Moby-Dick™

Leben mit Herman Melville

Archive for September 2007

Jetzt überrasche ich Sie

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Update (kein Überschreiben mehr möglich)
zu Überraschen Sie mich!:

Waschkörbeweise haben uns die Beiträge zum Gewinnspiel Überraschen Sie mich! vom letzten Dienstag die Kommentarfunktion eingebrandet. Sagt ja keiner, dass Waschkörbe immer voll sein müssen und dass es auf die Größe… nein falsch: die Menge ankommt.

Das Entscheidungsgremium ist zu seinem Ergebnis gelangt und benennt unter den beiden Bewerbern — viel besser noch: Bewerberinnen! — zwei Siegerinnen. Wenn ich Herrn Kapellmeister mal um einen gedämpften Trommelwirbel bitten dürfte.

Gewonnen haben (in zeitlicher Reihenfolge des Eingangs):

Frau Wortteufel mit ihrer Bildunterschrift:

Sperm Whale Plate XXIX Cetacea, Henry J. Johnson 1880
Der nächste, der mir was von Sushi und Stäbchen erzählt, den lass ich kielholen. Arrgh.

Und:

Frau Hochhaushex mit gleich drei Beiträgen:

Sperm Whale Plate XXIX Cetacea, Henry J. Johnson 1880
Wal: “Pfffföh, is das nu der scheiß Klimawandel oder brauch ich doch ‘n Navi? Ich hätte schwören können, dass ich letzte Woche noch hier durchgeschwommen bin.”

Sperm Whale Plate XXIX Cetacea, Henry J. Johnson 1880
Darwin (rechts): “Hmmm… war das nicht andersrum mit der Evolution der Wale, sind die nich vom Land ins Wasser…? Bloß gut, dass mir das keiner mehr anhängen kann.”

Sperm Whale Plate XXIX Cetacea, Henry J. Johnson 1880
Ahab (links): “Damn! Neenee Freundchen, sooo haben wir nicht gewettet. Es war ausgemacht, dass ich den Wal sterbe — zumindest hatte ich den Job. Frag Herman!”
Moby: “Ej, mach mich nich von der Seite an, Großmaul ej! Los ej, gehn wir… äh, schwimmen wir raus, ej!”

Frau Wortteufel gewinnt, weil sie es ihrem Reden nach darauf angelegt hat und das Gremium da mal nicht so sein will, das einwandfrei erhaltene Exemplar Max Reinowski: Wal, Wal! Käppen Bornholdts glücklichste Reise ins Eismeer. Mit Zeichnungen des Verfassers. Hörnemann Verlag, Bonn-Röttgen 1973. Moby-Dick 2.0 und alle angeschlossenen Weblogs wünschen ihr so viel Spaß wie möglich damit, würg.

Frau Hochhaushex gewinnt, weil Buchpreise maritimer Thematik versprochen waren, die mare-Ausgaben Nummer 51, 52 und 58, das sind:

  1. Fischen von August/September 2005,
  2. Kapstadt von Oktober/November 2005 und
  3. Japan von Oktober/November 2006.

Drei Beiträge, drei Preise. Mehr hätte das Gremium sowieso nicht dagehabt. Und die hat es auch nur, weil es vor einem Jahr auf seinen eigenen Ratschlag gehört und die reduzierten Aktionsexemplare eingesackt hat. Inzwischen macht Christiane Paul als Mireille Mathieu verkleidet Werbung für die, aber die Zeitschrift ist weiterhin Oberklasse.

Gratulation und vor allem sehr häufigen Dank für Engagement beim Mitdenken, Mühe beim Rumdichten und Spaß am Mitmachen an die Gewinnerinnen, die praktischerweise WordPress-Nachbarn und Impressumsjunkies sind, so dass die Preise an die jeweiligen Adressen gehen, sobald das Gremium mal wieder zu einer üblichen Postöffnungszeit vor die Tür kommt.

Hätten Sie auch haben können.

mare 51 mare 52 mare 58

Bilder: Nolan Preece Antique Prints, mare;
Lizenz: gemeinfrei, Creative Commons.

Written by Wolf

29. September 2007 at 12:01 am

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116²

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Update, eigentlich Downgrade zu Happy birthday, Herman:

Herman Melville, zwölfjährig the hard way vom Vater verlassen, später im Leben von den guten Geistern seiner Leserschaft, starb schließlich selbst am 28. September 1891. Zu seinem 116. Todestag nähern wir uns respektvoll dem Kapitel 116 aus Moby-Dick: The Dying Whale.

Zur Hauptsache besteht das Kapitel aus einem besonders düsteren Monolog Captain Ahabs, der in seinem Boot sitzend einem Wal beim Sterben zuschaut, den er selbst erlegt hat.

Melville, Ahab, Ismael und letztendlich auch der sterbende Wal: allesamt von elterlicher Seite allein gelassen, daher foster-brothers (Milchbrüder, also von derselben Amme aufgezogen) der ozeanischen Wellen.

Ahab war wieder besänftigt, doch nur zu noch tieferer Schwermut. Er hatte vom Wale abgelegt, saß in seinem ruhig treibenden Boote und betrachtete gespannt, wie es mit ihm zu Ende ging. Jenes seltsame Schauspiel, das man bei allen sterbenden Pottwalen beobachten kann — wie sie ihr Haupt zur Sonne wenden und dann ihr Leben aushauchen —, erschien ihm an diesem milden Abend nämlich wundersamer als je zuvor.

“Da dreht und dreht und dreht er sich ihr zu — wie langsam, doch beharrlich er im Tod sein Hauptmit letzter Kraft zur Huldigung und Anbetung hinwendet! Auch er verehrt das Feuer — ein gläubiger, mächtiger, stolzer Vasall der Sonne! Ach, daß diesen allzu gewogenen Augen dieser allzu gewinnende Anblick vergönnt ist! Sieh nur! Hier, ringsum von Wasser umgeben, weit weg vom Getriebe, vom Wohl und Weh der Menschen, in diesen Meeren, die so offen und so unparteiisch, die ihre Überlieferung nicht auf Steintafeln bannen, wo seit chinesischen Äonen die Wellen wortlos weiterwogten und nie ein Wort vernahmen, den Sternen gleich, die hoch über des Nigers unerforschten Quellen funkeln — auch hier erstirbt das Leben sonnenwärts, in festem Glauben. Doch sieh! Kaum ist’s beendet, kommt der Tod und dreht den Leichnam um, bis er in eine andre Richtung weist.

Herman Melville: Moby-Dick,
Kapitel 116: Der sterbende Wal,
Übersetzung Matthias Jendis.

Oder:

Besänftigt wiederum, doch besänftigt nur zu noch tieferer Schwermut, saß Ahab, welcher achteraus vom Wale abgegangen, da und sah vom nun ruhigen Boot dessen Dahinscheiden zu. Denn jenes seltsame Schaupiel, an einem solch geruhsamen Abend betrachtet, vermittelte Ahab eine Wunderlichkeit, welche er zuvor nicht gekannt.

“Er wendet und wendet sich ihr zu, — wie langsam, wie standhaft aber, seine ehrerbietige und anrufende Stirne, mit seinen letzten sterbenden Regungen. Auch er betet Feuer an; höchst gläubiger, toleranter, freiherrlicher Vasall der Sonne! — Oh, daß diesen allzu anrührenden Augen diese allzu anrührenden Anblicke vergönnt sind. Sieh! hier, weit wasserumschlossen; jenseits allen Gesumms von menschlichem Wohl oder Wehe; in diesen höchst lauteren und unparteiischen Seen; wo den Überlieferungen kein Felsgestein Tafeln bietet; wo lange chinesische Zeitalter lang die Wogen sprachlos und unangesprochen immer weitergewälzt sind wie Sterne, welche auf des Nigers unbekannte Quellen scheinen; auch hier stirbt das Leben sonnenwärts erfüllt vom Glauben; doch schau! sobald er erst tot, rollt der Tod den Leichnam herum, und er richtet sein Haupt andernwegs. —

Herman Melville: Moby-Dick,
Kapitel 116: Der sterbende Wal,
Übersetzung Friedhelm Rathjen.

Und ist es denn ein Wunder? Schaut, wie Melville seinem Ahab beim Zuschauen zuschaut, und seid dankbar, dass ihr noch eine Zeit auf Erden habt, in der ihr selbst entscheiden könnt, ob ihr in die Sonne schaut.

Gratuliert man eigentlich zu Todestagen? Der Wal starb als erster, Datum unbekannt, dann Ahab. Erst Ismael hat überlebt. — Als ob Herman Melville tot wäre, nur weil er mal gestorben ist.

Der sterbende Wal

Bild: gemeinfrei.

Written by Wolf

28. September 2007 at 12:01 am

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Überraschen Sie mich!

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Moby-Dick 2.0 macht ein Gewinnspiel!

Sie kennen den Cartoon Caption Contest beim New Yorker? Sollten Sie; dann haben Sie schon Übung.

Das machen wir jetzt auch. Lassen Sie das Bild da unten auf sich wirken und schreiben Sie in den Kommentar, was der Wal sagt.

Besondere Erschwernis, die Sie sich freiwillig auferlegen dürfen und die mich bei der Preisvergabe unter Umständen günstig für Sie bzw. Ihren Beitrag einnehmen könnte: Schreiben Sie nicht, was der Wal sagt, sondern was einer der ihn umstehenden jungen Männer sagt.

Andere besondere Erschwernis, die Sie sich freiwillig auferlegen dürfen, wenn Sie sich als von z.B. Bernd Pfarr beeinflusst verstehen: Schreiben Sie nicht, was irgendjemand sagt, sondern erfinden Sie eine atmosphärisch im Dunkeln funkelnde Bildunterzeile. Seien Sie halt nicht so fantasielos, mein Gott, will ich gewinnen oder Sie.

Zu gewinnen gibt es ein wundervoll erhaltenes Exemplar von Max Reinowski: Wal, Wal! Käppen Bornholdts glücklichste Reise ins Eismeer. Mit Zeichnungen des Verfassers. Hörnemann Verlag, Bonn-Röttgen 1973. Wegen des zu erwartenden geringen Ansturms von Beteiligungen werden weitere wertvolle Buchpreise maritimer Thematik gestiftet; wie ich den hiesigen Betrieb einschätze, gewinnt sogar jeder halbwegs ernstzunehmende Beitrag irgendwas, so bin ich halt. Details entscheidet das Gremium. Das Gremium bin ich, von einem Rechtsweg kann keine Rede sein. Überraschen Sie mich einfach.

Einsendeschluss ist am kommenden Freitag, den 28. September 2007, Herman Melvilles 116. Todestag. Solche Texte entstehen spontan oder gar nicht, außerdem will ich diese unsägliche Schmonzette los haben.

Sperm Whale Plate XXIX Cetacea, Henry J. Johnson 1880

Bild: Nolan Preece Antique Prints. Chalk Manner LithographSperm Whale Plate XXIX Cetacea c. 1880 is a fine example of chromolithography of its day. The registration marks in the lower left corner were used to print several stones of different colors. The Chalk Manner can be seen as a crayon drawing on paper.

Copyright 1880 by Henry J. Johnson is noted at the bottom of the print.

Lizenz: gemeinfrei.

Written by Wolf

25. September 2007 at 12:26 am

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Grausiger Fund

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Moby-Dick™ empfiehlt auf gar keinen Fall:

Max Reinowski: Wal, Wal! Käppen Bornholdts glücklichste Reise ins Eismeer. Mit Zeichnungen des Verfassers. Hörnemann Verlag, Bonn-Röttgen 1973.

(Im Original entgegen dem Amazon-Eintrag mit Ausrufezeichen in der Überschrift.)

Walfang im Grönlandeis, Niederlande 1690Glückstadt, zu Anfang des vorigen Jahrhunderts- Das kleine, malerische Städtchen in Schleswig-Holstein lebt vom Walfang und vom Handel. Handel treibt auch Hinnik Voß, in dessen Haus der junge Jens Pieter Aufnahme fand, seit sein Vater im Eismeer blieb. Doch nun hält es den jungen Mann nicht mehr an Land, er will auf eigenen Füßen stehen. Heimlich mustert er auf dem Walfänger “Hoffnung” an und läuft mit ihm aus zur gefährlichen Jagd.

Jahr für Jahr gehen einige der kleinen, hölzernen Segelschiffe in Eis und Sturm verloren, in manchen Jahren ganze Flotten. Trotzdem setzen immer wieder viele junge Menschen ihr Leben aufs Spiel: gute Fänge sind äußerst lohnend. Wie damals der Walfang betrieben wurde, was ein Seemann an Bord und in den Schaluppen zu tun hatte und erleben konnte, schildert Max Reinowski authentisch und äußerst spannend.

Klappentext

Gut, dass Sie das wahrscheinlich nicht mal auftrieben, wenn Sie wollten.

Mit der letzten Ebbe erreichte Jan Rüter die Bastion von Glückstadt. Er hatte Trantonnen aus Altona geholt, so viele, daß sie den Frachtraum hüfthoch überragten. Beim Wenden war der Großbaum nur mit Mühe über die Tonnen herüberzuschwenken, aber endlich fiel das Großsegel im harten Ost wieder voll. Die Lumme trieb an drei dänischen Kriegsschiffen vorüber, die Stadt und Elbe bewachten, und er hatte Zeit, auch das Focksegel in den Wind zu bringen. Der Hafenkommandant rief ihn an: “Hallo, Jan Rüter, schon zurück mit deinen Tonnen?” “Hallo Kommandant! Ja, 240 Stück aus Altona für Hinnik Voß. Willst du sie zählen?” Der winkte ab: “Laß nur. Ich kenne meine Schmuggler.”

“Schönen Dank! So kriege ich doch ‘ne halbe Stunde früher ein ordentliches Essen in den Bauch.”

Er segelte mit seinem Zweimaster hafenein, vorüber an zwanzig Walfangschiffen, die steuerbords am Kai vertäut lagen. Sie waren auf den Werften vom Kiel bis zum Top überholt worden wie nach jeder Reise ins Eismeer und warteten darauf, daß der Winter vorüberging.

Anfang, Seite 7 f.

Aus den 223 Seiten spült einem vor allem eins entgegen: die Jugend eines richtigen Jungen der 1970er Jahre, der dummerweise gern liest und dann, wenn schon, ein gutes Buch in die Hand bekommen soll, damit er wenigstens daraus was fürs Leben lernt. Den Betrug hat er erst nach der Jugendausgabe der Sagen des klassischen Altertums gemerkt, die er zur Kommunion gekriegt hat, nach denen aber wirklich keine Ausrede mehr half. Wahrscheinlich musste er auch die Stafette lesen.

Der Schiffer zog sich den Wollpudel über die Ohren und schlug den Jackenkragen hoch. Es war doch bannig kalt im Ostwind! Dann stapfte er davon, zu sehen, ob seine Minna ihm etwas Gutes vorzusetzen hatte.

Als er zurückkam, ein bißchen müde, jedoch rundum satt, gingen am Hafen zwei junge Mädchen vor ihm her. Ehe er sie erreicht hatte, wandten sie sich um.

“Jan, unsre Männer sind schon fertig, warst du in Kollmar?” fragte die größere.

“Hallo, Inge Maren aus dem Hause Voß und Bürgermeisters Dürte! Was streunt ihr in der Dämmerung im Hafen herum?”

“Wir waren musizieren, Jan. Hast du Tante Hanne in Kollmar besucht?”

“Ja, Mädchen. Sie hat mir einen feinen Teepunsch gemacht.”

Hast du sie mitgebracht?”

“Nee, Hanne Jensen ist in Kollmar geblieben. Was soll sie hier?”

Ach, du, ich meinte doch…” Sie stockte.

Jan merkte, daß sie vor Bürgermeisters Dürte nicht sprechen wollte. “Ich habe alles mitgebracht, auch einen schönen Gruß an dich und die Eltern, und noch einen an Jens Pieter.”

“Das ist gut, das ist fein! Tschüß, Jan, ich muß die Grüße ausrichten!” Und die Mädchen gingen davon.

Seite 9 f.

Die Dialogtechnik wird in den “Automatischen Kulturkritiken” der Riesenmaschine treffend mit “Da kommt Franz, der, wie du weißt, dein Vater ist” wiedergegeben; über das Frauenbild diskutieren die dort gar nicht erst.

Meine kleine Puppenwelt“Du hast mir grade noch gefehlt, Bornholdt! Warum muß er denn ausgerechnet Käppen werden?”

“Weil er das Zeug dazu hat. Mit dem Patent in der Tasche kann er sich dann immer noch überlegen, ob er lieber handelt oder fischt.” Er lachte: “Dann steht er wirklich auf eigenen Füßen, ob er nun im Kontor sitzt oder auf der Brücke steht. Er braucht sich von niemandem schief angucken zu lassen, weil jeder weiß: bist du nicht freunlich zu ihm, läßt er dich sitzen.”

“Ach, Mann, ich bin meintag nicht unfreundlich zu ihm gewesen, was Jens Pieter?”

“Nie, Ohm”, sagte sein Neffe.

“Na also, Hinnik. Dann fang auch nun nicht damit an.

“Tu ich ja nicht. Bleibst du hier, Jens Pieter?”

Der staunte seinen Ohm an. Wie war das möglich? “Ich möchte meinen Kapitän machen, Ohm!”

Da wurde Hinnik Voß böse: “Dann mach ihn doch in Dreideubelsnamen, aber die übrigen acht Monate hältst du das Haus Voß in Gang, für vierhundert Mark, klar?”

“Klar, Ohm”, antwortete Jens Pieter, vor Überraschung stotternd. Sein Ohm blickte argwöhnisch die Tochter an. Sie guckte, als sähe sie ihn zum ersten Mal: “Und du, Deern, was sagst du dazu? Wir haben uns doch nun so lange fein vertragen.

“Ich, Vater?” Sie strahlte ihn an, “ich finde, daß ihr großartige Kerle seid, alle drei!”

Schluss, Seite 210 f.

Der Fortschritt gegenüber lehrhafter deutscher Jugendlektüre der 1930er Jahre liegt darin, dass die großartigen Kerle nicht mehr als famose Kerle adressiert werden und vielleicht sogar darin, dass die Mädels überhaupt gefragt werden. Die Vorgangsbeschreibungen der eigentlichen Walfängerei, deren Hauptsache in dem achtseitigen Glossar nach der Handlung (bannig, hieven, Schiet) hinreichend ausgebreitet geblieben wäre, erspare ich uns allen.

Der Umschlag ist aber richtig gut: Sehr einfach in den drei Grundfarben koloriert, und zwar derart kräftig draufgebuttert, dass man schon nach Sekunden eine Art psychedelischen Flash kriegt, und mit einer hübschen lizenzfreien Illu aus der 1839er Natural History of the Sperm Whale oder etwas in der Art. Innen gibt es immerhin drei brauchbare Zeichnungen von Schiffen mit beschrifteter Takelung. “Wal, Wal!” war nämlich bestimmt viel billiger als das Nautische Lexikon in Bildern von Tre Tryckare 1963, wo sie das raus haben.

Written by Wolf

23. September 2007 at 12:01 am

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Emmaline is sugar and spice and all things nice. The Mother-Tongue Remix

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Less an update but more of a translation to Emmaline is sugar and spice and all things nice, according to her wish:

Emmaline Austere's Banner

Jane Austen is not, as one might consider so prematurely, some kind of fourth Brontë sister (fair enough, they were 5 plus 1 brother; however the writing – and publishing – siblings are confined to Charlotte, Emily [Jane], and Anne). In fact, Ms. Austen died one year after the first Brontëss’ birth.

So la Austen was not a Victorian plague either. At the worst, she antedated it, which is inherently what you might call a piece of merit. You can like or dislike the world she created, eventually it is a self-contained one, not less mythological and quotable than your Ancient-Classical Greek world of gods and heroes or The Lord of the Rings, the mother of all Fantasy. The matters that she used to satirize in her early works were known to Herman Melville, as an antipole to his own approach to writing. This could only take him to warn of reading his Moby-Dick in case you appreciated suchlike literature:

Don’t you buy it – don’t you read it, when it does come out, because it is by no means the sort of book for you.

Regarded like that, it is a bereavement to all involved that Herman Melville was not given to meet Jane Austen, who did her job better though including the full deal of the incriminated laced-handkerchief elements.

Emmaline Austere goes Sarah PhotogirlInvestigations on suspecting Emmaline Austere being the seventh Brontë sibling are not yet entirely closed. Obviously, she stood in her booming, blooming mid-twenties by 1888, and thus could be a late achievement by Reverend Patrick Brontë, Haworth country parson. Austere’s publishing mode proves by far less privileged than her elder sisters’, who still haunt the internet – in compensation on her still spankingly conserved website, she keeps records of her kinfolk passed and passing away, with great talent and a British-foggy-dull-grim sense of humour, as if she was Sarah Photogirl in person.

Angelica Evangeline Bartholomew’s Book of Ugly (her first children’s book, virtually David Copperfield from a 13-year-old girl’s point of view, who menaces London East End at gunpoint through the medium of her camera), Angelica Evangeline Bartholomew and the Diary of Dreadful Deeds, Angelica Evangeline Bartholomew and Grandma’s Treasure Map, Ferdinands Family, and Roadkill, all of her making, will be soon available on the international book market, and if this ever happens, be sure to read all the freaking flashing news on Moby-Dick 2.0.

Should Ms. Austere, like Ms. Austen, not be connected to the Brontës, it is due to reasons different from Herman Melville’s. In return, she looks better than all of them. To insist on even more circumstantial details would be presumptuous.

Emmaline Austere

Captures: Sarah Photogirl; licence: Creative Commons.

Written by Wolf

22. September 2007 at 12:01 am

Posted in Reeperbahn

Technotexten

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Update zu 5–7–5:

Das Wort das blutet
braucht lang genug: Keine Zeit
für Adjektive.

Jim Jarmusch, Mystery Train

Bild: Youki Kudoh und Masatoshi Nagase in Jim Jarmusch: Mystery Train, 1989 via Release Token; Lizenz: Creative Commons.

Written by Wolf

21. September 2007 at 12:01 am

Posted in Reeperbahn

Nochmal Starbucks für alle: aufgewärmt Kapitel 26

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Elke rafft sich vom Krankenbett auf to talk like a pirate
über Ritter und Knappen:

Elke HegewaldEr ist der Traum aller Schwiegermütter jeder verdammten Walfängerdynastie zwischen Nantucket und Cape Cod, dieser Starbuck, zweiter Mann auf der Pequod. So und nicht anders muss einer sein und aussehen, der es mit dem Wal aufnimmt. Wie das vom Habitus her rüberkommt, dazu verweise ich mal auf die Spekulationen der Jungs.

Dabei ist er nicht der Draufgängertyp wie der schaumgewordene Bulkington oder gar einer, der das Reden erfunden hat, sondern “ein gelassener, unerschütterlicher Mann, dessen Leben zum überwiegenden Teil eine beredte Pantomime aus Gebärden und Taten war, nicht ein handzahmes Kapitel aus Worten.” (Jendis, Seite 200)

Bible Code DigestEr ist einer, der dorthin gehört, ein Fighting Quaker und Ur-Nantucketer, auch wenn er mit Frau und Kind inzwischen auf dem (damals noch) Festland in Cape Cod lebt – wenn er denn mal zu Hause ist. Was übrigens John Huston in seinem Moby-Dick-Klassiker schamlos ignoriert hat, denn der lässt ihn beim Auslaufen des Schiffes aus dem Hafen von Nantucket seiner Familie zuwinken. Aber dies nur am Rande.

Erfahren in seinem Handwerk, “ungewöhnlich gewissenhaft für einen Seemann und mit einer tiefen Ehrfurcht vor der Natur versehen” (ebenda), weiß so einer genau, was er tut.

Kurz gesagt, er ist der Kerl, dem sich die Mannschaft ohne Zaudern anvertraut, wenn sie mit ihm in das schwankende Walboot springt. In dem er keinen duldet, “der keine Angst vor dem Wal hat”. Das klingt für meine Begriffe so widersinnig und unvernünftig nicht – seine Anleihen beim Aberglauben der Seeleute sind für ihn eine Art Lebensversicherung, geboren aus dem Wissen um die Gefahren des Jobs.

Jens RuschUnd den Wal tötet er nur, weil er schlicht und ergreifend davon leben muss. Schon allein dieser Beweggrund, der Ahabs fanatischem Hass auf den Einen und seiner blutrünstigen Verfolgungssucht ferner ist als nur irgendwas, macht ihn unausweichlich zu dessen Gegenpart. Und wer sollte es auch sonst sein? Allerdings macht Herr Melville des geneigten Lesers Hoffnung auf den Sieg des Guten, nachdem er ihn den Kontrahenten nun ausmachen ließ, auch gleich wieder fast zunichte. Begibt er sich doch in die Tiefen der Starbuckschen Seelenstärke und findet daselbst, warum sie im rechten Moment nicht ausreichen wird:

So tapfer er auch sein mochte, war seine Tapferkeit doch von der Art, wie man sie vor allem an jenen furchtlosen Männern sieht, die zwar im Kampf mit Wasser, Wind und Wal felsenfest zu stehen pflegen und vor dem wirren, gewöhnlichen Grauen der Welt keinen Zoll weichen, aber jenen schrecklicheren, weil inneren Schrecken nicht zu widerstehen vermögen, welche bisweilen von der gefurchten Stirne eines mächtigen, vor Wut rasenden Mannes drohen.

Moby-Dick, Jendis-Übersetzung, Seite 201 f.

Die Seele eines Ahab ist ihm fremd und unheimlich. Das Phänomen hatte Melville schon früher nicht losgelassen, war ihm auch von Shakespeares Helden haften geblieben. So ist in seiner Ausgabe von “Antonius und Kleopatra” die Stelle mit der Warnung des Wahrsagers angemarkert:

Dein Geist, der dich beschützt, dein Dämon, ist
Hochherzig, mutig, edel, unerreichbar,
Dem Cäsar fern: doch nah ihm wird dein Engel
Zur Furcht, wie überwältigt. Darum bleibe
Raum zwischen dir und ihm.

Jens RuschUnd in seinem King-Lear-Exemplar findet sich zur Rede des Verräters Edmund die hingekritzelte Notiz: “Das infernalische Wesen besitzt oft eine Seelenstärke, die der Unschuld versagt ist.” (Siehe Göske-Nachwort, Seite 951) Ich glaub, so langsam weiß man, was er meint. Es riecht geradezu nach der unausweichlichen Katastrophe…

Auf jeden Fall ist es für mich Zeugnis der ruhelosen Sinn- (und Gott-?) -suche unseres Weltenbummlers Ismael alias Melville höchstselbst, der weder seine große Sympathie für den Mann aus dem Volke noch seine Vision der Volksherrschaft als höchstem Ausdruck der “demokratischen Würde” verleugnet. Er geht sogar so weit, diese mit dem “großen und allmächtigen Gott” gleichzusetzen und den gleich zum demokratischen Gott zu machen – schon deshalb eine Vision, falls ihr mich als Atheistin fragt. Zumindest solange Gott und Religion – dochdoch, immer noch – als Werkzeug und Rechtfertigung politischer Macht und ihrer Kreuzzüge dienen. Dem Londoner Lektor ging dies zu weit – so radikal will man ja, noch dazu als Untertan einer Monarchin von Gottes Gnaden, Demokratie nich haben, nä.

Gustave Doré, Don Quixote & Sancho PansaBliebe noch die Frage nach den “Rittern und Knappen”, einer nicht gerade als selbstverständlich erwarteten Kapitelüberschrift, wenn man grad mitten auf einem Walfänger herumsegelt, oder was meint ihr? Also mir fielen dabei seltsamerweise sogleich der Ritter von der traurigen Gestalt und sein treuer Knappe Sancho Pansa ein. Oder ist es doch gar nicht so seltsam? Denn schau an, auch beim Herrn Nachwörtler fand sich dieser Bezug, zwar in einer für meine Begriffe etwas verquasten Herleitung des Melvilleschen “Geistes der Gleichheit” (siehe Göske, Seite 951), aber immerhin. Und als alter Melvilleaner weiß man schließlich auch um des Autors tiefe Verehrung für den ollen Cervantes: In seiner Erzählung “The Piazza” nennt er ihn gar “den weisesten Weisen auf Erden” – im Original: “Don Quixote [nicht, wie von Göske dahinimpliziert, Cervantes], that sagest sage that ever lived“. Was ich eigentlich sagen wollte: Das Bild der wackeren Knappen, die der Wirklichkeit leben und immer die sind, die das Übelste zu mildern und zu verhüten trachten, und ihrer Ritter, die welchem Wahne auch immer verfallen sind – passt es nicht auch hier – irgendwie?

Bilder: Bible Code Digest, 2x Jens Rusch, Gustave Doré via Así hablaba Josef K; Lizenz: Creative Commons.

Written by Wolf

20. September 2007 at 12:01 am

Posted in Steuerfrau Elke