Moby-Dick™

Leben mit Herman Melville

Archive for the ‘Steuerfrau Steffi’ Category

Weihnachten winkt: Steffi hat Kapitel 22 gelesen

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Steffi sagt:

Katchoo wants her FBI file looked upSo, mit angemessener Verspätung, um alle vergrault zu haben und doch einen guten Grund zu haben, melde ich mich wieder an Deck und völlig seetüchtig. Ich melde mich nun von einem anderen Standpunkt aus und bin seit gestern auch wieder von zuhause aus internetfähig. Ich ziehe also alle Segel auf und versuche wieder in den fremden Gewässern Fuß zu fassen, ruderisch zu euch aufzuschließen und tapfer in meinem Beiboot dem Wal hinterherzusegeln.

Falls euch noch Metaphern einfallen, die ich vergessen habe, könnt ihr sie gerne nachtragen.

Also. Weihnachten.

Zum Glück fühlt es sich außerhalb meines Schreibtisches eher wie Hochsommer an und ich kann mich gut in die Mannschaft hineinversetzen, wie sie einst sich nahezu aller Kleidungsstücke entledigt auf dem Deck darben wird.

Noch ist es nicht so weit.

Noch ist eher Zeit zurückzublicken, denn nun geht es doch eigentlich erst richtig los. Wir erreichen die offenen Gewässer. Ahab ist immer noch nicht gesehen, doch schwingt Melancholie mit, und prophetische Worte werden gesprochen. Wenn auch noch falsch bezogen, können sie einem einen Schauer über den Rücken jagen, wenn Ismael uns an seinen Gedanken teilhaben lässt: “[…] dachte ich doch an die Gefahr, in die wir uns beide begaben, indem wir die Fahrt mit dem Leibhaftigen als Lotsen antraten.” (Seite 183)

Also, Männer, in die Hände gespuckt, den Teufel ins Auge gefasst und denn mal tau.

Sailoress by Operaghost

Written by Wolf

3. May 2007 at 12:01 am

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Steffi hat das 20. und 21. Kapitel gelesen…

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… und fürchtet die Nemesis:

Stefanie DrecktrahJa, es geht los. Auch Ismael fängt ein neues Leben an und in der Tat geht es jetzt wirklich los – alle Mann an Bord und Leinen los.

Und immer noch hält sich der Schleier um den bedeutendsten Mann in dieser Geschichte. Ahab wurde immer noch nicht gesehen. Er ist ein Phantom, das personifizierte Damoklesschwert, das über den Köpfen der Mannschaft hängt.

Und dann bekommt alles noch eine weitere Bedeutung, denn wir erfahren, dass es für alles an Bord Ersatz gibt – außer für das Schiff selbst und für seine Nemesis – Captain Ahab.

Anders gesagt, er ist unersetzlich und man muss stets im Auge haben, dass er den Mann nie gesehen hat, „der des Schiffes unumschränkter Diktator sein sollte“ (Kapitel 20, S. 175).

Ismael spürt, dass etwas faul ist im Staate Dänemark (um mal bei anderen Klassikern zu räubern), aber er ist kein Dänenprinz, der sich damit auseinandersetzt und sich damit dem Untergang weiht. Vielleicht ist es Ismaels Unbedarftheit, die ihn davor schützt, am Ende mit den anderen unterzugehen.

Im folgenden Kapitel lernen wir dann endlich eine weitere Lichtgestalt kennen (auf die ich mich persönlich am meisten gefreut habe): Starbuck betritt zum ersten Mal die Bühne und es ist sofort klar, dass er auf der Lichtseite der Geschichte steht. „Ein forscher Erster ist das, ein guter Mann und fromm dazu.“ (S. 180)

Die Spiele mögen beginnen.

Written by Wolf

24. February 2007 at 1:28 am

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Prophetin Steffi gibt alles

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nachdem sie Kapitel 19 gelesen hat:

Prophetin ohne PockennarbenIn der Personenbeschreibung des Propheten zeigt sich die ganze Genialität du Wortgewalt eines Herman Melville:

Verwachsene Pockennarben ergossen sich nach allen Seiten über sein Gesicht und gaben ihm Ähnlichkeit mit dem verästelten, vieladrigen Wasserlauf eines Sturzbaches, wenn die tosenden Wasser versiegt sind.“ (S. 167)

Wow, kann ich da nur sagen. Anschaulich beschrieben, etwas gruselig oder abstoßend in der Wirkung und noch ein Stück Lebensgeschichte des Beschriebenen vermittelnd. Es wird klar, dass dieser Mensch schon viel erlebt haben muss. Die Pocken wahrscheinlich schon in seiner Kindheit (deswegen verwachsen) und gerade aus den schlimmsten Strömungen des Meeres entronnen. Im Gespräch stellt sich heraus, dass sein Arm versehrt ist – es ist zu deuten, dass er ebenfalls Opfer eines Wals wurde und damit die Dämonen gestreift hat, die Kapitän Ahab nun umtreiben.

Ja, er weiß die Zukunft vorherzusehen (wenn nicht, wäre er andererseits auch ein armseliger Prophet) und er weiß, dass Kapitän Ahab erst dann wieder wohlauf ist, wenn sein Arm das auch ist.

Er deutet noch viel mehr an, ohne Genaueres zu nennen, was Kapitän Ahab in seinem Seemannsleben passiert ist. Von Entweihung ist die Rede, wobei nicht klar wird, ob das vor oder nach der Begegnung mit Moby Dick geschah.

Es wird jedenfalls klar, dass dieser Wal ihn auf mehrere Arten gezeichnet hat als nur auf die physische. Er ist verändert, auch wenn die Besitzer der Pequod das noch nicht sehen können.

Es bleibt im Dunkeln, ob Kapitän Ahab auch schon vorher ein „Teufelskerl“ war. Verzeiht mir meine dünne Quellenlage (ich hoffe auf mehr Klarheit in den Monologen des Kapitäns in seiner Kajüte), aber die Verfilmung mit Patrick Stewart deutet an, dass er vorher ein ganz anderer gewesen sein muss – ein Seemann mit Familie, Anstand und Respekt.

Die Frage, die sich mir unmittelbar stellt, ist, warum es ihn derart aus der Bahn geworfen hat? Warum hadert er danach mit Gott und der Welt? Es scheint, als wäre mehr passiert, als dass eine Naturgewalt ihm bei einem Kampf (den er wohlgemerkt angefangen hat) das Bein abgerissen hat. Es scheint, als wäre er auf unverzeihliche Art und Weise entweiht, entwürdigt und gedemütigt worden, so dass es keinen anderen Weg als die Blutrache gibt.

Das führt mich gedanklich in ganz andere, modernere Gewässer der Religionsinterpretation, aber lassen wir es hier bewenden.

Kapitän Ahab zeigt sich als Mann, der auf der einen Seite so verständlich reagiert, aber auf der anderen Seite mit der Heftigkeit seiner Reaktion befremdet.

Written by Wolf

16. January 2007 at 12:57 am

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Steffis Zeichen, Queequeg’s Mark

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Steffi hat Kapitel 18: Sein Zeichen gelesen:

Stefanie DrecktrahWir segeln wohl immer noch in humoristischen Gewässern!

Mittlerweile ist auch Queequeg zum Einschreiben in die Musterrolle eingetroffen und nach einem vortrefflichen Disput zwischen den Eignern und Ismael, ob Queequeg nun ein Heide ist oder nicht, darf er dann doch an Bord kommen.

Es kommt zu einer beeindruckenden Demonstration der Fähigkeiten Queequegs – ein Wurf mitten ins (verzeiht mir den Kalauer) whale eye und auf einmal spielt es keine Rolle mehr, ob er nun wirklich Mitglied der Ersten Freikirche ist (in der laut Ismael ja wir alle Mitglied sind) oder nicht. Die beiden Herren stellen sogar fest, dass es hinderlich sein kann, zu frömmig zu sein, schließlich ist die Tätigkeit eines Harpuniers doch nicht so gottgefällig, wie sie es am liebsten hätten.

Ja, so doppelzüngig sind unsere Presbyteriananer: davon wissen, dass es Unrecht ist, aber dann doch dem schnöden Mammon dienen. Eigentlich sehr modern, oder nicht?

QuahogHeiterkeit kam bei mir auf, nachdem Queequegs Name auf verschiedenste Weise verballhornt wird (jetzt sind wir schon wieder mitten in den Fahrgewässern der Screwball-Komödie!): Erst wird er Quohog, dann Quakquak (!), was nun absolut zum Lachen reizt – unser Queequeg klingt wie ein Ente! Da wird wirklich jemand verkannt!

Interessanterweise wird er dann in der Musterrolle auch als Quehog geführt, auch ein Hinweis darauf, dass er als jemand anderes das Schiff verlässt, als er ursprünglich angeheuert wurde?

Written by Wolf

12. January 2007 at 12:50 pm

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Steffi erlebt nach ihrem Ramadan Melville at His Best

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Steffi hat das 17. Kapitel gelesen:

Stefanie Claudette Colbert DrecktrahWenn man die letzten Tage Revue passieren lässt und sich vor Augen führt, was für einen Bohei man um die Feiertage macht, um die Zeit zwischen den Jahren, um Silvester und Konsorten, dann drängt sich der Verdacht auf, dass es für völlig außenstehende auch ziemlich befremdlich wirken muss.

Und da sind wir auch schon mitten im Kapitel.

Queequeg folgt seinem Ritus, unbeirrbar, auch wenn es unbequem ist und niemand ihn so recht versteht. Schade finde ich es, dass man als Leser nicht erfährt, was seine Gründe für dieses Verhalten ist, was seine religiöse Motivation ist.

Man erfährt allerdings einiges über Ismael und lernt einige Facetten dazu. Wir lernen etwas über seine Toleranz und lesen zwischen den Zeilen eine (weitere) Kritik Melvilles an der Kirche. So legt er Ismael, als dieser sich Gedanken über Religion und die Religion Queequegs im speziellen macht, die Worte in den Mund:

“Ich finde, als gute presbyterianische Christen sollten wir in diesen Dingen Nachsicht üben und uns anderen Sterblichen, seien sie Heiden oder was auch immer, nicht so haushoch überlegen fühlen, nur weil sie auf dem Gebiete halt närrischen Hirngespinsten anhängen.”
(S. 152)

Das Hocken auf dem Boden (wohlgemerkt auf den Fersen balancierend und mit einem Stück Holz auf dem Kopf) sei “schierer Blödsinn […], schlecht für die Gesundheit, nutzlos für die Seele, kurz gesagt: den selbstverständlichen Gesetzen der Hygiene und des gesunden Menschenverstandes zuwiderlaufend.” (S. 158)

Besonders diesen letzten Halbsatz finde ich höchst amüsant, zeigt er doch die scheinbare Toleranz humoristisch verdreht und damit auch noch unterhaltend.

Nein, ein wirklich witziges Kapitel. Massenpanik in der Unterkunft, weil Queequeg einen Schlaganfall gehabt haben könnte! Bedenken, ob man die Tür einschlagen soll; das Mädchen, das zum Zimmermann geschickt wird, mit der Bitte um ein Schild “Hier sind Selbstmorde nicht erlaubt”… Das erinnert mich an die Screwball-Komödien des alten Hollywood, das ist Entertainment pur! Sagen wir: Melville at his best, und freuen uns der Dinge, die da noch kommen mögen.

War Mrs. Hussey Bibliothekarin?Die Charakterzeichnungen der Figuren werden immer vielfältiger, blühen auf von zarten Knospen zu vielgestaltigen Blütenkelchen und doch ist es bis zur vollen Blüte noch ein weiter weg – nicht nur kalendarisch, will ich sagen.

Written by Wolf

9. January 2007 at 1:08 am

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Kapitel 16: Das Schiff

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Steffi hat gelesen und gelernt:

Stefanie Drecktrah“… wenn er auch schrecklich geschlagen und verwüstet sein mag, so hat Ahab doch seine menschlichen Seiten.” (S. 150)

In diesem Kapitel nähern wir uns also einer weiteren wichtigen Hauptperson: der Pequod. Ismael beschreibt sie uns ausführlich, macht uns klar, wie einzigartig sie ist und wie sehr sie sich von den anderen Schiffen unterscheidet, er nennt sie die Kannibalin unter den Schiffen und in der Tat ist sie mit ihrem Schmuckwerk exotisch und im Wesen fremd. Und doch vertraut, alteingesessen, nach einem ausgestorbenen Indianervolk benannt und dadurch mit schlechtem Omen? Ismael zieht Vergleiche aus dem wahrhaft großen Kulturerbe Europas und verweist damit doch auf die dunklen Seite der Geschichte, auf Kreuzzüge, Mord und Verrat.

Eine Kannibalin unter den SchiffenIch wünschte, ich hätte einen unverhangenen Blick auf diese Atmosphäre, wüsste nicht, was das Schicksal dieses Schiffes ist, denn dann hätte ich sagen können, ob ich es wirklich so düster und bedrohlich fände, wie es mir jetzt scheinen soll. Nein, die Pequod umweht in der Tat ein Odem von Abenteuer und Tod und ich weiß nicht so recht, warum Ismael immer davon ausgeht, dass es das richtige für die beiden ist. Ich denke, er folgt damit der Verabredung mit dem Schicksal, das es zu erfüllen gilt.

Melville gibt in diesem Kapitel auch herrlich deutlich wieder, was es mit der (Doppel-)Moral der Quäker auf sich hat. Ehrlich gesagt muss ich bei Quäker immer an einen Film mit Anthony Perkins denken, in der er als Quäkersohn hin– und hergerissen ist zwischen religiöser Pflichterfüllung – Friedfertigkeit bis zur Selbstaufgabe – und dem Wunsch, beim Bürgerkrieg seinen Mann zu stehen.

Diese religiöse Bewegung imponierte mir damals sehr, zumal das Dogma auch herrlich kommentiert wurde, als die Mutter ihrer geliebten Gans – ihrer “Freundin” – zu Hilfe eilt, als es droht, von den Soldaten in den Kochtopf gesteckt zu werden. Ansprüche schön und gut, aber ein Wert wie Freundschaft stand in diesem Fall doch höher.

Genug davon. Quäker sind Pazifisten, lieben den Frieden und würden niemals die Waffe gegen einen Menschen erheben – ich war mir nie bewusst, dass diese Friedfertigkeit zu Tieren bei Gänsen aufhört, die quasi zur Familie gehören. Viele der Seeleute, die auf Walfang gingen, waren Quäker und schienen dabei keine Probleme mit der Vereinbarkeit ihrer Religion zu sehen.

Die beiden Quäker, die wir dabei kennen lernen, fügen sogar noch einen Funken Theaterspiel hinzu, spielen eine Posse, um dem Grünschnabel im Anteil zu drücken. Ich glaube nicht, dass der anfängliche Geiz (nur der 777. Teil) und der Gegenrede des Miteigeners (300. Teil) tatsächlich echt war. Mir erschien es zu theatralisch und aufgeplustert, als dass ich überzeugt wäre. Immerhin ließ sich Ismael mit der Methode von seinen eigentlichen Ansprüchen auf den 275. Teil sehr einfach drücken, ohne dass tatsächlich verhandelt wurde. Ganz schön gerissen, diese Quäker.

Im Ausklang des Kapitels wird weiter an einem Mythos gestrickt, der einen wirklich revueverdächtigen ersten Auftritt verspricht: Kapitän Ahab wird beschworen, als Geist an die Wand gezeichnet und als Führer in den Himmel gelobt. Natürlich weiß unser Peleg von der Schwermut, der Verrücktheit und glaubt doch, dass sich das alles auf der Fahrt – quasi an der frischen Luft – schon legen wird, schließlich hat er Frau und Kind, das sollte doch Grund genug sein, die Schwermut abzulegen. Ja, Ahab wird schon vor seinem ersten Erscheinen dem Normalsterblichen entrückt. Er ist nicht krank und nicht gesund; einer der ganz großen Kapitäne, weitgereist, in der Universität studiert und unter den fremden Völkern gebildet; er hat mehr Wunder gesehen, als jeder andere und doch ist er gezeichnet und – wie wir wissen – für immer verändert.

Es wird hier ein großer Auftritt vorbereitet und ich bin gespannt darauf.

Written by Wolf

5. December 2006 at 1:26 am

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Kapitel 15: Steffi findet Muscheln chowderhaft

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und füttert nochmal nach:

Stefanie DrecktrahSämtlichen vorangegangenen Rezepten zum Chowder ist nichts mehr hinzuzufügen (außer dass ich die Bowle noch mal betont wissen will!). Ich mag halt nur keine Muscheln. Ich habe lange in meinem Leben gezögert, bis ich mal weche probiert habe und prompt lag ich den folgenden Tag quasi Fische fütternd im Bett.

Nee, Muscheln sind für mich nichts. Aber immerhin passen sie in dieser verqueren Sicht in die Reihe der Todesomen, die Ismael entdeckt.

Ich denke auch, dass jetzt so langsam der Ernst der Sache überwiegt. Wir übernachten ja schon im Schatten der Pequod, also im Schatten des bösen Schicksals, das zumindest für einen unseres Dreamteams das Ende bedeuten wird (ich hoffe, ich verrrate keinem Leser damit ertwas neues!). Einzig der zweifache Galgen führt uns in die Irre – schließlich wissen wir, dass für Ismael der Sarg (Coffin) ein Zeichen des Lebens sein wird und nicht sein Untergang (im wahrsten Sinne des Wortes).

Ja, wir machen uns langsam ans Eingemachte, aus Spaß wird langsam Ernst und es wird Zeit für die Einführung der anderen Protagonisten.

Ich bin froh, dass Ihr an meiner Seite seid, liebe Bordkameraden.

Written by Wolf

23. November 2006 at 12:58 pm

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