Moby-Dick™

Leben mit Herman Melville

Archive for May 2010

Happy Memorial Day

leave a comment »

You write what you're toldThis is one of the two holidays in the United States that worships the dead (Halloween being the other). I think about my culture with disdain regarding these holidays because most of the population wouldn’t agree with the notion that Americans worship the dead.

Laura Moncur, May 24, 1998.

Der Tag markiert auch den Beginn der Sommersaison; ein Picknick in einem Park oder Besuch eines Freibads ist auch eine Art, den Tag zu begehen.

Wiki.

Image: Les dessous de l’information mondiale-Downside World News: Big Media and The New World Order, 8. Februar 2008.

Song: Moriarty: Jimmy, from: Gee Whiz But This Is A Lonesome Town, 2007.

Watch the video big (fullscreen has been disabled, but hey, you can’t ignore the buffalo song).

Written by Wolf

31. May 2010 at 7:57 am

Posted in Rabe Wolf

Write! Comrade, write!

with 6 comments

Außer dass Elke als einzige Siegerin im Mai-Gewinnspiel schlau genug war, den ihr zustehenden Preis einzutreiben (smashill, auf deine Adresse warte ich noch!), hat sie auch Anspruch zu sehen, was aus ihrem Beitrag geworden ist.

Als sinnvollster Text für Christina Dichterliebchen erschien mir das Gedicht von Emily Dickinson, das Elke ausgegraben hat. Sinnvoll deswegen, weil Frau Dickinson sich zeit ihres freudlosen Lebens in einer metaphysischen Definition als “Barfußdichterin” betrachtete und Frau Dichterliebchen selten in etwelchem Schuhwerk angetroffen wird; sinnvoll, weil Frau Dickinson gerade im Mai Todestag hatte und Frau Dichterliebchen auf dem ausgeschriebenen Bild eine jubelnde Daseinsfreude an den Tag legt.

Sinnvoll also wegen der Parallelen Dickinson—Dichterliebchen — störend nur, dass es ausgerechnet einen Schiffbruch beschreiben muss. Nun hielt sich Frau Dickinson zwar den größten Teil ihres Lebens in ihrem Kinderzimmer auf, wo die selbsterklärte Barfußdichterin nach allem Dafürhalten nicht gerade in genagelten Bergstiefeln umhersaß, besang jedoch oft und vielschichtig das Meer mit seiner Weite und unerschöpflichen Symbolik. Und siehe, es gibt eins von ihr, das kaum besser passen könnte, gerade auch weil zusätzlich die Unterüberschrift einen Vergleich zum Schreiben in das Seefahrerthema trägt — sogar in zwei Versionen. Verwendet hab ich die erste, weil in der zweiten der Bezug zum Schreiben entfernt wurde, und weil typographisch schlichter und deshalb in einem handgeletterten Cartoon eindeutiger darstellbar:

On this wondrous sea

Write! Comrade, write!

On this wondrous sea
Sailing silently,
Ho! Pilot, ho!
Knowest thou the shore
Where no breakers roar —
Where the storm is o’er?

In the peaceful west
Many the sails at rest —
The anchors fast —
Thither I pilot thee
Land Ho! Eternity!
Ashore at last!

Emily Dickinson, 1858.

Christina Dichterliebchen freut sich über Emily Dickinson

Der neue Scan mit der Sprechblase sieht gleich viel lebendiger aus, ne? Danke fürs Draufstoßen, Elke!

Bild in Flickr.

Written by Wolf

28. May 2010 at 3:16 pm

Posted in Galionsfigur

München am Meer XIII: Eintritt 15,50

leave a comment »

Update zu Die sichtbare Welt, Das ist Aller vornemsten Welt-Dinge und Lebens-Verrichtungen Vorbildung und Benahmung:

Marmorkarpfen Moby Dick, Stiegl Bräu SalzburgIch hab mich breitschlagen lassen mitzukommen, weil sie da einen Marmorkarpfen (Hypophthalmichthys nobilis) haben sollen, der Moby Dick heißt und so ziemlich der hässlichste Fisch Deutschlands sein soll.

Stimmt, haben sie. Gleich zu Anfang des Rundwegs. Und weil er in der Abteilung mit der nachgestellten Isar wohnt, sogar im Flaucher, den man bei Naturbegehungen immer nur von oberhalb der Wassernarbe sieht (heißt das bei Binnengewässern so?), haben sie ihm einen Kasten Bier beigesellt: Stiegl Bräu Salzburg.

Ein feiner Stoff, weiß ich noch aus Wien. Da muss der Kasten wohl flussaufwärts geschwommen sein, oder der Dekorateur stellt sich vor, wie ein Rudel Österreicher auf Münchenurlaub dem touristischen Geheimtipp nachging, beim polizeilich geduldeten Grillen sein Bier in die Isar zu stellen, und noch nicht mit den seichten Stellen vertraut war.

Marmorkarpfen Moby Dick, FischschwarmMoby Dick, der Marmorkarpfen, entspricht in der Tat nicht den derzeit geltenden Idealen von Schönheit mit seiner charakterstarken Unterlippe, verhält sich aber ausgesprochen gesellig unter der dichten Besiedlung von Fischarten, die als in der Isar ansässig insinuiert werden. Er ist der Schwarmgrößte im künstlichen Flaucher und gibt den jovialen Chef. Die Kleinen machen ihr Ding, und er macht sein Ding. Es geht eng zu, aber es gibt kein Gerempel.

Erst sieht es so aus, als ob Moby Dick ständig bereit wäre, einem seiner Nachbarn eine Flasche gut gekühltes Stiegl Bräu anzubieten, bis man bemerkt, dass die Flaschen schon leer sind. Logisch: Gestern war auch im Wasser Samstagabend. Dann passt er wahrscheinlich nur auf, dass keiner der doofen Döbel und Zingel, was ja schon wie ein Schimpfwort für jemanden klingt, der lax zwischen Mein und Dein unterscheidet, seine Pfandflaschen entwendet. Die werden nämlich draußen am Kiosk angenommen.

Artgerechte Haltung für Münchner.

~~~|~~~~~~~|~~~

Schild Fische nicht berühren“Fotografierst du schon wieder Schilder?”

“Es ist stärker als ich.”

“Der Wolf. Da geht er endlich mal auf dem Meeresgrund spazieren, ohne sich nass zu machen, und was knipst er? Fische anfassen verboten.”

“Was du hast. Was da an Message drinsteckt! Im Lebensraum der Ozeane finden fucking neunzig Prozent allen Lebens statt, und sie hängen Schilder auf, dass man keinen Hering anstupsen soll.”

“Der Ozeane! Nicht Münchens!”

“Und deswegen is der Hering so traurig, wenn ich meinen Finger in sein Biotop reinwasche?”

“Vielleicht is es ja ein Piranha.”

“Siehste. Das wäre dann noch eine Ebene mehr, auf der das gut is.”

“Und außerdem is es gut genug ausgeleuchtet, dass es deine Kamera auch packt, gell?”

Memo to myself: Nächstes Mal geht der Schreiber oder die Art Directrice ins Sea Life.

~~~|~~~~~~~|~~~

Schriftbarsch“Schau, Wolf. Ein Schriftbarsch.”

“Schöner Schriftbarsch.”

“Gefällt dir nicht? Is doch genau dein Fisch.”

“…”

“Versuchst du jetzt zu entziffern, was auf dem draufsteht oder was?”

“Naja, dazu sind wir doch da: um zu lauschen, was uns die Fische zu sagen haben.”

“Was erwartest du? Die fünfzig besten Barschrezepte?”

“Jedenfalls was Gehaltvolles. Für die Typographie bist ja mehr du.”

“Heißt ja auch Schriftbarsch, nicht Schriftenbarsch.”

“Eben.”

“Wo gibt’s denn den?”

“Da, wo’s auch Tintenfische gibt.”

“Und? Was lernst du von diesem possierlichen Gesellen?”

“Er kann in seinen Höckern für bis zu sieben Tage Wasser speichern, aber mit seinen gespaltenen Klauen nicht in den Sand einsinken.”

“Und was sich auf Barsch reimt, steht auch drauf?”

~~~|~~~~~~~|~~~

Feuerfisch Amphore“Uah, is der schön.”

“Wer? Der Nemo?”

“Der heißt nicht Nemo, du Disneyopfer. Anemonenfisch heißt der. Außerdem mein ich den Feuerfisch.”

“Anemonenfisch? Da steht aber Clownsfisch.”

“Auch Disneyopfer. Alle.”

“Aber du bist die Kapazität für Meeresbiologie.”

“Nein, für Form und Inhalt. Und ‘Nemo’ als Abkürzung für ‘Anemonenfisch’ war auch bloß bei Jules Verne geklaut.”

“Deswegen sieht der auch aus wie mit Schreibfedern gespickt.”

“Der Nemo?”

“Der Feuerfisch.”

“Und er wohnt in einer WG mit dem Schriftbarsch und dem Tintenfisch.”

“Und da schreiben sie immer alle der Schildkröte den Panzer voll.”

“Glaub’s ruhig. Die große Runde vorhin, das war die einzige Meeresschildkröte Bayerns.”

“Hat Michael Ende nicht zuletzt in München gewohnt?”

“Der Beweis.”

“Was steht denn auf Schildkröten, wenn sie nicht grade Momo zu Meister Hora führen?”

Consider the Lobster.”

“Logisch.”

“Logisch.”

~~~|~~~~~~~|~~~

Nautilus“Boah, so groß sind die?”

“Wer denn?”

“Nautilus.”

So groß sind die gar nicht. Ganz kleiner Verlag, immer noch independent, in Hamburg. Haben mal tolle abseitige Irika gemacht, und Franz Dobler war mal bei denen.”

“Wolf!!”

“Ach, die Schnecke da meinst du.”

“Das U-Boot bei Jules Verne bestimmt nicht.”

“Das wenn mir wieder eingefallen wär…”

“Wetten, das war deine erste Idee?”

“Meine zweite. Weil ich nämlich im Gegensatz zu manchen Meeresbiologen noch ein anderes Buch von Jules Verne kenn. — Was hatn der da in der Mitte, das aussieht wie ein Auge?”

“Das ist… ein Auge.”

“Typisch.”

“Was?”

“Dass nichts ist, wie es scheint.”

“Wieso denn? Sieht aus wie ein Auge, ist ein Auge.”

“Genau das mein ich: Nicht mal auf das is mehr Verlass.”

“Wolfwolfwolf…”

~~~|~~~~~~~|~~~

Muränen“Cool, Muränen!”

“Und ein Stachelrochen. Der is cool.”

“Warum is jetz dein Stachelrochen cooler als meine Muränen?”

“Der heißt auf Englisch Stingray!”

“Du sollst Fische gucken, nicht Schilder.”

“Aber das heißt doch, dass Rochen auf Englisch Ray heißt!”

“Jaaa…?”

“Ja! Und Ray Charles is dann der Rochen Karl!”

“Du bist ein Kindskopf.”

“Ich find nicht, dass Ray Charles durch besondere Kindlichkeit aufgefallen is.”

“Vor allem nicht der X-Ray. Das is nämlich der jugendgefährdende.”

“Der heißt doch X-Rate.”

“Das gibt Sinn. Vor allem, wenn man weiß, wie sich Muränen benehmen.”

“Aua…”

~~~|~~~~~~~|~~~

Großes Mädchen an der Scheibe“Was knipst du denn wieder?”

“Keine Schilder. Piranhas.”

“Es sieht aber aus wie hübsche Mädels in Sandalen.”

“Is mir gar nicht aufgefallen.”

“Pfff!”

Lass doch die Frau da gucken.”

Du guckst!”

“Ja — die Piranhas.”

“Genau wie das hübsche Sandalenmädel!”

“Darin erschöpfen sich aber auch die Verbindungen zwischen uns.”

Du erschöpfst!”

“Liebling, du bist ja eifersüchtig.”

“Nein, ich krieg bloß langsam Hunger.”

“Fischstäbchen?”

“Ein Eis.”

“Aber ich bin ein Kindskopf, ja? Die Sonderausstellung Quallen müssen wir noch.”

“Bäh. Dann lieber hübsche sandalige Mädels.”

“Na bitte, geht doch.”

~~~|~~~~~~~|~~~

Kleines Mädchen an der Scheibe“Wolf! Schon wieder Mädels knipsen!”

“Jetz geht’s aber los. Wie alt isn die? Vier?”

“Ihr Großvater könntest du sein.”

“Vater vielleicht.”

“Und? Bist du’s?”

“Nicht dass ich wüsste.”

“Ganz sicher bist du aber nicht.”

“Jedenfalls is die blond.”

“Alle Vierjährigen sind blond. Außerdem vererbt sich Blondhaar rezessiv.”

“Bestehst du auf einen Vaterschaftstest?”

“Funktioniert sowas bei Kaltblütern?”

“Sie ist kein Fisch! Nehm ich an.”

“Schlimmer: Blond!”

“Ich will auch ein Eis.”

“Ein Stiegl Bräu willst du.”

“Ei stimmt ja. Schaumer mal, ob der Moby Dick schon Bier holen war.”

~~~|~~~~~~~|~~~

Seepferdchen an AnkerketteAls ich noch ein Seepferdchen war,
Im vorigen Leben,
Wie war das wonnig, wunderbar
Unter Wasser zu schweben.
In den träumenden Fluten
Wogte, wie Güte, das Haar
Der zierlichsten aller Seestuten,
Die meine Geliebte war.
Wir senkten uns still oder stiegen,
Tanzten harmonisch um einand,
Ohne Arm, ohne Bein, ohne Hand,
Wie Wolken sich in Wolken wiegen.
Sie spielte manchmal graziöses Entfliehn,
Auf dass ich ihr folge, sie hasche,
Und legte mir einmal im Ansichziehn
Eierchen in die Tasche.
Sie blickte traurig und stellte sich froh,
Schnappte nach einem Wasserfloh
Und ringelte sich
An einem Stengelchen fest und sprach so:
Ich liebe dich!
Du wieherst nicht, du äpfelst nicht,
Du trägst ein farbloses Panzerkleid
Und hast ein bekümmertes altes Gesicht,
Als wüßtest du um kommendes Leid.
Seestütchen! Schnörkelchen! Ringelnaß!
Wann war wohl das?
Und wer bedauert wohl später meine restlichen Knochen?
Es ist beinahe so, dass ich weine –
Lollo hat das vertrocknete, kleine
Schmerzverkrümmte Seepferd zerbrochen.

“Das sieht dir wieder ähnlich, dass du so einen Schweinkram auswendig kannst.”

“Genau deswegen bist du stolz auf mich.”

“Und weil du so schön Schilder knipsen kannst.”

“Und dergleichen.”

“Grr.”

Grünes Seepferdchen“Stell dich mal zu dem Hai, dann knips ich dich.”

“Der Hummer tut’s nicht?”

“Nein, der wohnt zu finster. Hai hat besseres Licht.”

“Na, dann zu den Seepferdchen.”

“Quark. Schau mal, wie groß die sind. Da krieg ich grade deinen großen Zeh daneben drauf.”

“Ich werd mich nicht zu den Muscheln stellen. Es heißt Sea Life, nicht Beach Life.”

“Nein, die sind für die Kindervorstellung aufm Trockenen. Hast du eigentlich Haare gewaschen?”

“Genau an dem Tag, wo du zum letzten Mal die Unterhose gewechselt hast.”

“Du willst doch wohl nicht in Klamotten ins Aquarium.”

“Wenn du mich zu den bakteriologischen Präparaten steckst, mach ich’s wie deine grauslichen Quallen.”

“Und ich wie die Austern.”

“Okay, zum Hai.”

“Armer Hai.”

“Kann mir kurz jemand auf die Sprünge helfen, wozu ich dir den Eintritt bezahlt hab?”

Lecker Brauseröhrchen“Damit du mich allein in die Sonderausstellung Quallen schickst, die im Preis mit drin wär, und derweil noch mehr Geld für Eis, Brauseröhrchen und Plüschnemos ausgeben kannst.”

“Nää, lass mal. Einen Plüschhai hätt ich vielleicht genommen.”

“Einen Hai? Im Ernst?”

“Der war souverän, der Hai. Also der echte vorhin. Wie Sherman auf meinem Bildschirmschoner.”

“Echt? Den gibt’s wieder? Für Vista?”

“Für XP jedenfalls.”

“Ein Grund mehr, mit Windows 7 zu warten.”

“Meine Rede. Bis in die Steinzeit.”

“Haie gibt’s ja schon länger. Da werden die schon noch eine Zeitlang halten.”

“Nicht so lang wie Nautilus, die gibt’s ja schon seit… naja — lang.”

“Eine stabile Lebensform. An der Konstruktion scheint irgendwas zu stimmen.”

“Wegen Survival of the fittest und so? Darwinist.”

“Wer fängt jetzt wieder an mit dem Schweinkram?”

“You ain’t seen nothing yet.”

“Ich weiß, ich weiß. Neunzig Prozent allen Lebens.”

“Consider the hübschen Mädels.”

“Charmeur.”

Ruderambiente

Bilder: Sea Life München, Muttertag 9. Mai 2010.

Written by Wolf

26. May 2010 at 6:41 am

Posted in Fiddler's Green

Teach me to heare Mermaides singing

with 3 comments

Update zu Perliana. Werkstattbericht.

Die Aufgabe war, den Song von John Donne, der um 1604 eingeordnet wird, zu übersetzen. Hille Perl und die Sirius Viols einschließlich angetrautem Lee Santana an den Theorben und Tochter Marthe als Special Guest an der anderen Viola da Gamba; golden ziselierten Sopran stiftet Dorothee Mields — veröffentlichen eine Sammlung Lieder des Dichters: Loves Alchymie wurde Anfang März 2010 aufgenommen und erscheint als Sequel zu In Darkness Let Me Dwell, einer Sammlung über John Dowland, im September 2010.

Hille Perl & Lee Santana in St. GallenMit beiläufiger Grandezza, jedoch treffsicher wie in allen Dingen, fragte mich Hille Perl am 14. Februar 2010:

Haste schonmal John Donne übersetzt?

Noch kein Wort vom Song notabene in ihrer Frage, aber John Donne, konnte ich ihr antworten, ja, wirst lachen, hab ich tatsächlich schon mal übersetzt. Schon paar Tage her, aber es war der Songhttp://www.bartelby.com/101/196.html — der ja wohl berückend is und außerdem das Motto zum Stardust by the incredible Neil Gaiman. Über meine Lösung wird man wahrscheinlich lange & fruchtlos disputiern können, aber das Entwaffnende daran is ja der Rhythmus, und wir ham doch so lange Wörter. Auf Fränkisch is es noch meistens leichter.

Das könnte ich noch wissenschaftlicher formulieren, aber in der Sache jederzeit unterschreiben. Wirklich umwälzend ist tatsächlich die zeitlos gültige Erkenntnis in einer modern gebliebenen Geisteshaltung und in einer schmissigen Form.

Zu Ihrer Orientierung gebe ich hier die Vollversion in der weniger verbreiteten originalen frühneuenglischen Schreibweise wieder, nach der vollständigsten, halbwegs erreichbaren Gesamtausgabe John Donne: Poetical Works, von Sir Herbert Grierson bei Oxford University Press erstmals 1912 herausgegeben und seither nicht mehr grundlegend verändert:

Song

Goe, and catche a falling starre,
     Get with child a mandrake roote,
Tell me, where all past yeares are,
     Or who cleft the Divels foot,
Teach me to heare Mermaides singing,
     Or to keep off envies stinging,
          And find
          What winde
Serves to advance an honest minde.

If thou beest borne to strange sights,
     Things invisible to see,
Ride ten thousand daies and nights,
     Till age snow white haires on thee,
Thou, when thou retorn’st, wilt tell me
All strange wonders that befell thee,
          And sweare
          No where
Loves a woman true, and faire.

If thou findst one, let mee know,
     Such a Pilgrimage were sweet;
Yet doe not, I would not goe,
     Though at next doore wee might meet,
Though shee were true, when you met her,
And last, till you write your letter,
          Yet shee
          Will bee
False, ere I come, to two, or three.

Bis dato existieren fünf deutsche Donne-Übersetzungen unterschiedlicher Vollständigkeit und Qualität von

  • John DonneWerner Vordtriede: Metaphysische Dichtungen, Insel Verlag 1961. Nachfolgeauflagen sind mit anderen Dichtern, aber unter der Anfangszeile des Song, aufgegangen in Geh, fang einen Stern, der fällt;
  • Annemarie Schimmel: Nacktes denkendes Herz, 1969;
  • K. Wydmond: Liebeslieder (Songs and Sonets), Privatdruck von Christian Nekvedavicius 1981. Das war die erste wirklich vollständige Übersetzung des geschlossenen Corpus, leider so weit unverständlich, dass gegenüber dem Original nicht viel geholfen ist, außerdem apokryph geworden und wenn greifbar, praktisch unerschwinglich;
  • Christa Schuenke & Maik Hamburger: Zwar ist auch Dichtung Sünde, Reclam Leipzig 1983, erweitert 1986. Christa Schuenke hat nachmals für Hanser Herman Melvilles Pierre übersetzt, die Donne-Auswahl ist reichhaltig und gilt als gelungen;
  • Werner von Koppenfels: Alchimie der Liebe, Henssel textura 1986, übergegangen zu Diogenes. Die bisher letzte, noch genießbare Auswahl, welcher auch der Song als das erwähnte Motto für die deutsche Version von Stardust (Sternenwanderer bei Ullstein) entnommen ist.

Der Perl-Santana-Mields-Sirius-Viols-Sammlung über John Dowland liegen keine deutschen Übersetzungen bei, was Sony BMG geklagt sei, weil solcher Erstellung zu teuer, zu raumgreifend im Booklet oder zu langwierig war. Vielmehr musste Hille Perl aus eigenem Antrieb Speicherplatz ihrer eigenen Website damit belasten. Wer heute ihre CD hört und besser verstehen will — was ich ausdrücklich empfehle — muss gleichzeitig das Internet aufschlagen, um mitzulesen. Das soll mit dem Sequel — immerhin gleiche Epoche (elisabethanische Shakespearezeit. Donnes Lebensdaten stimmen mit Dowlands genau genug überein, dass man sie andauernd verwechselt), ähnlicher Umgang mit ähnlichem Thema, gleicher Vorname, sogar gleiche zwei Anfangsbuchstaben des Nachnamens — nicht wieder passieren; die Donne-Übersetzungen mussten also frühzeitig erstellt oder zusammengesucht und ins Booklet eingeplant werden.

Bei der bekannten Caprice von Sony in Copyrightfragen (lassen Sie mich hier nicht von ihrem Umgang mit YouTube anfangen…) kommt der Veröffentlichung sehr entgegen, dass John Donne seit deutlich mehr als 70 Jahren tot ist und deshalb von jedem reproduziert und adaptiert werden darf, der Freude an dergleichen hat — oder wie Werner von Koppenfels es 1986 im Nachwort zu seiner Übersetzung ausdrückt:

Keine der bisherigen Ausgaben […] hat Donne zu einer lebendigen Präsenz im deutschen Sprachraum verholfen, und keine ist so frei von Reimnot und Wortstellungskrampf, daß sich weitere Versuche erübrigen. Weder Dichterwitwen noch Copyright wehren gottlob solch verwegenem, aber notwendigem Unterfangen.

Hurra. Es wäre verwegen, aber notwendig und von Natur aus erlaubt? Na, dann ans Werk! Mein eigener erster Versuch am Song liegt leider vor der Zeit, in der man so selbstverständlich Speichermedien für seine literarischen Bemühungen verwendete, außerdem erscheint eine Donne-Übersetzung mit oberostfränkischen Einschüssen aus dem Landkreis Nürnberger Land für eine internationale Verwendung nicht einmal mehr fragwürdig, selbst wenn er gerade dazu dient, von Koppenfels’ beklagtem Wortstellungskrampf vorzubeugen. Darum legte Hille ihren Einstiegsversuch vor, mit dem sie bei ihrer mir verschlossenen recherchefreien Naturmethode gar nicht so kläglich abschnitt:

Kannst Du denn zur Schnuppe fliegen
die Alraune schwanger kiegen?
Sagen wo die Zeit geblieben
wer in des Teufels Fuß den Spalt getrieben?

Mir lagen zum Einlesen in Donnes Tonfall die Gesamtausgabe von Sir Grierson sowie die deutschen Auswahlen von Vordtriede und von Koppenfels vor, also die älteste und die jüngste. Das gestützte Einfühlen geschah entgegen Hilles Rat, die ihre Übersetzungsarbeit lieber unbeschwert von geistigem Ballast angeht; mein eigener Approach ist aber, zuvor zu studieren, was da schon gedacht und versucht wurde — und ja: Das ist verkopft. Mehr als diese drei Bücher gaben die mir ohne weitere Einschreibungen zugänglichen Bibliotheken ohnehin nicht her. Aus ihnen entnahm ich, dass selbst Ullstein, wie angeführt, das Rad nicht neuerfunden, sondern ein noch ausreichend geländegängiges Hollandrad aus den Achtzigern wiederverwendet hatte — und weit weniger ermutigende Sachen als die mit dem freilaufenden Copyright:

Wenn Lyrik unübersetzbar ist und gerade deshalb den sprachlichen Grenzgänger zum Betreten Utopias einlädt, so muß dies (falls ein Paradox die Steigerung verträgt) umso mehr für den größten der Metaphysical Poets gelten. Zur berüchtigten Silbenknappheit des Englischen, einer naturgegebenen Erschwernis englisch-deutscher Versübersetzung, kommen bei Donne unglaubliche Bedeutungsdichte bei komplizierten Reimmustern und Strophenformen, dramatisch abrupte Gedankenführung, überspannter, enjambementreicher Satzbau, Nachbarschaft gegensätzlicher Stillagen, Wortspiele aller Art und schwindelerregende Metaphorik. (Die Referenzbereiche der Bildersprache wie alte Kosmologie, Jurisprudenz, Theologie, Alchimie, Aberglauben, Petrarkismus, elisabethanischer Alltag stehen dem modernen Leser nicht gerade besonders nahe.)

Werner von Koppenfels, a.a.O.

Damit waren die Schwierigkeiten klar, keine davon unüberwindlich. Nach der üblichen Phase der Prokrastination übersetzte ich in der Osternacht 2010 das ganze Stück in einem Husarenritt runter. Ich verkünde nie das Evangelium, kann aber grundsätzlich immer einen aussprechlichen Grund angeben, warum ich an welcher Stelle genau das und nicht etwas anderes hingeschrieben habe. Nicht jede meiner Lösungen muss die beste aller möglichen sein, aber man darf voraussetzen, dass ich mir bei jeder etwas gedacht habe. So auch im Lied.

Mit derselben Überschrift geht die Erklärungsnot schon los: Die Übersetzung war für ein CD-Booklet vorgesehen — also passender ein “Lied” wie bei Schubert, und nicht, wie man sich auch wünschen könnte, als “Song” belassen wie bei Lennon/McCartney. Genau das meinte ich damit, dass es auf Fränkisch statt Deutsch oft zielgenauer und eindeutiger wäre: Das süddeutsch dialektale “Liedl” wäre unzweifelhaft. Außerdem befürchtete ich bei “Song” schon wieder eine schlimmste anzunehmende Klassikabonnement-Rentnerschaft quaken zu hören: “I hob denkt, des is af deidsch, wos kennäsn dou ned deidsch redn?!” Also Lied und ecce epistula.

Ob die mandrake eine “Mannswurz” oder “Alraune” (metrumhalber nicht “Alraun”) sein sollte, wollte ich als einzige Stelle explizit Hille höchstselbst entscheiden lassen. War ja die “Mannswurz” immerhin einer ihrer Wunschvorschläge und gefiel mir deswegen, weil es betont, wie es ja überhaupt gar nichts Männlicheres auf der Welt geben kann, und ausgerechnet dem soll einer jetzt Kinder machen gehen. Dagegen “Alraune”: kommt dem Alchymie-Teil des Oberthemas entgegen und würde voraussichtlich öfter verstanden. Der unmaßgeblich einzigen Testleserin war nicht geläufig, was eine Mannswurz ist, erschien aber bei Alraune die im kollektiven Bewusstsein verankerte Bilderwelt aus Paracelsus, Kabbala und Frankenstein.

Die erste Eindeutschung, Vordtriede bei Insel 1961, meint zu der Stelle noch:

Ich halte die zweite Zeile, obwohl dies die einzige Lesart ist, für verderbt. “Get with child a mandrake root” scheint, über die gewollte Unmöglichkeit hinaus, sinnlos. Vielleicht sollte man lesen: “Werde schwanger durch Alraun” [statt: “Schwängere mir den Alraun”].

Was für ein phantasieloser Lyrikübersetzer. Auch später im Nachwort:

Unmöglich sich vorzustellen, das romantische Lied könne sich Donnescher Verse bedienen.

Ist das so? fragte ich da die Musik in Gestalt von Hille, fällt die Musik wirklich dermaßen unterschiedlich aus, nur weil da einer im Text mit Conceit und Metaphysik gelahrte Inhalte in Gefühlsdarstellung überträgt, statt sein Inneres auszuforschen oder was immer die späteren Romantiker und Viktorianer ihre Formen gießen?

Andernorts meint Vordtriede:

Die dichterischen Hauptmittel […] sind, inhaltlich, der Witz im weitesten Sinn und, formal, der wechselnde Rhythmus und die Antithese.

Wenn wir das auf Musik anwenden, kam für meinen laienhaften Begriff Mozart raus, jedenfalls etwas viel Späteres als Donne, oder nicht? Wie weit war Donne seiner Zeit voraus — oder Vordtriede hinterher? Johann Sebastian Bach, zeitlich näher an Donne und gleich ihm einer, der dem Rest der Welt Jahrhunderte voraus war, konnte ja alles — und ich Übersetzerlein stand damit da und sollte mich mit diesem virtuellen Olymp voller Genies danach richten.

Meine Lösung für den Anfang “Wer fängt mir” ist, wie man bemerken wird, jambisch, nicht trochäisch wie alle drei originalen Donne-Strophen. Und beide bestehenden, veröffentlichten und vorliegenden Übersetzungen der zwei Werners (ist das fürs Donne-Übersetzen Voraussetzung oder nur Qualifikation?) Vordtriede und von Koppenfels halten das auch ein. Respekt an die Kollegen, aber ich fand dieses Fitzelchen in der Formgebung unnötig, wenn man dafür den Inhalt süffiger machen konnte. Ohnehin war mir nie eingegangen, wie man Gedichte ausgerechnet so gestrenge danach einteilen mag, ob sie vor ihren — meistens — vier Hebungen noch ein Silbchen Auftakt haben oder nicht. Wenn man erst die eine oder andere Form angefangen hat, soll man sie weiter durchhalten, so viel ist wahr, sonst verliest und verschluckt man sich ständig, und im Vortrag klingt es wie früher Reinhard Mey (“zum Behúf der Vórla-gé beim zuständ’-gén Ertéilungsámt”). Sollten mir solche Stellen unterlaufen, darf man mich immer noch nachkorrigieren. Mir fallen schon lange keine mehr auf, aber man liest selbst immer nur, was da stehen soll.

Abgesehen von solchem überschätzten Auftaktgefrickel galt es den Donnischen Rhythmus einzuhalten, ohne zuviel vom Inhalt dranzugeben. Das hat Vordtriede wie von Koppenfels ja offenkundig auch in Atem gehalten — gerade in den jeweils letzten drei Versen, in denen man kein Reimpaar, sondern einen Dreier finden muss. Trochäen sind unter Umständen schön und nützlich, nur wenn etwas an diesen pointierten Stellen hakt, das fällt auf und kann das ganze Lied zerstören. Und bitte kurze Wörter, die möglichst viel Bedeutung tragen, oder wozu sonst stehen die so prominent aufgebockt in den Strophen?

Der Tonfall blieb deshalb antikisierend wie das Original, dabei so flüssig lesbar wie irgend möglich. Und sollte, gemäß Vordtriedes “gewollter Unmöglichkeit” eine Idee von “Ja, nee, is klar, ne” behalten — ein gottergeben resignierendes Dreinfügen in das Schicksal, wohl nirgends ein treues Weib zu finden. Denn man freut sich nicht ob dieser Aussicht, doch kann sich ihrerhalber auch nicht entleiben: ein Lachen unter Tränen, das frisch wie am ersten Tag von 1604 herüberweht.

Strophe 3 bekam einen alternate take. Das ist eine vorab entstandene Version, mit der ich dann doch nur so mittelglücklich war. Ich behielt sie trotzdem vorerst als Steinbrüchlein, falls Hille Änderungen anregte; hier teile ich sie aus dokumentarischer Nostalgie mit. Übersetzerseits empfohlen wurde schon bei Lieferung das, was als Fließtext dastand.

Der größte Rest war hoffentlich selbsterklärend: Wenn man es toterklären musste, lebte es nicht mehr, und grade das sollte mein Ehrgeiz sein. Das Zielpublikum war eins, das sich auf denkbar “schwere” Musik einlassen, und keins, das sich lange mit lyrischen Inhalten auseinandersetzen wollte. Es musste umso besser werden, als es nicht der hero sein sollte.

Und siehe, nach einer Latenzzeit von drei Tagen war ich immer noch recht zufrieden mit dem Ergebnis. Im Direktvergleich liest sich meine neue nämlich eingängiger als die zwei erreichbar verlegten Versionen, worin ich gerade für die Verwendung im CD-Booklet eine objektive Qualität begründen kann. Das mag an meiner Hybris liegen, mit der ich leben muss. Hilles Loves Alchymie bekommt also etwas richtig blitzblank Zeitgemäßes. Im Wortlaut:

Lied

Wer fängt mir eine Schnuppe, geht
     der Mannswurz Kinder machen,
bringt Jahre wieder, die verweht,
     könnte Satans Huf zerkrachen?
Lass die Meerjungfrauen singen,
     lass die Eifersucht verklingen
          und find
          den Wind,
der solchen weht, die aufrecht sind.

Bist du einer mit dem klaren
     Blick, der schaut, was keiner glaubt,
kannst doch zehntausend Tage fahren
     und Nächte, bis voll Schnee dein Haupt;
wenn du wiederkommst, berichte
deine seltenen Gesichte:
          Nie fand
          ein Land
ein Weib gleich schön und treu bekannt.

Wirst du Meldung machen müssen,
     pilgre ich, wohin sich’s lohnt.
Oder will ich’s gar nicht wissen,
     denn selbst wenn sie beim Nachbarn wohnt
und du sie treu getroffen hast,
hätt sie doch, eh du dich versahst,
          zwei
          bis drei
betrogen, bevor ich dabei.

~~~|~~~~~~~|~~~

((Strophe 3, alternate take:

Findst du eine, sag mir’s weiter,
     die Pilgerfahrt hätt sich gelohnt.
Nein, tu’s nicht, das ist gescheiter,
     denn selbst wenn sie beim Nachbarn wohnt
und du sie noch treu treffen magst,
hätt sie doch, bis du’s mir erst sagst
     zwei
     bis drei
betrogen, bevor ich dabei.))

I Heard the Mermaids Singing, 2008 PosterFast schade ist, dass die Musik bei meiner Übersetzung längst eingegeigt war und nur noch für den Feinmix anstand: Mit all dem Wissen, das einem wegen magerer 3×9 Zeilen aus allen Ecken zuläuft, hätte ich glatt gern Regie geführt: Ein “Brillantfeuerwerk von Conceits” begegne uns da, “Daseinsdeutung im Zeichen des Todes als Garanten irdischer Desillusion und der Jenseitshoffnung”, obendrauf “selbstquälerische Liebeslogik”, die erfüllte Liebe nur als wechselseitiges Glück möglich hält und demnach — news and surprise — das ernst nehmen muss, was heute significant other heißt, und alles mit “erotischer Motivik als zentraler Bestandteil der geistlichen Bildersprache” — mithin etwas Zwingendes auf dem Wege von mittelalterlicher Marienminne über Shakespeare zu den 1990er Riot Grrrlz. Ein Job für Oskar Supermaus — oder für Pink Floyd? oder ein Wagnerorchester, das Hollywoodschinken versoundtrackt? oder Tom Waits plus zwei schläfrige Bierdümpfel an Pump Organ und Singender Säge? Zu wievielt, hieß es, haben Hille und Kollegen das eingespielt…? — Und woher und von wem sind eigentlich die ganzen anderen nötigen Übersetzungen?

Bilder: Hille Perl & Lee Santana in St. Gallen, 2009;
John Donne, ca 1595;
I Heard the Mermaids Singing, 2008.

Written by Wolf

22. May 2010 at 12:01 am

Posted in Moses Wolf

Special Eintrag to smashill:

with 3 comments

And nothing that moves on land or sea
Will seem so beautiful to me

Rachel Field/Natalie Merchant.

Es mag in den Kommentaren untergangen sein, aber du hast im Mai-Gewinnspiel gespielt und gewonnen! Deine Adresse zum Gewinnverschicken wäre recht — siehe ebenfalls den einschlägigen Kommentar. Glückwunsch nochmal!

Weiter mit Musik: Natalie Merchant: Equestrienne, aus: Leave Your Sleep, 2010 (die mag ich nämlich zur Zeit, war grade aufm Konzert, und welche im Dreiertakt sind eh immer die schönsten, auch wenn das Video etwas, öh, zurückgenommen is).

Written by Wolf

19. May 2010 at 6:45 am

Posted in Kommandobrücke

Ambra (Love Is a Touchscreen App)

with 2 comments

Und wissen wir auch nicht, was Liebe ist, so machen wir sie doch. Seit Jahrtausenden machen wir Liebe. Millionen und Abermillionen Kubikmeter Liebe. Fahrlässig, sagt der TÜV, kein Wunder, daß immer alles schiefgeht. Ach was, sagen die anderen, wenn keiner was weiß, ist alles immer wieder prickelnd und aufregend neu. […] Jedenfalls: Manche verlieben sich nur ein einziges köstliches Mal im Leben. Werden weich in den Knien, müssen schlucken, warten auf SMS, geben sich den ersten Kuß, gestehen sich ihre Liebe, umarmen sich, geben sich hin. Dann kommt etwas dazwischen, und alles ist vorbei. Zum Beispiel stirbt einer von beiden im Alter von fünfundneunzig Jahren. Oder etwas fällt runter, und vor lauter Schreck vergißt man, daß man gerade noch verliebt war. Aber verlieben sollte man sich trotzdem; man sollte es sogar versuchen, wenn man in der FDP ist. Denn Love haut rein wie Hulle.

Gunnar Homann: Liebe, in: Titanic, April 2010, Seite 60 f.

Christina Dichterliebchen hat wieder eins geschrieben:

Ambra

The Faintest Way, PianoErst seit uns in Netzwerk-Tagen
ein Sun Microsystem heizt,
lieg ich barfuß bis bis zum Kragen
auf die Schiffsplanken gespreizt.

Was wir sonst nie treiben dürfen,
bleibt hier alles virtuell:
Saugen, Blasen geht beim Surfen
in Outlook wie im Ausguck schnell.

Was Liebe ist? — Eine der bloßen
Touchscreen-Apps, und viel mehr sollen
wir nicht wissen — wie Matrosen,
die gar nicht schwimmen wollen.

Im Kopf des Wals ist so viel Platz,
und Seerosen blühn erst im Herbst,
und Seegang tobt, bis du, mein Schatz,
dereinst mein Facebook-Passwort erbst.

Kannst du mal von Flickr wegkommen, ich will heut noch fertig werden. -- Wo is eigentlich dein alter Tütü hingekommen

Bilder: Der alte Firefox Christina Dichterliebchen lässt sich als Flickr-Star auftakeln;
The Faintest Way (inzwischen gelöscht).

Written by Wolf

15. May 2010 at 5:04 pm

Death to the living, long life to the killers. Success to sailors’ wives & greasy luck to whalers

with 2 comments

Let the filmmakers speak:

AMERICAN EXPERIENCE Premieres Ric Burns’ “INTO THE DEEP: AMERICA, WHALING & THE WORLD” May 10 on PBS

The Epic Story of America’s Quest For The Leviathan

03.18.2010 – A fantastic sea adventure, a cautionary economic and environmental tale, and a mythic saga of man and nature, INTO THE DEEP: AMERICA, WHALING & THE WORLD will premiere on the PBS series AMERICAN EXPERIENCE on Monday, May 10, 2010 at 9PM.

“The ship? Great God, where is the ship?”
Herman Melville

American Experience Films. Into the Deep, by Ric BurnsINTO THE DEEP: AMERICA, WHALING, & THE WORLD, from filmmaker Ric Burns, tells the thrilling and epic story of three centuries of American whaling, and the unique relationship between American whalers and the giant creatures they hunted. The hunt for these mysterious, mammoth beings helped fueled the expansion of the American economy – propelled tiny backwater ports like Nantucket and New Bedford to the unrivalled center of the whaling world – and pioneered the first truly global enterprise America ever knew. At the height of the whaling industry, U.S. whaleships encircled the globe, a massive state-of-the-art fleet crewed by highly-skilled mariners whose ever-widening search for whales enabled them to chart the seven seas. The magnificent creatures were slaughtered for the precious oil that filled their massive heads, the high-quality illuminant that lit the drawing rooms of Europe and greased the wheels of the Industrial Revolution.

Few aspects of the American experience have struck more deeply into the imagination of the American people – or resonated more profoundly with deepest American hopes, fears and dreams – than the savagely primal, unfathomably limit-testing experience of whaling. Says Ric Burns, “the epic story of whaling is intimately bound up with the story of America, in strange and telling ways: as a riveting case study in maritime culture at its most extreme – as a dark and shining parable of American capitalism on the rise – and as an allegory for the American, and the human experience – long before a restless sometime whaleman and would-be writer named Herman Melville ever went to sea.”

Pacifists and Profiteers

Whaling was part of the American experience from the earliest days of European settlement. Within ten years of the arrival of the Mayflower, drift whaling—the passive capture of beached or stranded whales—was underway up and down the Atlantic coast. But it was on the island of Nantucket, a Quaker enclave off the Massachusetts coast, that whaling took the most tenacious hold. In 1690, after a few decades of farming had exhausted Nantucket’s meager resources, the island’s inhabitants turned to whaling as their shared path to financial success, and never looked back.

The worldwide demand for whale oil began to soar and Nantucket threw itself with a vengeance into the dangerous and bloody art of deep-ocean sperm whaling and the island’s whalemen brought that complex enterprise to a pitch of state-of-the-art perfection never equaled before or since. Still, for all of the technology that attended it, at the center of the whaling enterprise remained a simple, primordial drama, not so far removed from a paleolithic hunt. The killing of the whale required proficiency in a method at least centuries old: fastening a small boat to an enraged mammal with a “harping iron” and rope; waiting for the massive creature to gradually exhaust itself as it towed the boat behind it; then stabbing it to death with an iron lance or spear at close range. Blood gushing from the blow hole signaled the whalers’ victory. Generation after generation of Nantucket men, many of them pacifist Quakers schooled at whale-killing since childhood, would become among the world’s most skilled practitioners of this lethal but lucrative art—perhaps the defining paradox in an industry that had more than its share.

A Tale of Two Ships

INTO THE DEEP explores two events that would forever anchor whaling into the American consciousness. On August 12, 1819, the whaleship Essex set sail from Nantucket, bound for the Pacific. By now a truly global enterprise, whaling produced huge profits, but required more capital, covered vast distances, and consumed massive amounts of time. Voyages that once took six months now took years as the hunt for declining whale populations required farther exploration. Vessels and crews became larger; labor and costs were squeezed and an industry that had once been paternalistic and community-based became more specialized, cosmopolitan and anonymous. And more dangerous.

Danger had always been an integral element of the whaling enterprise. Many whale ships never returned home but none suffered a more horrific fate than the Essex, which, on November 20, 1820, thousands of miles off the coast of Peru, was rammed not once but twice, by a sperm whale as long as the ship itself. The awesome power of the whale sent the vessel to the bottom of the ocean, but twenty sailors made their frantic way onto whaleboats. Eight would ultimately survive after a harrowing ordeal that lasted months and reduced the sailors to cannibalism.

It was in the 1840s that the golden age of American whaling reached its zenith, and New Bedford replaced Nantucket as the whaling center among some sixty domestic ports. By the middle of that decade, 735 out of the 900 whale ships sailing the world’s oceans sailed under an American flag. Seventy-thousand people made their livelihoods from whaling, including 20,000 men who populated the ships themselves, sailing the oceans in pursuit of every variety of whale: right, humpback, bowhead, gray, and the most valuable of all, the sperm whale. During the industry’s most profitable year they killed more than 8,000 whales, generating profits of $11 million.

The Poet

Into this heady world walked Herman Melville, a restless 21-year-old from New York whose family had fallen on hard times. In December of 1840, he arrived in New Bedford, looking for work. He soon set sail aboard the Acushnet, a whaling ship bound for the South Pacific, toward the same marine wilderness that the ill-fated Essex had traveled some twenty years before.

By one of the most fortuitous events to occur in literary history, Melville’s ship tied up alongside another vessel, a mid-ocean “gam,” or rendezvous. On that ship was a young seaman, William Henry Chase, whose father, Owen Chase, had been first mate of the Essex, and one of the tragedy’s few survivors. The younger Chase gave Melville a copy of his father’s memoir, and the harrowing tale of man vs. nature would haunt him for a decade. In 1850, he set to work on Moby Dick, arguably the greatest novel ever written by an American. “For God’s sake,” he implored his readers, “be economical with your lamps and candles! Not a gallon you burn but at least one drop of man’s blood was spilled.”

The fictional crew aboard the Pequod reflected the incredible diversity Melville had experienced in his own whaling career. His characters include Native Americans, Indians, Africans, Pacific Islanders and others from China, Denmark, England, Spain, and the Azores, as well as Quakers from Nantucket, Cape Cod and Martha’s Vineyard.

Even though the novel was written in the white heat of the whaling moment, when Moby Dick was published in 1851 it was met with scathing reviews and, far worse, indifference. Two years into the California Gold Rush, Americans were losing interest in the maritime wilderness of the great oceans, focusing instead on the boundless possibilities of the American West.

The golden age of whaling was drawing to a rapid close. In 1854, out on Nantucket, where so much whaling history had been written, the town replaced its whale oil street lamps with gas lights. Then, in 1859, the discovery of petroleum in Pennsylvania identified the illuminant and lubricant of the future, and quickly relegated whale oil to a rapidly fading past. The Civil War ship-crushing disasters in the Arctic during the 1870s only accelerated the American whaling fleet’s drift toward oblivion.

INTO THE DEEP’s look at our whaling past is stark reminder of not only the volatility of the global marketplace but the danger of viewing the planet and its creatures as commodities,” says AMERICAN EXPERIENCE executive producer Mark Samels.

* * *

About the Participants (in order of appearance)

Nathaniel Philbrick lives on Nantucket and is the author of In the Heart of the Sea: The Tragedy of the Whaleship Essex, a winner of the National Book Award. His newest book, The Last Stand: Custer, Sitting Bull and the Battle of the Little Big Horn, will be published in May 2010.

Daniel Vickers is the head of the department of history at the University of British Columbia and the author of Young Men and the Sea: Yankee Seafarers in the Age of Sail.

Lisa Norling is a history professor at the University of Minnesota. She has written several books and about women and maritime history including Captain Ahab Had a Wife: New England Women and the Whalefishery, 1720-1870; Iron Men, Wooden Women: Gender and Seafaring in the Atlantic World, 1700-1920, ‘How Fought With Sorrow and Heartpangs’: Mariners’ Wives and the Ideology of Domesticity in New England, 1790-1880, and The Sentimentalization of American Seafaring, 1790-1870.

Mary K. Bercaw Edwards is associate professor of English at the University of Connecticut. Her publications include Melville’s Sources (1987), Herman Melville’s Whaling Years (2004), and “Ungraspable Phantom”: Essays on Moby-Dick (Kent State University Press, 2006).

D. Graham Burnett is a historian of science at Princeton University; his Trying Leviathan: The Nineteenth-Century New York Court Case That Put the Whale on Trial and Challenged the Order of Nature won the 2007 Hermalyn Prize in Urban History and the New York City Book Award in 2008.

Eric Jay Dolin is the author of Leviathan: The History of Whaling in America.

Stuart Frank is Curator of the New Bedford Whaling Museum, in Massachusetts.

Michael Moore is a Marine Biologist at the Woods Hole Oceanographic Institution, in Massachusetts.

Margaret Creighton is a Professor of History at Bates College and the author of Rites and Passages: The Experience of American Whaling, 1830–1870.

Andrew Delbanco, a professor of American studies at Columbia, is the author of Melville: His World and Work.

About the Filmmakers

Ric Burns (Producer) is best known for his acclaimed series New York: A Documentary Film, a sweeping chronicle of the city’s history, which garnered several honors, including two Emmy Awards and an Alfred I. duPont-Columbia Award. Burns’ career began with the celebrated series The Civil War, which he produced with his brother, Ken. Burns’ other films include Coney Island, The Donner Party, The Way West, Eugene O’Neill, and Andy Warhol: A Documentary Film. Most recently, Burns wrote, produced, and co-directed Tecumseh’s Vision, part two of the groundbreaking five-part miniseries We Shall Remain. A graduate of Columbia University and Cambridge University, Burns lives in New York City.

Mark Samels (Executive Producer) was named to lead PBS’s flagship history series, AMERICAN EXPERIENCE, in 2003 after serving as senior producer since 1997. Produced by WGBH/Boston, AMERICAN EXPERIENCE is television’s most-watched and longest running history series, and the recipient of every major industry award, including the Peabody, Primetime Emmy, Writers Guild and duPont-Columbia Journalism Award. Numerous films for the series have been recognized at major film festivals, including Sundance, and eight have been nominated for Academy Awards®. Prior to joining WGBH, Samels worked as an independent documentary filmmaker, an executive producer for several U.S. public television stations and as a producer for the first co-production between Japanese and American television. A native of Wisconsin, he is a graduate of the University of Wisconsin-Madison.

For further info and photos visit www.pbs.org/pressroom.

Links to the participants’ works shall follow in the Bücherliste.

Loads of thanks for attention and sharing to Cohu!

1:52 hours video on WGBH American Experience Films! Use Full Screen!

Text and image: American Experience Films.

Written by Wolf

12. May 2010 at 6:43 am

Posted in Rabe Wolf