Moby-Dick™

Leben mit Herman Melville

Stephan kommt an Bord

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There is one knows not what sweet mystery about this sea, whose gently awful stirrings seem to speak of some hidden soul beneath.

Chapter 111, The Pacific

Hafen in Cape Cod

Es wird dieser Tage ein Jahr, dass Moby-Dick 2.0 ausgelaufen ist, diesen whale of a tale zu erschließen. Was waren es für Zeiten: Xing, wo wir uns zusammengeheuert haben, hieß noch OpenBC, und anfangs waren vier Leute im Boot, bis zu 50% davon sind unterwegs verloren gegangen. Wie gelegen kommt es da, dass sich praktisch aus dem Nebel ein neuer Freund des Wortes und des Gewässers dazugesellt. Stephan heißt er, Stephan De Maria. Er hat das Wort:

Stephan De MariaIch stell mich auch mal kurz vor. Ich bin 35 Jahre alt, verheiratet, hab zwei Söhne im Alter von 1 und 5 Jahren, bin seit kurzem geprüfter PR-Berater, arbeite seit zweieinhalb Jahren freiberuflich als Journalist und PR-Schreiber, zuvor war ich Redakteur im IT-Bereich und Volontär bei einer regionalen Tageszeitung. Aber eigentlich bin ich klassischer Archäologe (M.A.), Althistoriker und Romanist (italienische Literaturwissenschaft). Ich lese bevorzugt Klassiker, selten Zeitgenössisches, noch seltener deutsche zeitgenössische Literatur mit Ausnahme von Genazino. Für gute Vorschläge bin ich jedoch immer zu haben.

Ich habe vor einer Weile mit Zolas Romanzyklus Les Rougon-Macquart begonnen, der 20 Titel umfasst. Aber da ich die Naturalisten (und Moralisten) wie Zola nicht so hintereinander weglesen kann, schaffe ich maximal einen Titel im Jahr. Dazwischen muss etwas völlig anderes her – da kommt mir Moby-Dick gerade recht.

Mit Moby Dick verbindet mich natürlich Gregory Peck. Den Film hab ich das erste Mal in recht jungen Jahren gesehen und er hat mich geängstigt, verunsichert, beunruhigt. Das mag der Grund sein, weshalb ich das Buch noch nicht angefangen habe. Wobei mich schon damals weniger der Wal als vielmehr Ahab beunruhigt hat.

Nantucket habe ich noch nicht besucht, aber wir waren während der Hochzeitsreise einige Tage auf Cape Cod, wo wir eine Whale Watching Tour unternommen haben. Das war meine dritte Tour nach Vancouver Island, wo ich Orcas in großer Zahl und in Nasenhöhe erlebt habe, und Tadoussac, Québec. Wale üben eine sehr starke Anziehung auf mich aus. Sie gesehen und gehört zu haben, hat mich tief bewegt und berührt. Ihre Eleganz ist atemberaubend, Buckelwale, die miteinander spielen, wirken völlig entrückt.

Schon lang hat mich beschäftigt, wie unterschiedlich die Wahrnehmung der Menschen im Laufe der Geschichte ist bezüglich der Wale. Am Ende jedoch lief es immer darauf hinaus, dass sie Monster sind, die sich prächtig ausbeuten lassen.

Björk die WaldfeeSelbstverständlich boykottiere ich Walfangländer wie Japan, Norwegen, Island. Und für deren Argumentation bin ich nicht zugänglich. Während junger Studentenjahre habe ich eine Unterschriftenaktion gestartet gegen die norwegische Robbenschlacht- und Walfangpolitik. Rund 900 Unterschriften habe ich bei der Botschaft eingereicht und in Kopie an den Fischereiverband geschickt. Eine knapp zweistündige telefonische Auseinandersetzung mit einem Vertreter des Verbands folgte. Und sie war nicht von Freundlichkeit und Verständnis geprägt.

Zum Meer selbst habe ich auch eine sehr enge Bindung. Ich habe noch nie Urlaub gemacht, ohne am Meer gewesen zu sein. Mein Vater stammt aus einer süditalienischen Hafenstadt, sein Vater war Hafenarbeiter, meine Großmutter stammt aus einer Fischerfamilie. Ich tauche, fahre Kanu und suche stets den Kontakt zum Wasser.

Gestern Abend habe ich Melville zum ersten Mal ernsthaft in die Hand genommen und die Seiten Etymologie gelesen. Mehr erst mal nicht. Es war dann doch spät.

Ihr seid mein erster Literaturzirkel und ich werde versuchen, euren Ansprüchen gerecht zu werden. Ich will gern von euren Gedanken und Abschweifungen lernen. Denn Literaturwissenschaft an der Uni, das ist nicht wirklich das, was ich mir erwartet hatte.

Eine politisch aktive Vollreisewasserratte und ein philologisch studierter Berufsschreiber. Ich glaub, wir werden versuchen, mit dir mitzuhalten. Schön, dass du da bist.

Bilder: Hyannis Travel Inn, Stephan De Maria, Björk by Rosemarie Trockel auf As playmates do Quase em Português; Lizenz: Creative Commons.

Written by Wolf

5. July 2007 at 1:20 am

Posted in Steuermann Stephan

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