Moby-Dick™

Leben mit Herman Melville

I thought that I was in heaven but I was sure surprised (Ist das so?)

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Update zu The Whiteness of the Bär:

Thomas Dörflein hätschelt Knut

Knut hat genervt. Das war der schon fast außernatürlich goldige Eisbär, der auf tragische Weise von wirklich allen Medien durchgenudelt wurde, wofür er ja nix konnte, aber trotzdem: Das Beste, was das verzogene nasse Pelzknäuel tun konnte, war endlich erwachsen werden und Ruhe geben, hierin ganz ein Berliner Kind.

Der Mann an seiner Seite, als sein “Ziehvater” im Berliner Zoo gehandelt, hieß Thomas Dörflein und strahlte eine unprätentiöse Sicherheit aus, in allem, was er tat. Sollte es noch Helden geben, war er einer. Ein Typ mit den besten Anteilen aus Vaterfigur, Abenteurer, Naturbursch, Freibeuter, Kumpel und der Zuverlässigkeit höchstselbst. Einer, der es, wenn’s denn so sein soll, hinnimmt, dauernd bei der Arbeit gefilmt zu werden, den man beobachten konnte, wie er mit seiner naturwüchsigen Holzfällerfigur ins kalte Eisbärenbecken kopfspringt, um seinem persönlichen Schützling, einem immerhin Eisbären, das Schwimmen beizubringen, der dafür angeblich waschkörbeweise Liebesbriefe, gar Heiratsanträge bekommt — wahrscheinlich von alleinerziehenden Müttern –, Berliner des Jahres und von der Leibovitz portraitiert wird und sich aufrichtig wundert, wenn er über sich lesen muss, das sich Wildheit und Zärtlichkeit in ihm paaren: “Ja, ist das so?“, was einem in einer wilden Ehe mit zwei erwachsenen und einem gerade mal schulpflichtigen Kind noch so widerfahren kann — so einen holt mit 44 Jahren der Herzkasper.

Thomas Dörflein hat mit 19 als Tierpfleger angefangen. Er konnte Nasenbären, Wölfe, Wind- und Hyänenhunde, Felsentiere, Menschenaffen und das Schlachthaus; den pflegerischen Erfolg mit Knut, dem er den Namen verpasste, weil er wie ein Knut aussah, betrachtete er als Höhepunkt seiner Laufbahn, auch wenn er unliebsame Ehrungen wie den “Bambi” für diese Leistung ausschlagen musste. Zum Einschlafen und zu ihrem einzigen gemeinsamen Weihnachten hat er Knut zur Gitarre am liebsten Devil in Disguise von Elvis vorgesungen.

Einer, der seinen Job tut und nicht weiter als Prominenz geführt werden will. Der Mann taugt zum Vorbild — gerade weil er gar keins sein wollte. Machen Sie’s gut, Herr Dörflein.

Bild: Eisbär Knut mit Pfleger Thomas Dörflein im Berliner Zoo am 31. Mai 2007: GNU;
Lied: Elvis Presley: Devil in Disguise, Aufnahme vom 26. Mai 1963. Alternate video take by Christina M., 6. Januar 2007.

Written by Wolf

24. September 2008 at 3:21 am

7 Responses

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  1. jetzt bin ich ganz gerührt. das ist mit abstand der schönste nachruf auf diesen menschen, den ich gelesen/gehört/gesehen habe.

    stilke

    24. September 2008 at 12:59 pm

  2. Ein treffender Nachruf.

    Berlins Zoodirektor Blaszkiewitz hat Dörflein einmal scherzhaft als “Gesamtkunstwerk” bezeichnet. Vermutlich in Bezug auf sein Äußeres.
    Ich sehe es nun als eine zutreffende Beschreibung von Dörfleins Lebenswerk.

    Bauz

    24. September 2008 at 2:27 pm

  3. Ein super Nachruf. Der Mann hat, scheint es, Courage! Solche Menschen braucht die Welt.

    ergoliner

    24. September 2008 at 4:44 pm

  4. Ein liebenswerter Nachruf, das Foto mit ihm und Knut hätten ihm bestimmt gefallen,danke!

    Birgit (die Dame vonne Insel)

    24. September 2008 at 6:16 pm

  5. Sehr schön.

    wortteufel

    24. September 2008 at 8:29 pm

  6. Ein wunderbarer Nachruf, der dem Ausnahmemenschen Thomas Dörflein gerecht wird. Danke!

    Lily

    24. September 2008 at 9:07 pm

  7. Ein toller Typ.
    Auf den mein Mann stellenweise eifersüchtig war.
    Von wegen nur alleinerziehende Mütter.
    Schnief.

    Vroni

    24. September 2008 at 10:32 pm


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