

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Klabund: Bürgerliches Weihnachtsidyll. (1927)

Was bringt der Weihnachtsmann Emilien?
Ein Strauß von Rosmarin und Lilien.
Sie geht so fleißig auf den Strich.
O Tochter Zions, freue dich!

Doch sieh, was wird sie bleich wie Flieder?
Vom Himmel hoch, da komm ich nieder.
Die Mutter wandelt wie im Traum.
O Tannenbaum! O Tannenbaum!

O Kind, was hast du da gemacht?
Stille Nacht, heilige Nacht.
Leis hat sie ihr ins Ohr gesungen:
Mama, es ist ein Reis entsprungen!
Papa haut ihr die Fresse breit.
O du selige Weihnachtszeit!

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Loriot: Advent. Erstsendung in Cartoon 11, 7. Dezember 1969.

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Gerhard Polt mit Gisela Schneeberger: Abfent, Abfent…!, 2001 (Audio).

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The Pogues featuring Kirsty McColl: A Fairytale of New York, aus: If I Should Fall From Grace With God, 1987. Besonders empfohlen wird die Demo-Version im Duett mit Ur-Pogue Cait O’Riordan, erhältlich auf Just Look Them Straight in the Eye!

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Joachim Ringelnatz: Einsiedlers heiliger Abend (1933)

Ich hab’ in den Weihnachtstagen –
Ich weiß auch, warum –
Mir selbst einen Christbaum geschlagen,
Der ist ganz verkrüppelt und krumm.

Ich bohrte ein Loch in die Diele
Und steckte ihn da hinein
Und stellte rings um ihn viele
Flaschen Burgunderwein.

Und zierte, um Baumschmuck und Lichter
Zu sparen, ihn abends noch spät
Mit Löffeln, Gabeln und Trichter
Und anderem blanken Gerät.

Ich kochte zur heiligen Stunde
Mir Erbsensuppe mit Speck
Und gab meinem fröhlichen Hunde
Gulasch und litt seinen Dreck.

Und sang aus burgundernder Kehle
Das Pfannenflickerlied.
Und pries mit bewundernder Seele
Alles das, was ich mied.

Es glimmte petroleumbetrunken
Später der Lampendocht.
Ich saß in Gedanken versunken.
Da hat’s an der Türe gepocht,

Und pochte wieder und wieder.
Es konnte das Christkind sein.
Und klang’s nicht wie Weihnachtslieder?
Ich aber rief nicht: „Herein!”

Ich zog mich aus und ging leise
Zu Bett, ohne Angst, ohne Spott,
Und dankte auf krumme Weise
Lallend dem lieben Gott.

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Dieter Süverkrüp: Stille Nacht, heilige Nacht (1972)

Stille Nacht, heilige Nacht!
Weihnachtsgeld wird gebracht
durch Herrn Ruprecht vom Lo-hohnbüro.
Schweigend geht die Belegschaft aufs Klo,
zählend, wie viele Krümel
gnädig vom Herrntisch gefalln.

Stille Nacht, heilige Nacht!
Falscher Trost. Oh, wie lacht
der Direktor mit randvollem Mund,
singt uns gnädig zu göttlicher Stund:
»Arbeitsfriede auf Erden!«
Wir fallen mal wieder drauf rein.

Billige Nacht, eilige Nacht!
Ratenkauf, leichtgemacht
durch der Engel Alleluja.
Die gehören zum Werbe-Etat.
Denn der Vater im Himmel
ist Präsident vom Konzern.

Stille Nacht, heilige Nacht!
Lichterbaum angemacht.
Und ein liebliches Liedlein gesingt!
Und ein Eierlikörchen getrinkt!
Und die Kinder geprügelt,
bis sie hübsch andächtig sind.

Gute Nacht, peinliche Nacht!
Fernsehspiel ausgemacht.
Und im Magen ein flaues Gefühl,
weil die Liebe nicht hochkommen will.
Noch zwei Nächte zum Schlafen.
Dann wieder rinn in’ Betrieb!

Stille Nacht, heilige Nacht!
Weihnachtsfest rumgebracht.
Großes Gähnen im Portemonnaie.
Überstunden tun immer noch weh.
Falscher Frieden auf Erden
feierten wir mit den Herrn.

Wilde Nacht, streikende Nacht!
Eines Tages, nicht ganz sacht,
pfeifen wir auf die Gnade des Herrn,
übernehmen mal wir den Konzern
und die Führung im Staate.
Das wird ein Weihnachtsfest wer’n!!!

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Kurt Tucholsky: Weihnachten (1918)

So steh ich nun vor deutschen Trümmern
und sing mir still mein Weihnachtslied.
Ich brauch mich nicht mehr drum zu kümmern,
was weit in aller Welt geschieht.
Die ist den andern. Uns die Klage.
Ich summe leis, ich merk es kaum,
die Weise meiner Jugendtage:
          O Tannebaum!

Wenn ich so der Knecht Ruprecht wäre
und käm in dies Brimborium
— bei Deutschen fruchtet keine Lehre –
weiß Gott! ich kehrte wieder um.
Das letzte Brotkorn geht zur Neige.
Die Gasse grölt. Sie schlagen Schaum.
Ich hing sie gern in deine Zweige,
          O Tannebaum!

Ich starre in die Knisterkerzen:
Wer ist an all dem Jammer schuld?
Wer warf uns so in Blut und Schmerzen?
uns Deutsche mit der Lammsgeduld?
Noch leben die Kanonenbrüder.
Ich träume meinen alten Traum:
Schlag, Volk, die Kriegsbrandstifter nieder!
Glaub diesen Burschen niemals wieder!
Dann sing du frei die Weihnachtslieder:
          O Tannebaum! O Tannebaum!
          Und alle Jahre wieder.

1918 vertont von Hanns Eisler; 1952 Bearbeitung von Ernst Busch: Deutsche Weihnacht.

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(Volksgut, ca. 1980)

Denkt euch, ich habe das Christkind gesehn!
Es kam aus der Kneipe und konnte kaum stehn.
Auf Geschenke braucht ihr nicht zu hoffen:
Es hatte das ganze Geld versoffen.

Es wankte hin zum Tannenwald,
es hatte den Arsch voll Hannen Alt.
Gestern hab ich es wieder getroffen —
Denkt nur, da war es schon wieder besoffen!

Ich blieb gleich stehen und sprach es an:
“Sag, Christkind, wo ist der Weihnachtsmann?”
Da sprach es: “Auf den brauchst du nicht zu hoffen,
der liegt im Wald und ist besoffen.

Gemeinsam gingen wir zum Weihnachtsmann.
Mit glasigen Augen sah er uns an.
Er lallte: “Guten Tag, lieber Bruder, guten Tag, liebe Schwester,
leckt mich am Arsch, bald ist Silvester!”

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(Volksgut, ca. 1980)

Ich ging im Walde für mich hin,
recht weihnachtlich stand mir der Sinn.
Da sah ich ein frierend Mägdelein,
das wollt’ so gern gewärmet sein.

Ich nahm es mit zu mir nach Haus
und zog ihr die nassen Kleider aus,
und weil ich wusste, was sie denkt,
da hab ich sie auch reich beschenkt.

Da sah sie mich ganz böse an
und sprach: “Du bist kein Weihnachtsmann!”
Da sprach ich: “Meine Gute,
siehst du nicht Sack und Rute?”

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Tom Waits: Christmas Card From a Hooker in Minneapolis, 1978.

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The Who: Christmas (1969), in: Tommy (1975).

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Urs Widmer: Im heilig Stall

Es sprach der Ochs zum Es:
wie lieb er trinkt, der Jes.
Auch wir woll bisschen prostern
so bis so gegen Ostern.

Die Tier im heilig Stall
griff froh zur Flasche all.
Wed Es noch Ochs warn schüchtern.
Mar, Jes und Jos blieb nüchtern.

Jes schlief, Mar träumt, doch Jos
schaut auf sein Frau ziem bos.
Der Es sagt: Jos, übs Jahr
hast du vergess wies war.
Dann weihnacht es schon wieder
und du sing Weihnachtslieder.

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Paul Young: Love of the Common People, 1983.

Holzkrippe Oliver Fabel

Krippenspiel: Oliver Fabel, 2009; anständige Auflösung bei Media-Digest, 2. Oktober 2009.

Written by Wolf

22. December 2009 at 1:37 am

Posted in Laderaum

It may be your last (or it might have been Brooklyn)

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Update for Happy Christmas your arse, I pray God it’s our last
and But someone stole my record player:

Original Judy Garland

Have yourself a merry little Christmas,
it may be your last;
Next year we may all be living in the past.

Have yourself a merry little Christmas,
pop that champagne cork;
Next year we may all be living in New York.

No good times like the olden days,
happy golden days of yore,
faithful friends who were dear to us
Will be near to us no more.

But at least we all will be together,
if the Lord allows.
From now on, we’ll have to muddle through somehow,
so have yourself a merry little Christmas now.

Have yourself a merry little Christmas,
let your heart be light;
Next year all our troubles will be out of sight.

Have yourself a merry little Christmas,
make the yuletide gay;
Next year all our troubles will be miles away.

Once again as in olden days,
happy golden days of yore,
faithful friends who were dear to us
will be near to us once more.

Someday soon we all will be together,
if the fates allow.
Until then, we’ll have to muddle through somehow,
so have yourself a merry little Christmas now.

 

Poster Meet Me in St. Louis, 1944For Christmas 2007, songwriter Hugh Martin (aged 92 at the time) added one own updated version to the countless existing. Forget the Sinatra croon, Twisted Sister were doing fine.

Compelling what a deep-depressing threat there was in the original 1943 version that took MGM to have the lyrics mitigated — to live away from Louisiana Purchase Exposition in New York next year. Hey, it could be to Brooklyn seaside.

Movie clip and image: Meet Me in St. Louis, Metro-Goldwyn-Mayer 1944.

Crucial link: Chris Willman: There’s Something About Merry in: Entertainment Weekly, January 8, 2007.

Written by Wolf

20. December 2009 at 11:58 am

Posted in Rabe Wolf