Moby-Dick™

Leben mit Herman Melville

Archive for October 2008

Das Hörbuch als Video: Kapitel 17: Der Ramadan

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Update zu Kapitel 15: Chowder; Kapitel 16: Das Schiff:

Das 17. Kapitel (17:09 Minuten) ist fertig.

A. Ayers, 2006

Copyright Lesung: marebuchverlag Hamburg, 2007.
Sprecher: Christian Brückner;
Copyright Übersetzung: Zweitausendeins Frankfurt/Main, 2006;
Buch mit 2 .mp3-CDs kaufen.

Videobild: Queequeg von Oscar Lozoya, 1999;
Bild: A. Ayers, 2006.

Written by Wolf

31. October 2008 at 12:01 am

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Aust/Geyer/Schirrmacher/Hegewald: Wer die RAF verstehen will, muss „Moby Dick“ lesen

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500. Beitrag

Elke faltet sich ihr Kino aus der Zeitung:

By art is created that great Leviathan, called a Commonwealth or State — (in Latin, Civitas) which is but an artificial man.

Thomas Hobbes: Leviathan. Zitiert von Herman Melville in den Extracts.

Elke HegewaldNachdem noch rechtzeitig zum 68er Jubiläumsjahr das großangekündigte und hochkarätig besetzte Filmwerk „Der Baader-Meinhof-Komplex“ landesweit in den Kinos angekommen ist, das in vorauseilendem Nominierungseifer schon als oscarträchtig ausgekräht wird,

nachdem allerorten die einschlägigen Premierenfeiern… hm, passender wohl die Ge- und Nachdenkveranstaltungen mit erlesenem Publikum verebbt sind,

nachdem gleichzeitig der Guru des Enthüllungsjournalismus Stefan Aust seine um 300 Seiten erweiterte, akribisch nachrecherchierte und reicher bebilderte 3. Auflage der Buchvorlage auf den Markt gebracht hat —

ist es wohl an der Zeit, dass auch Moby-Dick™ als unermüdlicher Jäger und Sammler endlich gnadenlos aufdeckt und dokumentiert, welche Rolle Melville, sein Terror-Wal und die Besatzung der Pequod in der Geschichte der RAF gespielt haben. Vor allem in ihrem konspirativen Untergrund. Wir berufen uns dabei wort- und auszugsreich 1:1 auf ein aufschlussreiches Interview, das Call-me-Ismael Aust den Herren Frank Schirrmacher und Christian Geyer von der FAZ am 22. August 2007 gab:

FAZ: Der Staat, das war in der Sprache der RAF ja nicht nur das Schweinesystem, sondern auch der Leviathan, die Maschine weißer Wal, der Moby Dick. Was hat es zu bedeuten, dass sich die RAF-Leute Decknamen aus „Moby Dick“ gaben?

Filmplakat zu Moby-Dick, 1956, via FAZAust: Gudrun Ensslin war auf diese Idee gekommen, sie hatte sich die Decknamen für die Gruppenmitglieder ausgedacht, um die Postüberwacher irrezuführen. Fast alle Namen entlehnte sie Herman Melvilles Roman „Moby Dick“. Der dämonische, monomanisch-rasende Kapitän „Ahab“ stand für Baader, „Starbuck“ für Holger Meins, „Zimmermann“ für Jan-Carl Raspe, „Quiqueg“ für Gerhard Müller, „Bildad“ für Horst Mahler, „Smutje“ für Ensslin selbst. Der Wal Moby Dick, schon im Buch eine Parabel, ein chiffrenhafter Symbolkomplex, wird hier noch einmal als Chiffre eingesetzt. Der Wal ist der Leviathan, und der Leviathan ist das Sinnbild für den Staat, den die RAF als die Pappmaske der trügerischen Erscheinungswelt zerschlagen will. „Ein künstlich Ding ist jener große Leviathan, der Gemeinwesen oder Staat (lateinisch: Civitas) genannt wird und nichts anderes ist als ein künstlicher Mensch.“ So lautet der in Melvilles „Moby Dick“ zitierte Eröffnungssatz von Hobbes’ Leviathan. Diesen Staat Leviathan, diesen weißen Wal, den haben die Terroristen jagen wollen. Bei der Jagd auf den weißen Wal ist jeder Irrsinn vorgekommen, den Sie nachher auch bei der RAF gefunden haben. Deswegen war das eine sehr, sehr passende Parabel für das, was die Terroristen taten. Die Charaktere, die in „Moby Dick“ beschrieben sind, passen tatsächlich sehr genau auf die einzelnen Figuren in der RAF.

Bleiben wir kurz bei Ahab als Baader.

Dann hören Sie zu Baader einmal dies: „Und sollte von Geburt an oder durch besondere Umstände hervorgerufen tief auf dem Grunde seiner Natur etwas Krankhaftes sein eigensinnig grillenhaftes Wesen treiben, so tut das seinem dramatischen Charakter nicht den geringsten Eintrag. Alle tragische Größe beruht auf einem Bruch in der gesunden Natur, des kannst du gewiss sein.“ So schreibt Gudrun Ensslin, Melville über Kapitän Ahab zitierend, an Ulrike Meinhof über Baader. Damit war tatsächlich sehr viel gesagt. Die Ensslin war ja eine hervorragende Psychologin. Sie hatte das Gespür dafür, dass Baaders Kampf gegen den Staat Züge eines metaphysischen Endkampfs trug, ähnlich jenen, die Kapitän Ahab beherrschten.

„Ich würde selbst die Sonne schlagen, wenn sie mich beleidigt“, sagt Ahab über sich selbst. Und weiter: „Wie kann der Häftling denn ins Freie, wenn er die Mauer nicht durchbricht? Für mich ist dieser weiße Wal die Mauer, dicht vor mich hingestellt. Dahinter, denk ich manchmal, ist nichts mehr.“ Besser lässt sich die transzendentale Selbststilisierung der RAF wohl kaum formulieren.

Filmplakat zu Starbuck Holger Meins, 2001Sie werden das auch finden, wenn Sie hinter die anderen Decknamen schauen. Wie gesagt, Starbuck, der Erste Steuermann, war Holger Meins. Über Starbuck heißt es in „Moby Dick“: „Starbucks Leib und Starbucks unterjochter Wille gehörten Ahab, solange Ahab die magnetische Kraft seines Geistes auf Starbucks Gehirn ausstrahlen ließ; allein ihm war bewusst, dass der Steuermann trotz allem den Kriegszug seines Kapitäns in tiefster Seele verabscheut.“ Ja, so verhielt es sich wohl zwischen Holger Meins und Baader.

Und was spricht aus dem „Zimmermann“ als Deckname für Raspe?

In „Moby Dick“ baut der Zimmermann in einem fort Särge für die Opfer der Jagd nach dem weißen Wal, er schnitzt dem Kapitän Ahab ein neues Bein aus Walknochen und macht sich in jeder Hinsicht nützlich. Sie erfahren — das wusste Ensslin — nichts Unwesentliches über Raspe, wenn Sie bei Melville über den Zimmermann lesen: „Er glich den nicht selbst denkenden, aber höchst sinnreich erdachten und vielseitig verwendbaren Werkzeugen aus Sheffield, die, multum in parvo, wie ein — nur ein wenig angeschwollenes — gewöhnliches Taschenmesser aussehen, jedoch nicht bloß Klingen jeder Form enthalten, sondern auch Schraubenzieher, Pfropfenzieher, Pinzetten, Ahlen, Schreibgeräte, Lineale, Nagelfeilen und Bohrer. Wollten seine Vorgesetzten den Zimmermann als Schraubenzieher benutzen, so brauchten sie nur diesen Teil seiner Person aufzuklappen, und die Schraube saß fest; oder sollte er Pinzette spielen, so nahmen sie ihn bei den Beinen, und die Pinzette war fertig.“ Ist das nicht eine hinreißende Charakterbeschreibung?

Wie hat man eigentlich Horst Mahler chiffriert?

Fahndungsplakat nach RAF-Terroristen. Bundeskriminalamt Wiesbaden, November 1980, Haus der Geschichte, BonnDessen Tarnung sollte sich als die unheimlichste entpuppen. Ensslin hatte für Mahler, der sich ja dann zum Rechtsanwalt und NPD-Mitglied wandeln sollte, den Namen des Kapitän Bildad vorgesehen. Über den lesen wir bei Melville: „Und doch offenbarte der Wandel des würdigen Kapitäns Bildad bei allen strengen Grundsätzen einen Mangel an einfachster Konsequenz. Wenn er sich auch geschworen hatte, kein Menschenblut zu vergießen, so hatte er in seinem enganliegenden Quäkerrock das Blut Leviathans in Tonnen und Abertonnen vergossen. Wie der fromme Bildad nun am besinnlichen Abend seiner Tage diese Widersprüche rückschauend in Einklang brachte, weiß ich nicht; aber sie schienen ihn nicht sonderlich zu berühren, und höchstwahrscheinlich war er längst zu dem weisen und vernünftigen Schluss gekommen, dass für den Menschen die Religion eines ist und die reale Welt ein ganz anderes. Die Welt aber zahlt Dividenden.“ Wer die RAF verstehen will, muss „Moby Dick“ lesen.

Wenn wir Sie selbst mit der Erzählerstimme im „Moby Dick“ identifizieren dürfen, mit Ismael, dann wäre unsere Schlussfrage die: Was hat Stefan Aust, der Chronist der RAF, aus seiner intensiven Beschäftigung mit diesem Stück Zeitgeschichte für sich selbst mitgenommen?

Ich habe sehr viel über menschliche Verhaltensweisen gelernt. Ich habe eine Menge über Politik gelernt. Ich habe eine Menge über Gewalt gelernt. Ich habe eine Menge über die Gesetze von Gruppen gelernt. Ich habe eine Menge darüber gelernt, wie der Mensch in den Wahn gelangt.

Joaah, das hätte sich uns’ Herman wohl niemals nicht träumen lassen, in was er mit seinen braven Walfängern dereinst noch verwickelt würde. Aber wenn mans mal so ein bisschen sacken lässt? Sind solche Charaktermixturen am Ende darauf programmiert, mit vollen Segeln in den Untergang…?

Man darf ja gar nich aufhörn, Moby-Lesen zu predigen, sach ich.

Bilder: Filmplakat zu Moby-Dick 1956, via FAZ: Der Wal als Sinnbild des Staates, den die RAF bekämpfte;
Starbuck Holger Meins, 2001;
Fahndungsplakat nach RAF-Terroristen, Bundeskriminalamt Wiesbaden, November 1980, Haus der Geschichte, Bonn;
Lied: Reinhard Mey: Das Narrenschiff aus: Flaschenpost, 1998;
Film: Trailer Der Baader-Meinhof-Komplex, 2008.

Written by Wolf

30. October 2008 at 12:01 am

Ahab via Goethe

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Wolf hat Kapitel 33: Der Specksijnder gelesen:

»Je höher ein Mensch,« sagte Goethe, »desto mehr steht er unter dem Einfluß der Dämonen, und er muß nur immer aufpassen, daß sein leitender Wille nicht auf Abwege gerathe.«

Johann Peter Eckermann: Gespräche mit Goethe, 24. März 1829

This seems as good a place as any to set down noch einen Taktschlag Verzögerung, damit nur ja keine Spannung aufkommt. Einer erschöpfenden Darstellung der Wale folgt jetzt eine ebensolche der operations of the whaling ship and its hierarchy, framing the role of the harpooner or Specksynder in comparison with the rest of the crew (GradeSaver), oder wie? Nun, es hat niemand versprochen, dass es ein Hollywoodfilmchen wird, die immer das Beste dem “Tempo” opfern.

Der Schreibfehler in der Überschrift ist nicht (von mir und auch nicht) von Melville, sondern von William Scoresby, und von dem wahrscheinlich — man korrigiere mich bitte — aus dem work urging the prosecution of the search for the Franklin expedition and giving the results of his own experience in Arctic navigation. Man liest ihn sich immer automatisch zurecht, will also aus seinen intuitiven Niederdeutschkenntnissen heraus partout Specksnyder da stehen haben; meine alte Seiffert-Übersetzung hat das noch stillschweigend dahin korrigiert.

Oft sind es allein die Setzer, die dem Text den verwirrenden Opalglanz geben, den der Schriftsteller aus eigenem ihm nicht zu geben vermocht hatte. Klagen wir nicht über Druckfehler. Man weiß nicht, wodurch man tief wird.

Alfred Polgar

Was ein Specksynder oder -snyder Seemannsromantisches macht, schenk ich euch, auch den Anklang ans verflossene Kapitel 24: The Advocate, in dem abermals betont werden muss, was Walfänger für Pioniere sind. Interessant find ich’s ab der Stelle, wo der Lobgesang auf die Harpuniere auf Ahab zufährt, ihn fixiert, nicht mehr loslässt und Allgemeinmenschliches über ihn herausfindet. Von einer Betrachtung zu einem Sonderfall zu zoomen und von dem aus wieder weg in die Welt, das ist sehr groß. Deduktion und Induktion in einem weiten, souveränen Ausguck.

Ahab der schwermütige Kapitän ist demnach nicht nur ein Mensch von großer natürlicher Autorität, sondern — wie wir Vorausleser und Filmgucker schon wissen — ein Besessener, und dazu einer, der wenig Wert auf Äußerlichkeiten legt. Läuft wie alle anderen auch in Schifferklamotten herum — was seinen meisten bildlichen Darstellungen widerspricht –, lässt den Mannschaftsgraden die vollständige Bekleidung, wenn sie das Kapitänsrevier Achterdeck betreten wollen, statt sie an ihre Demut zu gemahnen — Gehorsam wird vorausgesetzt; Hauptsache, der Laden läuft. Klingt eigentlich vernünftig bis professionell. Wenn nicht die böse Obsession doch stärker wäre.

Sultanismus, lernen wir, ist nach “Specksynder” schon Melvilles zweite Wortneuschöpfung innerhalb drei Seiten, diesmal eine, die sich verselbständigt hat. Man soll ja nicht immer so ausschließlich an Wikipedia hängen, aber wenn im einschlägigen Artikel darüber die Herkunft von Melville nicht mehr erwähnt wird, kann er gerade deswegen stolz darauf sein. Archäologischer Teil: Der von Daniel Göske erwähnte Eintrag des Wortes im Oxford English Dictionary heißt:

Sultanism (sɒ•ltāniz’m). [f. Sultan sb. + -ism.] Rule like that of a sultan ; absolute government ; despotism, tyranny.
1821 New Monthly Mag. 11.354 Our admiration of chivalry and sultanism. 1851 H. Melville Whale xxxiii. 161 That certain sultanism of his brain, which had otherwise in a good degree remained unmanifested. 1869 Seeley Ess. & Lect. (1870) 88 Asiatic sultanism was set up, and all public functions fell into the hands of military officials. 1884Short Hist. Nap. I (1886) iii. § 4. 113 The rising sultanism [of Napoleon in 1804].

Sultanismus und Obsession — bei Ahab, wird unterstellt, geht der eine in die andere über. Das können wir Leser glauben oder nicht, plausibel finden oder nicht. Wenn wir es so hinnehmen, hilft das immerhin dem Fortgang der Geschichte (und den wünschen wir ja langsam…). Jedenfalls wirkt Ahab damit schon weit weniger professionell als mit seiner Orientierung auf die Sache. Es müsste nämlich die Sache des Walfangs sein. Und Melville macht uns in seinem Ausblick auf die Welt, dem induktiven Wegzoomen, mit Ahabs Veranlagung zum einsamen Diktator vertraut.

Und ab hier wird er dämonisch. Es fällt nicht gleich auf, so ohne richtig tiefes Vorwissen — oder dem interessierten Blick in Göskes Anmerkungen, aber es ist überzeugend, wie sich Ahabs Zwangscharakter und diktatorisches bis dämonisches Gemüt aus der deutschesten aller Quellen begründen: von Goethe her. Hätte ich nie geglaubt, allenfalls für einen Gelehrtenscherz über böse Deutsche beim Hitlerausbrüten gehalten, aber es ist schlüssig hergeleitet: Goethes Bekanntheit unter Transzendentalisten, allen voran Emerson und De Quinceys Suspiria de Profundis. Daher konnte Melville die Eckermann-Gespräche kennen — und Dichtung und Wahrheit:

Obgleich jenes Dämonische sich in allem Körperlichen und Unkörperlichen manifestieren kann, ja bei den Tieren sich aufs merkwürdigste ausspricht; so steht es vorzüglich mit dem Menschen im wunderbarsten Zusammenhang und bildet eine der moralischen Weltordnung, wo nicht entgegengesetzte, doch sie durchkreuzende Macht, so daß man die eine für den Zettel, die andere für den Einschlag könnte gelten lassen. Für die Phänomene, welche hiedurch hervorgebracht werden, gibt es unzählige Namen: denn alle Philosophien und Religionen haben prosaisch und poetisch dieses Rätsel zu lösen und die Sache schließlich abzutun gesucht, welches ihnen noch fernerhin unbenommen bleibe. Am furchtbarsten aber erscheint dieses Dämonische, wenn es in irgend einem Menschen überwiegend hervortritt. Während meines Lebensganges habe ich mehrere teils in der Nähe, teils in der Ferne beobachten können. Es sind nicht immer die vorzüglichsten Menschen, weder an Geist noch an Talenten, selten durch Herzensgüte sich empfehlend; aber eine ungeheure Kraft geht von ihnen aus, und sie üben eine unglaubliche Gewalt über alle Geschöpfe, ja sogar über die Elemente, und wer kann sagen, wie weit sich eine solche Wirkung erstrecken wird? Alle vereinten sittlichen Kräfte vermögen nichts gegen sie; vergebens, daß der hellere Teil der Menschen sie als Betrogene oder als Betrüger verdächtig machen will, die Masse wird von ihnen angezogen. Selten oder nie finden sich Gleichzeitige ihresgleichen, und sie sind durch nichts zu überwinden, als durch das Universum selbst, mit dem sie den Kampf begonnen; und aus solchen Bemerkungen mag wohl jener sonderbare aber ungeheure Spruch entstanden sein: Nemo contra deum nisi deus ipse.

Goethe: Dichtung und Wahrheit, Vierter Teil, Zwanzigstes Buch

Das ist gruselig schön in einem Kontext, um eine Ecke herum und in einem Ausmaß, in dem man’s nicht erwartet hätte: Ahab spielt sein zwanghaftes Schiffeversenken aus einer tiefdeutschen Seelenlage heraus, die über den Transzendentalismus nach Amerika gelangt ist. Selbst wenn das alles der hellgelbe Galimathias ist, möchte man es mal gedacht haben.

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Elke macht sich jetzt über die Stelle mit Zar Nikolaus her, wie ich vermute? Und Jürgen über Ahabs Ehrenrettung? Und Stephan über die Umweltaspekte? Und Christian vielleicht auch mal wieder was? Wenn jemand Emersons erwähnte “Vorträge zur Dämonologie” um 1840 mit Zitaten aus Dichtung und Wahrheit findet, wär ich überhaupt nicht böse…

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Liebenswerter Galimathias zum ganztägigen Mitsingen (“Únd eine hálbautomátische Wáffe ist ímmer dabéi” — erwischen Sie den Takt?): Element of Crime: Ein Hotdog unten am Hafen aus: Robert Zimmermann wundert sich über die Liebe, 2008.

Written by Wolf

29. October 2008 at 1:16 pm

Posted in Steuermann Wolf

Rogue’s Gallery: The Art of the Siren, #3

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Song: John C. Reilly: My Son John (1:39 minutes)
from Rogue’s Gallery: Pirate Ballads, Sea Songs, and Chanteys, ANTI- 2006.
Buy CD in Germany and elsewhere.
Image: Lina Hansson: Young siren counting her legs and limbs,
digital illustration made in Painter, January 19/20, 2003.

Lyrics:

My son John was tall and slim
And he had a leg for every limb.
But now he’s got no legs at all,
For he ran a race with a cannonball.

Timmy doo dum da, fa riddle da,
Wack for me riddle timmy roo dum da.

Were you deaf or were you blind,
When you left your two fine legs behind?
Or was it sailing on the sea
Were two fine legs right down to your knee?

I was not deaf, I was not blind,
When I left two fine legs behind,
Nor was it sailing on the sea
Were two fine legs right down to my knee.

But I was tall and I was slim
And I had a leg for every limb,
But now I’ve got no legs at all,
They were both shot away by a cannonball.

Traditional

PS: For October 27th, Moby-Dick™ sends congratulations, blessings, and respect
from all of us on the P.E.Q.U.O.D. to:

Written by Wolf

27. October 2008 at 12:01 am

Posted in Siren Sounds

Oktobergewinnspiel: Hau den Schätzing!

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Update zu Frank Schirrmacher beschimpfen, und Kapitän Ahab dann auch gleich
und Hört ihr vielleicht mal auf, mich Ranickel zu heißen?:

Jeder Jeck ist anders, und in Köln sind Toleranz und Ignoranz Geschwister.

Frank Schätzing: Keine Angst, 1. Auflage 1997, Seite 15

Frank Schätzing mag Fische.Einige meiner besten Freunde heißen Frank. Gar nicht wahr. Leute, die Frank heißen, haben alle einen an der Waffel. Sieht man ja schon daran, dass die Titanic jahrelang Frank Schirrmacher beschimpfen ließ, und wer eignete sich wohl besser für Verunglimpfungen als Frank Schätzing.

Schauen Sie mal auf das Portal für preisbewusste Kulturrezipienten Buchticket: Wer Tintenblut gelesen hat, kriegt dafür drei Tickets, für Harry Potter immer noch eins. Schätzings kriegt man im Dutzend für ein halbes. Stellen Sie lieber Ihre olivenölfleckigen Bach-Blütenfibeln rein, da werden Sie reich.

Frank Schätzing hat eine Werbeagentur gegründet und sie jahrelang als Creative Director geleitet. Danach Novellen und haha, Satiren, ein paar Krimis, die in Köln spielen und unter führenden Narren Erfolg genießen, ein Fachbuch über das unbekannte Universum der Meere, und dann der Überhammer vom Schwarm, der ihn qualifizierte, die besten Entenhausener Berichte, in denen Wasser vorkommt, herauszugeben, um darin Wissenschaftsthriller, in denen ebenfalls Wasser vorkommt, in ein vorteilhaftes Licht zu rücken.

Nebenher ist er Musiker, ja Musikproduzent, spricht alle Sprachen außer einigen irrelevanten Negerdialekten (aus Prinzip) verhandlungssicher und hat sämtliche Elvisplatten. Die Bildhauerei hat er entnervt drangegeben, weil es in Deutschland nicht möglich scheint, den richtigen toscanischen Marmor in erforderlichem Umfang in time zu liefern. In seiner Freizeit taucht er (ausgebildet, Apnoe und Tiefsee) und unterhält eine kleine, aber feine Segelyacht mit ein paar bescheidenen Thailänderinnen drauf, Knaben auf Anfrage. “Es ist gerade diese Vielfalt, die Spaß macht. Sicher werden sich die Schwerpunkte verlagern. Im Tagesgeschäft der Agentur kürzer treten, dafür mehr übergreifende Kreativkonzepte und Strategien für Unternehmen entwickeln, sofern mich die Aufgabe reizt. Auf alle Fälle weiter komponieren und produzieren. Schreiben, Musik, Performance, ruhig auch mal einen Film drehen. Je mehr kreative Register man ziehen kann, desto spannender das Resultat.” (Frank Schätzing: Von schwärmenden Teufeln bei Nicole Rensmann, März 2004.)

Der gutaussehende, junggebliebene Fünfziger mit der praktischerweise stets adrett vorpolierten Fassade geht nie auf die Toilette, außer zum Dukatenscheißen. Im Bett ist er eine Granatenfabrik, weil er die beste Frau der Welt erwischt hat, und in der Küche, das versteht sich doch von selbst, “begeisterter Hobbykoch”. Hätte er Freunde, würde er ihnen seine berüchtigte Pilzsuppe Agatha Christie servieren.

So einer, der sich auf seiner Website (mit .com-Extension, was denn sonst!) einzig über den Besitz eines MacBook Pro definiert, trägt sicher auch aus Überzeugung Barbourjacken. Mit der opernmäßigen Vertonung seiner Bücher hat er schon angefangen. Ein lohnendes Sujet, wird er sagen. Gerade die wissenschaftliche Fundierung seines unbekannten Universums verlange allerdings eher nach der Verarbeitung in einem großen Gobelin. Der Platz für den Kontoauszug mit der Überweisung von der Schwedischen Akademie ist schon freigeräumt (Schrankwand Eiche massiv, Maßanfertigung).

Oder was erwarten Sie aus dem Munde eines Herrenschmuckträgers, der sich aktiv entschieden hat, in der Öffentlichkeit mit einem Klobrillenbart aufzutreten?

Das ist also aus den Strebern geworden, die schon immer genug Kohle hatten, Ihnen vor ein paar Jahrzehnten in jeder Großen Pause die Vanillemilch in die Haare zu spritzen: Gewinner. Niemand konnte sich gegen sie wehren, denn sie standen unter dem Schutz des Mathe- und des Englischlehrers. Wenn man ihnen doch mal eine einschenkte, lernte man ihre Eltern kennen. Jedenfalls ihre Telefonstimme: sonor, befehlsgewohnt, die Fortsetzung des preußischen Landjunkertums mit gar nicht mal so anderen Mitteln. — Zurückhauen? Da könnte sich ja jeder dahergelaufene gleichmacherische Bürgersknecht erdreisten.

Genau das dürfen Sie jetzt. Verunglimpfen Sie Frank Schätzing in Wort und Bild und treiben Sie Stellen auf, an denen andere den Job schon getan haben! Weisen Sie seine Vergangenheit in verfassungszersetzenden Wehrsportgruppen und seine Gegenwart bei Scientology und dem ADC nach! Stellen Sie ihn mit Reiter-SS-Gamaschen und rosa Tütü dar! Reden Sie sich darauf hinaus, dass doch alles nur Satire und ironisch ist! Und gewinnen Sie ein zu Recht aussortiertes Büchereiexemplar von Der Schwarm. Hardcover, da lass ich mich nicht lumpen!

Aber seien Sie nicht so streng mit ihm, der arme Wurstel wurde als Kind schon genug von seinem Vater gezwiebelt, dass er bloß niemals in irgendwas der Zweite sein darf, und früh im Leben mit Neid konfrontiert. Bis 31. Oktober, um Halloweenmitternacht (dann wieder MEZ) bitte.

Frank Schätzing, gutaussehender Fünfziger

Bilder: Thomas Rabsch: Das Meer ist der Spiegel der Seele, Stern 09/2006;
Wikimedia Commons (modifiziert).

Soundtrack: Mac Davis: It’s Hard to Be Humble, in The Muppet Show 110 vom 8. März 1981.

Rechtsgrundlage: Entsprechend Lit-eX, dem Literaturmagazin für Verrisse aller Art: “Sofern rechtliche Streitfragen welcher Art und aus welchem Grund auch immer auftreten sollten (z. B. Meinungsdifferenzen schwerwiegender Form, Mutmaßung persönlicher Beleidigung, wettbewerbsrechtliche oder ähnliche Probleme) bitte ich im Sinne einer Verhältnismäßigkeit der Mittel, zuerst schriftlichen oder mündlichen Kontakt mit mir aufzunehmen, damit unnötige Rechtsstreite vermieden und Kosten gespart werden können. Eine mit Kosten verbundene anwaltliche Abmahnung ohne ein vorhergehendes klärendes Gespräch mit mir werde ich als unbegründet zurückweisen. Die Verhältnismäßigkeit der Mittel zum Zweck einer Schadenminderung betrachte ich als grundsätzliche Pflicht vor jeder rechtlichen Auseinandersetzung.” — Danke, Herr Schätzing. Schön, dass Sie beim Ego-Googeln mal vorbeigeschaut haben.

Written by Wolf

22. October 2008 at 2:15 am

Posted in Mundschenk Wolf

Rogue’s Gallery: The Art of the Siren, #2

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Song: Richard Thompson: Mingulay Boat Song (4:13 minutes),
from Rogue’s Gallery: Pirate Ballads, Sea Songs, and Chanteys, ANTI- 2006.
Buy CD in Germany and elsewhere.
Image: Sea Dogs 3, via Gamewallpapers.

Lyrics:

Chorus
Heel ya ho, boys, let her go, boys
Heave her head round into the weather
Heel ya ho boys, let her go boys,
Sailing homeward to Mingulay.

1. What care we though white the Minch is?
What care we for the wind and weather?
Let her go boys, every inch is
Wearing homeward to Mingulay.

2. Wives are waiting by the pierhead
Or looking seaward from the heather.
Heave her round boys, and we’ll anchor
Ere the sun sets on Mingulay.

3. Ships return now heavy laden,
Mothers holding bairns a-crying.
They’ll return, though when the sun sets
They’ll return to Mingulay.

Traditional Gaelic tune Creag Guanach from Lochaber,
penned by Sir Hugh S. Roberton in the 1930s.

Written by Wolf

20. October 2008 at 12:01 am

Posted in Siren Sounds

Dann wacht man am nächsten Morgen mit diesem Stück im Bett auf und fragt sich, wie es so weit kommen konnte.

with one comment

Update zu Ahab — Held oder Schurke?
und Die einen sagen so, die andern so:

Stay in school and use your brain. Be a doctor, be a lawyer, carry a leather briefcase. Forget about sports as a profession. Sports make ya grunt and smell. See, be a thinker, not a stinker.

Apollo Creed zu Rocky Balboa, 1976.

Interview der Du 8/08 mit Sylvester Stallone: “‘Rocky’ ist gar kein Boxerfilm, sondern eine Liebesgeschichte”, 24. September 2008:

Cover Du, Helden und Antihelden, 8 2008Damals gab es einige der grössten Autoren — Charles Dickens, Henry Wadsworth Longfellow, Herman Melville mit “Moby Dick” und “Billy Budd”, Joseph Conrad, Rudyard Kipling, John Dos Passos, Sinclair Lewis. Es gibt so viele aus dieser Zeit, und ihre Geschichten funktionieren immer noch. Unglaubliche Stoffe. Wer kann heute noch so schreiben? Ich denke, wir werden von Generation zu Generation weniger belesen und visueller.

Soundtrack: Der andere “Rocky” von 1976: Frank Farian bei Ilja Richter.

Bild: Du 8/2008: Helden und Antihelden.

Written by Wolf

17. October 2008 at 4:20 am

Posted in Moses Wolf