Moby-Dick™

Leben mit Herman Melville

Archive for August 2011

Ahoi, Goethe

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Update zu O Mädchen mein Mädchen
und Sophokles’ Bruder ab orbe Britannis:

Frolic April, 25 cents, Sirens in Silk via retro-space, 20. August 2011Alles Gute zum 262., Herr Geheimrat. — Woran erinnern wir uns bei Ihrem Namen? Dass Sie’s sehr mit dem Weybervolck hatten, lieber eine brave Zeitlang weit und gründlich untergetaucht sind, bevor Sie sich einem Problem stellen, und da am liebsten in die Provinz statt unter zu viele Ihresgleichen, die Ihnen den Rang als einsames Genie streitig machen könnten — damit verbunden Ihre Italienische Reise, ferner Ihre Erfindung des Bestsellers in Gestalt des Werther, Faust, der Tragödie erster und zweyter Theil, Wanderers Nachtlied (das war wirklich gut!), Wilhelm Meister, die Lehr– und Wanderjahre sowie Theatralische Sendung, die erlesenen Ferkeleien in den Römischen Elegien, das Zurückzucken davon in der Marienbader, die ganz drogenfrei wundersam weggedriftete Farbenlehre, ein bisschen Grundschulstoff (Erlkönig, Zauberlehrling), ziemlich viel Dichtung, allerhand Wahrheit — und dann noch der Versuch einer Seemannsgeschichte.

Alles kann man ihm zutrauen, dem Goethe, nur keine Seefahrergeschichten. Es gibt eine. Reise der Söhne Megaprazons heißt sie, ist Fragment geblieben und sehr spärlich dokumentiert. Die Textmenge, mit Nachweis eines früher entstandenen Kapitelschemas als umfangreicher Roman angelegt, umfasst 4652 Wörter, das entspricht einem neunseitigen Word-Dokument in durchschnittlich hässlicher Arial 12-Punkt, die Frankfurter Goethe-Gesamtausgabe braucht 15½ Druckseiten. In den meisten Gesamtausgaben fehlt sie; mir liegt sie in der praktisch nur für große Bibliotheken erschwinglichen Frankfurter Ausgabe vor, und auch das nur, weil die inzwischen teilweise als Taschenbuch bei Insel gemacht wird: im Band TB 11: Die Leiden des jungen Werthers [beide Fassungen als Paralleldruck!]/Die Wahlverwandtschaften/Novelle/Kleine Prosa/Epen. Herausgegeben von Waltraud Wiethölter in Zusammenarbeit mit Christoph Brecht.

Fiesta, Women Love to Read, Volume 17, Number 4, via retro-space, 27. April 2011Das ist eine ganze Menge auf den 1245 Seiten, dazu noch wegweisend durchkommentiert. Und im Teil mit der Kleinen Prosa finden sich die Söhne Megaprazons. In der Amalienausgabe, der geradezu sprichwörtlich vollständigsten von allen, müssten sie noch drin sein, in der meinigen, der Hamburger, sind sie nicht. Online komme ich auf genau zwei Volltexte: beim Gutenberg-Projekt und bei Wissen im Netz. Wer weitere Fundstellen ausmacht — ich zähle eventuell auf die Münchner Ausgabe –, kann sie gern in den Kommentaren vermelden.

Goethe selbst hat sich genau einmal zu seinem Seemannsversuch geäußert: in der Campagne in Frankreich: Pempelfort, November 1792:

Ich hatte seit der Revolution, mich von dem wilden Wesen einigermaßen zu zerstreuen, ein wunderbares Werk begonnen, eine Reise von sieben Brüdern verschiedener Art, jeder nach seiner Weise dem Bunde dienend, durchaus abenteuerlich und märchenhaft, verworren, Aussicht und Absicht verbergend, ein Gleichnis unseres eignen Zustandes. Man verlangte eine Vorlesung, ich ließ mich nicht viel bitten und rückte mit meinen Heften hervor; aber ich bedurfte auch nur wenig Zeit, um zu bemerken, daß niemand davon erbaut sei. Ich ließ daher meine wandernde Familie in irgend einem Hafen und mein weiteres Manuskript auf sich selbst beruhen.

Eine ganz ungewohnt selbstkritische Haltung Goethes: Auf der ersten Lesung hat sein jüngstes geistiges Kind nicht so den Erfolg, und darum lässt er es absichtlich, ohne Not liegen. Die erhaltenen Fragmente stehen auf dem Papier einer Mühle nahe bei Trarbach, wo Goethes Compagnie auf dem Weg in die Champagne durchkam. Demnach schrieb er es wohl im November 1792 — in Zelt- und Zivilstenquartieren auf dem Feldzug des Weimarer Herzogs. Kann sein, dass sich unter solcherlei Erlebnissen, wenn man Seidenkissen gewohnt ist, manches relativiert.

Fiesta Vol. 4, No. 6, via retro-space, 27. April 2011Woher und zu welchem Ende nun eine Goethische Seegeschichte? Lesen wir dazu tiefer in den “dicht[en], bestechend[en] und rücksichtslos formuliert[en]” (Süddeutsche Zeitung) Kommentar der Frankfurter Ausgabe hinein:

Wie mit zahlreichen anderen Werken der 1790er Jahre bemühte sich Goethe mit der Reise der Söhne Megaprazons um eine literarische Antwort auf die Französische Revolution, wobei sich das Genre des satirischen Reiseromans für ein solches Unternehmen durchaus anbot, hatten sich doch in der Gattungstradition sowohl Verfahren einer grotesken Transformation zeitgenössischer Konstellationen als auch Möglichkeiten einer Distanzierung vom unmittelbar politischen Anlaß herausgebildet. Beides, die Analyse des Geschehens und eine kritische Stellungnahme, ließ sich auf dem Wege allegorischer Verfremdung formulieren. Goethes Referenztext erwies sich als in dieser Hinsicht als besonders einschlägig: François Rabelais’ (1483–1553) Romanwerk Gargantua et Pantagruel, erschienen in fünf separaten Büchern zwischen 1534 und 1564.

Halten wir fest: Es sollte ein Reiseroman werden, und zwar ein satirischer, und zwar um aus sicherer Distanz das Zeitgeschehen aufzuarbeiten. Und sofort sieht es Goethen viel ähnlicher: Das große Vorbild Rabelais war auch 1792 schon lange genug verstorben, um dem gegenwärtigen Universalgenie keinen Abbruch zu tun, und mit zeitkritischen Aussagen will man sicher bei niemandem anecken, wenn man bequem beim Herzog haust.

Goethe kommt sichtbar nicht richtig in die Gänge, das Gargantua-Remake kommt reichlich behäbig daher: Die Hauptfiguren heißen allen Ernstes Epistemon, Panurg, Euphemon, Alkides, Alciphron und Eutyches, von deren mythologisch nicht belegten Vater Megaprazon aus dem Titel ganz zu schweigen. Was wird das? Ausweichen in eine aufgekochte Kritik an der jahrhundertealten Lutherischen Reformation statt an der brenzligen Franzosenrevolution? Mit Verlaub: Rabelais hätte diesem Breitarsch von Roman eines Feudalistenschätzchens ein ganzes saftstrotzendes Kapitel voller französischer Vokabeln eingeflochten, die bis heute nicht im Micro Robert vorkommen.

Nun stimmen Goethes satirisch gemeinte Zuweisungen weder dramaturgisch noch in der Sache:

Ist schon die räumliche Koexistenz des reformatorischen mit dem revolutionären Streitfall nicht unbedingt historisch einleuchtend, so zeigt sich im weiteren auf das deutlichste, daß es der Allegorie aus strukturellen Gründen nicht gelingt, den ‘Ort’ der Revolution im Europa des ausgehenden 18. Jahrhunderts zu bestimmen. Die Insel der Monarchomanen habe sich “auf und davon gemahct”, heißt es. Tatsächlich ist dieses Land im Umsturz seiner alten Ordnung zu einem vagierenden, einem effektiv ortlosen Gebilde zerfallen. Zwar lassen sich, indem das alte Märchenmotiv der schwimmenden Insel allegorisiert wird, an dem dreigeteilten Territorium aktuelle politische Prozesse um den Interventionskrieg illustrieren: Die ‘steile Küste’ — der Adel — nähert sich gleich nach der Katastrophe dem Land der Papimanen, orinetiert sich dann aber doch “etwas mehr Nordwärts”, ohne — in der Orientierung auf Habsburg — “festen Stand gewinnen” zu können; später zeigt sich noch einmal die ‘Residenz’ und schließt sich beinahe wieder mit der ‘steilen Küste’ zusammen.

bezeichnend für Goethes Konstruktion ist allerdings, daß die “Ebene” als der dem dritten Stand zugeordnete Landesteil ganz außer Sicht geraten und anscheinend verschollen ist. Gerade an diesem Bruchstück der alten Ordnung — dem nachrevolutionären Frankreich selbst — wäre jedoch zu studieren, ob es nicht auch ohne ‘Residenz’ und ‘steile Küste’ geht. Der allegorische Modus der Übersetzung politischer Ereignisse in eine räumliche Topik widerstreitet ganz offensichtlich der politischen Geographie des zeitgenössischen Europa. Durch die Revolution war die staatliche Integrität des französischen Territoriums keineswegs angefochten — das hatte Goethe im Zuge der ‘Campagne in Frankreich’ ja hinlänglich erfahren. […] Dieser Konsequenz seiner eigenen Konstruktion zu folgen, ist der Autor der Reise offensichtlich nicht bereit. Statt dessen setzt er sich dem Verdacht aus, er wolle den Mythos gottgegebener und zeitloser Herrschaft affirmieren.

Frolic Dezember, 35 cent, via retro-space, 27. April 201. Does It Pay To Be A Wolf?; What's Wrong With Redheads? (Answered With Full Color)Was einen desto wahrscheinlicher ankommt, wenn man weiß, wie dicke sich Goethe nachmals mit Napoleon vertragen sollte. Da unternimmt Kommentatorin Wiethölter einen Versuch, Goethe in Schutz zu nehmen, den ich ihr in seiner engagierten Ausgewogenheit hoch anrechnen möchte:

Es hieße die kargen Fragmente zu einer zweifellos umfänglich konzipierten Erzählung überfordern, wollte man jeden einzelnen Zug er Allegorie auf eine politische Konzeption hin durchleuchten. […] Man würde auch dem Fragment der Einleitung nicht gerecht, in dem dialogisch der Konnex zum Roman Rabelais’ hergestellt wird. In beiden Textstücken dominiert das komödiantische Spiel mit dem Genre des Seeabenteuers über die satirische Absicht. […] Die Reise der Söhne Megaprazons scheitert vielmehr — auf instruktive Weise — an den strukturellen Prämissen der gewählten Gattung: Der Text ist als ein literarischer Kommentar zum Zeitgeschehen angelegt, aber zugleich ist er gegen diese Aktualität als Versuch einer poetischen ‘Zerstreuung’ zu lesen. So fehlt dem Kommentar die Entschiedenheit der polemischen Stellungnahme, jene Eindeutigkeit, mit der die auf Rabelais’ klarer Antithetik beruhende Allegorie politisch zu fundieren wäre. Daß sich Goethe dieser Nötigung entzogen hat, zeigt der Text in Form von Widersprüchen; so ist nur konsequent, daß kein Erzählfluß zustande kommt und das Projekt schließlich abgebrochen wurde.

Ja, eben: Alles kann man ihm zutrauen, dem Goethe, nur keine Satire. Selbst für seinen Kriegsbericht hat er sich den Kalauer “Campagne in der Champagne”, der sachlich richtig gewesen wäre, fürnehm verkniffen. Zu Deutsch: Da hat sich der Dichterfürst an der Satire verhoben.

Für solche philologischen Einsichten, ja: Höhenflüge wie Waltraud Wiethölters Kommentar hab ich die teuren Ausgaben der Dead White Males wirklich lieb und lasse die Kaufhofauswahlen leichten Herzens da, wo sie hingehören: bei den fehlerbehafteten, unmöblierten Plain-Text-Gratisdownloads für Kindle. Die beiden o.a. Volltexte sind übrigens ebenfalls voller Tippfehler. Ein nach der Frankfurter Ausgabe korrigierter wird möglicherweise an dieser Stelle nachgereicht.

Kommt denn der Einwand, Goethe konnte nicht lustig sein, einem Vorwurf gleich, dass Mutter Theresa keine Pferde malen konnte und die Inneren Mongolen nichts von Käse verstehen? Ein satirischer Seebärenroman, jetzt bitte mal. Ist Goethe vielleicht Melville? Stevenson? Conrad? Gut, er hat es eingesehen, das rettet ihn. “Aussicht und Absicht verbergend”, sagt er selbst, und legt den netten Versuch bereitwillig zu den Akten.

Sollte ich’s vergessen haben zu erwähnen? — : Wanderers Nachtlied war dafür wirklich gut.

Meilensteine via retro-space: 1.: Sirens in Silk, Frolic April;
2.: Women Love to Read: Fiesta Volume 17, Number 4;
3.: Lenin is Watching You, Fiesta Vol. 4, No. 6, und
4.: Does It Pay To Be A Wolf?; What’s Wrong With Redheads? (Answered With Full Color), Frolic December, mid-novecento.

Written by Wolf

28. August 2011 at 12:01 am

Posted in Rabe Wolf

The Flirting Summer

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Written by Wolf

23. August 2011 at 12:01 am

Posted in Laderaum

The interkulturelle Rant (Frisst die ganzn Brotwerscht zam)

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Just because you’re paranoid doesn’t mean they aren’t after you.

Joseph Heller: Catch 22, 1970.

Jenny-Catharina Linse, 8. Juni 2011Was mir das nun wieder sagen soll, dass ich die ganze Zeit so einen inneren Drang wahrnehme, meine Ausführungen über Es waren zwei Königskinder auf die Melodie von Ich hatt’ einen Kameraden von Grund auf neu zu formulieren. Hab ich doch schon längst. Oder fehlt was, mach ich mich nicht verständlich genug, griffen andere Crossover-Paarungen williger ineinander?

Ja, bestimmt. Im Verdacht hab ich vor allem das Kriegerlied, das die verschmutzten Landser im letzten Drittel von Steiner. Das Eiserne Kreuz im Schützengraben singen. Aber wenn man nach sowas surft, kriegt man wieder wochenlang Spam über Fahnenmasten: “In Ihrem Garten muss sie wehen!” und wenn ich verarscht werden will, kauf ich mir einen Fernseher. Was ist eigentlich aus den ganzen Sonderangeboten für Penisverlängerung geworden? Anscheinend haben inzwischen selbst die ganzen Generalswitwen aus Somalia ihre Dollarmillionen mit trustworthy business partners transferiert.

Amerikanische Soldaten in französischen Schlammgruben eines deutsch verantworteten Krieges, somalische Generalsfamilien mit Ausreiseverbot, sogar das vor zwei Jahren noch kilometerweise überschüssige Penismaterial scheint ihnen ausgegangen, und nur weil in der Münchner Innenstadt allenfalls jahrhundertealte Klöster Gartengrundstücke unterhalten können, wollen die vaterlandslosen Deutschen ihre eigene Landesflagge nicht darin wehen haben — die Welt ist eine suboptimale. Gemeinte Gemeinde: Das sind keine Zeichen — das ist ein Symptom!

Sergey Loie, 21. August 2010Muss ich mir jetzt Sorgen machen und wenn ja, worüber? — Wie immer hilft dem Deutschen in mir (allein die Sichtweise: “der Deutsche in mir”!) der Rückzug in die Innerlichkeit. Etwas Verstiegeneres als ein Deutscher wollte ich mein Lebtag noch nicht sein. Nicht dass ich “stolz” darauf wäre wie bestimmte Hanswurste, die nun mal nichts anderes zum Stolzsein haben, aber Deutschland als Heimatland ist soweit schon ganz in Ordnung, “und das liebste mag’s uns scheinen so wie andern Völkern ihrs” (Bertolt Brecht: Kinderhymne). Unkomplizierter denn als somalische Generalswitwe fremde Leute um ihre Kontonummer angehen zu müssen allemal, nur Österreicher sein hätte ich immer gern mal ausprobiert. Oder Walliser. Oder Waliser.

Und wenn Brecht, der alte vaterlandslose Deutsche, eine nationaldeutsche Kinderhymne auf ein Streichquartett von einem verstorbenen Österreicher dichten darf, darf ich mich samt dem Deutschen in mir in unsere Innerlichkeit zurückziehen und nachschauen, dass wir zwei Hübschen außer deutscher auch noch fränkischer Herkunft sind. Niemand hatte die Absicht, eine Mauer zu besingen, die nicht mal dreißig Jahre hält — wie hat das eigentlich in der DDR mit der Gewährleistung bei volkseigenen Handwerkern ausgesehen? — dafür haben wir damals im ländlichen Franken zahlreiche ganz erstaunliche Kirchweihlieder gesungen, befeuert von erstaunlich starkem Bier erstaunlich guter Brauereien mit erstaunlich niedrigen jahresdurchschnittlichen Hektoliterausstößen, die am Kirchweihwochenende dermaßen erstaunlich anstiegen, dass sie mit dem Jahresdurchschnitt auch die Kirchweihlieder auf so ungeahnte Niveaus hoben, dass sie vorher niemand erwartete und hinterher niemand glaubte. Gewonnen hat immer, wer sich an die nächste Strophe erinnert oder wenigstens eine neue extemporieren kann, oder aus anderer Sicht: wer die nächste Maß zahlt, oder aus dritter Sicht: wer die ganze Kirchweih durch besoffen war und keine einzige Maß zahlen muss.

Am 24. September 2011, das ist ein Samstag, bin ich in Nürnberg. Wer ein freundliches Wort mit mir wechseln mag, trifft mich so ab sieben im Casablanca, wer’s kennt. Da ist CD-Präsentation von What about Carson, es wird also viel gesungen. Wer da beim Jammen das altfränkische Kirchweihlied “Wou is denn des Gerchla” (deutsch etwa: “Wo ist denn der kleine Georg?”) mit mir singt, kriegt ein Veldensteiner Dunkel oder wahlweise einen Talisker von mir — versprochen. Wahlweise, weil auf dem Durcheinandersaufen, da liegt kein Segen drauf.

Worauf ich hinaus wollte: Zum interkulturell verbindenden Musizieren ziehen wir uns abermals in uns selbst zurück, wo wir hoffentlich jemanden treffen, mit dem wir gut auskommen, und singen dort “Wou is denn des Gerchla” — und zwar jetzt auf die Melodie vom Black Mountain Blues.

Na, gibt das einen Sound?

Bildeln: Jenny-Catharina Linse (watch her picture on the wall!), 8. Juni 2011;
Sergey Loie, 21. August 2010.
Liedeln: Frankenbänd: Wo is denn des Gerchla (was man auch gescheit singen kann);
Janis Joplin: Black Mountain Blues; alternate take.

Fünf Jahre Moby-Dick™!

Written by Wolf

18. August 2011 at 12:01 am

Posted in Mundschenk Wolf

Monomaniac Incarnation

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Update for Madness Affecting One Train of Thought:

klem.jm, Tanya, 18. Mai 2011Here we’re introduced to Ahab’s monomania, his single-minded fixation on the White Whale. Basically, what’s driven Ahab crazy is that he’s not very good at symbolism. As a clever Shmoop reader, you know that things don’t just symbolize whatever you decide to make them mean; the limits of their symbolic potential are determined by context. But Ahab takes the White Whale out of context and projects onto it, and not just everything that makes him angry, but everything that’s enraged any human being ever, since time began. Nothing can really hold all that symbolic weight. Not even an inscrutable white whale.

Sometimes it helps to read old versions of Wikipedia articles. If the community consense is to delete beautiful passages, it does not mean they are not beautiful. A deletion from August 5, 2001 said:

klem.jm, Tanya, 18. Mai 2011Ahab has the qualities of a tragic hero — a great heart and a fatal flaw — and his deeply philosophical ruminations are expressed in language that is not only deliberately lofty and Shakespearian, but also so heavily iambic as often to read like Shakespeare’s own pentameters.

The White Whale swam before him as the monomaniac incarnation of all those malicious agencies which some deep men feel eating in them, till they are left living on with half a heart and half a lung. That intangible malignity which has been from the beginning; to whose dominion even the modern Christians ascribe one-half of the worlds; which the ancient Ophites of the east reverenced in their statue devil; — Ahab did not fall down and worship it like them; but deliriously transferring its idea to the abhorred white whale, he pitted himself, all mutilated, against it. All that most maddens and torments; all that stirs up the lees of things; all truth with malice in it; all that cracks the sinews and cakes the brain; all the subtle demonisms of life and thought; all evil, to crazy Ahab, were visibly personified, and made practically assailable in Moby-Dick. He piled upon the whale’s white hump the sum of all the general rage and hate felt by his whole race from Adam down; and then, as if his chest had been a mortar, he burst his hot heart’s shell upon it.

The new version says:

Ahab’s motivation for hunting Moby Dick is explored in the following passage:

Then the same passage. Meh. See the difference?

Monophiliac incarnations: klem.jm: Tanya 1 and 2, May 18, 2011.

Written by Wolf

13. August 2011 at 12:01 am

Posted in Steuermann Wolf

Free Rupert!

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Update zu Sushiideen
und Designer retten schützen gewinnen:

Wenn etwas im Argen liegt, so gehen Franzosen zur Verantwortlichen und machen ihr Komplimente. Schweizer gehen zum Verantwortlichen und jammern ihm was vor. Deutsche gehen zu irgendwem und drohen mit der Gerichtsbarkeit.

Angi, Free RupertÖsterreicherinnen — und ich beziehe mich hier auf Angelika Huber — gehen in eine irische Kneipe — und ich beziehe mich hier auf das Jurys Inn zu Galway — und gründen eine Facebook-Gruppe: Free Rupert!

Rupert mag ja bloß ein oller Goldfisch sein. Fakt ist: Die Lebenserwartung oller Goldfische liegt zwischen 25 und 30 Jahren. Das allerdings nur bei artgerechter Haltung. Von einer solchen kann in Ruperts Fall nicht einmal ansatzweise die Rede sein. Die arme Kreatur fristet ihr Dasein in einem etwas zu groß geratenen Cognacschwenker. Und das in der Lobby des Jurys Inn in Galway, Irland — einer Hotelkette, die sich eine “Enviromental Policy” auf ihre Fahnen heftet. Mit der Umwelt verantwortungsvoll umzugehen heißt allerdings nicht nur, morgens die Lichter abzudrehen und Handtücher ein zweites Mal zu benutzen.

Die Haltung von Fischen in Goldfischgläsern ist in Deutschland und Österreich sowie auch in der Schweiz gesetzlich verboten. Das heißt, nach den Bestimmungen sind die Tiergehege so einzurichten, dass die Tiere, je nach ihren arteigenen Bedürfnissen, sich fortbewegen, fressen und trinken, sich verstecken und ruhen sowie ihr Komfortverhalten ausüben können. In Goldfischkugeln ist dies offensichtlich nicht möglich.

Bitte beitreten. Es winken — noch! — dreistellige Mitgliedsnummern, Basisdemokratie zum Anfassen, eine sehr freundliche Österreicherin — und für jeden, der mir nachweist, dass er sich aktiv für Rupert engagiert, ein angemessener Buch- oder Tonträgerpreis.

Written by Wolf

9. August 2011 at 7:04 am

Posted in Meeresgrund

Onkel Ringelnatz rät

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Update zu Lang ist die Eisenbahnfahrt, kurz ein Leben:

Joachim Ringelnatz (* 7. August 1883 in Wurzen; † 17. November 1934 in Berlin; eigentlich Hans Gustav Bötticher).

Joachim Ringelnatz, Geheimes Kinder-Verwirr-Buch mit vielen Bildern, 1931, via FlüsterspielKinder, legt euch nicht mit Captain
Ahab an, dem alten Depp, den
schon die weißen Wale jagen
(mehr ist zu dem nicht zu sagen)!

Kinder, lasst unangetastet
den armen Flask, der täglich fastet:
Nehmt ihm nicht noch das Brot zur Butter
(seid artig und folgt eurer Mutter)!

Kinder, wenn ihr’s so schlimm braucht,
dass ihr Vaters Pfeife schmaucht:
Qualmt nicht gleich so wüst wie Stubb
(sonst fällt euch bald die Nase ab)!

Kinder, wirklich niemals dürfen
alle, die bei Trost sind, schlürfen
Starbucks Kaffee, dieses Zeuch
(und jetzt ab ins Bett mit euch)!

Sophie Sophon Nicol, Coffee anyone?, 16. April 2005

Bilder: Joachim Ringelnatz: Geheimes Kinder-Verwirr-Buch mit vielen Bildern, 1931 via Flüsterspiel;
Sophie Nicol: Coffee anyone?, 16. April 2005.

Written by Wolf

7. August 2011 at 12:01 am

Posted in Mundschenk Wolf

160, 120, 10: 6.8.2011, 15.05

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Update zu Moby-Dick und das Radio: Zu wüten gegen ein stummes Ding
und Knurrren, Grunzen oder Brüllen:

Peter Fry Photography, Fawnya Frolic, 23. Juli 2011Bayern 2 schlägt mal wieder zu: Sie verwerten wieder Dr. Klaus Buhlerts 2002er Moby-Dick-Hörspiel, das im Original auf 10 CDs stattfindet. Am kommenden Samstag, 6. August 2011, nach den 15-Uhr-Nachrichten gibt’s den Adventure Cut davon. 82 Minuten dauert er; da bleibt wohl nur Zeit für die wichtigsten “Da bläst er”-, “Aye, aye, Sir”-, “Ahoi”- und “Arrr”-Teile.

Was man wohl nicht halb so elitär sehen sollte, wie das gerade wieder klingt. 2011 feiern wir 160 Jahre Moby-Dick, 120 Jahre ohne Herman Melville und 10 Jahre Jendis-Übersetzung, da muss man so viele Zielgruppen erschließen, wie man mit Mitteln aller Lauterkeitsgrade erwischen kann, damit wenigstens ein paar Leute in den binnenländischen Hafenkneipen auf den Theken tanzen (wozu ich vor allem die hübsche, kluge, freundliche Bedienung Bine aus dem Südstadt ausdrücklich ermuntern möchte).

In diesem Sinne: I know it ain’t gonna last (kann übrigens jemand nachweisen oder auswendig hersagen, wo das Video gedreht ist? Es sieht fatal aus wie im provinzdeutschen Mittelfranken östlich hinter Nürnberg, müsste aber eher etwas um die nordamerikanische Ostküste sein, oder?).

Bild: Peter Fry Photography: Fawnya Frolic, 23. Juli 2011.
Video: Mercury Rev: Goddess on a Highway,
aus: Deserter’s Songs, 1998.
Danke für Aufmerksamkeit: Mario Sacco!

Written by Wolf

3. August 2011 at 12:01 am

Posted in Moses Wolf