Moby-Dick™

Leben mit Herman Melville

Archive for February 2007

With Life to His Fingertips

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Update zu Hatte Herman Melville Kinder?:

Sophia Amelia Peabody Hawthorne, 1809–1871Sophia Amelia Peabody Hawthorne, Frau von Nathaniel Hawthorne, Herman Melvilles Freund seit 5. August 1850, gab 1850 die genaueste erhaltene Beschreibung von Herman Melville (also des 31-Jährigen) für William Aspinwall Tappan, ihren Vermieter, der Melville wegen religiöser Differenzen nicht in sein Haus lassen wollte:

I have no doubt he will be repaid by finding Mr Melville a very different man from what he imagines – & very agreeable & entertaining – We find him so – a man with a true warm heart & a soul & an intellect – with life to his fingertips – earnest, sincere & reverent, very tender & modest – And I am not sure that he is not a very great man – but I have not quite decided upon my own opinion – I should say, I am not quite sure that I do not think him a very great man – for my opinion is of course as far as possible from settling the matter. He has very keen perceptive power, but what astonishes me is that his eyes are not large & deep – He seems to see every thing very accurately & how he can do so with his small eyes, I cannot tell. They are not keen eyes, either, but quite undistinguished in any way. His nose is straight & rather handsome, his mouth expressive of sensibility & emotion – He is tall & erect with an air free, brave & manly. When conversing, he is full of gesture & force, & loses himself in his subject – There is no grace nor polish – once in a while his animation gives place to a singularly quiet expression out of these eyes, to which I have objected – an indrawn, dim look, but which at the same time makes you feel – that he is at that instant taking deepest note of what is before him – It is a strange, lazy glance, but with a power in it quite unique – It does not seem to penetrate through you, but to take you into himself. I saw him look at Una so yesterday several times.

Cit. Hershel Parker: A Biography, Vol. 1, 1819–1851, p. 773.

Written by Wolf

28. February 2007 at 1:32 am

Posted in Moses Wolf

Diskussion: Über die Magie des Bösen

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Niemals wird die Magie des Bösen mächtiger wirken, als wenn jemand glaubt, das Böse besiegen zu können mit den Instrumenten des Bösen.

Das sagt Eugen Drewermann in seiner Interpretation zu Moby-Dick.

Ein Satz, der erschreckend an die Rhetorik des US-amerikanischen Präsidenten George W. Bush erinnert. Das sagt Dr. Werner Fuchs in seiner Besprechung zu Drewermanns Buch. Und anhand solcher Parallelen wird schon fast körperlich die Aktualität Herman Melvilles spürbar.

Oder?

Könnte Bush das gesagt haben? Wäre er dazu intelligent genug oder müsste man solche Aussagen auf seine reduzierte Gesamtverfassung zurückführen? Wie würde so ein Satz von Bush in der Welt aufgenommen? Könnte man ihm zustimmen? Wäre so eine Aussage doch eher einem Bush-Gegner zuzuschreiben? Hätte er damit Recht? Heiligt der Zweck die Mittel? Muss man den Teufel in der Hölle bekämpfen? Muss man ihn denn bekämpfen? Wer ist dazu berufen? Ist jeder dazu verpflichtet? Ist irgend jemand dazu befugt? Hat Captain Ahab das Böse bekämpft? War er selbst böse? Warum? Weil er sich der Instrumente des Bösen bediente? Ist, wer böse handelt, böse? Was macht einen guten Menschen aus? Entsteht moralisches Handeln bestenfalls zufällig?

Sind das zeitgemäße, sind es wichtige Fragen oder kann oder sollte einem das wurscht sein?

Die Kommentarfunktion ist offen.

Written by Wolf

25. February 2007 at 5:19 am

Steffi hat das 20. und 21. Kapitel gelesen…

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… und fürchtet die Nemesis:

Stefanie DrecktrahJa, es geht los. Auch Ismael fängt ein neues Leben an und in der Tat geht es jetzt wirklich los – alle Mann an Bord und Leinen los.

Und immer noch hält sich der Schleier um den bedeutendsten Mann in dieser Geschichte. Ahab wurde immer noch nicht gesehen. Er ist ein Phantom, das personifizierte Damoklesschwert, das über den Köpfen der Mannschaft hängt.

Und dann bekommt alles noch eine weitere Bedeutung, denn wir erfahren, dass es für alles an Bord Ersatz gibt – außer für das Schiff selbst und für seine Nemesis – Captain Ahab.

Anders gesagt, er ist unersetzlich und man muss stets im Auge haben, dass er den Mann nie gesehen hat, „der des Schiffes unumschränkter Diktator sein sollte“ (Kapitel 20, S. 175).

Ismael spürt, dass etwas faul ist im Staate Dänemark (um mal bei anderen Klassikern zu räubern), aber er ist kein Dänenprinz, der sich damit auseinandersetzt und sich damit dem Untergang weiht. Vielleicht ist es Ismaels Unbedarftheit, die ihn davor schützt, am Ende mit den anderen unterzugehen.

Im folgenden Kapitel lernen wir dann endlich eine weitere Lichtgestalt kennen (auf die ich mich persönlich am meisten gefreut habe): Starbuck betritt zum ersten Mal die Bühne und es ist sofort klar, dass er auf der Lichtseite der Geschichte steht. „Ein forscher Erster ist das, ein guter Mann und fromm dazu.“ (S. 180)

Die Spiele mögen beginnen.

Written by Wolf

24. February 2007 at 1:28 am

Posted in Steuerfrau Steffi

Hier spricht Elke Wallace

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Elke orakelt übers Kapitel 21: Es geht an Bord:

Elke HegewaldIch stelle mir gerade die Szene vor: diesen frostigen Morgen, an dem man im Stockdunkeln aus dem warmen Bett krabbeln muss, um sich im Nebel zum zugigen Hafen aufzumachen. Zu diesem seltsamen Schiff dieses noch viel seltsameren Kapitäns, das heut in sein lebensgefährliches Abenteuer segeln wird. Man spürt geradezu das Frösteln, das einem als ausgewachsene Gänsehaut den Nacken hochkriecht – ungemütlicher und unheimlicher geht’s nimmer.

Oder doch? Da verschwinden nicht nur die Schatten der Seeleute – vermutlich die künftigen Bordkamerden – vor unseren zwei Freunden wieder im Dunst. Nein, aaaaaah… plötzlich wird man an der Schulter gepackt und – dieser Unglücksprophet steht wie aus dem Nichts plötzlich wieder vor einem. Da hätte nicht nur unser Ismael ihm ein “Pfoten weg!” entgegengezischt. Solides Grusel-Feeling, fast wie in einem ollen Edgar-Wallace-Schinken mit der dicken Nebelsuppe am Themse-Ufer.

Hm, und auch diesmal wird man diese Klette von Elias nicht los. Wird auch diesmal nicht schlauer aus seinen halbirre gemurmelten Andeutungen und Warnungen bis hin zum Hohen Gericht – was immer er damit meint.

Und wären wir nicht schon eine ganze Weile in der Melvilleschen Bibelverwobenheit und -symbolik des Moby-Dick gefangen – bei Ahab und Ismael und wie sie alle heißen – man würde in ihm ja eher eine orakelnde Pythia denn einen Propheten sehen wollen. Von ersterer weiß man ja, wie mehrdeutig und missverständlich ihre Weissagungen waren. Davon konnte nicht nur der sprichwörtliche Krösus nach seinem Fiasko gegen die Perser ein Lied singen.

Da hätte es für unsere zwei Freunde, nachdem sie den aufdringlichen Seher endlich abgeschüttelt haben, doch auf dem Schiff ruhig ein bisschen heimeliger werden können. Pustekuchen! Kein Ende der gespenstischen Stimmung:

Als wir endlich das Deck der Pequod betraten, fanden wir alles in tiefster Stille vor; nicht eine Menschenseele war zu sehen. Das Schott zur Kajüte war von innen verschlossen; die Luks waren alle verschalkt und mit Tauwerkrollen beschwert.”
(S. 177/178)

Na toll! Und uuurgemütlich! Hier soll man sich nun für zweidrei Jährchen zu Hause fühlen?

Da muss es vielleicht auch keinen wundern, dass Queequeg ein seltsamer Übermut packt und er in die wilden Sitzgewohnheiten seines Südseekönigreiches zurückfällt. Irgendwie muss man sich doch gegen diese beklemmende Umgebung wehren, selbst wenn’s auf Kosten des armen Takelgastes und seines friedlichen Schlummers geht.

Na, langsam kommt ja nun doch Leben in die Bude. Der Wolf hat uns ja schon den braven Starbuck ans Herz gelegt und unsere Neugier geweckt. Ha, und sogar der – immer noch unsichtbare – Ahab soll sich ja inzwischen wenigstens schon mal in seiner Kapitänskajüte verschanzt haben.

Written by Wolf

23. February 2007 at 4:08 am

Posted in Steuerfrau Elke

Elizabeth Shaw Melville unterbindet den ersten Manuskriptentwurf (1850)

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Historische Miniatur.

Was soll das überhaupt für ein Fisch sein, welcher die Augen dort hat, wo einem anständigen Christenmenschen die Ohren sitzen, und ein einzig Nasenloch auf der Fontanelle, und dann noch nicht mal ein Fisch ist?!

Written by Wolf

22. February 2007 at 11:53 pm

Posted in Kartenzimmer

The People of Poets and Philosophers

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Mal angenommen, nur mal so ins Blaue dahinwunschgeträumt, es existierte ein Land auf Erden, das eine umfangreiche Literatur hervorgebracht hätte und das Beste davon für die Ewigkeit zu bewahren trachtete. Ein Land, das seine geistreichsten Männer und unterschiedslos auch Frauen ehrte und deren Gedanken an künftige Generationen weitergäbe, weil es sie für eine Bereicherung hält, für einen nur noch kostbarer werdenden Schatz, der jedem zur Verfügung stehen kann, der sich für ihn interessiert.

Ein Land der Dichter und Denker? Gibt’s nicht?

Aber die Library of America, die gibt’s.

Deutschland, das seit ein paar Jahrhunderten von einem wodurch auch immer gerechtfertigten Ruf als Land der Dichter und Denker zehrt, tut sich dicke mit fetten drei Elite-Universitäten, derweil die Neuntklässler auf dem Sprung in die Arbeitslosigkeit gähnen: “Und wozu brauch ich den Scheiß später?”

Es ist wahr: Ich hab zuletzt vor zwanzig Jahren einen Deutschunterricht besucht. Da war Deutsch ein Laberfach, wer optimistisch in die Zukunft blickte, hatte als Leistungskurs Wirtschaft und wahrscheinlich auch noch Sport. Seitdem hat sich aber keine Wende in dieser Auffassung abgezeichnet, sondern eine Verstärkung. Die Panik, mit der verantwortliche Schulpolitiker Monstren wie PISA-Studien beiseitequatschen müssen, dauert noch nicht sehr lange, aber die Richtung ist klar: Bildung exklusiv für Oberschichten ist implizit erklärter politischer Wille.

Wahr ist auch: Niemand braucht den Scheiß später. Man wird in Vorstellungsgesprächen nicht an entscheidender Stelle gebeten, das Lied von der Glocke aufzusagen. Wenn jedoch die überwiegende Mehrheit einer Volksgemeinschaft ihre Identität anhand der Tagesergebnisse populärer Sportarten stiftet, so hat sie sich entschieden. Nämlich wozu? Zum Tanz auf Gräbern, die sie gar nicht bemerkt.

Und dann das ach so kulturlose Amerika. Es wäre nicht halb so beschämend für Deutschland, wenn die Library of America ein Verlag im Sinne eines gewinnorientierten Marktunternehmens wäre wie Suhrkamp oder Penguin auch. Sie ist aber eine nonprofit cultural institution, die auf Spenden angewiesen ist. Und welche bekommt!

Mit Unterstützung des National Endowment for the Humanities und der Ford Foundation veröffentlicht sie seit immerhin 1982 maßgebliche Ausgaben der amerikanischen Klassik. Die Verarbeitung der Bücher ist solide, ihr Endpreis pro Seite liegt unter dem der meisten Paperbacks, selbst wenn man mal den publizistischen Aufwand nicht berechnet.

Wenn alle zusammenlegen, hat das für den Endverbraucher also den Vorteil, dass ein Buch der Library of America weniger kostet, als es nach einer buchhalterisch fundierten, beitragsdeckenden Verlagskalkulation kosten müsste. Das Beste, was sich einer kaufen kann, der sich für Inhalte interessiert, die mehr als zwanzig Jahre überdauern.

Sie feiern bedeutende Reden ebensolcher Politiker, sie filtern Beiträge zu spannenden Themen aus Textuniversen, sie ehren das Gesamtwerk ihrer Präsidenten wie ihrer Staatskritiker. In Deutschland vergammeln die Briefe von Adenauer bei Zweitausendeins, Anthologien sind das Zeug, das man verlegen kann, wenn irgendwelche Lizenzen frei werden, und who the f*** is Rolf Dieter Brinkmann?

Zum Vergleich: Der englische Originaltext von Moby-Dick steht mehr als geschlagene fünfzigmal online, keine der sechs relevanten deutschen Übersetzungen auch nur ein einziges Mal.

Kann man sich dergleichen in Deutschland vorstellen? Eine Art Staatsdruckerei, die das geistige Erbe Deutschlands zu erschwinglichen Preisen immer und überall, lückenlos und weltweit, verfügbar hält?

Ja, klar. Und für die Public Viewings von der Buchmesse werden Fanmeilen eingerichtet.

Das macht die USA wenn schon nicht zu einer Insel der Seligen, so doch ein Stück mehr zu jenem freien Land, das sie zu sein behaupten. Keine der anstehenden Regierungen wird irgend ein Land der Welt zur Gelehrtenrepublik ausrufen, schon gar nicht im Sinne von Arno Schmidt. Nein, den müssen Sie auch nicht kennen.

Spenden an die Library of America sind auch in Deutschland steuerlich voll absetzbar.

Written by Wolf

21. February 2007 at 2:54 am

How Things Go

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Blues on my way to Arrowhead

 -epkyhltacto- auf flickr.com

(Turnaround: Little Red Rooster-like harmonica lick in E)

Met her on an Amtrak coach
She was looking kind of hacked off
Had to read her chapter for college tomorrow
Still I took her home.

That’s how things can go
If you don’t sit around too much
Reading all those chapters for nothing
And flickring around the internet.

Woke up this morning
To read my stats
And found her
Been looking on my blog.

Written by Wolf

20. February 2007 at 2:35 am

Posted in Vorderdeck