Moby-Dick™

Leben mit Herman Melville

Archive for August 2008

B.L.A.U.W.A.L. (Besonders Langweilige Aufzählung Uninteressanter Wal-Affiner Literaten)

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Nach über zwei Jahren hat das Projekt Moby-Dick™ Reisegeschwindigkeit angenommen: “Schon segeln wir kühn über die Tiefe der See, doch bald werden wir uns in ihren uferlosen, hafenfernen Unermesslichkeiten verloren haben.” (Anfang Kapitel 32). Die ohnehinigen Wackelkandidaten haben das schwanke Schiff verlassen, wer jetzt noch hier ist, fühlt sich recht zuverlässig an, ich bin stolz auf uns. Wie’s aussieht, sind wir komplett.

Auf der P.E.Q.U.O.D. (Pandämonium der Exegeten, Quellenforscher und orientierungslosen Denker) segeln bis auf weiteres sechs mehr oder weniger (meist mehr weniger…) aktive Literatinnen und Literatinnen im Stande eines W.A.L., das ist: Wal-Affinen Literaten, deren individuelle Ränge nach Lust, Laune und Selbstherrlichkeit des B.U.C.K.E.L.W.A.L. verliehen werden und gegen die der Widerspruch zulässig ist. Im einzelnen sind dies:

  • Wolf Gräbel, B.U.C.K.E.L.W.A.L. (Beobachter Und Chancenloser Kapitän Einer Liga Wal-Affiner Literaten);
  • Christian Westheide, G.R.A.U.W.A.L. (Gelegentlich Ratloser Aber Unbeirrbarer Wal-Affiner Literat);
  • Elke Hegewald, F.U.R.C.H.E.N.W.A.L. (Für Unglaublich Reichhaltiges Cetologisches Hexenwerk Endlos Nimmermüde Wal-Affine Literatin);
  • Hannah Bayer, SCH.W.A.R.Z.W.A.L. (SCHaurig Witzige Aber Reichlich Zerzauste Wal-Affine Literatin);
  • Jürgen Schmitte, B.A.R.T.E.N.W.A.L. (Bücher Aus Reinem Trieb Erstaunlich Nutzender Wal-Affiner Literat);
  • Stefanie Drecktrah, N.A.R.W.A.L. (Nicht Auffindbare, Retrospektiv Wohl Abgängige Literatin);
  • Stephan De Maria, P.O.T.T.W.A.L. (PraxisOrienTierTer Wal-Affiner Literat).

Für herausragende Leistungen in Weitsicht und Unterhaltungswert, beispielsweise für Beiträge, die besonders A.H.A.B. (AllentHalben Anständig Brauchbar) sind, kann der B.U.C.K.E.L.W.A.L. auf eigenen oder anderweitigen Antrag den Rang des B.E.L.U.G.A. (Belesener Experte für Lustige Und Gelehrte Ansichten), wahlweise O.R.C.A. (Ordinarius Rebus Cetologiae Animatus) verleihen.

Fortgesetzte Nachlässigkeit in der Beteiligung einzelner W.A.L. verhilft auf direktem Wege in den Rang der A.R.S.C.H.G.E.I.G.E. (Auffallend Ruhiger, Säumiger Cetologe, Hinderlich Gegen Eigene, Interdisziplinär Gültige Erforschungen), der fortan in allen Beiträgen des betreffenden W.A.L. zur Verwendung kommt.

I.S.M.A.E.L. (Ich Seh Mich Aber Eher Locker), der B.U.C.K.E.L.W.A.L.

Auch Außenstehende werden ausdrücklich ermuntert, Ränge anzustreben. Zur Verfügung stehen noch Akronyme für S.T.A.R.B.U.C.K., S.T.U.B.B. oder F.L.A.S.K. Wer Q.U.E.E.Q.U.E.G. sinnhaft auflösen kann, wird automatisch B.E.L.U.G.A.

Carl Barks, Fähnlein Fieselschweif, Das Wehklagen der Walwächter

Bild: Carl Barks/Kay Wright/Daan Jippes: Das Wehklagen der Walwächter, auch: Wale in Gefahr. Original: Wailing Whalers, 29. Juli 1972, erstes Panel. Deutsche Übersetzung: Dr. Erika Fuchs. Besonderer Dank geht an Christian Pfeiler, MdD und Kalendermacher der D.O.N.A.L.D. 2008/2009, für den druckfähigen Scan!

Written by Wolf

31. August 2008 at 12:01 am

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Entschluss, Amerikas Goethe zu werden

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Update zu Ein trostlos Land dies Yankeeland:

Amerika, du hast es besser
Als unser Kontinent, das alte,
Hast keine verfallene Schlösser
Und keine Basalte.

Dich stört nicht im Innern,
Zu lebendiger Zeit,
Unnützes Erinnern
Und vergeblicher Streit.

Benutzt die Gegenwart mit Glück!
Und wenn nun eure Kinder dichten,
Bewahre sie ein gut Geschick
Vor Ritter-, Räuber- und Gespenstergeschichten.

John Wolf “Wären wir zwanzig Jahre jünger, so segelten wir noch nach Nordamerika” Goethe, 1827

Aus Wilhelm Hauff: Mittheilungen aus den Memoiren des Satan, 17. Kapitel: Satans Besuch bei Herrn von Goethe nebst einigen einleitenden Bemerkungen über das Diabolische in der deutschen Literatur, 1825f.:

Die Türe ging auf – er kam.

Wilhelm HauffDreimal bückten wir uns tief, und wagten es dann an ihm hinauf zu blinzeln. Ein schöner, stattlicher Greis! Augen so klar und helle, wie die eines Jünglings, die Stirne voll Hoheit, der Mund voll Würde und Anmut; er war angetan mit einem feinen schwarzen Kleid, und auf seiner Brust glänzte ein schöner Stern. – Doch er ließ uns nicht lange Zeit zu solchen Betrachtungen; mit der feinen Wendung eines Weltmannes, der täglich so viele Bewunderer bei sich sieht, lud er uns zum Sitzen ein.

Was war ich doch für ein Esel gewesen, in dieser so gewöhnlichen Maske zu ihm zu gehen. Doctores legentes mochte er schon viele Hunderte gesehen haben. Amerikaner, die, wie unser Wirt meinte, ihm zulieb auf die See gingen, gewiß wenige; daher kam es auch, daß er sich meist mit meinem Gefährten unterhielt. Hätte ich mich doch für einen gelehrten Irokesen oder einen schönen Geist vom Mississippi ausgegeben. Hätte ich ihm nicht Wunderdinge erzählen können, wie sein Ruhm bis jenseits des Ohio gedrungen, wie man in den Kapanen von Louisiana über ihn und seinen »Wilhelm Meister« sich unterhalte? – So wurden mir einige unbedeutende Floskeln zuteil, und mein glücklicherer Gefährte durfte den großen Mann unterhalten.

Wie falsch sind aber oft die Begriffe, die man sich von der Unterhaltung mit einem großen Manne macht! Ist er als witziger Kopf bekannt, so wähnt man, wenn man ihn zum erstenmal besucht, einer Art von Elektrisiermaschine zu nahen. Man schmeichelt ihm, man glaubt, er müsse dann Witzfunken von sich strahlen, wie die schwarzen Katzen, wenn man ihnen bei Nacht den Rücken streichelt; ist er ein Romandichter, so spitzt man sich auf eine interessante Novelle, die der Berühmte zur Unterhaltung nur geschwind aus dem Ärmel schütteln werde; ist er gar ein Dramatiker, so teilt er uns vielleicht freundschaftlich den Plan zu einem neuen Trauerspiel mit, den wir dann ganz warm unseren Bekannten wieder vorsetzen können. Ist er nun gar ein umfassender Kopf wie Goethe, einer der, sozusagen, in allen Sätteln gerecht ist – wie interessant, wie belehrend muß die Unterhaltung werden; wie sehr muß man sich aber auch zusammennehmen, um ihm zu genügen.

Der Amerikaner dachte auch so, ehe er neben Goethe saß; sein Ich fuhr, wie das des guten Walt, als er zum Flitte kam, ängstlich oben in allen vier Gehirnkammern, und darauf unten in beiden Herzkammern wie eine Maus umher, um darin ein schmackhaftes Ideenkörnchen aufzutreiben, das er ihm zutragen, und vorlegen könnte zum Imbiß. Er blickte angstvoll auf die Lippen des Dichters, damit ihm kein Wörtchen entfalle, wie der Kandidat auf den strengen Examinator, er knickte seinen Hut zusammen, und zerpflückte einen glacierten Handschuh in kleine Stücke. Aber welcher Zentnerstein mochte ihm vom Herz fallen, als der Dichter aus seinen Höhen zu ihm herabstieg, und mit ihm sprach, wie Hans und Kunz in der Kneipe. Er sprach nämlich mit ihm vom guten Wetter in Amerika, und indem er über das Verhältnis der Winde zu der Luft, der Dünste des wasserreichen Amerika zu denen in unserem alten Europa sich verbreitete, zeigte er uns, daß das All der Wissenschaft in ihm aufgegangen sei, denn er war nicht nur lyrischer und epischer Dichter, Romanist und Novellist, Lustspiel- und Trauerspieldichter, Biograph (sein eigener) und Übersetzer – nein, er war auch sogar Meteorolog!

Tischbein, Goethe am Fenster der römischen Wohnung am Corso, 1787Wer darf sich rühmen, so tief in das geheimnisvolle Reich des Wissens eingedrungen zu sein? Wer kann von sich sagen, daß er mit jedem seine Sprache, d. h. nicht seinen vaterländischen Dialekt, sondern das, was ihm gerade geläufig und wert sein möchte, sprechen könne. Ich glaube, wenn ich mich als reisender Koch bei ihm aufgeführt hätte, er hätte sich mit mir in gelehrte Diskussionen über die geheimnisvolle Komposition einer Gänseleberpastete eingelassen, oder nach einer Sekundenuhr berechnet, wie lange man ein Beefsteak auf jeder Seite schmoren müsse.

Also über das schöne Wetter in Amerika sprachen wir, und siehe – das Armesündergesicht des Amerikaners hellte sich auf, die Schleusen seiner Beredsamkeit öffneten sich – er beschrieb den feinen weichen Regen von Kanada, er ließ die Frühlingsstürme von New York brausen, und pries die Regenschirmfabrik in der Franklinstraße zu Philadelphia. Es war mir am Ende, als wäre ich gar nicht bei Goethe, sondern in einem Wirtshaus unter guten alten Gesellen, und es würde bei einer Flasche Bier über das Wetter gesprochen, so menschlich, so kordial war unser Diskurs; aber das ist ja gerade das große Geheimnis der Konversation, daß man sich angewöhnt – nicht gut zu sprechen, sondern gut zu hören. Wenn man dem weniger Gebildeten Zeit und Raum gibt zu sprechen, wenn man dabei ein Gesicht macht, als lausche man aufmerksam auf seine Honigworte, so wird er nachher mit Enthusiasmus verkünden, daß man sich bei dem und dem köstlich unterhalte.

Dies wußte der vielerfahrene Dichter, und statt uns von seinem Reichtum ein Scherflein abzugeben, zog er es vor, mit uns Witterungsbeobachtungen anzustellen.

Nachdem wir ihn hinlänglich ennuyiert haben mochten, gab er das Zeichen zum Aufstehen, die Stühle wurden gerückt, die Hüte genommen, und wir schickten uns an, unsere Abschiedskomplimente zu machen. Der gute Mann ahnete nicht, daß er den Teufel zitiere, als er großmütig wünschte, mich auch ferner bei sich zu sehen, ich sagte ihm zu, und werde es zu seiner Zeit schon noch halten, denn wahrhaftig, ich habe seinen Mephistophiles noch nicht hinuntergeschluckt. Noch einen – zwei Bücklinge, wir gingen. –

Stumm und noch ganz stupid vor Bewunderung folgte mir der Amerikaner nach dem Gasthof; die Röte des lebhaften Diskurses lag noch auf seiner Wange, zuweilen schlich ein beifälliges Lächeln um seinen Mund, er schien höchst zufrieden mit dem Besuch.

Auf unserem Zimmer angekommen warf er sich heroisch auf einen Stuhl, und ließ zwei Flaschen Champagner auftragen. Der Kork fuhr mit einem Freudenschuß an die Decke, der Amerikaner füllte zwei Gläser, bot mir das eine, und stieß an auf das Wohlsein jenes großen Dichters.

»Ist es nicht etwas Erfreuliches«, sagte er, »zu finden, so hoch erhabene Männer seien wie unsereiner? War mir doch angst und bange vor einem Genie, das dreißig Bände geschrieben; ich darf gestehen, bei dem Sturm, der uns auf offener See erfaßte, war mir nicht so bange, und wie herablassend war er, wie vernünftig hat er mit uns diskurriert, welche Freude hatte er an mir, wie ich aus dem neuen Lande kam!« Er schenkte sich dabei fleißig ein, und trank auf seine und des Dichters Gesundheit, und von der erlebten Gnade und vom Schaumwein benebelt, sank er endlich mit dem Entschluß, Amerikas Goethe zu werden, dem Schlaf in die Arme.

Ich aber setzte mich zu dem Rest der Bouteillen. Dieser Wein ist von allen Getränken der Erde der, welcher mir am meisten behagt, sein leichter flüchtiger Geist, der so wenig irdische Schwere mit sich führt, macht ihn würdig, von Geistern, wenn sie in menschlichen Körpern die Erde besuchen, gekostet zu werden.

Ich mußte lächeln, wenn ich auf den seligen Schläfer blickte; wie leicht ist es doch für einen großen Menschen, die andern Menschen glücklich zu machen; er darf sich nur stellen, als wären sie ihm so ziemlich gleich, und sie kommen beinahe vom Verstand.

Dies war mein Besuch bei Goethe, und wahrhaftig, ich bereute nicht, bei ihm gewesen zu sein, denn:

          »Von Zeit zu Zeit seh ich den Alten gern,
          Und hüte mich mit ihm zu brechen,
          Es ist gar hübsch von einem großen Herrn,
          So menschlich mit dem Teufel selbst zu sprechen.«

Bilder: Wilhelm Hauff: gemeinfrei;
Johann Heinrich Wilhelm Tischbein: Goethe am Fenster der römischen Wohnung am Corso, 1787. Aquarell, Kreide und Feder über Bleistift/Papier.
Geburtstagsständchen: France Gall: Ein bisschen Goethe, 8. Juli 1969.

Written by Wolf

28. August 2008 at 12:01 am

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Sapir, Whorf, Bernstein, Jean Paul, Scoresby, Hakluyt, Poe, Linné und Gott (und Uma Thurman)

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Wolf hat Kapitel 32: Cetologie gelesen:

Rockwell Kent, Chapter XXXII, Cetology. Many are the men, small and great, old and new, landsmen and seamen, who have at large or in little, written of the whale. Plattsburgh State Art Museum

Ab hier ist Pottwal. Form follows function nicht — sie geht ihr voraus, um sie zu stiften, deswegen haben wir es auch nicht mit Gebrauchsdesign zu tun, sondern mit Kunst. Und was für welcher: Lies das deiner siebenjährigen Tochter als Gutenachtgeschichte vor, und sie schwimmt den Rest der Nacht in Tränen, und zwar nicht aus Angst vor dem Moby, sondern vor dem Melville.

Übertrieben? Von mir aus. Bei meinem Moby-Dick-Erstversuch als nicht Sieben-, aber so um Vierzehnjähriger muss mich diese Cetologie ziemlich mitgenommen haben. Natürlich hab ich heimlich gelesen, nachts, nachdem der elterliche Fernseher verstummt war, und dann sowas. Eine lang und breit angekündigte Systematik der Meeresungetüme — auf wissenschaftliche Art — die Viecher gab’s also wirklich! Mit abseitigen Fremdwörtern belegt, mit abstrusen Attributen ausgestattet (ein Wal mit einem Horn auf der Nase, mit dem er vielleicht ich weiß nicht was angreift und aufspießt, vielleicht auch “nur” den Meeresgrund nach Nahrung umpflügt oder Polareis aufbricht!), in eine Ordnung unterteilt wie der Bestand einer Bibliothek, von der man nur noch nichts geahnt hatte! Ein geradezu abgeschlossenes Werk zur Meeresbiologie mitten in einen Roman geflickt, ohne Handlung, aber spannender als der traurige Rest der gesamten (mir) bis dahin bekannten Weltliteratur, ein Rätselwerk, ein Unding — ja, darf der das?

Man liest nie wieder so verständig und so durstig wie mit vierzehn, dass ich am nächsten Tag in die Schule musste, focht mich wenig an. Meine Lehrer konnten mir in der folgenden Woche wohl nicht viel Neues beibringen. Ich hatte vorerst genug gelernt, nämlich dass man, um sich einprägsam zu äußern, aus vorgegebenen Rahmen ausbüchsen muss. Ohne es schon so formulieren zu können, wusste ich um die Kunst, die Regeln bricht und Erwartungen enttäuscht. Das war nahe an der Revolution.

Die Vorbildreihe geht: So ziemlich alle Schreiber orientieren sich an Poe, der hat das meiste Moderne an der Literatur erfunden, eingeführt, ausgebaut, definiert. Poe, man staune, orientierte sich an E.T.A. Hoffmann, doch, wirklich, es gab englische Übersetzungen, und sie waren in Amerika zugänglich. Hoffmann wiederum hielt viel von Jean Paul, auch so ein ungebärdiger Treibauf von Stilist. Und der hatte sich dauerhaft in Laurence Sterne verguckt, vor allem in eins der ungebärdigsten Bücher überhaupt, den Tristram Shandy. Damit führt die Reihe zurück in die Anglistik, das Faszinierende an ihr ist ja schon, dass sie überhaupt zwei Glieder lang in der Germanistik war. Poe, Hoffmann, Jean Paul, Sterne. Allesamt Hausheilige von mir, allesamt kein obligatorischer Schulstoff, sondern auf dem Zweig der Literaturgeschichte, der ins Vergessen wippt und kippt.

Jean Paul, ziemlich weit oben in der Vorbildreihe für einen, den Reich-Ranicki heute ausdrücklich aus dem deutschen Literaturkanon ausnimmt, hat es nicht zu einem so langlebigen — sagen wir ruhig dieses eine Mal: Kultbuch wie Moby-Dick gebracht. Nicht vergessen wie Melville hat er seine Karriere durch Ableben beendet, sondern als Bestsellerproduzent, nur leicht belächelt für seine schmalzigen Stellen. Gut, seine Backsteine neigen zum Melodram, aber nicht in der Hauptsache. Mich erinnern sie sogar an Moby-Dick in ihrer fröhlich vorsätzlichen Missachtung aller Romantheorien, und da natürlich vor allem an diese Zumutung von retardierendem Moment in Kapitel 32. Alles voller freier Assoziationen aus einer angelesenen und zusammengelebten, aber enzyklopädischen Bildung, das einzige, was keine Sau interessiert, ist die Grenze zwischen Gaudium und Wissenschaft. Dann noch Jean Pauls gesucht schrullige Romanunterteilungen in “Sektoren“, “Hundsposttage” oder “Jobelperioden“, daneben Melvilles Begründung der Cetologie anhand bücherförmiger Wale, die sich zum Wal qualifizieren, indem sie blasen und einen querstehenden Schwanz haben, nicht aber in Flussmündungen wohnen — überhaupt die Parallelen von allem und jedem zu staubschichtiger Stubengelahrtheit unter lauter alten Büchern, angefangen von Jean Pauls Erstling Schulmeisterlein Wutz neben Melvilles Moby-Dick-Prolog mit dem “blassen Hilfsschulmeister” und dem BUCH II (Oktavo), Kapitel III (Narwal, das heißt: Nasenwal), der mit seinem Horn wahrscheinlich Flugschriften falzt — da fällt doch nicht nur mir was auf?

Der Walbulle im Karpfenteich der Romanliteratur, sagt Daniel Göske zu Anfang seines Nachworts, und welche Stelle sollte ein Buch wohl wirksamer dazu qualifizieren als diese seemännische Cetologie, Jean Paul kriegen wir bestimmt später noch mal.

Wer erzählt uns das alles? Ismael natürlich, den Großmacht Herman Melville vor sich herschiebt. Jürgen hat dazu zielsicher den aufschlussreichsten Satz aus dem Kapitel gefischt: “I have swam through libraries and sailed through oceans” — was übrigens beim Ehepaar Seiffert 1956 heißt: “Doch ich habe in der Weisheit der Bibliotheken gebadet und bin auf Ozeanen gesegelt, ich habe Wale unter meinen Menschenhänden gespürt”. Gar keine so schlechte Lösung. Hier ist Ismael in besonderem Maße Melvilles alter ego: noch mehr als ein Schreiber, der schon mal auf einem Schiff war, der Seemann, der sich mit Büchern auskennt. Und er schreibt es offensichtlich rückblickend: “Ich habe mit diesen Händen Wale berührt”, sagt er, dabei fährt Ismael erklärtermaßen zum ersten Mal auf Wale aus, wie er im Vorstellungsgespräch bei der Anheuer angibt. Also kein Regiefehler, sondern nur logisch.

Was erzählt er noch? Die Versuchung ist enorm, an dieser Stelle eine Liste zu eröffnen, die Melville, Jean Paul, Linné und die Penny Cyclopedia auf einmal imitiert, persifliert, paraphrasiert und ausnutzt; leider sind wir hier ein Weblog für ökonomisch denkende Schüler im Englisch-Leistungskurs (hausaufgabe.de kostet, glaub ich), die einem das hinterher wieder nicht lesen. Also noch als Schnellsegeltörn über einen der tiefsten Gräben im Ozean Moby-Dick ein paar Auffälligkeiten, die nicht gleich in der nächstbesten Online-Lernhilfe stehen:

Wale sind bei Melville noch Fische, wozu er sich auf den biblischen Jonas beruft, auch wenn er diese Einteilung schon als “altmodisch” erkennt. Ismaels gehaltvollster Beitrag zu einer weiter zu errichtenden Cetologie, ein Wal sei a spouting fish with a horizontal tail, ist so wahr wie fiktionale Literatur eben ist: Er stimmt, auch wenn er von den Realitäten außerhalb des Werks abweicht — es heißt ja auch in der Fachliteratur wie in der Bellestristik whale fishery, ätsch. Friss es oder lies William Scoresby und versuche wenigstens darin Melville zu gleichen.

Übersetzungshaken in der weiteren Systematik: A walrus spouts much like a whale, but the walrus is not a fish, because he is amphibious heißt bei Jendis: “Ein Walroß bläst ungefähr wie ein Wal, aber das Walroß ist kein Fisch, weil es amphibisch lebt.” Es lebt, das Walroß, es tut also etwas, statt etwas zu sein. Mag sein, dass ich diesen Unterschied überbewerte, aber Rathjen meint, näher an Melville: “weil es amphibisch ist”. Auch wenn Jendis soweit löblicherweise ein Vollverb vor einem Hilfsverb bevorzugt, schreit gerade bei diesem kleinen feinen alltagsphilosphischen Unterschied ein leiser Schmerz in mir auf: A Walross’s gotta do what a Walross’s gotta do, aber erst sein Sein bestimmt sein Bewusstsein.

Übersetzungshaken in der abgrenzenden Systematik: Das “nosy” Volk der Schweins- und Saufische ist bei Jendis verächtlich, weil es “aufdringlich” ist, bei Rathjen “großnasig”, Leo kennt “neugierig” und “naseweis”. Schön, dass Herrn Jendis beim Überarbeiten von Rathjens Vorarbeit die übertragene Bedeutung aufgefallen ist; andererseits: Wie aufdringlich sind Wale? [Und sind cloistered old authors eher “weltabgewandte Schreiber” (Jendis) oder “Klosterautoren” (Rathjen)?]

Übersetzungsschönheit: Lebensspendender Saft heißt im Original quickening humor. Wenn man das mal als Kalauer verwenden kann, soll mich bitte jemand diskret schubsen.

Noch eine Schönheit: Jendis’ “alte Frakturschwarte” und Rathjens “alte Fraktur” umschreiben sich im Original: “Black Letter tells me […]“. Ist das nicht einfach wunderschön? Binnentextueller Bezug: Ismael erwähnt hier seit Kapitel 2 zum ersten Mal den old writer–of whose works I possess the only copy extant wieder. Hinter die angedeutete Ferkelei, die Ismael hier im Abschnitt über den ach so bücheraffinen Narwal um Richard Hakluyt und Queen Bess strickt, kommen die ökonomisch denkenden Schüler schon selber, verwenden können sie die sowieso nicht.

Ebenfalls der Narwal ist es, der mit seiner Finne an eine Sonnenuhr erinnert. Natürlich nicht an eine statische, die ein für allemal ausgerichtet die Uhrzeit kund tut, sondern wie Wale so sind, mobil, agil, vital. Eben wie die Sonnenuhr des Ahas, die Göske in seiner Anmerkung als “erratisch” einstuft. Hier hab ich den Einwand, dass diese biblische Erscheinung nicht beliebig auftauchte, sondern auf göttliche Einwirkung aus wichtigem Anlass. Gerade weil Göske noch dazuerklärt, dass Melville die betreffende Stelle — Jesaja 38,8 — in seiner Bibel markiert hat, scheint mir das wichtig. Also: Narwal schwimmt nicht tirili um und um, sondern laviert nach göttlichem Geheiß.

Melville selbst scheint sich anfangs nicht recht einig, was er da überhaupt anzettelt. Seine lange Vorrede zu seiner Systematik steckt voller Rechtfertigungen, dem Seemann ist selbst nicht ganz geheuer, wie er sich da in eine noch nicht mal anerkannte Wissenschaft vorwagt. Erst am Schluss von Buch I, Kapitel III über den Finnwal fasst er sich ein Herz und findet seine Begründung, warum man Wale nach Buchformaten ordnen soll:

What then remains? nothing but to take hold of the whales bodily, in their entire liberal volume, and boldly sort them that way. And this is the Bibliographical system here adopted; and it is the only one that can possibly succeed, for it alone is practicable. To proceed.

einseitig.infoDas war ihm ein Bedürfnis. Ab sofort läuft’s auch hörbar unbekümmerter aus der Feder mit den folgenden Erkenntnissen.

Man versteht ihn durchaus: Im Nachhinein fällt die Vorstellung schwer, dass eine bestehende Wissenschaft, die seitdem zumindest teilweise in die Allgemeinbildung eingegangen ist, irgendwann schlicht nicht existiert haben soll. Irgendwo müssen die Grundlagen dazu ja dermaleinst hergekommen sein. Im Anfang war man auf Beobachtung angewiesen, auf das unermüdliche Sammeln dessen, was vorhanden ist. Diese ganze Empirie, die in den grandiosen Positivismus des wissenschaftslastigen 19. Jahrhunderts mündete, ist überhaupt nicht überschätzbar und hat mich immer ehrfurchtsstarr an Newtons (und anderer) “Schultern von Riesen” erinnert. Da ist der seemännische Stolz berechtigt, den Ismael-Melville in Kapitel 24 nur halb ironisch vor uns ausbreitet: Wer hat denn unter Einsatz von Leben, Existenz und gutem Ruf all die Wale zuerst gesichtet, die man zu Hause den biologischen Kapazitäten in der geheizten Stube vorlegen musste — in welcher Form außer von Seemannsgarn auch immer, wenn man sie nicht einmal mit der Handykamera dokumentieren konnte — wenn nicht gottesfürchtige, unterbezahlte, salzwassertropfende Walfänger? Und dann geht’s los mit Klassifizieren…

Überhaupt: Wie übersetzt man das? Melvilles Text ist auf Englisch entstanden, schon all die Walnamen in diesem einzigen Kapitel lauten bei Jendis und Rathjen recht unterschiedlich: Huzza Porpoise ist “Heißajuchhe-Tümmler” ist “Hurra-Tümmler” ist gemeiner Tümmler ist wahrscheinlich Großer Tümmler — dabei sind das noch die zwei Übersetzungen, die miteinander in Bezug stehen. Worauf man dann erst bei einem Vergleich aller bisherigen Übersetzungen stieße, kann man sich ungefähr vorstellen. In welchem Wörterbuch schlägt man das nach, und woher weiß man, unter welchem Buchstaben? P wie Pottwal oder K wie Kaschelot? Und wenn man sich entschieden hat, hatte dann der Lexikograf die gleiche Tierart vor Augen? Welche Delfinunterart ist schon ein Flusswal, ab welchem Gelbstich ist ein Blauton schon ein Grün? Und wenn einer das anders sieht, ist er dann dümmer als der andere?

Mein Moby-Arbeitsexemplar spickt und starrt in diesem Kapitel vor Bleistiftanmerkungen wie bisher in keinem anderen; fertig wird man damit noch lange nicht, den Rest schenk ich meinen Nachrednern. God keep me from ever completing anything.

Rockwell Kent, Illustration for Chapter XXXII, Cetology. End. Plattsburgh State Art Museum

Alle noch wach? Dann möchte ich jetzt zur Belohnung mit denjenigen meiner Leser, die bis hier durchgehalten haben, meinen Ohrwurm der Woche teilen: Girl, You’ll Be a Woman Soon, eins von Neil Diamond aus Just for You 1967, 1994 von Urge Overkill für Pulp Fiction wiederbelebt.

Bilder: Rockwell Kent: Chapter XXXII: Cetology, by Lakeside Press of Moby Dick;
Michael Stolzke: Wa(h)lverwandtschaften — Einseitig und Moby Dick, 26. Juli 2006.

Written by Wolf

26. August 2008 at 2:48 am

Posted in Steuermann Wolf

Don’t Give Up Till It’s Over

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Update zu Songs the Whalemen Sang:

 Ronnie Drew Portrait ca. 1966, The Balladeers73 ist er geworden, steinalt mit blitzenden Lausejungenaugen war er irgendwie schon immer. Ronnie Drew, Gründungsmitglied, Mastermind und vor allem Stimme der Dubliners, wurde am 16. August vom Krebs dahingerafft.

Die besten irischen Kapellen, die auch nach Irland klingen, wie man sich’s vorstellt, waren immer die Dubliners und die Pogues, da diskutier ich schon lange allenfalls noch über die Reihenfolge — jede von ihnen auf ihre verdammt spezielle Weise: die Dubliners als Fackelträger der Tradition, die Pogues als ausgelassene Rabauken. Mich hat immer gefreut, wie sich diese Aushängeschilder der verschiedenen Generationen, denen sie angehörten, nicht trotzdem vertrugen, sondern deswegen.

Das fiel unter Kollegen so weit auf, dass die McCalmans mal in nicht ihrem schlechtesten Lied halb neidisch, halb frozzelig gefragt haben: “Who put the Pogues in the Irish Rover?” Die sind Schotten. Das ist nichts Schlechteres als Iren, und daher werden die sich wohl auch mit intertextuellen Bezügen auskennen. Das von den Greenland Whale Fisheries war Mr. Drew dafür unbestreitbar auf den Leib komponiert.

Der intertextuelle Bezug: Überleben wird Mr. Drew durch einen Fernsehauftritt mit den zwei besten irischen Bands, den Irish Rover so intonierend, wie es sich gehört. Die Großvaterfigur als tragende Stimme, umringt von einer ausgelassenen Meute junger Hunde; der besoffene Henkeltopf mit der eingeschlagenen Fresse, der sich bei seinem öffentlichen Auftritt nur nachlässig zu benehmen weiß, dafür seine Lieder zu Hause auf dem groben Niveau von Bob Dylan schreibt, ist Shane MacGowan und lebt noch.

And when you come
And all the flowers are dying,
If I am dead,
As dead I well may be,
You’ll come and find
The place where I am lying
So kneel and say
An Ave there for me.

Bild: Ronnie Drew ca. 1966: The Balladeers;
Film: The Dubliners & The Pogues: Irish Rover — ein steinalter Fernsehausschnitt mit blitzenden Lausejungenaugen. Schnief.

Danke an den Herrn Nachbarn Stadtneurotiker for the shout-out.

Written by Wolf

19. August 2008 at 1:54 am

Posted in Moses Wolf

The little mocking bird sang sweetly all the day

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Update for Und tausend bunte Blumen blühn um den erstaunten Pinguin:

Pat Pflieger has explored since 1999 Nineteenth-Century Children & What They Read. We couldn’t be too grateful.
For instance: Mark Twain: The Adventures of Tom Sawyer, 1876; Louisa May Alcott: Little Women, 1868; Horatio Alger: Ragged Dick, Or, Street Life in New York with the Boot-Blacks, 1867. And some years before, Samuel Goodrich (1793–1860), preferably the extremely popular Peter Parley stories. Most of Goodrich’s books appealed to readers age 10 and up; Peter Parley’s Juvenile Tales 1836, revised 1855, with their large type font and brief stories, evidently were meant for younger readers. With their combination of morality and natural history, they are vintage Parley. The actually revised bits are not clear.


THE LITTLE SAILOR.

Well, here you see are some little folks playing by the side of a pond. There is one boy whose name is Thomas. Then there is his little sister by his side. Her name is Susan. There is another person with a stick in her hand. This is their older sister, Jane, who is so kind as to go with them, and amuse them.

The Little Sailor Frontispiece, Peter Parley's Juvenile Tales

Yes, see, they have got a little boat, with a paper sail, and a little wooden man for a sailor. Now, what do you think that boat is? It is a wooden shoe! In this country we wear leather shoes; but in some other countries they wear shoes of wood. It makes a smart boat, do n’t it?

The sailing of boats in ponds is a very amusing thing; but children should not try such kind of play, unless they have some one to take care of them, as this little boy and girl have.

I once heard of a boy; he was sailing a little boat, made of a chip, by the side of a pond. His foot slipped, and he fell into the water. He had a dog. The dog’s name was Trip. Trip caught hold of his little master, and pulled him out of the water. If Trip had not been there he would have been drowned.

But I have known some boys who have gone in large boats, called ships, such as they go to Europe in, and to Asia, and Africa. Some of these ships are very large; and one of them will hold two hundred men. You remember I have told you about a little soldier. I will now tell you about a little sailor. His name was Thomas; perhaps the same Thomas that you see represented in the picture. Little Thomas was a good boy. He loved his parents and friends, and was beloved by them. Now Thomas had an uncle who was a sailor. He commanded a ship, and had sailed a great many times upon the ocean. He told Thomas what he had seen upon the ocean, and Thomas wanted to go with him. So he asked his parents, and they said he might go. The vessel sailed for China. When you come to study geography, you will learn where China is situated. Now, Thomas saw a great many wonderful things while he was going to China. Perhaps you would like to have me tell you some things that Thomas saw. Well, I will tell you some.

Whale. Illustration of two men, Peter Parley's Juvenile TalesOn the ocean he saw a whale playing in the water. Though the whale was as large as a house, it moved very swiftly and very easily. It was strong enough to destroy the largest vessel. But it never did any harm, unless provoked or injured. By and by he saw the little whale-boat creeping towards the whale. It looked like a speck by the side of the monster. The whale did not notice the boat; if he had, he could very easily have rolled over and sunk the men and the boat in the ocean. One of the men in the boat had a long spear in his hand, called a harpoon. The harpoon had a rope tied to it. This sharp instrument he stuck into the whale. The whale tried very hard to get away, but the men held fast to the rope,a nd so the whale was taken and killed. People get oil from whales, such as we burn in our lamps. When you see this oil you will recollect about the whale. Here is a picture of a whale.

Anaconda. Peter Parley's Juvenile TalesThomas also saw some other curious things while he was going to China. He saw a great serpent, or snake, called the anaconda. This snake is not like one of our snakes; it is as long as a tree, and when it is quiet it looks very much like a large log. Above is a picture of an anaconda. When it is hungry it will sometimes eat large animals as big as deer. The people are very much afraid of the anacondas; but they sometimes are able to kill them. When you get old enough to study natural history, you will learn where these snakes and other curious animals are found.

Thomas at last came to China. I have not time to tell you all the things that he saw in China. But I will tell you one thing. He learned how they get tea. Tea is nothing but the leaf of a shrub; it grows like the leaf of a peach tree or pear tree. The people pick these leaves and dry them, and put them in boxes. These leaves are brought to his country in boxes, and we buy them. This is the way we get our tea. When you come to study botany you will learn all about these things. Thomas staid in China a long time, but at last he returned home to Boston. He had grown a great deal; so much that his father and mother did not know at first that it was Thomas. He told them that it was their son Thomas, and then he told them all that he had seen. They were very glad to find that he had improved so much. Thomas made a good match, and at last became Captain Thomas. But we have got to the end of our walk. So, good bye.


The Mocking Bird Frontispiece, Peter Parley's Juvenile Tales

Images: Samuel G. Goodrich: Peter Parley’s Juvenile Tales, revised 1855 edition, via Pat Pflieger.

Written by Wolf

18. August 2008 at 12:01 am

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Two Years Before the Mast

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Update zu Quohog – his mark:

An ancient Hawaiian war-club or spear-paddle, in its full multiplicity and elaboration of carving, is as great a trophy of human perseverance as a Latin lexicon. […] To produce a mighty book, you must choose a mighty theme. No great and enduring volume can ever be written on the flea, though many there be who have tried it.

Chapter 57 and 104.

Liza Phoenix. For a tasty Pick me Up, Put MobyDicks in Your CupMorgen wird Moby-Dick™ zwei Jahre alt. Die Unternehmung hat Kapitel 32 von 135 noch nicht ganz fertig. Das heißt, bei gleich bleibendem Forschungstempo machen wir noch bis Februar 2015. Und wenn’s in der Zwischenzeit WordPress, Hanser, den marebuchverlag, Wikipedia, das angloamerikanische Spirituosenwesen und den Augustiner-Bräu zerlegt.

Beschwerden und Huldigungen bitte in die Kommentare, Zuwendungen auf mein Konto, die Verbindung weiß ich auswendig. Waidmannsheil oder wie das heißt.

Bild: Liza Phoenix;
Überschrift: Richard Henry Dana, Jr., 1834/1840.

Film: Jules Verne: Deux Ans de Vacances, 1974.

Written by Wolf

17. August 2008 at 12:01 am

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Fundsachen der Woche

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Im Buchladen:

Es gibt (mindestens) zwei vollständige Einlesungen von Billy Budd auf Deutsch: Eine neue in der Übersetzung von Richard Moering mit Christian Brückner, den man als Stammsynchronsprecher für Robert De Niro, Harvey Keitel und sonstige ruppige Hollywoodknochen kennt und für seine Einlesung von Moby-Dick, beim marebuchverlag der Rathjen-Übersetzung beiliegend, mag — und eine ältere in der Übersetzung von Richard Mummendey mit Hans Paetsch. Die ist zwar genau wie die neue erst 2007 erschienen, von dem Märchenonkel der Nation mit der Stimme, die von Natur aus immer nach Opa klang, wie er in einen Blecheimer hustet, weiß man aber, dass er 2002 gestorben ist, die Aufnahme also bis vor kurzem in einem Archiv des NDR rumgefahren sein muss. Das kann man als Leichenfledderei und schamloses Recycling ansehen, man kann sich aber auch einfach so über den gehobenen Schatz freuen. Produktseite bei GEO mit Hörprobe!

Im Internet:

Power Moby-Dick, the Online Annotation: Interaktiv kommentiert, sogar mit Quellenangaben. Text mit Seitenzahlen nach der ersten amerikanischen Ausgabe von 1851, Anmerkungen von Margaret Guroff 2008, meist nach Wikipedia. Sehr gut benutzbare, wissenschaftlich glaubwürdige Referenz.

Das steht ab sofort auch in der Volltextesammlung Voll der Moby in diesen heil’gen Hallen.

Ach ja: Einen Flickr-Pool People Reading gibt’s auch. Er steckt randvoller putziger, liebevoll gemachter Bilder mit, Sie ahnen es, lesenden Leuten. Manche davon dezent voyeuristisch, aber nicht so wild, dass man sie in Deutschland nicht angucken dürfte. Das Wochenende ist gerettet.

Reading near the canal by @rgs, 8. August 2008

Bild: @rgs: Reading near the canal im Pool People Reading, 8. August 2008. Sieht aus wie die Hafenmauer aus der letzthin verwendeten Feenmusik von Tom Waits: Watch Her Disappear aus Alice, 2002, stimmt’s?

Written by Wolf

14. August 2008 at 12:02 am

Posted in Reeperbahn