Moby-Dick™

Leben mit Herman Melville

Archive for May 2007

Nu in da houze: Moby-Dick; oder: Der Wal. Der Rathjen

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Update und Vollendung zu Die wahren Orte sind es nie:

Vorher:

Nachher:

Hähä. Also muss es mir keiner mehr besorgen (hu, wie das wieder klingt…), ich war selbst so frei. Enthalten in der Rathjen-Übersetzung:

Das meiste davon vermisst man schmerzlich in erreichbarer Buchform, sobald man anfängt, mit Herman Melville zu leben; ich hab schon aus Verzweiflung etliche Originalausgaben in abgelegten Exemplaren aus abgelegenen Provinzstadtbibliotheken der USA importiert, unter anderem welche wie den Hershel Parker, die offensichtlich auch Herr Rathjen benutzt hat – und an dieser Stelle darüber berichtet. Der Weblog ist durchsuchbar.

Rathjen stellt den Anspruch, zum ersten Mal den Urtext aus der gesicherten Fassung bis in die Klangstruktur hinein so getreu wie möglich abzubilden, als “Äquivalent zu für den sperrigen Stil, die wechselnden Tonlagen, die exzessive Rhetorik und die ungewöhnliche Interpunktion” (aus der editorischen Notiz von Norbert Wehr).

Der Approach gefällt mir mit der Zeit immer besser, der Ausdruck übersetzen gewinnt plötzlich seine nautische Zweitbedeutung mit Betonung auf dem Präfix; ich werde meine Wertungen in der Bücherliste relativieren müssen.

Kaum innerhalb einer Zeitspanne, in der man nicht mal ein Kind kriegen kann, die ersten 25 Kapitel Moby-Dick durchgelesen, schon ist man rettungslos vergeekt.

Written by Wolf

31. May 2007 at 12:01 am

Posted in Rabe Wolf

Die wahren Orte sind es nie [aber mach was]

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Update zu Eine Biografie von Hillary Clinton:

Antiquariat Kitzinger, München, Schellingstraße 25Kommt morgen jemand beim Antiquariat Kitzinger in der Schellingstraße vorbei?

Heute erfahren: Die Rathjen-Übersetzung von Moby-Dick ist von Zweitausendeins (in diesem besonderen Fall der sinnigste aller Verlagsnamen) in den Zustand der Ramschware übergegangen (nicht abfällig gemeint, ich werd selber bald 40). Und ich seh’s noch beim Kitzinger rumliegen (das ist nicht der, wo sommers der schwarze Kater im Schaufenster pooft, sondern der eins rechts daneben) für 19,90 statt 29,90, vormals 42,80. Kann ich das auf diesem Weg zurücklegen lassen?

Und dann: Links Jendis, rechts Rathjen weiterlesen. Sag noch einer, Literatur wäre was für beschauliche Gemüter.

Die Zwei, Antiquariat Thomas Rezek, München, Amalienstraße 63

Written by Wolf

30. May 2007 at 1:19 am

Posted in Kommandobrücke

Ende von Wal – 17-mal

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Eine öffentliche Aufbahrung auf dem Pariser Platz

Elke macht ein Update zu Die weiße Walin lebt:

Elke HegewaldWin-Win-Situationen zwischen Wal und Mensch sind, so sehr sie einem das Herz wärmen, die seltene und rühmliche Ausnahme. Den Tatsachen ins Auge gesehen zieht in der Regel eine Seite den Kürzeren. Und – nichts sagt uns deutlicher, dass Moby-Dicks Zeiten vorbei sind – meistens ist es heutzutage der Wal.

Nun müssen (und können) wir hier mit Sicherheit nicht jedes Ereignis dokumentieren, das nur allzu beredtes Zeugnis darüber ist. Das können andere mit ihren Argusaugen besser als eine Crew auf Waljagd – die zu ihrer Entschuldigung allerdings vorbringen kann, dies ausschließlich lesenderweise zu tun.

Doch an manchen kommt man einfach nicht vorbei. Umso mehr, wenn einem die Walkadaver wie letzten Montag direkt auf die Berliner Türschwelle gelegt – was sag ich, geradezu auf selbiger aufgebahrt werden. Man kann sie nichts weniger als spektakulär nennen, diese Aktion der Wal-Anwälte, und da rede ich noch nicht mal über den beachtlichen logistischen Aufwand, den das Ganze gekostet haben muss. Wo kriegt der unbedarfte Binnenländer schon mal – auf zugegeben drastische Weise – so vor Augen geführt, wie viele Angehörige von Mobys Verwandtschaft in jeder halben Stunde eines langen Tages das Zeitliche segnen müssen. Und zwar durch das Wirken der einzigen vernunftbegabten Art auf unserem Planeten. Sollten einen bei einem solchen Anblick nicht hin und wieder leichte Zweifel an diesem Faktum (der menschlichen Vernunft) befallen?

Ich bin übrigens nicht hingegangen, und das nicht nur, weil ich vorher zu einer Tagung im Roten (schamroten?) Rathaus abbiegen musste. Verfolgt mich doch immer noch das hier (nö, es war im Xing-Vorgeplänkel zu Kapitel 2) schon mal erwähnte Trauma meiner Kindheit, das sich mit einem Toter-Wal-Gucken-Erlebnis verbindet:

Meine wirklich erste Begegnung mit des Leviathans Nachfahren hätte mich dann allerdings fast zur militanten Tierschützerin werden lassen, wenn ich von denen damals schon was gewusst hätte. Ich muss im zarten Alter von ungefähr zehn Jahren gewesen sein, als auf dem Marktplatz der Kleinstadt, in der ich aufgewachsen bin, einer von ihnen ausgestellt wurde, in einem großen Zelt, kunstvoll präpariert und die Stelle, an der ihn die Harpune getroffen hatte, genau markiert – ein traumatisches Erlebnis.

Was jedoch nichts daran ändert, dass jedwedes vernünftige Mühen zu “Rettet Moby-Dick” meine Unterstützung hat.

Tote Wale bei Spiegel Online

Written by Wolf

29. May 2007 at 12:20 am

Posted in Meeresgrund

Gewiss kann es kein Olivenöl sein

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Der Wolf schreibt Herman Melville hinterher, was Herman Melville in Kapitel 25: Postskriptum seinem eigenen Kapitel 24: Der Anwalt hinterherschreibt:

Sehr geehrter Herr Melville, lieber Herman,

Sailorette www.fy.nodas hast du wieder sauber hingekriegt. Habt ihr euch zu deiner Zeit in New York und auf dem Land in Arrowhead auch schon Anwaltswitze erzählt? Habt ihr euer abgenabeltes Mutterland, die königstreuen Briten, beim Maisschnaps mit ihrer Königin aufgezogen?

Der Kalauer mit dem Staatlichen Salzfass und dem Pfefferstreuer musste natürlich sein, sonst hätte es dich vermutlich zerrissen, und es auch keiner was davon gehabt. Und Könige mit Rizinusöl salben, kichergnicker. Logisch, Walrat muss es sein. Da ist er ja, der aufrechte Demokrat, der ruppige Walfänger, das Salz nicht einfach der Erde, nein gar des Meeres.

Das Gefühl kennt ja niemand besser als ich: Lieber einen guten Freund verlieren als einen Lacher auslassen. Was mich allerdings bei dir interessiert hätte:

Als sie dir qua einem roten Federstrich das ganze Kapitel 25: Postskriptum aus der Londoner Erstausgabe rauslektoriert haben, hat sich da die Kapitelzählung bis zum Schluss um 1 weniger verschoben?

Komm, so zwanghafte Typen wie uns lässt sowas doch nie ruhig schlafen. Hast du damit erreicht, was du wolltest? Ja?

Na, dann is’ gut.

Stets einer deiner sieben zweitgrößten Fans der dreizehn Weltmeere,
der Wolf

Toothpaste for Dinner

Written by Wolf

28. May 2007 at 4:15 am

Posted in Steuermann Wolf

Der Wolf hat gelesen: Kapitel 24: Der Anwalt

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Who would have looked for philosophy in whales, or for poetry in blubber.

John Bull, Kritik zu Moby-Dick, 25. Oktober 1851

J. Ross Browne, Barzy and the Madagascar ChiefWie war der Ausdruck Walgesang mal gemeint? Eine Lanze brechen klingt immer auch kriegerisch, dieses Kapitel 24: Der Anwalt hat aber so gar nichts von Angriff, ist höchstens eine leidenschaftliche Verteidigung des ehrbaren Gewerbes der Walfänger. Eine Leidenschaft, die sich in einer nicht weniger denn hochlyrischen Prosa äußert. Ein Walfanggesang.

Zeitgemäß ist was anderes: Gerade die Vorwegnahme aller Einwände in Form einer Liste, die systematisch widerlegt wird, riecht nach vorauseilender Verteidigung – nach jener Art von Entschuldigung, mit der man sich anklagt. Seit wann genau ist das eigentlich verpönt?

Auch die Gründe, aus denen der Walfänger ein so überragend ehrenvolles Gewerbe versehen soll, sind zweierlei: Die unschönere Hälfte verbindet Walfang mit dem Soldatenhandwerk, was man in dieser Tonart noch nicht wieder allen demokratisch gesinnten Leserschaften so vorsingen kann; die hard facts hören sich, auf ihren Inhalt heruntergekocht, wiederum ganz sinnvoll an: Walfänger

  • erforschen
  • kontaktieren und
  • demokratisieren

Länder, die bislang nur entlegene, unwirtliche Weltecken waren, was in Melvilles Sinne ja dann auch ein lobenswerter Ehrgeiz ist. Networking unter verschärften Bedingungen und ganz ohne Internet – einem wie mir muss dieser Vergleich kommen. Suspekt werden solche Umtriebe erst mit dem modernem Wissen, dass Menschen profitgierige Egoisten sind und Missionare auch nur Menschen, und dienstreisende Tierjäger erst recht.

Auf 1851 umgerechnet finde ich Melvilles Argumentation allerdings sauber zusammengedacht und pointiert vermittelt. Wir reden ja nicht von Infotainment.

Vergleichen wir die Zahlen, die Melville zur Ehre des Walfängers an sich anführt, mit denen, die sein 2001er Kommentator Göske aus Melvilleschen Zeiten aufgetrieben hat, so erhellt: Melville hat sogar noch untertrieben. Fälschen von Statistiken unter dem Vorwand “Ist doch alles nur Poesie” kann man ihm nicht vorwerfen.

2007, in Zeiten ruchlos beschönigter Selbstdarstellungen und des laxen Umgangs mit Zahlenmaterial aus weit niedrigeren Beweggründen denn der Ehrenrettung des eigenen Berufsstandes, fragt man sich, grundsätzlich misstrauisch bis zum Zynismus geworden: Wie kommt’s?

Ich nehme stark an, Melville lag persönlich einiges daran, als (gewesener) Walfänger gesellschaftlich anerkannt dazustehen. Seine Bestseller-Erfolge (Typee, Omoo, später ein politisch bedeutsames Aufflackern mit White Jacket) hatten nachgelassen, er stand noch im nationalen Bewusstsein als der gutuassehende Seebär, der wundersamerweise schreiben konnte; sein thematischer Vorgänger Richard Dana, der mit Two Years Before the Mast, hatte im Gegensatz zu ihm ein Studium vorzuweisen – in nahezu allen biografischen Überblicken zitiert wird Melvilles trotzig arbeiterstolzer Kapitelschluss “Ein Walfänger war mein Yale College und mein Harvard” – da winkte an einem nebligen Horizont wohl ein Ruf als verkanntes Genie. Melville als Der Anwalt ist sein eigener.

Die Sorge war nicht akut, aber begründet. Die Quellen, aus denen Melville geschöpft hat, sprudeln offenbar heute so verborgen wie 1851. Sehen aber online sehr schön aus und werden von akademisch gebildeten Freunden der christlichen Seefahrt liebevoll gepflegt. Ich gebe sie dem interessierten Stöbern anheim:

J. Ross Browne, A Scramble for Salt Junk

Written by Wolf

27. May 2007 at 1:48 am

Posted in Steuermann Wolf

(… und hört schon auf, mich dauernd Ismael zu nennen)

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Update zu Nennt mich nochmal Ismael:

My name is Arthur Gordon Pym.

Eddie the Divine Poe: Arthur Gordon Pym, 1838

Let me call myself, for the present, William Wilson.

Derselbe: William Wilson, 1839

Call me Ishmael.

Herman Melville: Moby-Dick, 1851

Mit dem ersten Satz wird der Stein ins Rollen gebracht. Der erste Satz ist Versprechen, Duftmarke, Rätsel, Schlaglicht – kurz: der Brühwürfel, mit dem die ganze folgende Suppe gekocht wird.

Thomas Brussig zum Wettbewerb Der schönste erste Satz, 2007

Wisconsin Library 1956Der erste Satz ist wichtig. In der Liebe wie auch in der Literatur. Ein guter erster Satz entscheidet oftmals schon darüber, ob wir uns in einen Menschen oder in ein Buch verlieben, ob wir berührt werden und uns voller Neugier auf das Versprechen einer guten Geschichte einlassen.

Die Initiative Deutsche Sprache und die Stiftung Lesen zu ihrem Wettbewerb Der schönste erste Satz

Mir ist ja vor Jahrzehnten mal aufgefallen, dass der alte “Call me Ishmael” gleich zwei Vorläufer bei Poe hat: “Let me call myself, for the present, William Wilson” und “My name is Arthur Gordon Pym”. Das scheint vor lauter Schlichtheit doch eine wahre Eintrittskarte zum Club der Klassiker zu sein…

Der Wolf diskutiert bei Nicole Rensmann

Wie froh bin ich, dass ich weg bin!

Der junge Goethe: Die Leiden des jungen Werther(s)

Ich bin dann mal weg.

Hans-Peter Kerkeling: Ich bin dann mal weg

Ich heiße Lisa. Ich bin ein Mädchen. Das hört man auch am Namen.

Astrid Lindgren: Wir Kinder aus Bullerbü, 1954

Das schönste erste Banner

Written by Wolf

26. May 2007 at 12:01 am

Posted in Reeperbahn

5–7–5

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Nichts Besonderes
an Land. Ach! wie tot alle
schon zu Anfang sind.

Hokusai

Der deutsche Weg zum Haiku.

Written by Wolf

24. May 2007 at 2:00 am

Posted in Moses Wolf